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Entwicklung

Disruptive Innovation: Wir sind die Sklaven einer narzisstischen Geldmaschinerie

    Disruptive Innovation: Wir sind die Sklaven einer narzisstischen Geldmaschinerie

#Selfietime (Foto: © Raisa Kanareva - Fotolia.com)

Das Internet hat unser Leben verändert, heißt es. Es macht uns alle effektiver, heißt es. Zukünftig haben wir alle ein schöneres Leben, heißt es – Pustekuchen. Ein Kommentar über digitale Ausbeutung, innovativen Stillstand und den Narzissmus von uns allen. 

Ich scrolle und scrolle durch meinen Facebook-Stream – endlos. Das soziale Netzwerk hat dieses Feature eingebaut, damit ich am Leben meiner Freunde und Bekannten teilhaben kann. Ich lese geteilte Artikel, die meine Freunde selbst nicht mal gelesen haben und klicke mich durch Urlaubs-, Party- und Hotdog-Leg-Fotos, während ich voller Neid feststelle, dass mein gestriges Abendessen nicht so fancy war, wie das heutige Mittagessen eines Ex-Kommilitonen. Das ist es, das letzte soziale Netzwerk: Facebook. Chatrooms, die mit Profilen ziemlich genau das gleiche konnten, wie lange Zeit Facebook, gehören jetzt der Vergangenheit an. Sie wurden verdrängt, verbessert und erneuert – die „Disruptive Innovation“ hat sie ausgelöscht.

Taxifahrer ohne Lizenz? Wie innovativ!

Aber „Disruptive Innovation“ ist zu einer Floskel geworden. Tagtäglich hören wir von innovativen Startups aus dem Valley, die mit Hoodies über ihren Ohren, die Traditionsunternehmen und ihre Anzugträger regelrecht angreifen und ganze Branchen in Panik versetzen. Instagram, Uber oder Airbnb – als flinke Schnellboote werden diese ewigen Startups bezeichnet, die die großen Tanker ausmanövrieren und etablierte Strukturen aufbrechen: Traditionell ist schlecht – neu ist gut. Obwohl keiner weiß, was eigentlich „neu“ sein soll. Egal: Hauptsache innovativ, agil und dynamisch.

Ob industrielle Revolution oder das Internet, Technologie verändert. Das war zwar bis jetzt meistens schlecht für die Arbeiterklasse – zumindest in der Anfangsphase –  aber Spitze für die Verbraucher der Mittelschicht, die inzwischen in den Genuss von kostenlosen Produkten wie Twitter, Google, Instagram, Pinterest, Youtube und Facebook et cetera kommen.

disruptive
Disruptive Innovation: Von Instamatic-Filmen hat Kodak gelebt; Instagram hat den Giganten getötet. (Foto: Wikipedia)

Während Instagram mit 14 Millionen Nutzern und einer Milliarde Fotos von Facebook übernommen wird, stirbt zeitgleich mit Kodak fast eine ganze Branche. Zuvor musste Kodak seine Patente verschleudern und 47 000 Angestellte entlassen. Unter den Käufern befindet sich auch Facebook, dass zu diesem Zeitpunkt bereits 500 Milliarden Fotos beherbergt.

Apple Thunderbolt-Display: Entwickelt von Intel

Interessant dabei: nicht Neues verändert, sondern Bekanntes. Apple ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit disruptiven Innovationen neue Märkte geschaffen wurden. Obwohl die Produkte weniger können als die bereits Existierenden und primär bereits vorhandene Technologien kombinieren, gibt es wohl kein Unternehmen, das mehr für Innovation steht als Apple. Dabei ist an „disruptiver Innovation“ meistens gar nichts innovativ – bestes Beispiel ist wohl Kodak. Aber egal: Hauptsache ich kann mein Mittagessen mit Millionen von Nutzern teilen. Als noch von Chatrooms anstatt von sozialen Netzwerken gesprochen wurde, wäre niemand auf die Idee gekommen Fotos von den persönlichsten Dingen zu veröffentlichen. Damals wussten wir noch, dass das eigentlich total nervig ist. Dort haben wir noch verschleiert, dass wir uns primär für uns selbst interessieren – und nicht für die anderen.

