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„Ersetzt ‚Digitalisierung‘ durch ‚Gulaschsuppe‘“: Kathrin Passig über einen problematischen Begriff

„Ersetzt ‚Digitalisierung‘ durch ‚Gulaschsuppe‘“: Kathrin Passig über einen problematischen Begriff

Die Digitalisierung ist zugleich Oberthema und Daseinsberechtigung für Veranstaltungen wie die . Dabei, sagt Schriftstellerin Kathrin Passig, gibt es „die“ Digitalisierung gar nicht. Warum wir mit dem Begriff vorsichtiger sein sollten.

„Ersetzt ‚Digitalisierung‘ durch ‚Gulaschsuppe‘“: Kathrin Passig über einen problematischen Begriff

Gulaschsuppe. (Foto: Stefan Muth / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Digitalisierung, digitale Transformation, digitaler Wandel, d!conomy: Es gibt viele solcher Schlagworte, die im Umfeld von Veranstaltungen wie der CeBIT kreisen und groß und grell von Postern und Bannern auf die Besucher herab leuchten. Und doch versteht irgendwie jeder etwas anderes unter dieser Digitalisierung: eine Chance, eine Herausforderung, manchmal sogar eine Bedrohung. Und wirklich konkret wird es eigentlich nie.

Diese Gemengelage hat die Journalistin und Schriftstellerin Kathrin Passig zum Anlass genommen, den Begriff „Digitalisierung“ zu hinterfragen, der sich seit ungefähr 2010 wieder zunehmender Beliebtheit erfreut und der das Bild einer bis jetzt weitgehend analog organisierten Unternehmenslandschaft zeichnet, die plötzlich von einer Modernisierungswelle überrollt wird.

„Digitalisiert wird seit Jahrhunderten“

Aber so einfach, das wird während Passigs Vortrag bei den CeBIT Global Conferences schnell deutlich, ist das Ganze nicht. Denn digitalisiert wird bei Weitem nicht erst seit ein paar Jahren: Die Digitalisierung des deutschlandweiten Telefonnetzes beispielsweise war schon 1997 abgeschlossen. Die Zeitungsbranche, die ja aktuell wieder mit den „Herausforderungen der Digitalisierung“ zu kämpfen hat, ist schon in den 1970er Jahren für „digitalisiert“ erklärt worden: im Zusammenhang mit der Einführung von Lichtsatz, Bildschirmterminals und der Speicherung von Daten auf Magnetbändern. Und der digitale Webstuhl, der über Lochkarten gesteuert wurde, ist schon Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt worden (im Video ab Minute 1:00).

„Das Digitale“ ist also keine Erfindung der Moderne, sondern reicht viel weiter zurück. Der Begriff „Digitalisierung“ dagegen bezeichnete im Deutschen bis vor ein paar Jahren den konkreten, technischen Prozess, etwas Analoges in etwas Digitales zu überführen – beispielsweise die Digitalisierung eines Buches oder eines Dokuments durch Einscannen. Heute ist allerdings oft eine übergeordnete Entwicklung gemeint, wenn von Digitalisierung gesprochen wird, sagt Passig. Das stört sie, denn so werde suggeriert, dass alles, was vor den auf wie der CeBIT thematisierten Prozessen stattgefunden hat, analog gewesen sei. Und das wiederum werde weder dem Begriff selbst noch der historischen Entwicklung gerecht.

„Die Heraufkunft der Elektronenautomaten“

Passig vermutet, dass der Begriff Digitalisierung seit 2010 verstärkt auftaucht, schlicht weil uns die Alternativen ausgegangen sind. In vergangenen Jahrzehnten war etwa von der elektronischen Revolution, der Computerrevolution, Computerisierung, Automation oder Medienrevolution die Rede – in den 1950er Jahren sprach der SPIEGEL von der „Heraufkunft der Elektronenautomaten“.

Neben dem Begriff der Digitalisierung hat so auch der Begriff der Vernetzung, der vielleicht sogar noch diffuser ist, eine steile Karriere hingelegt. Die folgende Grafik veranschaulicht unsere Suche nach einem passenden „Label“ für das, was wir beschreiben wollen, sehr gut:

„Warum es die Digitalisierung nicht gibt“: Visualisierung aus dem Google Books Ngram Viewer.
„Warum es die Digitalisierung nicht gibt“: Visualisierung aus dem Google Books Ngram Viewer.

