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Marketing

Hat Ello seine Nutzer schon verkauft, bevor es den ersten Dollar verdient?

    Hat Ello seine Nutzer schon verkauft, bevor es den ersten Dollar verdient?

Ello will Ernst machen in Sachen Datenschutz. (Screenshot: Ello)

Ello nimmt Fahrt auf, doch parallel dazu kommen Zweifel auf – Ello scheint durch Venture-Kapital finanziert zu sein. Kann das passen? Die Doppelklick-Kolumne von Florian Blaschke.

Ello: Gründer haben 435.000 US-Dollar Venture-Kapital bekommen

Das Ello-Manifest. (Screenshot: Ello)
Kann das Ello-Manifest Bestand haben? Obwohl die Gründer auf Venture-Kapital bauen? (Screenshot: Ello)

Werbefrei, auf Datenschutz bedacht und auf Dauer kostenlos – das haben die Macher von Ello schon versprochen, bevor ihr Netzwerk überhaupt gestartet ist. Und obwohl es sich auch jetzt noch in einer Closed Beta befindet, explodieren in diesen Tagen die Nutzerzahlen – vor allem in den USA. Einnahmen will das Portal mittelfristig durch kostenpflichtige, optionale Zusatzfeatures generieren. Doch reicht das? Trotz des Wachstums sei das Betreiben der Website relativ günstig, verrät Gründer Paul Budnitz offenherzig – weshalb er sich auch keine großen Gedanken über die Monetarisierung mache.

Vielleicht sollte er das aber. Ein Blog-Post von Aral Balkan nämlich stellt diese Aussagen jetzt auf eine harte Probe. Balkan, Gründer von ind.ie und Autor des ind.ie-Manifests, war einer der frühen Unterstützer von Ello. Zwar habe er den Machern von Anfang an seine Bedenken geäußert, ein Projekt wie Ello zentralisiert aufzuziehen, doch die Idee und die Haltung der sieben Gründer habe er ansprechend gefunden. Vielleicht hätte er nicht so optimistisch reagiert, wenn er damals schon gewusst hätte, was er erst jetzt herausgefunden hat.

Kann Ello sich nur über On-Site-Verkäufe finanzieren?

„Wenn du Venture-Kapital nimmst, ist die Frage nicht, ob du deine Nutzer verkaufst, dann hast du das schon getan.“

„Was ich damals nicht wusste, war, dass sie [die Ello-Gründer] 435.000 US-Dollar von FreshTracks Capital bekommen hatten“, schreibt Balkan. FreshTracks ist ein in Vermont ansässiges Venture-Kapital-Unternehmen, das diese Investition sogar im März schon offiziell bekannt gegeben hatte. Fast eine halbe Millionen. Venture-Kapital. Nicht wenige Nutzer mussten erst mal frische Luft schnappen, als sie das heute gelesen haben.

Nicht zu Unrecht äußert Balkan in seinem Artikel – in dem er auch ankündigt, Ello den Rücken zu kehren – warum er diese Entscheidung für fatal hält. „Wenn du Venture-Kapital nimmst, ist die Frage nicht, ob du deine Nutzer verkaufst, dann hast du das schon getan. Das nennt sich Exit-Plan – und kein Investor wird dir Venture Kapital ohne einen solchen Plan gegben“, schreibt er.

Tatsächlich ist es extrem fraglich, ob ein Netzwerk wie Ello, das seine einzigen Einnahmen aus On-Site-Verkäufen generieren will und das durch seinen Betrieb durchaus Ressourcen verschlingt, überhaupt so viel Geld erwirtschaften kann, dass die Gründer diese Summe (plus X) aus eigener Tasche zurückzahlen könnten, um nicht an einen externen Investor verkaufen zu müssen. Und wenn sie verkaufen müssten, stünde die Frage im Raum, wie sie sicherstellen wollen, dass all die Versprechen, die sie ihren Nutzern jetzt zu Anfang gegeben haben, eingehalten werden. Auch ein solcher Investor würde schließlich nicht aus purer Philanthropie in das Projekt einsteigen. Habe ein Netzwerk einmal eine Größe wie Facebook oder Twitter erreicht, so Balkan, könnten die Nutzer nicht mehr viel tun. „Doch wir haben die Chance, sicherzustellen, dass Netzwerke, die durch Venture-Kapital finanziert werden, diesen Punkt gar nicht erst erreichen.“

