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Karriere

Webworker im Gespräch: Digitales Arbeiten, Fluch oder Segen?

    Webworker im Gespräch: Digitales Arbeiten, Fluch oder Segen?
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Mit der Kommerzialisierung des Internets haben sich auch Anforderungen und Tätigkeitsfelder vieler Berufsgruppen weiterentwickelt. Gerade Personen, die mit Wissen ihr Geld verdienen, können ihren Arbeitsalltag zu einem gehörigen Teil über das Internet organisieren. Das sorgt für viele Vorteile aber auch einige Nachteile. Wir haben mit drei Webworkern darüber gesprochen, wie sich sogenannte „digitale Arbeit“ auf ihr Leben auswirkt und welche Erfahrungen sie mit dezentraler und zeitunabhängiger Arbeit gemacht haben.

Digitales Arbeiten verändert den Job-Alltag für Wissensarbeiter

Digitales Arbeiten, man könnte es auch Arbeiten in der Cloud nennen, ist vielerorts für einen gehörigen Teil der Menschen zum Alltag geworden. Längst arbeitet man am Rechner, der Ort jedoch, an dem sich der Rechner befindet, ist keineswegs mehr der des Firmenbüros. Warum? Weil wir durch Smartphones, Tablets und Laptops imstande sind, von jedem beliebigen Ort der Welt zu arbeiten – vorausgesetzt wir haben einen Netzanschluss. Doch was bedeutet eigentlich: „Wir“? „Wir“, das sind vor allem die Wissensarbeiter, deren Berufe sich durch die Digitalisierung, einer immensen Wandlung unterzogen haben. Das Tagwerk eines sogenannten „Knowledge Workers“ besteht zu einem Großteil aus der Übertragung seiner Erfahrungen und Kompetenzen in verschiedene Projekte. Das sind Programmierer und Journalisten, genauso wie Manager, Architekten, Grafiker oder Anwälte. Kurzum all die, deren Lösung von Aufgaben nicht mehr an ein stationäres Gerät oder die Notwendigkeit des vor Ort seins geknüpft ist. Und es ist in diesem Rahmen sogar egal, ob Freiberufler oder Angestellter.

Digitales Arbeiten ermöglicht es orts- und nicht selten auch zeitunabhängig seinen Job zu erfüllen. (Bild: Feliciano Guimarães (Flickr CC BY 2.0)
Digitales Arbeiten ermöglicht es orts- und nicht selten auch zeitunabhängig seinen Job zu erfüllen. (Bild: Feliciano Guimarães (Flickr CC BY 2.0)

Digitales Arbeiten: Vor- und Nachteile vorhanden

So hört man nicht selten von Firmenkulturen auch und gerade in der jungen, frischen Startup-Szene, die fast schon revolutionär wirken. Hier geht der Trend zur flachen Hierarchie, zur Eigenverantwortung und zum dezentralen Arbeiten. Ob von zu Hause oder von unterwegs, einem Straßen-Café oder einer tropischen Karibik-Insel aus – einen Unterschied macht das selten. Die Vorteile liegen auf der Hand: zeitliche und vor allem räumliche Flexibilität. Beide Umstände sind im Kern klare Motivationsfaktoren. Zum einen weil gute Ideen nicht auf Knopfdruck am Schreibtisch entstehen, sondern oft in Situationen außerhalb herkömmlicher Bürozeiten: unter der Dusche, in der Bahn, beim Spazierengehen. Und zum anderen, weil digitales Arbeiten vom Grund auf sozialer ist. Gerade für Familien öffnen sich da neue Perspektiven. Privatleben findet nicht mehr nur dann statt, wenn die Bürozeiten es zulassen, sondern dann wenn einem danach ist. Damit wir uns hier nicht falsch verstehen, auch digitale Arbeit hängt oft an Deadlines. Wie die Zeiträume, in denen Projekte realisiert werden, jedoch ausgestaltet sind, entscheidet man häufig selber, respektive zusammen. Nichts ist in Stein gemeißelt.

