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E-Commerce

Der Drops ist noch nicht gelutscht: Was uns 2014 im Mobile Payment erwartet

    Der Drops ist noch nicht gelutscht: Was uns 2014 im Mobile Payment erwartet

Mobile Payment – ein schwieriges Terrain. (Foto: © ldprod – Fotolia.com)

Mobile Payment war eines der großen Themen im Jahr 2013 – und auch 2014 wird es uns weiter begleiten. Dabei aber wird sich einiges ändern. Wir wagen eine Prognose.

Auch Mobilfunkanbieter versuchen, sich ihr Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Eine Vielzahl von Unternehmen hat im letzten Jahr versucht, im Mobile-Payment-Markt Fuß zu fassen. Große Anbieter wie die Lebensmittelketten Netto, Edeka oder REWE sind auf den Zug aufgesprungen und bieten neue, alternative Bezahlverfahren an. Ob es 2014 zum ersehnten Durchbruch kommt, ist fraglich – zu viele Köche verderben den Brei. Und: Der Anwender scheint auch noch gar nicht richtig Hunger zu haben, und das aus gutem Grund.

Mehr als 30 Anbieter tummeln sich aktuell im Mobile Payment. Jetzt drängen mit den Mobilfunkanbietern weitere Schwergewichte auf den Markt und versuchen, sich ihr Stück vom Kuchen abzuschneiden. Welche Lösungen 2014 an Bedeutung verlieren oder gewinnen werden, soll dieser Artikel beleuchten.

Mobile Payment mit Bezahl-Apps

2013 sind eine Reihe von Bezahl-Apps veröffentlich worden. Gleich drei große Discounter – Netto, Edeka und REWE – haben eigene Lösungen vorgestellt. Edeka und Netto setzen dabei auf die Whitelabel-Lösung von Valuephone, die REWE-Group auf Yapital. Dazu haben sich Pilotprojekte von Fastfoodketten wie McDonalds oder Burger King gesellt.

Ein Ende ist nicht in Sicht – 2014 werden weitere Einzelhändler auf Bezahl-Apps setzen. Ob die sich im Markt aber behaupten können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine White-Label Lösung, wie sie von Edeka oder Netto eingesetzt wird, hat es schwer, denn im Prinzip haben Edeka und Netto mit diesen Apps eine eigene Währung eingeführt. Auch wenn sie untereinander kompatibel sind – der Anwender bekommt davon wenig mit. Edeka wird nicht darauf hinweisen, dass bei ihnen auch mit der Netto-App gezahlt werden kann. Aus Kundensicht ist es hingegen schwer vorstellbar, dass sich die Anwender für jedes Geschäft eine eigene App installieren.

Netto und Edeka bieten eine App mit Zahlungsfunktion (Screen: Valuephone)
Mobile Payment bei Netto und Edeka. (Screenshot: Valuephone)

Yapital geht diesen Weg nicht. Bei REWE bezahlt der Kunde nicht mit einer REWE-Bezahl-App, sondern direkt mit Yapital. Das wird sich laut Yapital auch bei anderen Partnern nicht ändern. Für den Kunden bedeutet das, dass er nur eine App für „alle“ seine Geschäfte braucht, die Yapital als Lösung einsetzen. Je mehr Unternehmen auf eine solche Lösung setzen, desto besser für den Kunden. Hier stellt sich nur die Frage, ob Yapital weitere große Ketten begeistern kann – von einer weiten Verbreitung ist man noch weit entfernt. Im Vergleich zu den von Valuephone propagierten Lösungen ist das aber sicher ein Vorteil. Das Yapital eine Tochter der Otto-Gruppe ist und so auf mächtige Unterstützung hoffen kann, ist sicher auch kein Nachteil.

Yapital
Mobile Payment mit der Yapital-App (Foto: placeit.net)

Der Anwender kann an über 70.000 NFC-fähigen Kassenterminals in Deutschland kontaktlos bezahlen.

