Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Software & Infrastruktur

Dropbox-CEO Drew Houston: „Wenn ich eine Firma absichern will, muss ich den Mitarbeitern die Spielzeuge wegnehmen“

    Dropbox-CEO Drew Houston: „Wenn ich eine Firma absichern will, muss ich den Mitarbeitern die Spielzeuge wegnehmen“

(Foto: t3n)

Ist Dropbox wirklich zehn Milliarden US-Dollar wert? Geht das Unternehmen an die Börse? Und wie steht es um neue Zielgruppen? Wir haben Dropbox-CEO Drew Houston getroffen und mit ihm über diese und andere Fragen gesprochen.

Dropbox: Ein Unternehmen, das 10 Milliarden Dollar wert ist?

Drew Houston und Marc Benioff bei der Dropbox Open. (Foto: t3n)
Drew Houston und Marc Benioff bei der Dropbox Open. (Foto: t3n)

Gerade erst hat Dropbox seine Business-Konferenz Dropbox Open abgehalten und neue Enterprise-Produkte vorgestellt. Das ist auch nötig, denn die Spekulationen und Diskussionen über das Unternehmen reißen nicht ab. Immer wieder steht auch ein Börsengang im Raum, vor allem aber werfen Kritiker dem Unternehmen vor, kein echtes Geschäftsmodell zu haben.

Von einem Börsengang war auf der Dropbox Open zwar keine Rede, doch das Geschäftsmodell hat CEO Drew Houston versucht klarzumachen: Über die Millionen von Privatanwendern, die das ehemalige Startup mit seinen Cloud-Diensten hat gewinnen können, will es jetzt Unternehmen erobern – so wie den Medienriesen News Corp. von Rupert Murdoch mit seinen 51.000 Mitarbeitern, der vermutlich größte Enterprise-Kunde von Dropbox. Im Rahmen der Dropbox Open haben wir Drew Houston getroffen und mit ihm über diese Strategie gesprochen. Und darüber, wie er die Kritik an „seinem“ Unternehmen empfindet.

Dropbox-CEO Drew Houston: „In Sachen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit weit vorne“

Durchaus beeindruckende Zahlen. (Grafik: Dropbox)
Durchaus beeindruckende Zahlen. (Grafik: Dropbox)

t3n.de: Mit der Dropbox Open habt ihr gerade eure erste Konferenz für Business-Kunden veranstaltet. Wie kam es dazu?

Drew Houston: Wir haben das gemacht, weil es so viele Anfragen gegeben hat. Wir sprechen sehr viel mit unseren Kunden und wollten sie jetzt mal zusammenbringen. Außerdem wollten wir den Menschen erklären, was wir da gerade bauen. Ganz am Anfang der Firmengeschichte ging es um Speicherplatz, um ein Zuhause für deine Daten, aber das hat sich verändert, jetzt sind wir eine Kollaborationsplattform, die alle Menschen, alle Unternehmen und alle Ökosysteme verbinden kann. Und natürlich wollten wir unser neues Produkt Dropbox Enterprise vorstellen, das unser Portfolio aus dem Freemium-Produkt und Dropbox Business erweitert, genauso wie unsere Investitionen in neue Features und neue Partnerschaften wie zum Beispiel mit Hewlett Packard Enterprise.

t3n.de: Dir wird ja sicher nicht entgangen sein, wie Box-CEO Aaron Levie auf die Ankündigungen reagiert hat, ihr befindet euch mit den Business-Produkten in einem harten Wettbewerb. Was würdest du ihm antworten?

„Wir sehen uns schlicht als Technologie-Unternehmen.“

Houston: Ich glaube, ich habe meine Argumente gebracht. Wir sind ziemlich stolz über den Fortschritt, den wir mit unseren Business-Kunden gemacht haben. Und ich glaube vor allem, dass unser Event den Menschen da draußen geholfen hat, unser Geschäftsmodell zu verstehen. Die Menschen sagen ja ganz gerne: Entweder bist du ein Consumer-Unternehmen oder ein Business-Unternehmen. Aber wir sehen uns schlicht als Technologie-Unternehmen. Was allerdings bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass es unsere privaten Nutzer gewesen sind, die uns den Zugang zu Unternehmen ermöglicht haben. Das ist ein viel besser skalierbarer Weg – und ich glaube, das sieht man auch an den Zahlen.

t3n.de: Der Kampf um die privaten Nutzer ist vermutlich noch härter als der um Firmenkunden. Speicherplatz ist derzeit sehr billig, und man könnte sagen, im Business-Bereich ist mehr Bewegung. Aber wo stehen wir gerade in Bezug auf die privaten Nutzer?