Genau darin sehen Kritiker jedoch oft die größten Gefahren. Zu oft haben Auftraggeber und Auftragnehmer unterschiedliche Auffassungen, wann gearbeitet werden sollte. Für Freiberufler und Angestellte bedeutet dies zunehmend auch dauerhaft erreichbar zu sein. Kommt der Kunde oder der Chef mit einem Wunsch oder Einwand um die Ecke, gilt es sofort zu reagieren. So kann sich zwischen dem geplanten Nachmittag mit der Familie eben auch mal eine Telefonkonferenz einschleichen. Gefasst muss man darauf sein, für viele bedeutet das innerliche Unruhe. Die Folgen manifestieren sich laut Kritiker in Burn-out-Erscheinungen. Unlängst reagieren Unternehmen wie VW darauf, indem sie beispielsweise ihre Handy-Server abends abschalten und so versuchen, zumindest das Gefühl der dauerhaften Erreichbarkeit zu ersticken.

Digitales Arbeiten ist, was du draus machst

Doch wo liegt jetzt das höhere Maß an Freiheit? Darin fremdbestimmt in einem 9-to-5-Job von montags bis freitags zu arbeiten und sich nur am Wochenende oder an Urlaubstagen privaten Dingen zu widmen? Oder darin Arbeits- und Freizeiten selber zu definieren und mit zwischenzeitlichen Störungen umgehen zu lernen? Und welches dieser beiden Modelle ist in Hinblick auf die getane Arbeit eigentliche das Effektivere? Klare Antworten sind so einfach nicht zu treffen und im Grunde per se höchst subjektiv. Jeder muss das wohl für sich selbst entscheiden. Wir haben allerdings einmal bei drei Webworkern – Arbeitgeber, Freiberuflerin und Angestellter – nachgefragt.

Aydogan Ali Schosswald

(Gründer & Veranstalter hy! Berlin, Mitgründer Berlin42)

Digitale Arbeit - Aydo Schosswald
Aydogan Ali Schosswald: „Dezentrales Arbeiten ist für uns absolut unerlässlich.“

Dezentrales Arbeiten ist für uns absolut unerlässlich, aber auch eine ungemeine Herausforderung. Die perfekte Formel scheint noch niemand gefunden zu haben und das Thema ist ja selbst bei den Tech-Giganten, die es eigentlich beherrschen sollten, ein Dauerbrenner. Klar ist es stressig nachts noch zu skypen und teils längere Wege gehen zu müssen. Was mich aber am meisten umtreibt ist der kulturelle Aspekt beim ortsungebundenen Arbeiten. Ein reibungsloser Informationsaustausch zwischen allen Mitarbeitern lässt sich mit Hilfe verschiedener Tools, von IM bis zum guten alten Telefon ja noch herstellen. Ein Team kulturell aber zu einer kreativen Einheit zu entwickeln, ist meiner Meinung nach mit einem verstreuten Team eine echte Mammutaufgabe. Wie schaffe ich es, dass mein Mitarbeiter in San Francisco und mein Mitarbeiter in London gemeinsam kreativ werden, trotz Zeitverschiebung, etwaiger Müdigkeit beim einen oder anderen und ohne Whiteboards. Wir helfen uns mit Google Docs und anderen Tools, die simultanes Arbeiten erlauben und so zumindest einen gemeinsamen virtuellen Raum schaffen. Am Ende des Tages steht für mich aber fest, dass ich mein Team regelmäßig an einem Ort zusammenbringen muss, um eine kohärente Teamkultur aufzubauen - anders geht's nicht. Für Start-ups ist das zum Glück noch machbar, aber ich will nicht in den Schuhen eines riesigen Konzerns stecken.

Aydogan Ali Schosswald (@schosswald) ist Gründer und Organisator der Veranstaltungsserie hy! Berlin, in dessen Rahmen sich Start-ups mit etablierten Unternehmern zusammenfinden. Als Mitgründer der Venture Firm Berlin42 hat er das britische online Magazin The Kernel akquiriert, das er derzeit auf den Relaunch vorbereitet. Er ist außerdem Investor und Mentor für die Berliner Start-ups Toywheel und Clue App, das schwedische Start-up Omnicloud, sowie Venture Partner bei hub:raum, dem Inkubator der deutschen Telekom.