Ein Nachteil aller Bezahl-Apps sind die technischen Hürden. Um an der Kasse mit einer solchen App zahlen zu können, benötigt man zwingend eine Internetverbindung. Die ist aber nicht immer gegeben. Je nach Standort des Geschäftes ist es also reines Glück, ob man zahlen kann oder nicht. Bei der Lösung von Yapital kommt erschwerend hinzu, dass ein QR-Code fotografiert werden muss – je nach Smartphone und Lichtverhältnissen ist das nicht immer ganz einfach. Die bei Netto und Edeka erzeugte Bezahl-ID, die von der Person an der Kasse eingegeben wird, macht die reine Zahlungsabwicklung bei Netto und Edeka für den Anwender dagegen etwas einfacher. Allen Bezahl-Apps ist ein zum Teil komplizierter Registrierungsprozess vorgeschaltet. Eine weitere Hürde, die der Kunde nehmen muss.

Wir werden 2014 weitere Händler sehen, die auf solche Bezahl-Apps setzen. Dementsprechend wird die Nutzung zunehmen. Es darf aber bezweifelt werden, dass diese Apps über das Jahr 2014 hinaus eine Chance haben werden. Die Hürden für den Nutzer sind hoch und man verlangt ihm einiges ab. White-Label-Lösungen werden es langfristig schwer haben. Insgesamt muss hier noch einiges optimiert werden. Angefangen bei der Registrierung bis hin zu Usability haben alle Anbieter Optimierungsbedarf. 2014 dürfte also kein leichtes Jahr werden.

Kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone

Im letzten Jahr gab es außer Ankündigungen nicht viel zu sehen, wenn es um das kontaktlose Zahlen mit dem Smartphone ging. Jetzt soll es aber tatsächlich los gehen und die ersten Mobilfunkbetreiber haben mit der Vermarktung angefangen. Voraussetzung sind ein NFC-fähiges Smartphone und eine entsprechende SIM-Karte des Mobilfunkbetreibers. Ist beides vorhanden und eingerichtet, kann der Anwender an über 70.000 NFC-fähigen Kassenterminals in Deutschland kontaktlos bezahlen. Es reicht aus, das Smartphone an das Terminal zu halten („tappen“), um die Zahlung zu legitimieren.

Nicht nur mit dem Smartphone kann kontaktlos bezahlt werden, auch mit den NFC-fähigen EC- und Kreditkarten ist das möglich. Das Prinzip ist das gleiche: Karte an das Terminal halten und der Betrag wird vom Referenzkonto abgebucht.

 mobile payment
Kontaktloses Mobile Payment mit dem Smartphone- (Foto: © ldprod – Fotolia.com)

Mobile Payment ist noch immer nicht in Deutschland angekommen.

Kontaktloses Bezahlen wird in diesem Jahr deutlich mehr an Fahrt gewinnen, da Kartenherausgeber wie zum Beispiel VISA und Mastercard, aber auch die Mobilfunkanbieter das Thema gleichermaßen vorantreiben. Auch werden immer mehr Kassenterminals kontaktloses Zahlen unterstützen.

Zu einem Durchbruch wird es zwar auch im Jahr 2014 nicht kommen, aber kontaktloses Bezahlen wird signifikant zunehmen. Schaut man sich unsere Nachbarn wie zum Beispiel England an, stehen wir heute, was dieses Thema betrifft, ungefähr da, wo man bei unseren Nachbarn vor zwei Jahren war. Heute ist kontaktloses Zahlen in England keine Besonderheit mehr. Man kann also davon ausgehen, dass 2014 wichtige Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden.