Immerhin ist der größte Mythos immer noch, dass wir über soziale Netzwerke auch sozial kommunizieren. „Gemeinsam einsam“, so beschreibt die MIT-Professorin Sherry Turkle diesen Zustand in ihrem Buch „Alone Together“. Wir ergötzen uns an uns selbst – beinahe voyeuristisch betrachten wir unser eigenes Leben, das unserer Follower und das unserer „Freunde“.

„Zuckerberg & Co. sind die Dealer, eines narzisstischen und hedonistischen Zeitalters, in dem wir selbst unsere eigene Droge sind.“

Und Produkte wie Instagram und Co. erleichtern es uns, zu Miniprominente zu werden – Prominente am hinteren Ende des Alphabets. Und unsere größten Fans? Wir selbst – Zuckerberg & Co. sind die Dealer, eines narzisstischen und hedonistischen Zeitalters, in dem wir selbst unsere eigene Droge sind. Eine augenscheinlich kostenlose Droge – obwohl wir mit unserer Privatspähre und unserer Aufmerksamkeit bezahlen.

Wir, die scheinbaren Profiteure der „disruptiven Innovationen“, merken in der Zwischenzeit nicht, dass sich die Gesellschaft verschiebt: die Mittelschicht transformiert sich zu einer armen Oberschicht. Und die Oberschicht wird zu einer Handvoll Superreichen. Superreiche, die ihr Geld mit dem Narzismus ihrer Nutzer verdienen. Dabei sind wir die Bienen, die von der Gunst ihrer Königinnen abhängig sind. Nicht das Internet hat unser Leben verändert, sondern wir haben unseres an die Disruption angepasst – so gut es geht.

Wir leben in einer Konsum-Blase in der wir selbst die Superstars sind und in der wir danach streben, „Erfahrungen“ zu sammeln statt tatsächlich etwas zu leisten. Eine Welt, in der der Soundtrack unseres Lebens via Spotify aus überteuerten Apple-Geräten strömt; wir uns lieber bei Fremden auf der Couch einbuchen, weil wir uns kein Hotel leisten können; wir lieber bei Starbucks einchecken, anstatt richtigen Kaffee ohne Sirup zu trinken und wir lieber Netflix gucken als ins Kino zu gehen.

Unter dem Deckmantel von kontextbasierter Information und individueller und angeblicher Verbesserung unseres Alltags freuen wir uns auch noch darüber, dass wir kostenlos an dieser Transformation in ein „besseres Leben“ teilhaben dürfen – dahinter steckt aber mehr Lüge und „Distortion Field“ als Innovation und Fortschritt. Denn mit disruptiven Innovationen wie es DVD, SSD-Festplatten, USB und VoIP waren, hat das alles nichts mehr zu tun. Wir erleben vielmehr einen innovativen Stillstand.

„Disruptive Innovation“:  Mehr zerstörerischer Stillstand als Innovation

Nein. „Disruptive Stagnation“ trifft es wohl eher, denn die einzige Errungenschaft der heutigen „disruptiven Innovation“ an sich besteht darin, die Nutzer auszubeuten – ohne dass sie es bemerken. Unternehmen wie Google, Facebook, Twitter und Instagram existieren nur um ihrer selbst willen – wie ein Parasit, dessen einziges Ziel es ist, sich vom Wirt zu ernähren. Der Wirt ist die ungeteilte Aufmerksamkeit der Nutzer. Wichtiger für den Nutzer selbst ist jedoch die Anerkennung – also wie viele Likes das Urlaubsfoto erhalten hat. Die Gier nach Anerkennung ist nur der Motor, der uns immer protzigere, nacktere und provozierendere soziale Interaktionen durchführen lässt. Likes, Favs, Klicks, Reichweite, Nutzeranzahl – Synonyme für die wertvollste Ressource des digitalen Zeitalters: Aufmerksamkeit. Und wie auch in der industriellen Revolution, interessiert sich niemand für die schwitzenden Arbeiter, sondern vielmehr für ihre Arbeitskraft, die durch Ausbeutung nur geringstmögliche Kosten verursachen darf.