Inken Meyer

(Freiberufliche Artdirektorin und Projektmanagerin)

Digitale Arbeit - Inken Meyer
Inken Meyer: „Ich genieße meine Freiheit.“

Als Freiberuflerin springe ich zwischen vielen Kunden, Aufträgen und Teams hin und her, selbst was ich tue, ist sehr unterschiedlich. Mal organisiere ich Events, schreibe Artikel, moderiere oder halte Vorträge oder entwerfe als Grafikerin Logos, Designs und Konzepte. Mein Wunsch ist es immer mehr weg vom Rechner und immer mehr mit Menschen zu arbeiten. Sind die Zuständigkeiten geklärt und hat man motivierte Leute an seiner Seite, macht es nämlich vor allem eins: Spaß! Einige meiner Teams nutzen Co-Working-Areas, hier kann man direkt vor Ort Dinge besprechen und dann wieder ins eigenverantwortliche Arbeiten gehen. Mal bin ich also im Home-Office, mal im betahaus Hamburg oder ich treffe mich mit Teams oder Kunden an anderen Orten. In der Regel habe ich meinen Laptop dabei und kann jederzeit mit WLAN loslegen. Ich habe aber auch viele Projekte, bei denen ich meinen Laptop kaum brauche, da viele Dinge in Trello, Dropbox, Drive oder anderen Tools abrufbar sind. Auch in Sachen Erreichbarkeit bin ich flexibel, will aber auch gar nicht immer erreichbar sein. Manchmal gehe ich beispielsweise bewusst nicht ans Telefon, wenn ich mir selbst gerade „frei“ gegeben habe. Tatsächlich geht es bei meinen Jobs selten um Leben und Tod - und so hilft einem eine gute Planung von Anfang an, innerhalb der Deadlines zu bleiben, ohne dass der Abend drauf geht. Ich genieße meine Freiheit. Ich kann auf meinen Körper hören und der einzige Mensch, der mir meine Work-Life-Balance vorschreiben kann, bin sowieso ich selbst. Es ist eine Herausforderung rauszufinden, wann man sich selbst überbelastet. Ich übe dies aber täglich und werde darin immer besser. Ob zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten also ein Fluch oder ein Segen ist, liegt im Grunde an einem selbst.

Inken Meyer (@meyola) ist als freiberufliche Artdirektorin und als enthusiastische Existenzgründerin selbst zur Startup-Expertin geworden. Sie coacht und berät in den Bereichen Marketing und Social Media. Sie ist Mitgründerin der Digital Media Women, einem Netzwerk, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen aus den Bereichen Web und Medien im Netz sichtbarer zu machen. Sie ist Organisatorin des Lunch Beat Hamburg und der Social Media Week Hamburg.

Tobias Schwarz

(Projektleiter Netzpiloten.de)

Digitales Arbeiten - Tobias Schwarz
Tobias Schwarz: „Die Flexibilität sollte nicht zum Fluch werden.“

