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Digitales Leben

Hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr

    Hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr

Im Internet gibt es nur IP-Pakete. (Foto: © boscorelli – Fotolia.com)

Keine Frage, der NSA-Skandal hat uns erschüttert. Und doch dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen, in Angststarre zu verfallen. Im Gegenteil. Die Doppelklick-Kolumne von Florian Blaschke.

Ein optimistischer Text? Nicht an diesem Montag

Eigentlich hätte das hier eine fröhliche Kolumne werden sollen, ein optimistischer Text – über Technologie und den Fortschritt, die Medien und den Aufschwung. Er hätte von Magazinen wie „Wired“ und „Business Punk“ handeln sollen, und ihrem Erfolg auf dem Zeitschriftenmarkt. Er hätte von etablierten Verlagen wie Heise erzählt, die mit Neugründungen wie „Mac & I“ oder „Hardware Hacks“ versuchen, mit der irren Geschwindigkeit der Entwicklung mitzuhalten. Er hätte von Projekten wie „Lead Digital“ geschwärmt und analysiert, warum in den Nischen der Erfolg liegen kann, warum „Website Boosting“ oder „3D Druck – Das Magazin“ genau aus diesem Grund so vielversprechend sind. Und er hätte sich über den Relaunch des „Internet Magazins“ gefreut, das seit November als „IntMag“ wiederbelebt wird – ein spannendes Revival der beinahe 18 Jahre alten Zeitschrift.

Doppelklick: Die Tech-Presse boomt, aber über allem liegt ein Schatten. (Bild: t3n)
Doppelklick: Die Tech-Presse boomt, aber über allem liegt ein Schatten. (Bild: t3n)

„Was so viele für ein Instrument der Freiheit hielten, wird aufs Effektivste für das exakte Gegenteil benutzt.“

Ich hatte mir diesen Text fest vorgenommen, doch jetzt entsteht er an einem Tag, an dem zu diesem Thema keine fröhlichen Texte entstehen können – und das liegt nicht daran, dass heute Montag ist. Er entsteht an einem Tag, an dem ich zwar sehe, dass die Tech-Presse so lebendig ist wie nie zuvor und der Print-Sektor trotz etlicher Verkäufe und schwindender Auflagen noch lange nicht tot ist. Ich sehe aber auch, dass über all dem, worüber diese Medien und nicht zuletzt auch wir bei t3n Tag für Tag schreiben, ein Schatten liegt. Er entsteht an einem Tag, an dem ich einen Text von Sascha Lobo gelesen habe: „Die digitale Kränkung des Menschen“.

Lobo ist gekränkt – und ich bin es auch

Das Netz, die Digitalisierung, all die großartigen Tools und Gadgets mit ihren schimmernden Möglichkeiten – Lobo hält uns heute den Spiegel vor und sagt uns ins Gesicht, warum wir uns von dieser Utopie verabschieden können: „Was so viele für ein Instrument der Freiheit hielten, wird aufs Effektivste für das exakte Gegenteil benutzt.“ Lobo ist gekränkt, und ich muss gestehen: Ich bin es auch. Keine Frage: „Es ist nicht so, dass sich mit Snowden der Internetoptimismus läutern müsste in eine digitale Generalskepsis“, schreibt Lobo. Aber: „Nach dieser Kränkung muss ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden.“

Sascha Lobo ist gekränkt. (Foto: Reto Klar)
Sascha Lobo ist gekränkt. (Foto: Reto Klar)

Genau das aber geht nicht einfach, indem ich eine kleine Lobeshymne auf die Tech-Presse in drei- oder viertausend Zeichen presse. Ein neuer Optimismus entsteht nicht durch Auflagenzahlen oder Klickraten, er entsteht nicht im Zeitschriftenregal oder meinem Feedreader. Und erst recht entsteht er nicht, indem ich mir die Kommentare zu Lobos Artikel durchlese. Oder Martin Weigerts Replik auf die digitale Kränkung, in der er die These aufstellt, vielleicht sei ja auch gar nichts kaputt, weder das Internet noch der Mensch, vielleicht sei die Menschheit „einfach nicht kompatibel zum Internet, weil sie es zwangsläufig in ein Überwachungsinstrument verwandelt“. Keine angenehme Vorstellung, schreibt Weigert selbst, „noch unangenehmer als Sascha Lobos geschilderte Enttäuschung darüber, sich bei der Bewertung der Auswirkungen des Internets geirrt zu haben“.