Houston: Ich glaube, vieles von dem, was wir entwickeln, ist universell nutzbar. Und das ist auch unser Ziel: großartige Tools zu bauen, die sowohl für den privaten als auch den geschäftlichen Bereich funktionieren. Für uns besteht Dropbox aus mehreren Schichten: Die Grundlage ist unser Freemium-Produkt, und das hat schon mehrere Hundert Millionen Nutzer, die Dropbox in Millionen von Unternehmen gebracht haben. Und jetzt werden mehr und mehr dieser Unternehmen auch Business-Kunden von uns, weshalb wir Dropbox Enterprise entwickelt haben. Aber wenn ich mir angucke, worum es wirklich geht, dann ist das Kollaboration. Und ein Produkt wie Paper nutze ich beispielsweise auch privat.

Vor allem aber sehe ich uns in Sachen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit weit vorne, unabhängige Benchmarks zeigen, dass wir fünf Mal schneller sind als unsere Konkurrenz. Und das merken die Menschen natürlich. Und: Die Menschen lieben, wie Dropbox funktioniert. Und wie sagt man: Wenn nichts kaputt ist, dann gibt es nichts zu reparieren. Aber da sind wir auch sehr sensibel, denn eine Menge Produkte sind unübersichtlich, weil immer mehr Funktionen dazukommen.

„Menschen wehren sich gegen Veränderung“

t3n.de: Du hast Paper und Kollaboration schon erwähnt. Aber was ist der nächste Schritt? Was kommt nach Cloud-Speicher und Kollaboration?

„Dran arbeiten, drüber reden, dran arbeiten, drüber reden. E-Mail, Dokument, E-Mail, Dokument. Das ist verrückt!“

Houston: Unser Ziel ist es, die Art und Weise zu vereinfachen, wie Menschen zusammenarbeiten. Wir kommen ja aus einer Welt der Dateien. Schaut man sich an, was der Dropbox-Badge oder Paper oder andere Features leisten, dann verwandeln sie jede Datei in eine Echtzeit-Arbeitsoberfläche. Wir kennen doch noch, wie wir bisher beispielsweise PowerPoint-Präsentationen bearbeitet haben. Da spielen wir dann Ping-Ping mit unserem Gegenüber: Dran arbeiten, drüber reden, dran arbeiten, drüber reden. E-Mail, Dokument, E-Mail, Dokument. Das ist verrückt! Da schreibt man dann Mails, in denen man erklärt, was man verändert hat und wo die neue Datei abgelegt wurde und das geht hin und her. Das ist Wahnsinn. In jedem modernen Kollaborations-Tool sollten das Dokument, also der Content, und die Kommunikation darüber an einem Ort gebündelt werden.

Was ich an unserem Ansatz so spannend finde, ist dass wir eine ganze Menge Desktop-Software, die Menschen schon nutzen, an die Cloud anbinden. Ich meine: Wir haben Photoshop nicht erfunden und wir haben Office nicht erfunden, aber wir haben selbst ältere Versionen kollaborativ gemacht. Und das ist wichtig, denn Menschen wehren sich gegen Veränderung. Sie nicht dazu zu zwingen, ihr Verhalten zu ändern, sondern sie da abzuholen, wo sie sind, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil unseres Designs, und das hat uns glaube ich erfolgreich gemacht. Deshalb würde ich sagen: Mit Dropbox bekommen Nutzer das beste aus dem Datei- und dem Post-Datei-Zeitalter.

Das Dropbox-HQ in San Francisco: Fitness-Studio, Karaoke-Bar und Luxus-Kantine

(Foto: Paige Tsai / Dropbox)

1 von 23

Zur Galerie

t3n.de: Obwohl es mit Google oder Atlassian harte Konkurrenz gibt, ist dieser Markt der Kollaborations-Tools noch relativ neu. Was werden die wichtigsten Eigenschaften sein, um hier erfolgreich zu sein?