„Sollten wir jemals Nutzerdaten verkaufen – oder Anzeigen: Wir würden das Netzwerk verlassen“

Im Gespräch mit BetaBeat reagierte Paul Budnitz auf Balkans Ausführungen sowie einen weiteren Artikel auf Ello selbst ziemlich lapidar: Die Investition von FreshTracks sei kein Geheimnis gewesen und die Befürchtungen seien lächerlich. Und Todd Berger, ein weiterer Gründer von Ello, fügt hinzu: „Sollten wir jemals Nutzerdaten verkaufen – oder Anzeigen: Wir würden das Netzwerk verlassen. Warum sollten wir das tun?“

Im Gespräch mit Gigaom äußert sich auch Cairn Cross von FreshTrack Capital: „Wir arbeiten mit Venture-Kapital, wie es sonst nur sehr wenige tun. Wir sind geduldig, haben einen weiten Exit-Horizont und haben schon einigen Erfolg gehabt, uns gibt es schon eine Weile.“ FreshTrack sei nicht Kleiner Perkins, so Cross weiter. Und Berger entgegnet den Befürchtungen, das Team könnte die Kontrolle verlieren: „Es gibt sieben Gründer und die halten 82 bis 84 Prozent des Unternehmens. Wir können also tun, was immer wir wollen.“

Antworten, die keine sind. Sicher ist es richtig, dass die Investition kein Geheimnis war, doch bleibt die Frage im Raum, warum die Ello-Gründer bei aller Transparenz dann nicht auch diese Tatsache offen kommuniziert haben. Todd Berger sagt dazu: „Warum sollten wir mit der Geschichte hausieren gehen? Wen interessiert denn das?“ Wie sich jetzt zeigt: eine ganze Menge Menschen – vor allem eben die Nutzer. Schlussendlich bleibt also die Frage, wie die Macher von Ello sicherstellen wollen, dass ihre Versprechen keine Luftschlösser waren, und es bleibt die Sorge, ob sie all die Zweifel und Befürchtungen, die jetzt auftauchen, zerstreuen können. Denn können sie das nicht, dann sind die 4.000 neuen Nutzer, die sich derzeit pro Stunde bei Ello registrieren, genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

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12 Reaktionen
Misanthrop
Misanthrop

Und wenn sie alles aus der eigenen Tasche bezahlt hätten, wäre das Risiko des Ausverkaufs (der Daten oder des ganzen Ladens) auch nicht geringer. Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen.

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Mario
Mario

Hallo Florian,

auch eine Kolumne sollte sich an Fakten orientieren. Dass dann dein eigener Schluss am Ende bei rauskommt ist ja legitim und wird erwartet - wie du dazu kommst sollte aber etwas nachvollziehbarer sein.

Ich finde auch, dass bei Ello nur gesagt wurde, was sie nicht zu Geld machen wollen. Dass sie Geld machen wollen finde ich auch absolut normal und muss von ihnen auch nicht extra gesagt werden. Ein schwarzes Loch um seine Ersparnisse zu versenken suchen wohl die wenigsten.

Viele Grüße,
Mario

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Falk
Falk

Nicht vergessen Leute, das hier ist eine Kolumne!

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Florian Blaschke

Vielleicht sollten wir – ähnlich wie bei Sponsored Posts – eine Erklärseite einführen, auf der steht, was eine Kolumne ist.

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Malte Mayrberger
Malte Mayrberger

Eine reisserische Überschrift gefolgt von reiner Spekulation.
Ich bin von t3n besseres gewohnt.

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Mike
Mike

Ich nicht mehr. Bild-Niveau hat hier doch schon seit langem EInzug erhalten. Überschriften im Heftig.co-Stil auch. Ich frag mich immer wieder, warum ich hier eigentlich noch ein, zwei mal die Woche vorbeischaue... ärger mich eh nur über den Quatsch der hier inzwischen abgeht.

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Ulf Dittmer
Ulf Dittmer

Die Prämise des Artikels macht keinen Sinn - die Annahme von Kapital sagt genau gar nichts darüber aus wie sich eine Firma monetarisieren will. Daß Ello Gewinn machen will ist nie anders dargestellt worden - von Philantropie war keine Rede. Jetzt müssen sie halt mehr Gewinn machen - eine halbe Million USD sind ja keine Riesensumme, und es gibt andere Möglichkeiten als Werbung oder Benutzerdaten verkaufen. In wie weit dazu Premiumfeatures ausreichen wird sich zeigen - fast jedes Startup hat früher oder später an seinem Geschäftsmodell nachbessern müssen. Die Autoren des angesprochenen Blogpostes und dieses t3n Artikels mögen es unbefriedigend finden nicht zu wissen was das sein wird, aber den Gründern zu unterstellen daß sie dabei von den Gründungsprinzipien abrücken werden -zu einem Zeitpunkt wo nichts darauf hindeutet- ist komplett spekulativ und m.E. fast schon bösartig. Bei dem Blogpost habe ich den Eindruck daß da anderer Frust mitschwingt der sich an diesem Punkt entzündet hat; mit "sell out users" hat das nichts zu tun.

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Florian Blaschke

Dass ich dir widersprechen muss, dürfte dir klar sein – und das „bösartig“ überlese ich einfach mal. „Dass Ello Gewinn machen will ist nie anders dargestellt worden“, schreibst du. Wo genau haben die Macher denn mal etwas davon gesagt? Ich habe Sätze gelesen wie „We're not interested in ruling the world“ oder „Collecting and selling your personal data, reading your posts to your friends, and mapping your social connections for profit is both creepy and unethical“. Das klingt eben nicht nach Gewinnstreben. Und ganz sicher hast Du Recht, dass eine halbe Million keine Riesensumme ist. Aber diese Summe plus X ist auch nicht einfach aufzutreiben. Und abschließend: Unterstellt habe ich den Gründern nichts, ich stelle Fragen – und finde die bisherigen Antworten unbefriedigend. Solche Fragen als spekulativ hinzustellen, halte ich wiederum für alles andere als korrekt.

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Florian Blaschke

Dann haben wir uns missverstanden. Nichts für ungut.

Ulf Dittmer
Ulf Dittmer

"jemand" = Aral Balkan, nicht Du. Sorry, ich dachte das wäre klar. Ich hab nur die von Dir übersetzten Worte benutzt da das hier eine deutsche Webseite ist.

Florian Blaschke

Jetzt hab ich auch noch was gegen VC? Erstaunlich, dass Du beharrlich das tust, was Du mir vorwirfst. Ich glaub, aus so einer destruktiven Diskussion klink ich mich gerne wieder aus.

Ulf Dittmer
Ulf Dittmer

Sie mögen nicht explizit gesagt haben daß sie Gewinn anstreben - das unterstelle ich bei einer Firma die ein so grosses Projekt anschiebt. Entwicklung, Hosting usw. für so was verursacht schliesslich Kosten die wenige Leute (auch keine Gruppe von 7) so ohne weiteres aus eigener Tasche tragen können. Die von Dir angeführten Statements sagen aus wie NICHT Gewinn erzielt werden soll, nicht daß KEIN Gewinn erzielt werden soll. Wenn das Letztere ein Ziel wäre würde man das sagen, und nicht damit hinter dem Berg halten, denke ich. Und zumindest daß eine Monetarisierung per Premiumfeatures kommen würde war von Anfang an klar. Da verknüpft jemand "Venture-Kapital", "Exit-Plan" und "Nutzer verkaufen" auf eine Weise die nach persönlicher Frustration klingt, aber keinen Widerspruch zu den Gründungsideen herstellt. Das nenne ich Spekulation die offenbar auf nichts anderem als der Abneigung des Autors gegenüber Venturekapital beruht, und, ja, bösartig angesichts dessen daß es an dem Kern dessen kratzt wofür Ello angetreten ist.

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