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Kolumne

Die exponentiellen Fünf: Was die Dominanz der Tech-Riesen bedenklich macht

(Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock)

Ist die marktbeherrschende Stellung der fünf führenden Technologie-Konzerne ein Problem oder nicht? Die Debatte dazu läuft. Martin Weigert erklärt in seiner Kolumne Weigerts World, wieso die Situation speziell ist.

Seit einiger Zeit intensiviert sich die Debatte zur Markmacht der dominierenden fünf Technologiegiganten Apple, Amazon, Facebook, Alphabet (inklusive Google) und Microsoft. Die Positionen lassen sich grob in zwei Lager einteilen: Vertreter des ersten Lagers zeigen sich unbesorgt. Sie verweisen auf den intensiven Konkurrenzkampf, der aktuell zwischen den Konzernen herrscht. Sie argumentieren, dass historisch immer wieder zeitweilig scheinbar unbesiegbare Unternehmen von agileren und innovativeren Firmen in die Schranken verwiesen wurden, und sie sind überzeugt, dass sich die Geschichte auch dieses Mal wiederholen wird.

Im anderen Lager ist man dagegen beunruhigt. Man geht davon aus, dass die besagten Firmen für sehr lange Zeit marktbeherrschende Stellungen in immer mehr Bereichen für sich reklamieren werden. Die Fähigkeiten, enorme Mengen an Daten zu gewinnen und auszuwerten, beeinträchtige den Wettbewerb und sei nicht im Interesse der Allgemeinheit, so die Haltung der Kritiker.

Beide Seiten besitzen stichhaltige Argumente. Seit jeher sind Menschen immer wieder fälschlicherweise der Illusion aufgesessen, dass ein regelmäßig wiederkehrendes Phänomen ausgerechnet zu ihrem jeweiligen Moment nicht mehr auftreten würde. Andererseits kann es sich freilich auch als Irrtum erweisen, eine über einen längeren Zeitraum in einem bestimmten Kontext auftretende Dynamik als Quasi-Naturgesetz anzusehen. Zwar wird in 500 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keiner der heute den Ton angebenden Konzerne mehr existieren. Aber was ist mit 100 Jahren? Oder 50? Oder 25? Es kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass sie in 25 Jahren noch bestehen und massiv mehr Macht besitzen als heute.

Der technische Fortschritt beschleunigt sich

Wie viel Zeit sind 25 Jahre? An sich nicht viel. 1992 fühlt sich noch nicht so weit in der Vergangenheit an, nimmt man die Geschichte der Menschheit und eigene Erinnerungen als Maßstab. Blickt man jedoch allein auf Informationstechnologie, so ist heute nichts mehr so wie zu Beginn der neunziger Jahre. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass sich aus technologischer Sicht seitdem weitaus mehr verändert hat als zwischen 1967 und 1992. Verantwortlich hierfür ist die exponentielle Charakteristik des technischen Fortschritts.

In einem älteren Text beschrieb ich, wie es die atemberaubende und sich stetig beschleunigende Geschwindigkeit des Fortschritts ist, die unsere heutige Zeit speziell macht. So gesehen ist 2017 einzigartig, genau wie jeder andere Zeitraum einzigartig ist: in Bezug auf die Beschleunigung des durch technologische Innovation ausgelösten Wandels. Seit der Erfindung des Computerchips war Moore’s Law für diese Entwicklung maßgeblich verantwortlich. Künftig werden künstliche Intelligenz und Quantum Computing zu den Triebkräften einer weiteren Acceleration gehören. Die immer kürzeren Technologie-Übernahmezyklen spiegeln diesen Trend wider. Elektrizität, Fernsehen und Radio benötigten vom Zeitpunkt ihrer initialen Verfügbarkeit aus betrachtet deutlich länger, um eine vollständige oder signifikante Marktpenetration zu erreichen, als jüngere Erfindungen wie Internet, Smartphones oder Social Media (siehe Nachtrag am Ende dieses Textes).

Ray Kurzweil, einer der Vordenker der Singularität, rechnet damit, dass der technologische Fortschritt im 21. Jahrhundert ein Niveau erreicht, das nicht 100 Jahren, sondern eher 20.000 Jahren entspricht. Was abstrakt klingt und sich als Aussage durch offensichtliche Nicht-Messbarkeit einer genauen Prüfung entzieht, ist im Grunde trotzdem korrekt: Das Tempo des technischen Fortschritts beschleunigt sich andauernd und es folgt tendenziell einer exponentiellen Kurve statt einer linearen.

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