Beacons und iBeacons

Wenn auch nicht als Mobile Payment konzipiert, taucht immer wieder das Gerücht auf, Apple könne mit iBeacon ein eigenes Mobile-Payment-System basierend auf Bluetooth-Low-Energy bringen. Abgeleitet vom englischen „Leuchtfeuer“ (Beacon) basiert iBeacon auf dem Sender-Empfänger-Prinzip. So genannte Beacons (Sender) schicken ein kontinuierliches Signal, ähnlich einem Leuchtfeuer. Dieses Signal kann von in der Nähe befindlichen Empfängern, wie zum Beispiel einem Smartphone, erkannt werden. Auch sind die Bluetooth-Transmitter günstig in der Herstellung. Mehr noch: Jedes neuere iOS-Gerät kann sich in einen solchen Transmitter verwandeln. Kassensysteme ließen sich ebenfalls leicht um diese Technik erweitern: Das Smartphone könnte dann zum Bezahlen genutzt werden.

Kein Geringerer als PayPal hat mit dem PayPal Beacon eine entsprechende Mobile-Payment-Lösung in Petto. In einem Youtube-Video zeigt PayPal wie das Bezahlen in Zukunft aussehen könnte. Darin wird die Bezahlung der Ware automatisch beim Verlassen des Geschäfts ausgeführt. Ein vielleicht noch sehr futuristisches anmutendes Szenario, das aber die Möglichkeiten dieser Technologie schon aufzeigt. Ob Apple mit iBeacon ein eigenes Mobile Payment anbieten wird ist fraglich. Unstrittig sind aber die Bemühungen von PayPal in diesem Bereich.

Der Hauptnutzen solcher Beacons liegt auch nicht im Mobile Payment. Als Indoor-Navigation konzipiert, kann der Nutzer mit Hilfe solcher Beacons gezielt auf Angebote hingewiesen und geführt werden. Darüber hinaus können Nachrichten an das Smartphone geschickt werden, sobald sich ein Nutzer einem Produkt nähert. Wenn auch nicht als Mobile-Payment-Alternative, könnten solche Beacons, beziehungsweise das von Apple vorgestellte iBeacon, helfen, das Smartphone im lokalen Ladengeschäft zu etablieren – wenn auch primär zu Marketingzwecken oder als Wegweiser. In den USA gibt es zwar immer mehr Stores, die auf Beacons setzen. Bis solche neuen Technologien zu uns rüber schwappen, dauert es erfahrungsgemäß aber immer einige Zeit. Daher ist leider nicht davon auszugehen, dass in Deutschland 2014 viel zu diesem Thema passieren wird.

Mobile Payment 2014 – Fazit

Der Drops ist noch nicht gelutscht und Mobile Payment ist noch immer nicht in Deutschland angekommen. 2014 werden wir uns dem Thema zwar weiter nähern, aber zum Durchbruch wird es auch in diesem Jahr nicht kommen. Der Anwender hat die Vorteile für sich noch nicht entdeckt und es bedarf noch einiger Aufklärungsarbeit. Der reine Bezahlvorgang an der Kasse ist keine Killerfunktion und es fehlt an Attraktivität.

Die viel beschworenen Mehrwertdienste könnten dennoch zu einem Aufschwung beitragen. „Könnten“, denn bisher hat man wenig von selbigen gesehen. Lösungen, die einen 360-Grad-Ansatz versprechen, könnten maßgeblich zum Erfolg von Mobile Payment beitragen. Barclays Pingit aus England ist ein schönes Beispiel dafür. Mit Pingit kann man Peer-2-Peer-Zahlungen ausführen (auch an Nicht-Pingit-Nutzer), einfach Rechnungen bezahlen und selbst Zahlungen im E-Commerce sind möglich – auch das Online-Banking ist in Pingit integriert. Es ist eine wunderbare Ergänzung zu Barclays Kreditkarten, die zusätzlich NFC-fähig sind. Wir brauchen in Deutschland nicht mehr Insellösungen, sondern Lösungen, die das ganze Spektrum des Bezahlens abdecken. Ein wenig Nutzerforschung würde dem ein oder anderen Anbieter solcher Insellösungen sicher gut tun.