Was ist digital, was ist analog? Kathrin Passig auf der CeBIT 2016

Um uns präziser auszudrücken, müssen wir vor allem sauber zwischen „analog“ und „digital“ differenzieren können. Während ein analoges Signal den „zeitlich kontinuierlichen Verlauf einer physikalischen Größe“ beschreibt (Wikipedia), ist der Wert eines digitalen Signals nur zu bestimmten periodischen Zeitpunkten definiert. Vereinfacht ausgedrückt wird beim Digitalen nicht kontinuierlich „mitgeschnitten“, sondern die Abfrage der Werte erfolgt in bestimmten zeitlichen Schritten.

Passig verdeutlicht das am Beispiel einer Uhr: eine typische „analoge“ Uhr, wie wir sie zum Beispiel am Bahnsteig vorfinden, stellt den zeitlichen Verlauf in bestimmten Abständen, den Sekundenschritten, dar und könnte daher streng genommen auch als Digitaluhr bezeichnet werden. Wirklich analog dagegen ist beispielsweise die Sonnenuhr, bei der der Zeiger sich im Zeitverlauf kontinuierlich weiter bewegt. Schwieriger wird es beim Kunstprojekt „Standard Time“, das die Zeit mithilfe einer von Menschen gebauten und ständig angepassten Holzkonstruktion anzeigt.

Die graue Kurve steht für das analoge, die roten Linien für das digitale Signal. (Grafik: Wikimedia Commons)
Die graue Kurve steht für das analoge, die roten Linien für das digitale Signal. (Grafik: Wikimedia Commons)

„Digitalisierung“: Das Kind beim Namen zu nennen wäre oft zu peinlich

„Bisher hat unsere Personalabteilung zwei Rechner ohne Internetzugang. Das wollen wir ändern.“

Kathrin Passig vermutet, dass Leute immer dann „Digitalisierung“ sagen, wenn sie einen relativ einfachen Sachverhalt kaschieren wollen, der sich nicht besonders klug oder fortschrittlich anhört, etwa: „Bisher hat unsere Personal-abteilung zwei Rechner, keinen davon mit Internetzugang. Das wollen wir ändern.“ Sie empfiehlt daher, immer dann, wenn das Wort „Digitalisierung“ fällt, nachzuhaken und dem konkreten Sachverhalt, um den es geht, nachzuspüren. Nur dann könne ein wirklicher inhaltlicher Austausch stattfinden. Um uns daran zu erinnern, dass der Begriff „Digitalisierung“ an sich nicht wirklich für etwas steht, könnten wir ihn beispielsweise auch durch „Gulaschsuppe“ ersetzen. Das erinnere uns wenigstens daran, dass hier konkretes Nachhaken erforderlich sei.

Gulaschsuppe statt Digitalisierung: Bei manchen Begriffen ist es besonders notwendig, nachzufragen. (Foto: t3n)
Gulaschsuppe statt Digitalisierung: Bei manchen Begriffen ist es besonders notwendig, nachzufragen. (Foto: t3n)

Für alle, die sich auch ein wenig vor dem Schreckgespenst Digitalisierung fürchten, das allgegenwärtig scheint und immerzu nach Antworten und Lösungen verlangt, hat der Vortrag von Kathrin Passig außerdem etwas Tröstliches. Denn auch wenn jetzt niemand die Füße hochlegen und in Passivität verfallen sollte: „Die Digitalisierung“ ist nicht unbedingt neuer, schwieriger oder bedrohlicher, als sie es vor zehn, zwanzig oder hundert Jahren war. Letzten Endes geht es auch heute um konkrete Verbesserungsmaßnahmen, die Unternehmen identifizieren und umsetzen müssen, wenn sie auch in Zukunft noch eine Rolle spielen wollen. Und wenn man es so formuliert, klingt das doch irgendwie machbar.

Wer sich noch eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte den Artikel „Schlamm und Brei und Bits. Warum es die Digitalisierung nicht gibt“ [PDF] von Kathrin Passig und Aleks Scholz lesen.

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10 Antworten
  1. von grep am 18.03.2016 (18:12 Uhr)

    Hallo ...,


    die (Werbe-)Industrie erschafft ständig (irreführende) Kunstbegriffe resp. deutet Worte / Phrasen um; z. B. 'plubic viewing' bedeutet im amerikanischen vielmehr 'Leichenschau'.
    Und 'body bag' ist keine Bauchtasche sondern ein Leichensack.

    Den Talkmaster (wörtl. Sprechmeister) gibt's garnicht, gemeint ist der 'host' (Gastgeber / Moderator), das englische Wort 'handy' gibt's nicht als Substantiv - es bedeutet in etwa 'handlich' resp. 'praktisch', etc.; gemeint ist (von den Deutschen) 'cellphone', 'mobile', usw. (für Mobiltelefon).

    SMS steht im Übrigen für 'short message service', also Kurznachrichtendienst ..., wenn man jemandem eine SMS schickt dann versendet man ergo wörtl. den gleich den gesamten Kurznachrichtendienst.

    Wenn etwas falsch ist aber von der Majorität als richtig empfunden wird ... dann ist es leider irgendwann gewissermaßen richtig obschon eigentlich falsch.
    Viele denken nicht nach ... sie machen nur alles nach ... leider.


    Ciao, Sascha.

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    • von Frank am 22.03.2016 (19:39 Uhr)

      Danke - aber es ist mit dieser peinlichen 'Denglifizierung' noch schlimmer...und ausgerechnet die 'Rechtschreibreform' hat es legitimiert!
      Beispiele: Handys als Plural - oh' Graus! Gehen wir nun also auf Partys (statt Parties, pl.), gebären Ladies - pardon 'Ladys' nun Babys statt Babies?
      Hoffentlich nicht! Denn besonders absurd wird es dann bei Dysfunktionalitäten, deren Suffixe auch das Englische durchaus kennt...:-)

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  2. von Wir warten aufs Apple-Event am 18.03.2016 (20:55 Uhr)

    Wo schon Tippfehler nicht korrigiert werden ist das relativ irrelevant.
    BadWordListen sollte jedes Redaktions-System haben:
    "Das Handy hat 3 GigaByte Speicher und 16 Gigabyte Speicher".
    Mail => EMail ? Post-Brief ?
    Ertrag/Erlös => Gewinn, Umsatz
    Speicher => Flash ? RAM ?
    Gute Redaktions-Systeme helfen dem Redakteur dabei. Schaut Computer-Bild. Dort findet das ja wohl auch statt. Da gibts das Wort "Update" wohl nicht sondern "Verbesserungs-Programm". Das mag man als echter ITler befremdlich finden, aber dort funktioniert klare Sprache besser als bei den meisten Handy-Vorstellungen.
    Kein Redakteur wird gehindert, online bessere Artikel abzuliefern als die Konkurrenz. Im Platzbegrenzten Print (wie Burger-Boxen im Fast-Food) ist das was anderes. Aber online kann man seine wahren Skills im Text beweisen.

    Bei ERP gibts auch ERP1-5 oder so und davor gabs PPS usw.
    Der Unterschied zu früher ist vermutlich, das die Firmwares und CPUs das machen statt statischer und ATM-Switch/Router bzw. Kästchen ohne Update-Fähigkeit weil inzwischen flexiblere CPUs überall verbaut werden und man auch als Kunde oder Industrie-Fabrik andere Programmierungen etablieren könnte, wenn Software nicht so teuer wäre und Firmen das Geld mit Investoren, Geldgebern, Juristen, BWLern usw. teilen müssten statt nur die Programmierer zu zahlen. Im Handwerk bezahlt man auch kaum Verwaltungs-Overhead und BWLer-Boni-Hierarchien.

    Weil überall CPUs und Software sind und die auch noch vernetzt, muss schnellere Updates und Modulares Design normal werden. Die kleinen Firmen können das nicht. Schon bei Solarzellen gabs das Problem das die Lieferanten beendet wurden oder die Produkte nicht weiterentwickelt (Aufkauf durch Google) und die Versicherungen die Einnahmen garantieren und 20 jahre alte Solarzellen-Steuergeräte warten/ersetzen müssen wie es bei Autos ganz üblich ist. Für uralte Trecker gibts eine Firma welche alle Baupläne gekauft hat und Ersatzteile produziert für alte DDR/Russland/China-Trecker was billiger ist, als teuer einen neuen Trecker zu kaufen. Meine Forderung, alle Baupläne aller Abschreibungs-Objekte bei Notaren zu hinterlegen hingegen wurde als irrelevant abgetan. Also haben Versicherungen vermeidbar hohe Kosten wegen z.B. Solar-Zellen-Steuer-Geräten und bald Industrie-Steuer-Anlagen und allen anderen möglichen Sachen wo Software drin ist, die man nur in fair-Use-Gebieten updaten und Verbessern darf und woanders wegen DMCA oder Abmahnungen verboten wird. Man soll also alle 3 Jahre einen SmarTV neu kaufen weil die Software nicht geupdated wird und das Gerät unsicher ist ? Stagefright usw. betrifft immer noch Zillionen Geräte aber Android und Google freuen sich ?