Ortsunabhängiges Arbeiten ist eine Entwicklung wie jede andere Veränderung auch. Sie lässt sich positiv gestalten, was viele Vorteile bringt, wie beispielsweise mehr Flexibilität, die Verbindung von Arbeit und Vergnügen und die Zeitersparnis von An- und Abfahrt. Wird sie nicht im positiven Sinne gestaltet, treten jedoch auch Nachteile zum Vorschein, wie Disziplinlosigkeit, Orientierungslosigkeit und schlechte Arbeit. Ob also ortsunabhängige Arbeit ein Fluch oder ein Segen ist, hängt von der persönlichen Einstellung, dem Umfeld und dem Arbeitsverhältnis ab. Die Kontrolle zu besitzen und eine gewisse Kompetenz an den Tag zu legen, zeigt sich schon an der Erreichbarkeit und dem Umgang mit den verschiedenen Kommunikationsmitteln, die einem das ortsunabhängige Arbeiten erleichtern können. Egal von wo zu arbeiten heißt nicht, dass dies zu jeder Uhrzeit sein muss. Im Home Office oder dem eigenen Lieblingsplatz, sollte beispielsweise genauso wie im Büro die Regel gelten: Keine Mails nach Fünf! Meine Erfahrung ist die, dass vor dem nächsten Morgen sowieso niemand mehr die abgesetzte Mail liest – also lieber am Morgen der erste Eintrag im Postfach von jemanden sein, als die letzte ungelesene Mail ganz unten. Dies bedeutet natürlich nicht, dass man nach 17 Uhr nicht mehr arbeitet, aber die Flexibilität sollte eben nicht zum Fluch werden. Arbeiten tue ich vor allem gerne abends, denn es ist an sich egal, wann ich eine Aufgabe erledige, solange sie zum abgemachten Zeitpunkt fertig ist. Die Ruhe zwischen 17 Uhr Abends und 9 Uhr morgens gibt einem die Zeit für Reflexion und Korrekturen. Ich persönlich mag es übrigens auch nicht ein festes Büro mit festen Arbeitszeiten zu haben. In Berlin gefallen mir die Co-Working-Spaces sehr, zu denen ich 24 Stunden am Tag Zugang habe. Hier kann ich selber bestimmen wann ich arbeite und so kann ich mich zum einen an meinem Privatleben orientieren, wann ich etwas mache, aber auch nach meinem momentanen Zustand.

Tobias Schwarz (@isarmatrose) schreibt seit Oktober 2012 für die Netzpiloten. Zuerst als freier Blogger und seit März 2013 als festangestellter Projektleiter für das Online-Magazin. Neben den Netzpiloten betreibt er auch Isarmatrose.com und hat zudem bei den Online-Medien Politik-Digital.deCarta.info und Netzpolitik.org veröffentlicht.

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5 Reaktionen
Nico W
Nico W

Es ist ein Segen, dass man im Notfall von überall aus etwas schnell erledigen kann, aber durchaus ein Fluch, wenn dies zur Selbstverständlichkeit wird. Die Grenze ist hier sehr schmal …

Jeder sollte seine Prinzipien bewahren und auch standhaft bleiben, wenn es ihm zu viel wird. Manchmal kann man es machen, aber nicht zu oft! Gönnt euch auch mal die Ruhe, die euch allen zusteht. ;-)

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matts
matts

Nun,Larissa Meyer meinte,Mitarbeiter müssten sich vor Ort austauschen.Um dann so etwas beeindruckendes wie eine Wetterapp zu erstellen.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Aktionaere-grillen-Yahoo-Chefin-Google-ist-Lichtjahre-voraus-1896779.html

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Henk

Ich arbeite als Java Developer öfter auch mal auf Reisen. Alles Digital über WLan. So kann ich auch abseits des Urlaubs mal was anderes sehen. Dabei muss man bei so einem Job aufpassen, dass man sich nicht zu sehr von den angenehmen Seiten des Lebens ablenken lässt. Bei der Arbeit im Ausland ist Konzentration gefragt. Digitales arbeiten is definitiv ein Segen, so lange man sich nicht ablenken lässt!

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Tom-Werner Schmidt
Tom-Werner Schmidt

Sehr guter Artikel – da erkenne ich mich wirklich wieder. :-)

Und dann sollte man sich für die Kommunikation einmal dozeo.com anschauen – wer schon immer Angst davor hatte, die »Freundesliste« seines Skype-Accounts mit Geschäftspartnern und/oder seinen Vorgesetzten zu füllen, dem sei gesagt, dass es auch anders geht, um online mit Bild und Ton Sachen zu besprechen, Verhandlungen zu führen oder Hilfestellung beim Kunden zu leisten.

Ich arbeite selbst zum größten Teil remote und flexibel und ohne dozeo ginge das nicht mehr.

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jls

Letztendlich wird auch bei uns erwartet immer und überall erreichbar zu sein. Das Blackberry geht automatisch an, sobald der Zug losfährt und um 21 Uhr aus. Am Wochenende von 12-18 Uhr, doch ertappt man sich immer wieder dabei, trotzdem E-Mails am Computer abzurufen. Es ist also eine Einstellungssache, ich habe im Büro Kernzeiten, genieße es aber, keine Zeitkarte mitführen zu müssen, wie es bei der Bank üblich war.

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