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Analyse

Digitales Zeitalter: So verschieben sich jetzt die Machtverhältnisse

    Digitales Zeitalter: So verschieben sich jetzt die Machtverhältnisse
(Foto: Shutterstock.com)

Digitales Zeitalter trifft auf Machtverhältnisse: „Wir können zwar effizient, aber nicht innovativ“, so die Bestandsaufnahme, wenn es um die Innovationsfähigkeit deutscher Großunternehmen geht.

Kaum ein Thema wird aktuell so intensiv diskutiert, wie die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen im Zeitalter von Digitalisierung, exponentiellen Wachstumskurven und Plattformökonomie. Es scheint so, als würden uns Nationen wie die USA, aber insbesondere auch China überholen, wenn es um die Entwicklung neuer (digitaler) Geschäftsmodelle geht, die sich global skalieren lassen und über Netzeffekte in kürzester Zeit unglaubliche Wachstumszahlen und Bewertungen für Unternehmen erzeugen. Während sich zum Beispiel China von seinem „Copy-and-Paste“-Klischee mehr und mehr befreit und mit Firmen wie Baidu, Tencent oder Alibaba digitale Powerhäuser mit enormer Innovationsgeschwindigkeit erzeugt, ist Deutschland vielerorts das „Unternehmer Gen“ abhanden gekommen, was die Gründer von Firmen wie Bosch oder Siemens noch zu Weltruhm brachte. Dies auch die Motivation für mich, mich vor etwas mehr als zwei Jahren intensiver mit dem Thema „Innovationskultur deutscher Konzerne“ zu beschäftigen.

So wurde aus der Diskussion mit dem COO Bereich eines großen Telko-Unternehmens die Idee geboren, gemeinsam mit der TU München eine Studie durchzuführen, in der Herausforderungen und Lösungsansätze für eine Innovationskultur in großen Unternehmen in Deutschland beleuchtet werden (siehe weiterführende Literatur). Nachfolgend habe ich versucht, die wesentlichen Erkenntnisse der Studie, angereichert um weitere Umsetzungserfahrungen sowie unter anderem auch meinem Austausch mit Innovatoren aus den USA und China thesenartig zusammenzufassen und aktuelle Entwicklungen (wie zum Beispiel die zahllose Gründung von Digital Labs) aufzugreifen. Das Ganze ohne Anspruch auf Vollständigkeit sondern gedacht als Impuls zu einer weiterführenden Diskussion.

Streben nach Perfektion, Selbstgefälligkeit und den Fluch des Erfolges

„Whom the god wish to destroy they send 40 years of success“, dieses Zitat von Aristoteles bringt gut die Situation auf den Punkt, in der sich viele Unternehmen aktuell befinden und was von Clayton Christensen im „Innovators-Dilemma“ sehr ausführlich beschrieben wurde. Gerne verschließt man die Augen davor, dass die Erfolgsrezepte der Vergangenheit nicht mehr die der Zukunft sind. Dies ist zwar keine wirklich neue Erkenntnis, allerdings nimmt die Veränderungsrate zu rapide zu, dass das langfristig angelegte Transformationsprogramme oder das Schneckentempo, in dem man sich in der Vergangenheit angepasst hat, nicht mehr ausreichen um mitzuhalten. Ausdruck davon ist unter anderem auch die (Über-)Lebensdauer von Unternehmen. War diese für die S&P 50 Unternehmen vor 50 Jahren noch 40 Jahre, so ist diese durchschnittliche Überlebensdauer heute auf zwölf Jahre gesunken. Parallel dazu hatte man sich in der Vergangenheit strukturell darauf eingestellt, das bestehende Produktportfolio konsequent weiter zu entwickeln und häufig internationale Qualitätsführerschaft anzustreben. Nicht ohne Grund wurde das Label „Made in Germany“ lange Zeit als die Qualitätsauszeichnung überhaupt hochgehalten. Und für viele Deutsche Unternehmenslenker steht „das Streben nach Perfektion“ vielfach noch immer an erster Stelle – und dies definitiv vor: Risikobereitschaft, Mut und nicht zuletzt Umsetzungsorientierung.