Wir werden wohl noch einige mehr oder weniger spannende Ansätze im Mobile Payment sehen. Auf Überraschungen wird man allerdings leider vergebens warten.

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4 Reaktionen
Klaus I.
Klaus I.

fast so interessant wie den Artikel finde ich den aktuellen Diskussionsverlauf.

Während sich bei vergangenen Artikeln zum Thema "mobile Payment" rege Diskussionen entwickelt haben ist es im Vergleich dazu eher "tot". Ein Indiz für das aktuelle Interesse an dem Thema oder wurde es schon zu oft diskutiert?

Antworten

Klaus I.
Klaus I.

Schöner Artikel! Nachvollziehbar und gut auf den Punkt gebracht sind sowohl der beschriebene IST-Zustand als auch der Ausblick für 2014!

Insellösungen haben wohl wirklich - wie in den meisten Branchen - heutzutage keine Chance mehr auf Erfolg und sind eher dazu geeignet, die breite Nutzung von "mobile Payment" Lösungen nachhaltig zu behindern. Der normale User wird einfach damit überfordert sein, verschiedene Lösungen in Abhängigkeit des Geschäfts nutzen zu müssen. Dazu kommt, dass negative Erfahrungen mit einer speziellen (Insel)Lösung automatisch auch auf andere und künftige mobile Bezahllösungen projiziert werden.

Persönlich halte ich die gleichzeitige Nutzung von drei bis vier Bezahllösungen für möglich, z.B. Girocard, Credit Card und ein bis zwei mobilen Lösungen für möglich. Darüber hinaus kommen nur noch Power-User als Nutzer in Frage, womit der wirtschaftliche Betrieb solcher Systeme für die Anbieter schwer möglich ist.

Der Erfolg der Girocard in der Vergangenheit hing m.E. primär mit der hohen Verbreitung und der einfachen Benutzbarkeit zusammen. Die Girocard dürfte auch der Gradmesser für "mobile Payment" Lösungen sein. Hiervon sind wir, da stimme ich dem Autor zu, noch ganz weit entfernt.

Nicht ganz so optimistisch wie der Autor sehe ich den Ausblick für NFC, gerade nachdem die Sparkassen die Girocard mit der NFC Funktion ausgestattet und millionenfach ausgegeben haben und es sich dennoch nicht viel getan hat. Vielleicht bringen die NFC Kreditkarten Bewegung, so recht glauben kann ich es nicht. Die Vorteile der Verwendung von NFC gegenüber dem traditionellen Lesegerät sind m.E. für die breite Masse nicht sichtbar. Es bleibt eher eine Portion Unbehagen, die seinerzeit durch Medienberichte angefacht wurde in denen gezeigt wurde, wie sich "Ganoven" die Funktechnologie zu Nutze machen ohne dass der Kunde es merkt...

Auf jeden Fall bleibt es spannend.

Antworten

Knut Börge
Knut Börge

Ein Smartphone bietet keinerlei Sicherheit und auf der Internetleitung sitzen die allzeit neugierigen Geheimdienste. Solange sich das nicht ändert, werde ich weiterhin auf Bargeld setzen. Irgendeinen rudimentären Rest der Privatsphäre muss man sich erhalten.

Antworten

ChristE
ChristE

"Der Anwender hat die Vorteile für sich noch nicht entdeckt und es bedarf noch einiger Aufklärungsarbeit."

Auch dieser Artikel beschwört die Aufklärungsarbeit. Aber wo der Nutzen und die Vorteile liegen sollen bleibt weiterhin ein Rätsel.

Ein Lichtblick scheint es aber doch zu geben. Ein System wie Pingit könnte zumindest das Potential zu haben Bargeld zu ersetzen. Den letztendlich wird der Geldfluss im privaten Bereich von fast allen Lösungen einfach ignoriert. Ob ein System eine Chance hat hängt dabei aber auch von den Gebühren ab.

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