    Firmen zahlen ständig drauf und Software Preis/Leistung sind überschaubar.
    Im Zusammenhang mit Burdas Drupal-Projekt hiess es auch was ich immer schrieb: IT ist teuer. Das muss anders funktionieren.
    Aber eine Regierung welche den neuen Markt betreibt wo DAMALS schon digitale Diagnose, VR-Möbel-Einkauf oder Video und Musik per UMTS-Auktion am Handy versprochen wurde, und den Nutzen der IT nicht vorhersieht und wo man bis heute nicht digital konstruktiv und legal in jeder Talkshow und jeder Regierungs-Erklärung und jeder Politiker-Rede bei phoenix mit-diskutieren darf und als Parteimitglied digital am Parteitag teilnehmen kann, da ist von Zukunft wenig zu erwarten...
    Erst wenn die Millenials in 10-20 Jahren 40 Jahre alt werden und die Machtposten langsam übernehmen, wird sich was ändern und man sich fragen "wieso kann ich das nicht mit meinem handy machen". Diese Jahre sind vor Deutschland verloren und bald gehört alles den Chinesen und Amerikanern und die ewige Armut wird kommen.
    Eine Presse welche berichtet, das alle Taxifahrer und Paket-Boten bald durch Robo-Cars bzw. Drone-Delivery ersetzt werden, aber nicht ein einziges Job-Beispiel für Alternativ-Jobs hat, braucht sich über den Untergang des Volks-Einkommens und breitflächige Arbeitslosigkeit trotz Diplom (US-Taxifahrer mit tausenden $ Schulden für einen College=Universitäts-Diplom-Abschluss sind ganz normal) nicht wundern.

    Auch schreibt Presse gerne, ändert das Verhalten aber nicht. überall seit Jahrn ist bekannt, das die Leser-Kommentar-Cloud/Crowd schlauer ist als der einzelne Reporter oder Schreiber in der Agentur. Daraus machen die wenigsten Redaktionen eine Vorteils-Booster während Abgas-Betriebene Turbo-Motoren oder Abgas-Restwärme-Nutzung in Erdgas-Brennern oder beim Bremsen Strom-Rückgewinnung in E-Autos (leider evtl nicht in E-Fahrrädern) ganz normal ist um den Wirkungsgrad an jeder Ecke zu steigern.
    Die Presse nutzt die digitalen vorteile nicht sondern basiert immer noch auf platzbegrenzten Papier-Berichten.
    Meine Ideen werden jetzt endlich (propietär und wohl ohne open Source) umgesetzt:
    http://www.golem.de/news/in-eigener-sache-golem-de-erhaelt-google-foerderung-fuer-datenprojekt-1602-119358.html
    Wenn ich sowas mache ist es open-source und jeder kann es in Burdas Drupal-System als Plugin-Modul sofort nutzen und die Qualität seines Mediums und den Nutzen für die Leser ohne relevanten Aufwand verbessern.

    Macht Euch besser mal Gedanken über den Stand der deutschen IT...

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  3. von cbz am 19.03.2016 (15:07 Uhr)

    Im englischen ist es etwas klarer formuliert. Dort gibt es zum einen den Begriff 'Digitization' und zum anderen 'Digitalization'.

    Das konvertieren von analogen Material wie Bücher in die digitale Form nennt sich dann 'Digitization' und ist tatsächlich schon sehr alt. Das was aktuell überall rauf und runter diskutiert wird, ist im englischen 'digitalization'. Die Digitale Transformation (also das digitalisieren von Geschäftsmodellen) ist keine Gulaschsuppe sondern ein modernes Organisationskonzept um die Wertschöpfungskette einfach schneller und flexibler zu gestalten.

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    • von Frank am 22.03.2016 (19:45 Uhr)

      Jau, moderne Organisationskonzepte zur schnelleren und flexibleren Gestaltung von Geschäftsprozessen - sorry, wenn ich da vor Lachen fast vom Stuhl falle. Aktuell gräme ich mich als Vermieter eines Ferienhauses mit einem der namhaftesten Apologeten 'moderner Geschäftsprozesse' herum - da läuft nullkommajosef blasenfrei und fordert vor jeglichem Erfolg momentan gerade einen zeitlichen Tribut, der unter strikt analogen Gesichtspunkten schon eine Peinlichkeit sonders gleichen darstellt.
      Und genau das hat Passig doch recht deutlich im Fokus - aus 'nicht so genau wissen, noch können' aus der 'Stümperei' der Moderne' macht ein entsprechendes 'Neusprech' allein eben noch lange nicht das, was an Ansprüchen proklamiert wird...

      Das kann man, bei allem Verständnis des Englischen, jetzt kaum unzureichender Übersetzung anlasten.

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  4. von det.cord am 20.03.2016 (17:19 Uhr)

    Es tut mir sehr leid, aber mir geht diese semantische Besserwisserei so langsam aber sicher auf die Nerven. Dieser Trick in die rhetorische Trickkiste ist mindestens so alt wie er billig ist: erkläre anderen, dass sie zu dumm sind, um Begriffe richtig verwenden zu können und sonne Dich im Glanze Deines eigenen Intellekts - bzw. hoffe darauf, dass jemand darauf herein fällt und Dich als digitale Koryphäe betrachtet und beauftragt.

    Es ist nun wirklich keine Neuigkeit mehr, dass "Digitalisierung" kein neuer, einmaliger oder gar abgeschlossener Prozess ist. Und eben weil er noch nicht abgeschlossen ist, "Gulaschsuppe" sich anscheinend dann doch noch nicht als passendes Substitut durchgesetzt hat und der Großteil der mit ihr befassten Menschen dann doch etwas mit dem Begriff assoziert, was meist halbwegs in die Nähe des Gemeinten kommt, hat sich "Digitalisierung" nun mal durchgesetzt. Ich mache das seit nunmehr 20 Jahren und kann im Geschäftsleben gut mit dieser Unschärfe leben.

    Genauso gut könnte man sich darüber aufregen, dass sich "Design Thinking" im Alltagsgebrauch letzten Endes auch nicht trennscharf gegenüber "User Centered Design" abgrenzt, "User Experience Design" per Definition auch mehr ist als "nur" das Entwerfen einer intuitiven GUI - und sowieso alles nur alter Wein in neuen Schläuchen ist. Wir haben schon vor 20 Jahren vom Nutzer her entwickelt und beraten. Aber gut, wenn eine neue Beratergeneration neue Buzzwords braucht, seien sie ihnen gegönnt. Und damit kann man wohl auch die Semantik-Trolle nicht vermeiden.

    Schönes Wochenende.

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    • von Frank am 22.03.2016 (19:52 Uhr)

      Pardon, aber 'Aufgeregtheit' vermag ich weder in Passigs Anregung, präziser und intellektuell trennschärfer zu agieren, nicht erkennen.

      Ebenso wenig 'semantische Besserwisserei' bei grep alias Sascha. Und es geht bei aller Gönnerhaftigkeit gegenüber neuen Buzzwords auch ihm - nach meiner persönlichen Lesart - nicht um 'trollige' Missgunst, sondern - wie bei Passig - um mehr Vorsicht wegen einer fortschreitenden Grenzverwischung zwischen 'richtig' und 'falsch'.

      Woher diese Gereiztheit?

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  5. von grep am 21.03.2016 (13:18 Uhr)

    Hallo 'det.cord',


    damit meinten Sie dann wohl 'cbz' und mich (!) ... ich kann ihren Ärger durchaus nachvollziehen ... und nein, ich arbeite für niemanden, ergo möchte ich auch nicht beauftragt werden; was Leute von mir denken ist mir weniger wichtig aber ein 'Troll' bin ich sicherlich nicht und zwar genauso wenig wie eine 'digitale Koryphäe'.

    Ich finde es einfach nur nicht richtig wenn englische Begriffe entsprechend deutscher Grammatik 'gebeugt' und umgedeutet werden.

    Beispielsweise 'to share', to (dis-)like werden im deutschem zu 'sharen' und '(dis-)liken' verwurstet (!) ... dies ist ggf. für einige Generation insofern verwirrend weil diese dann nur noch Pseudo-Englisch sprechen (können).

    Außer 'cbz' und mir nennt das Kind doch niemand beim Namen.


    Ciao, Sascha.