„Die Massen sind im Grunde bereit zur Sklaverei.“Friedrich Nietzsche

Der Unterschied zu damals: Wir sind zu diesen Arbeitern geworden, die – in ihrer Freizeit – Aufmerksamkeit generieren und dafür nicht einmal entlohnt werden müssen: Wir sind die Sklaven einer narzisstischen Geldmaschinerie.

Obwohl in Filmen beinahe immer eine künstliche Intelligenz versucht die Menschheit in irgendeiner Form zu versklaven, sieht es doch gerade jetzt danach aus, als würde die Singularität uns befreien. Ganz ohne Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit werden Roboter andere Roboter bauen, die wiederum unsere Arbeiten erledigen und unsere Probleme innovativ lösen werden. Alles, damit wir uns noch besser auf uns #selbst konzentrieren können.

Ist „Disruptive Innovation“ wirklich das, was unsere Gesellschaft zum positiven verändert – ist diese zerstörerische Innovation wirklich innovativ? Ich sage nein, und like diesen Kommentar auf Facebook.

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9 Reaktionen
bvrulez
bvrulez

Endlich mal ein klasse Kommentar zur "Disruption"! Natürlich brauchen wir Fortschritt und Google und Facebook SIND Fortschritt, das weiß jeder, der sich seine Fragen mit Hilfe der Suchmaschine beantworten lässt. Aber die Verlierer werden zu wenig bedacht. Es ist wichtig darüber zu sprechen, welche Geschäftsmodell man kaputt macht und wieviele - meistens gut bezahlte - Jobs dabei verloren gehen. Diese Verlierer müssen so finanziert werden, wie die Braunkohleverlierer im Ruhrgebiet etc. Wenn 6Wunderkinder jetzt 200 Mio. erhält, dann ist da auch eine große Portion Glück mit dabei. Die riesigen Vermögen müssen so besteuert werden, dass die Verlierer damit ein wenig über Wasser gehalten werden können. Keiner braucht so eine The-Winner-Takes-All-Ökonomie. Und ungesund ist diese auch für die plötzlich überreichen Gewinner, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld.

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Jürgen Schulze
Jürgen Schulze

Ich kann das jetzt nicht lesen, irgendsoein Arsch irgendwo auf der Welt hat mich gerade zum Treppensteigenduell aufgefordert... FuCk

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Marco.Willi
Marco.Willi

Ich finde den Beitrag ebenfalls gut, etwas lang vielleicht, aber vieles spricht mir aus der Seele. Stimme auch reraiseace zu.

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reraiseace
reraiseace

Was für manche wie ein Abgesang auf die "schöne neue Welt" klingen mag, wirkt auf mich eher wie einen Beitrag, der zum Nachdenken anregen sollte. Mario hat mit seinem Text schon ganz recht. Oder wie wollen wir uns Phänomene wie etwa Selfies erklären? Wir leben in einer Zeit, in der Ich-Bezogenheit total IN ist.

Wir sollten einfach mal in uns hinein horchen und uns fragen, ob wir all das und zu diesem Preis brauchen. Geht die Welt unter, wenn ich meinen Status auf Facebook mal nicht aktualisiere? Stirbt dabei jemand? Muss ich ständig mitteilen, was ich gerade mache? Interessiert das wirklich jemanden?

Im Grunde sollte uns das einen Schei* kümmern. Was zählt ist, das wir unser Ding machen, unbeirrt anderer Meinungen. Denn jeder hat es in der Hand, sein eigenes Leben zu gestalten. Wir leben doch nicht das Leben eines anderen oder doch?

Ich teile diesen Beitrag sehr gern auf Twitter und Google+, weil ich ihn gelesen habe und hoffe, dass ihn noch ganz viele andere lesen werden. Danke Mario!

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Ungünstiger Titel
Ungünstiger Titel

Die Aufmerksamkeits-Ökonomie zwingt keinen, sich Trash anzugucken.

Hunderte innovativer Firmen werden aufgekauft danach nicht weiterentwickelt.
ICQ hätte das bringen müssen was Skype liefert. Aber Skype wurde nach dem Aufkauf durch Ebay und letztens M$ auch nicht nennenswert weiterentwickelt.
Paypal hätte das bringen müssen was Stripe (Artikel gestern oder heute hier), Square und Dwolla bringen. Größe bringt meist nur Stagnation.

Der 35k-Tesla und die Videobrillen werden die Monitore und Benzin-Autos ersetzen. Dumm nur das wir mit Milliarden die Auto-Industrie zum zweiten Mal nach der Abwrackprämie retten müssen. Und diese hunderttausende Arbeiter haben dann erst mal keinen Job. Elektrofahrräder haben 10%-20% Marktanteil ohne eine einzige Steuer-Subvention und obwohl sie deutlich mehr kosten !

Das Establishment lebt seit Jahrtausenden auf Kosten der Bevölkerung.
Viele Glauben an ein Grundgehalt. Die Realität sind wohl eher Monsanto-GenFood-Lebensmittelgutscheine dank Vertrag mit der Regierung und TTIP und man muss sich am Automaten seine Nahrung holen.
Viele Länder sind heruntergewirtschaftet und dem Volk geht es ständig schlechter. Zum Glück werden wir durch TTIP Millionen neue Jobs und die guten US-Produkte (Gen-Food, AR15, Würste ohne Fleisch, US-Waschmaschinen, US-Bier ohne die Standart-Bier-Zutaten, US-Westcoast-Nürnberger-Rostbratwurst, US-Eastcoast-Dresdener-Christstollen, ...) bekommen und die Euro-Schokolade wird durch Hersheys ersetzt. Und wir wissen alle das Amerikaner von EU-Bekannten Schokolade mitgebracht haben wollen. Wegen Einheitsmarkt werden dann die Medikamente vielleicht auch so teuer wie in USA. Der Krankenkassensatz steigt dann vielleicht auf 20%-25% des Einkommens.

Ein Amazon-Lagerarbeiter ist vielleicht gleich gut bezahlt wie ein Buchhändler aber das Geld landet in Zweitwohn-Mieten in der Nähe der Amazon-Verpackungs-Hallen und Transport in die Heimatländer oder Überweisungen ins Heimatland wofür es bisher kein funktionierendes Startup gibt. Da sind lokale Jobs wohl besser.

Der Bürger will Innovation. Der Reiche will immer mehr Geld.
Das jeder Apps programmieren kann führt zu
http://t3n.de/news/mehrzahl-app-entwickler-verdient-558607/

Das Problem ist Übervölkerung. Ausser mir und ich glaube auch Ted Turner interessierte das bisher niemanden. Wenn M$ und andere zigtausende INFORMATIKER entlassen oder man sich die Kommentare zu
http://t3n.de/news/it-fachkraefte-unternehmen-590267/
durchliest erkennt man das der Fachkräftemangel vorbei ist oder die IT-Ausbildung eine Lebensdauer wie Rennpferde (ich glaube die werden nach 4-5 Jahren geschlachtet) hat.

Früher wurde gegen RocknRoll und Killerspiele argumentiert. Und gegen TV.
CDs haben die Schallplatten verdrängt. Aber Schallplatten hatten letztes Jahr wieder 6% (sechs Prozent, nicht Promille) vom Markt ! TV und Radio sind auch nicht ausgestorben und die Lokalradios teilweise gute Investments.
Bei den Vorteilen für Arbeiter fehlt Netflix. Ohne Netflix wären die Mediatheken-Verträge 12-24 Monate lang!