Houston: Ich glaube, es fängt damit an, ein Produkt zu entwickeln, dass die Menschen lieben. Daran glauben wir ganz fest. Unsere Obsession in Sachen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Design wird da immer wichtiger, vor allem jetzt, wo wir in neue Bereiche vorstoßen. Das Erste ist also, es dem Nutzer einfach zu machen, das Zweite ist, den Menschen die Freiheit zu geben, die Tools zu nutzen, die sie nutzen wollen, sei es Office auf dem Desktop oder ein Produkt wie Paper, in das man wiederum beispielsweise ein Google-Spreadsheet oder ein PDF reinkopieren kann.

t3n.de: Also seht ihr euch selbst als eine Art Hub?

Houston: Ja, genau. Als Kollaborations-Plattform. Ein Teil davon ist unser Netzwerk, ein anderer Teil die Technik dahinter, mit der Hunderte von Petabyte und jeden Tag mehr als eine Milliarde Dateien gespeichert werden. Und da sicherzustellen, dass es keine Probleme gibt, ist für unsere Entwickler eine enorme Herausforderung. Und der nächste Schritt ist es dann, alles zusammenzubringen, die verschiedenen Endgeräte, die verschiedenen Betriebssysteme, die verschiedenen Clouds: Mit Microsoft und Adobe haben wir beiderseitige Integrationen entwickelt, für Google gibt es eine native Integration. Die Menschen sollen nahtlos von einer Lösung zur anderen kommen.

„Ich bin schockiert darüber, wie viel gleich bleibt“

HP-CEO Meg Whitman mit Dropbox-CEO Drew Houston. (Foto: t3n)
HP-CEO Meg Whitman mit Dropbox-CEO Drew Houston. (Foto: t3n)

t3n.de: Was glaubst du: Ist es euch mit der Konferenz gelungen, die Kritiker da draußen zu überzeugen, die am Wert eurer Firma zweifeln?

Houston: Ich glaube, wir wollen vor allem, dass die Menschen verstehen, wie groß dieser Markt ist. Wir wollen, dass die Menschen unseren Ansatz verstehen. Wir wollen erklären, was wir damit meinen, die einfachste und mächtigste Kollaborationsplattform zu sein. Natürlich ist es wichtig, ein Auge auf die Konkurrenz zu haben, aber noch wichtiger ist es, mit Kunden zu sprechen. Und unsere Kunden sagen uns: „Niemand löst unser Problem!“

Diese Welt ist immer noch viel komplizierter als sie sein müsste. Wir sprechen immer wieder davon, wie viel sich verändert, aber ich bin eigentlich schockiert darüber, wie viel gleich bleibt. Wir nutzen immer noch die selben Tools, die selben Workflows. Und wir wachen jeden Tag auf und versuchen, all diese Tools zusammenzuschustern, die aus den letzten 40 Jahren Computergeschichte stammen. Nichts von diesem alten Zeug verschwindet. Das ist ein Alptraum!

t3n.de: Um sowohl bei Privatkunden als auch im Enterprise-Bereich erfolgreich zu sein, braucht es verschiedene Teams, die aber trotzdem perfekt zusammenarbeiten müssen. Wie funktioniert diese Organisation bei Dropbox?

„Wenn ich die Firma absichern will, muss ich meinen Mitarbeitern die Spielzeuge wegnehmen.“

Houston: Natürlich kann ich nicht über die genauen Abläufe sprechen, aber ich denke, das Wichtigste ist: Selbst wenn wir über einen Großkunden sprechen, zum Beispiel ein Unternehmen mit 100.000 Mitarbeitern, dann besteht das eben immer noch aus Menschen – in dem Fall vielleicht Tausende von Gruppen aus fünf bis zehn Mitarbeitern. Am Ende also geht es um die User-Experience. Wir glauben, dass die IT aller Unternehmen in einem Dilemma feststeckt, nur falsche Entscheidungen treffen zu können: Entweder ich versuche die Daten, die ich habe, zu sichern oder ich lasse meine Mitarbeiter die Tools nutzen, die sie nutzen wollen. Und wenn ich die Firma absichern will, heißt das meistens, dass ich meinen Mitarbeitern die Spielzeuge wegnehmen muss. Das ist kein Spaß für die Administratoren, das ist kein Spaß und das ist auch nicht gut für das Unternehmen, und es ist noch nicht mal wirklich sicherer, da entstehen neue Probleme.