Im Internet passiert nur eins: Paketvermittlung

„Hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr. Das ist eine Lüge.“

Nein, durch all das entsteht kein neuer Optimismus. Der entsteht, wenn ich mir vor Augen halte, an welchem Punkt wir uns befinden. Historisch gesehen sind das Netz, die Digitalisierung, all die großartigen Tools und Gadgets erst ein paar Minuten alt – und wir alle haben gerade erst angefangen, uns mit ihnen zu beschäftigen. Und: Er entsteht, indem wir ihn leben. Indem wir uns das zu Herzen nehmen, was der französische Blogger Okhin, der sich selbst als „Cypherpunk“, „data-pornstar“, „crypto-terrorist“ und „phallocratic feminazi“ bezeichnet, im Dezember geschrieben hat:

Beim Internet geht es nicht um Überwachung. Beim Internet geht es um Kommunikation. Und Organisation. Das ist es, was wir der Welt erzählen müssen. Überwachung ist nichts als die Sammlung, Speicherung und Analyse menschlicher Aktivitäten – Daten und Metadaten. Aber das passiert nicht im Internet. Im Internet passiert nur eins: Paketvermittlung, also die Übermittlung einer Nachricht von Punkt A nach Punkt B. [...] Das ist es, was wir den Menschen sagen müssen: Dass sie keine Angst vor dem Internet haben sollen, weil das Internet sie nicht ausspäht. [...] Wir müssen die Augen der Internetnutzer öffnen, um sie zu Internetakteuren zu machen. [...] Und das geht nicht, indem man Angst schürt. [...] Also hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr. Das ist eine Lüge. Im Internet gibt es nur IP-Pakete. Alles andere steckt in unserer Gesellschaft. Die müssen wir ändern.

Ein neuer Internetoptimismus durch eine zweite Aufklärung? Eine schöne Idee für einen Montag wie diesen.

Weitere Kolumnen aus „Doppelklick“ findet ihr hier.

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6 Reaktionen
Florian Blaschke

Das ist jetzt aber gar nicht mehr optimistisch, Sven. ;-)

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Sven
Sven

Bei der Gelegenheit teilt Euren Freundinnen bitte auch gleich mit, dass sie erst gar nicht das Haus verlassen sollten.

Antworten

Florian Blaschke

Schließe mich don an, Peter: Treffer, versenkt.

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don
don

@Peter

Treffer, versenkt.

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Peter
Peter

"Das ist es, was wir den Menschen sagen müssen: Dass sie keine Angst vor dem Internet haben sollen, weil das Internet sie nicht ausspäht."

Bei der Gelegenheit teilt Euren Freundinnen bitte auch mit, dass sie keine Angst vor unbeleuchteten Parkanlagen haben sollen, oder habt Ihr schon mal gehört, dass jemand von einer Parkanlage vergewaltigt worden wäre?

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Ja nee ist klar
Ja nee ist klar

Das internet ist gefährlich! Weil man den missbrauch von regierungen nicht kontrollieren kann! Das darknet ist zwar eine gute erfindung aber leider wird es nicht nur im eigentlichem sinne des “erfinders“ genutzt , den anonymen zugriff auf staatlich zensierte seiten sondern auch von den ganzen kinderfickern und sonstigem abschaum! Viele videos aus krisen region die wir in den täglichen nachrichten sehen ,könnten uns wegen staatlicher zensur nicht erreichen ohne das darknet ! In den medien wird immer nur die negative seite dargestellt .... Kinder porn und silkroad etc .... Ich frage mich ob es nur eine groß angelegte kampagne gegen das zurzeit nicht kontrollierbare darknet ist . für mich stellt sich halt die frage tor ja um die privatsphäre zu schützen oder scheiß auf privatsphäre weil dadurch missbrauch gefördert wird ?

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