USB wurde auch von Intel erfunden und mit zuerst von Apple verbreitet. Apple schaute früher auf Qualität und Zufriedenheit des Kunden. Wenn ich 1500 Euro für einen Laptop leisten könnte und die jährliche ct-Laptop-Kundendienst-Zufriedenheits-Statistik lese, soll ich dann wirklich Laptops aus Irland Ersatzteile für 75 Euro Portokosten ordern oder lieber einen Apple wo ich höchstwahrscheinlich am zufriedensten bin und nicht 150-300 Euro für ein neues und legales Windows zahlen muss ?
Tim Cook ist wohl Controller. Controller haben damals in USA die klassischen leckeren Kaffeesorten von Familienunternehmen durch robusten Robusta-Kaffee ersetzt. Inzwischen gibts aber wieder Sorten wo "100% Arrabicca" draufsteht.
Die LED-Backlight-Fernseher erlauben bessere Schwarzwerte. In 90% der TVs wird das aber nur genutzt um weniger zu kosten. Vorteil bleibt aber das die TVs dünner sind.
BSI-Kameras erlauben auch bessere Bilder. In Wirklichkeit aber vielleicht wird das auch so eingesetzt um billiger zu werden oder noch viel mehr Megapixel zu bieten welche dann aber bei Dämmerung wie meist üblich zu wenig Licht abbekommen. Aber speziell Handy-Kameras (one+ und andere) nutzen die guten Sony-Sensoren (13 Megapixel) und manche Handy-Modelle sind wasserfest oder haben besonders gute Fotos bei Dunkelheit (also in der Kneipe oder so).

Hast Du einen Nachteil von LTE ? Na also. Oder von DVB-T2 (nicht so wichtig) aber ! HEVC/h.264 als schnellen! Ersatz für h.264 welches 5-10 jahre brauchte um MPEG2 zu ersetzen.

Das einzige Axiom das man braucht ist die zweite Gossensche VWL-Regel: Das Inviduum maximiert seinen Nutzen. Damit lässt sich der ganze Rest erklären.
Manager optimieren ihre Einnahmen. Gewinne und Kleinaktionäre sind denen nicht so wichtig. Ausser bei Familienunternehmen wo ständig nach Gewinn geschaut wird. Oder bei Holdingketten und Geldgebern und Investmentrunden gehts darum den Wert immer weiter hochzutreiben um den maximal Gewinn beim Börsengang einzuspielen.

Sobald etwas mainstreamig ist, muss man sich differenzieren weil die Konkurrenz dasselbe anbietet. Dann erst kommen gute Features wie z.b. Dual-SIM, Triple-SIM-Handies. Die TV-Firmen aber bringen UHD1 (4k) und bald UHD2 (8k) auf den Markt. Wären wir noch bei PAL würden Grafikkarten die TV-Serien realistisch rendern und Schauspieler wären nicht mehr wichtig.

Und das Taxifahrer bei Uber arbeiten können sollte normal sein. Und das Tankstellen auf Elektro-Ladung erweitert werden sollte auch klar sein. Stattdessen machen das die Supermarkt-Parkplätze und tausende Jobs verschwinden. Jeder Pferdekutscher hätte Model-T-Taxifahrer oder LKW-Fahrer werden können. Aber die Regierung hat E10-Benzin nicht geschafft oder seit 15 Jahren den von fast jeder Partei versprochenen Ausbau immer noch nicht vollendet. Disruption bedeutet ja nicht Entfall von Jobs sondern Verlagerung. Schallplatten-Presser werden CD-Presser usw.

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Lars
Lars

Die Zerstörung von bestehenden Strukutren ist immer schmerzhaft, aber eigentlich nichts neues. Mir fallen dabei immer wieder die Weber zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein, die keiner mehr brauchte als die Webmaschinen kamen. Auch das hinterließ tiefe gesellschaftliche Spuren. So ist es heute auch, nur dass die alles deutlich schneller geht. Ich bin langjähriger und zufriedener Kunde von amazon, auch wenn es u.a. den "klassischen" Buchvertrieb zerfetzt hat. Klassische Kinos vermisse auf auch nicht. Die Gesellschaft verändert sich eben und es wird auch die "klassischen" Unternehmen im Schlepptau verändern.
Die erwähnten Starbucks Kaffee schlürfenden Apple User mit Spotify im Marshall Kopfhörer ... es steht jedem frei sein Geld so anzulegen wie er mag.

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Mario Janschitz

Ach, die guten alten Weber. Der Vergleich hinkt nur etwas, denn die Webmaschinen selbst waren schon ein Fortschritt. Was man von den oben genannten Diensten nicht behaupten kann.

Auch amazon ist nicht wirklich zutreffend, denn hier wurde ein Geschäftsmodell ins Internet verlegt, die Qualität der Bücher ist aber gleich geblieben – wenn ich aber Fotos mit minderer Qualität (bedingt durch die Kamera des Telefons) durch automatische Filter jage, habe ich keine Innovation. Ich habe einfach nur schlechte Qualität die „gut aussehen kann“. Wo ist hier der Fortschritt – die Innovation? Um beim Beispiel zu bleiben: Kodak war über Jahrzehnte innovativ. Kodak hat vieles in der Branche erst möglich gemacht – und wird verdrängt von ca. 20 automatisierten Effekten. Ironischerweise simulieren diese Filter genau die Effekte die frühe Kodak-Kameras/Filme erzeugten.

„Die Gesellschaft verändert sich eben und es wird auch die 'klassischen' Unternehmen im Schlepptau verändern.“ Dieser Standardfloskel kann ich nicht zustimmen, weil es „das klassische“ Unternehmen einfach nicht gibt. Und es einfach nur ein Mythos ist, dass Startups allesTM verändern.

Um mich an Henry Ford zu halten: Instagram sind die schnelleren Pferde – und das ist keine Innovation sondern einfach nur „disruptive“.

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Saar-Pirat
Saar-Pirat

"Kodak hat vieles in der Branche erst möglich gemacht – und wird verdrängt von ca. 20 automatisierten Effekten. Ironischerweise simulieren diese Filter genau die Effekte die frühe Kodak-Kameras/Filme erzeugten."

Das ist zu kurz gedacht:
Es ist egal wie der Effekt entsteht: ob physisch über die Kamera, den Film und das Papier oder über Software. Das Ergebnis ist das was zählt. Und die Instagram-Filter sind nicht schlecht und für den entsprechenden Zweck total ausreichend.
Es ist sogar soweit inovativ, als dass man eben nur noch diese Software für die entsprechenden Effekte braucht und kein teures Papier bzw teuren Film. Diese Entwicklung war vollkommen absehbar und Kodak hat lediglich den Sprung ins Digitale verschlafen.
Das ist wie mit der Musik-Industrie Ende der 90er und Napster.
DAS war auch Innovation. MP3 war Innovation. Man konnte Musik überall dabei haben ohne lästige CDs mit sich herumschleppen zu müssen und man konnte diese Musik im Internet mit anderen austauschen. Was ist daran nicht innovativ? Innovation geht immer zu lasten alter ausgedienter Prozesse.
Ich teile jedoch deine Meinung zu Apple voll und ganz!

Beinemann
Beinemann

Ein Abgesang auf die Moderne. *Gähn* Das ist auch nicht neu und trotzdem wird es veröffentlicht. Außerdem nervt der larmoyante Ton.

Hätte sich der Autor mal ein paar Minuten mit Innovationsmanagement beschäftigt, hätte er hier ein paar interessante Sachen sagen können. Zum Beispiel was Tuomi zum Thema zu sagen hat.

So ist das nur eine total nervige Posse über das, was man ohnehin weiß auf dafür auch noch niedrigem Niveau.

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