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    • von det.cord am 22.03.2016 (22:55 Uhr)

      Hallo Sascha,

      ich habe mich mit meinem Kommentar ausschließlich auf den Artikel bezogen, nicht auf andere Kommentare (der von cbz war zudem noch nicht veröffentlicht, auch wenn er älter zu sein scheint). Und auch auf den Artikel eigentlich nicht mal direkt, sondern mehr als "Vertreter sein Art" - daher wohl meine auch ... vielleicht etwas zu drastische ... Wortwahl. Hierfür bitte ich um Entschuldigung.

      Meine Gereiztheit in dieser Sache kommt daher, dass ich in dieser Art von Debatte absolut keinen Mehrwert erkennen kann. Zumal der Begriff „Digitalisierung“ im beruflichen Alltag meist in einem Kontext verortet ist, der deutlich macht, wie der Begriff im konkreten Fall verstanden werden muss.

      Aber nahezu jede Woche wird dann doch wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Heute "Digitalisierung", gestern "Digitale Transformation" - übrigens ebenfalls hier auf t3n. Damit kann ich vielleicht Politiker auf der Cebit unterhalten, im Alltag vernebelt dies jedoch zum einen den Blick auf die wirklichen Probleme und schafft zudem noch weitere Unsicherheit bei ohnehin schon verunsicherten Unternehmern. Ich warte auf den Tag, an welchem ein Projekt gar nicht erst aufgesetzt wird, weil jemand nicht weiß, ob er jetzt den Begriff "Digitalisierung" verwenden kann, ohne sich bis auf die Knochen zu blamieren.

      In Zeiten, in denen...

      - mit Ansage in einem digitalen Projekt fast 1Mrd. EUR verbrannt und intern als voller Erfolg verkauft werden kann

      - in gut der Hälfte aller einlaufenden Ausschreibungen fachliche Lücken vom Ausmaß eines schwarzen Lochs enthalten sind

      - weder kommunikative noch wirtschaftliche Zielsetzungen aufgestellt wurden

      - saubere Zielgruppendefinitionen gleich ganz für überflüssig gehalten werden, weil eigentlich irgendwie jeder angesprochen werden soll

      - in Konzernen nahezu exakt die gleiche Funktion bei voller Kenntnis dieses Umstandes doppelt entwickelt und parallel vor Kunde online gestellt wird („macht ja die andere Kostenstelle, damit haben wir nichts zu tun“)

      - in einer Umfrage unter deutschen DAX30-Marketingvorständen sich die Vorstände selbst bescheinigt haben, in der Umsetzung der „Digitalisierung“ ganz weit fortgeschritten zu sein

      ... meine ich, haben wir andere Probleme.

      Es tut mir sehr leid, wenn hier wieder der Gaul mit mir durchgegangen ist, aber mir geht es um saubere, fachlich korrekte Projekte, die Mehrwert für Nutzer und Auftraggeber stiften. Das alleine ist schon schwierig genug, wenn man sich die Realität unvoreingenommen anschaut. Ich würde mich freuen, wenn wieder mehr journalistisch wirklich Sinnstiftendes geschrieben werden würde. Diese Begriffsdiskussion schafft aus meiner Sicht neue Probleme ohne wirklich etwas vorwärts zu bringen.

      Und ich kann – in Anlehnung an den Kommentar von Frank - Unternehmer sehr gut verstehen, welche sich erst im Begriffsdschungel verlieren und aufgrund der leider oftmals fachlich unzureichenden Beratung erst das Vertrauen und dann die Lust auf Innovation verlieren. Was ich sehr schade finde, denn hier sind wir – trotz der anscheinend „historischen“ Beschaffenheit des Begriffs „Digitalisierung“, wirklich erst am Anfang.

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  6. von grep am 23.03.2016 (12:02 Uhr)

    Hallo det.cord,


    achso (!); ich fühlte mich - fälschlicherweise - angefeindet.

    Die Art und Weise wie heutzutage die Überschriften von Artikeln gestaltet werden mag ggf. der Tatsache geschuldet sein dass man viele Leser (nur noch so) zum lesen animieren kann ... man benutzt ergo Begriffe mit hohem 'Suchvolumen' und oftmals mehrdeutige 'Phrasen' um den Leser zu schocken, empören, neugierig zu machen.
    Außerdem geht es den Magazinen im Wettbewerb mit der Konkurrenz (vermutlich) um eine möglichst hohe Platzierung in den Suchergebnissen der Suchmaschinen.
    Irgendwie macht Google mit seinen 'Webmaster-Richtlinien-Diktat' alle 'irre' - denn ich denke dass ist die Ursache dieses 'Irrsinns'.


    Ciao, Sascha.

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