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Ansatzpunkte für die Etablierung einer Innovationskultur

Alles klassische Charakteristika von Unternehmertypen. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die Besetzung gerade deutscher Konzernvorstände und die mangelnde Diversität und fehlende „Gründungserfahrung“ eingehen – dazu gibt es ja bereits ausreichend Presse. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Sozialisierung der deutschen Führungsmannschaft in der Vergangenheit vielerorts mehr über formale Prozesse, Business-Cases, umfassendes Controlling und Reporting sowie das immer stärkere rausschwitzen von Redundanzen und möglichen „Effizienzkillern“ erfolgt ist, als über unternehmerisches Handeln.

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9 Reaktionen
Marc Wagner
Marc Wagner

Lieber Herr Klotz,

guter Punkt - darauf zielt ja genau mein Robert Bosch Vergleich ab. Wir haben bei uns erstaunliche Unternehmertypen hervorgebracht und daraus Unternehmen, die über Jahrzehnte erfolgreich sind bzw waren. Darauf gilt es sich zurück zu besinnen. Und das erfordert einfach mehr Mut und Risikobereitschaft sowie langfristiges Denken und eben nicht ohne Ende Risiko-Abwehrprozesse, Formalien und Manager, die auf einen kurzfristig hohen Aktienkurs schielen und die im Zweifelsfall das Unternehmen wechseln, um noch mehr kurzfristiges Geld zu machen. Ich will hier gar nicht die Leader vs. Manager Debatte aufmachen - aber wir haben über die letzten Jahrzehnte zu Managern ausgebildet und nicht zu Leadern. Auch das gilt es zu ändern ... also durchaus eine Chance zur Rückbesinnung. Und die von Ihnen genannten B2B und Health-Beispiele sind mir sehr gut bekannt und hier spielt gerade der Mittelstand eine entscheidende Rolle - wird aber immer stärker Target von - sorry schon wieder - chinesischen Investoren . Viele Grüße aus (aktuell) Shanghai, Marc Wagner

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Peter
Peter

Ich wusste gar nicht, dass Aristoteles englisch gesprochen hat.

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Peter
Peter

Wenn die Politik eine unternehmerfreudlichere und breite Startupkultur schaffen würde, sähe es hier wohlmöglich anders aus. Das hängt aber auch mit dem deutschen Mindset zusammen, bei dem ein Scheitern einem Weltuntergang und einer soziale Ächtung gleichkommt…

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Marc Wagner
Marc Wagner

Hallo Peter, absolut. De-facto eines der Kernprobleme, die auch unsere Studie zu Innovationskultur bestätigt hat. Und da hilft es definitiv nicht, den Innovationsprozess in Labs oder an andere Einheiten zu verlagern und in Rest der Firma So weiter zu machen wie bisher.

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Sven
Sven

Von "Rulebreakern" in der Automobilindustrie bis zur konsequenten Risikovermeidung

Wie sehr die Unternehmen in Deutschland sich haben von Effizienz treiben lassen, sehen wir gerade in der Automobilbranche. Zugunsten von kurzfristigen Gewinnen und Allmachtsphantasien wurde der langfristige Erfolg auf das Spiel gesetzt... da sitzen echte "Rulebreaker" an den Konzernspitzen.

Nur leider sehe ich immer häufiger, wie innovative Mitarbeiter in Unternehmen ausgebremst werden, zugunsten von Positionskämpfen. Für diese "lebenserhaltenden" Maßnahmen von aktuellen Führungskräften wird Deutschland langfristig nicht profitieren können... denn zumeist verlängern Sie nur die Lebensdauer. An eine Heilung ist nicht zu denken.

Es gibt wenige Länder auf dieser Welt, die so sehr vom Export abhängig sind, wie Deutschland. Von daher ist es essentiell für uns, neue Produkte und Dienstleistungen zu kreieren, die langfristig auf dem Markt bestehen können. Davon sind wir alle abhängig... Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es in einigen Ländern dieser Welt deutlich einfacher ist, tatsächlich etwas zu bewegen. In Deutschland werden Regeln und Regulatorien um sich geworfen, ohne die Systemrelevanz zu hinterfragen.

...und um auf den vorherigen Beitrag einzugehen. Die meisten der genannten Ländern sich nicht abhängig von allzu vielen Innovationen und dem Export dieser Güter und Dienstleistungen. Russland verkauft Energie, Spanien und Frankreich leben auch von vielen Touristen, Australien kann sich selbst gut versorgen etc. Mit Risikovermeidung werden wir unseren Lebensstandard langfristig nicht bewahren können...

Aber wem sage ich das. Die Menschen, die den Artikel lesen wissen das längst und die anderen, tja, die sitzen hinter Ihren KPI's...

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Klotz
Klotz

Deutschland exportiert nach wie vor im großen Stil im industriellen Sektor. Zudem kamen (auch zuletzt) wahrhaft genug Innovationen aus Deutschland. Hier mal ein paar ;) https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/leadership/gallery12202607/50-Erfindungen-die-die-Welt-veraenderten.html

Hinsichtlich digitaler bzw. Software Lösungen wären SAP oder lovoo zu nennen.

Aber is klar, Deutschland wird untergehen ;)

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Klotz
Klotz

Ich kann es nicht mehr hören/lesen. Welche Innovationen kommen denn aus Frankreich, UK, Norwegen, Spanien, Russland, Südamerika, Australien etc etc.

China und USA gehören neben Indien zählen hinsichtlich Einwohnerzahl zu den 3 größten Ländern der Erde. Deutschland liegt hier auf Platz 18. Diese Relation wird einfach zu gern ausgeblendet, ist hier aber EIN entscheidender Faktor.

Bitte nicht alles so aufbauschen ;)

Danke, euer Klotz

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Marc Wagner
Marc Wagner

Hallo Klotz, vielen Dank für das Feedback. Das Thema 'Grösse' mag ein Thema sein, aber lenkt aus meiner Sicht vom eigentlichen Problem ab. Nämlich das wir gerade in deutschen Konzernen die Fähigkeit verloren haben (bzw. uns schwer damit tun) bestehende Geschäftsmodelle radikal zu hinterfragen und wirklich disruptive Innovationen hervorzubringen. Der Fokus lag hier die letzten Jahrzehnte zu stark auf Effizienzstreben und kurzfristiger Kapitalmarktorientierung. Das wir - um auf Ihren anderen Kommentar einzugehen - in der Vergangenheit bahnbrechende Erfindungen hervorgebracht haben. Ohne Zweifel. Doch der von Ihnen geteilte Link zeigt für das Computer & Internetzeitalter gerade mal das C-Leg und die TWIN Aufzüge. Mit digitalem Zeitalter hat das nur beschränkt zu tun. Beim Thema Plattformen dominieren mit Apple, Amazon, Facebook, Alibaba und Tencent klar die Amerikaner und Chinesen. Die 5 wertvollsten Marken gehen vollständig an die USA. Bei der Anzahl an KI / AI Firmen ist Deutschland immerhin auf Platz 7. und hier taucht dann tatsächlich das von Ihnen aufgeführte GB auf Platz 3 auf (hinter China und den USA). Die anderen von Ihnen aufgeführten Länder kann ich hier leider kaum erkennen. Nicht das Sie mich falsch verstehen - wir haben ein großes Potenzial in Deutschland und es wäre klasse, wenn wir wieder an den Erfolgen und dem Unternehmergeist z.B. eines Robert Bosch anknüpfen könnten. Da zählten Mut, Risikobereitschaft, Lust auf das Neue und Umsetzungsorientierung eine entscheidende Rolle (und diese Eigenschaften beobachte ich gerade extrem stark ausgeprägte i Unternehmern in China). Eigenschaften, die uns in vielen Organisationen aufgrund Regelungswahn, Prozessverliebtheit und Absicherungsmentalität abhanden gekommen scheinen. Mein Beitrag soll hier Mut machen und Wege aufzeigen, dies zu ändern. Und dabei - sorry to say - müssen wir uns auch dem Vergleich mit China und den USA stellen. Denn mit Sicherheit ”kein alter Hut". Und - ja. SAP ist ein deutsches Erfolgsmodell im digitalen Zeitalter, von dem wir auch in Richtung Innovationskultur eine Menge lernen können. Let's do it! Viele Grüße, Marc

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Klotz
Klotz

Hallo Herr Wagner,

Ihrer Grundaussage des fehlenden Mutes in Führungsetagen stimme ich uneingeschränkt zu. Allerdings sollte man sich dabei frei von Vergleichen mit Nationen wie USA und China machen und sich eher auf eigene Stärken besinnen. Und die liegen eben halt nicht in "sexy" Konzepten wie Alibaba oder facebook sondern in "langweiligen" digitalen B2B Lösungen oder auch in digitalen Verbesserungen im medizinischen Bereich. Und hier hat - neben den von mir bereits erwähnten SAP - Deutschland einiges anzubieten. Recherchieren Sie mal, ich denke Sie wären überrascht ;)

VG Klotzi Klotz

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