Deshalb haben wir erst mal Leute eingestellt, die schon großartige, nutzerfreundliche und einfache Endkunden-Produkte entwickelt haben und haben gesagt: „Ok, entwickelt großartige, nutzerfreundliche und einfache Management-Produkte.“ Der erste Schritt ist es glaube ich, dass die Leute deine Werte begreifen. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man etwas für eine Hunderttausend-Mitarbeiter-Firma umsetzt oder für ein Zehn-Mann-Unternehmen, schon was die Infrastruktur angeht, aber vom Prinzip her gibt es keine fundamentalen Unterschiede. Und: Es ist ja auch nicht so, als würden wir uns von den Privatkunden weg- und auf die Enterprise-Kunden zubewegen. Wir wollen ein Technologie-Unternehmen sein, dass Lösungen für alle Bereiche anbietet.

Dropbox-CEO Drew Houston: „Der Tank ist voll!“

Tools für Remote-Worker: Dropbox Paper befindet sich noch in einer Beta-Phase, ist aber schon jetzt spannend. (Screenshot: Dropbox Paper)
Tools für Remote-Worker: Dropbox Paper befindet sich noch in einer Beta-Phase, ist aber schon jetzt spannend. (Screenshot: Dropbox Paper)

t3n.de: Es gab in letzter Zeit eine Menge Berichte über Dropbox, darüber, ob das Unternehmen wirklich zehn Milliarden US-Dollar wert ist. Inwiefern beeinflusst dich das? Wie beeinflusst es das Unternehmen und seine Strategie?

„Diese Spekulationen sind so, als würden wir Football spielen, aber ohne Statistiken.“

Houston: Ich finde das witzig, wenn Menschen über den Wert privater Unternehmen spekulieren. Wir haben ja keinen Börsenkurs oder andere Fakten, die dafür als Grundlage dienen würden. Ich denke, in den USA spielen wir großartigen Football – und diese Spekulationen sind so, als würden wir großartigen Football spielen, aber ohne die Statistiken. Das ist, als würde jeder seine Meinung über die Meinung anderer äußern. Klar, damit kannst du deine Zeit verbringen, aber wir glauben nicht, dass das besonders lohnenswert ist. Insofern: Nein, das kümmert mich nicht, sowas passiert ja ständig. Deshalb sagen wir: Die Zahlen, die wichtig sind, sind unsere Kunden. Mit denen solltet ihr sprechen. Darauf konzentrieren wir uns.

Außerdem: Der Markt ist riesig und es ist wirklich noch früh. Und: Was sind die Zutaten einer Zehn-Milliarden-Dollar-Firma? Es sind wirklich zufriedene Kunden, eine Marke, die rund um die Welt geliebt wird, ein Produkt, dass die Leute lieben, ein wirklich talentiertes Team, so wie unseres, das handverlesen ist. Da sind wir wirklich besessen von. Und: ein wirklich starkes Geschäftsmodell. Deshalb konzentrieren wir uns auf jede dieser Zutaten – die Frage der Bewertung wird sich von ganz allein erledigen.

t3n.de: Also ist ein Börsengang erst mal keine Frage?

Houston: Der Tank ist voll! Wir kümmern uns also im Moment nicht darum, wann wir das nächste Mal an die Tankstelle müssen.

t3n.de: Bill Gurley von Benchmark Capital sagte vor kurzem, länger in privater Hand zu bleiben, sei wie ein College-Student im siebten oder achten Jahr, der sich immer noch samstags auf Parties rumtreibt …

Houston: Der Gang an die Börse ist nicht das Gleiche wie sein Diplom zu machen. Das ist eine strategische, finanzielle Entscheidung, die gute, aber auch schlechte Seiten hat. Das machst du, wenn es sinnvoll ist. Das ist keine Ehrenmedaille, das ist keine Ziellinie, das ist keine Auszeichnung.

Disclosure: Die Reise zur Dropbox Open erfolgte auf Einladung von Dropbox.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Dropbox

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen