Vorheriger Artikel Nächster Artikel

E-Books: Strampeln gegen die Bedeutungslosigkeit

So richtig zufrieden sein kann die deutsche E-Book-Branche nicht mit den Zahlen, die die Marktforscher der GfK anlässlich des Starts der Leipziger Buchmesse veröffentlicht haben. Demnach sind die E-Book-Umsätze in den vergangenen Monaten zwar weiter rasant gestiegen, nämlich um 77 Prozent auf 38 Millionen Euro. Allerdings beläuft sich der Anteil der E-Books am Gesamtumsatz der Buchindustrie gerade einmal auf ein müdes Prozent.

 

Formatwirrwarr, Kopierschutz, hohe Preise

Von Verhältnissen wie in den USA – dort machen E-Books bereits bis zu 20 Prozent am Gesamtmarkt aus – können deutsche E-Book-Händler nur träumen. Zu schaffen macht der Branche nicht nur die unübersichtliche Formatvielfalt. Auch die Kopierschutzbeschränkungen und die hohen Preise lassen die deutschen Käufer derzeit noch vor dem verstärkten E-Book-Kauf zurückschrecken. Laut GfK haben gerade einmal 1,2 Prozent der Bundesbürger ab 10 Jahren im vergangenen Jahr ein oder mehrere E-Books gekauft. Die Zahl der kostenpflichtigen E-Book-Downloads belief sich auf 4,7 Millionen.

(Foto: Paul Stainthorp / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Der typische E-Book-Käufer ist den Berechnungen zufolge übrigens im Alter zwischen 40 und 49 Jahren, verfügt über ein höheres Einkommen und eine mittlere Ausbildung. Ganz anders als bei den gedruckten Büchern überwiegen im E-Book-Sektor die Männer als Käufer. Einigermaßen überraschend ist es da, dass dennoch der Fokus auf dem Thema Belletristik liegt. Fast 85 Prozent aller bezahlten E-Books stammen aus diesem Bereich – besonders beliebt sind hierbei die Subgenres Spannung, Science-Fiction und Fantasy.

Gerade angesichts der immer noch sehr geringen Verbreitung von E-Books hierzulande ist es kein Wunder, dass die GfK den digitalen Buchdownloads auch in den kommenden Monaten großes Potenzial zugesteht. Vor allem die stark gestiegene Anzahl von E-Readern gibt Anlass zur Hoffnung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der digitalen Lesegeräte Anfang des Jahres auf 1,6 Millionen Stück mehr als vervierfacht. Zusätzlich wurden 3,2 Millionen Besitzer von Tablet-PCs gezählt, auf denen ja bekanntlich auch E-Books gelesen werden können. Noch einmal der Vergleich zu den USA: Dort sollen mittlerweile jeweils 19 Prozent der Einwohner einen Tablet-PC bzw. einen E-Book-Reader besitzen.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
6 Antworten
  1. von René am 14.03.2012 (18:45 Uhr)

    Also das der Durchschnitt zwischen 40 und 49 Jahre alt ist hätte ich nicht gedacht, eher jünger...
    Es wäre aber auch einmal interessant zu sehen mit was denn die E-Book nun gelesen werden, mit einem E-Book Reader oder einem Tablet...

    Antworten Teilen
  2. von Mike am 14.03.2012 (23:48 Uhr)

    Die Reproduktionskosten für ein ebook gehen nahe null, aber trotzdem ist der Preis fast der selbe, wie bei einem gedrucktem Buch. Das wissen die Leser. Das riecht einfach zu sehr nach Geldschneiderei. Verkauft die ebooks für 10 bis 20 Prozent vom Hardcoverpreis und ich bin gerne bereit mir ein ebookreader für viel Geld anzuschaffen.

    Antworten Teilen
  3. von jorni am 15.03.2012 (08:56 Uhr)

    Ich denke, dass die Buchpreisbindung hier die Crux ist. Ich für meinen Teil kaufe sehr viele englisch-sprachige eBooks, die preislich deutlich unter den gedruckten Varianten liegen; allerdings empfinde ich die geringe Differenz zwischen gedruckter und digitaler Version bei deutschen eBooks als ungerechtfertigt.

    Antworten Teilen
  4. von Paeddl am 15.03.2012 (09:28 Uhr)

    Da kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten. Ich hab bereits ein iPad mit dem ich recht komfortabel Bücher lesen könnte. Für mich wäre es auch eine sinnvolle Dreingabe, wenn ich zu meinem analogen Buch auch noch die digitale Variante dazu bekäme, aber stattdessen kann ich mir nur die Beispielcodes oder Begleitmaterial herunterladen – toll!

    Antworten Teilen
  5. von On Demand am 15.03.2012 (15:27 Uhr)

    Alles fing mal klein an. "Internet braucht keiner" "Man braucht nur 4 PCs weltweit". Auch Autos, Ipads, Iphones, Laptops, Handies, SMS, UMTS, CDs, DVDs, BluRays, Onlinewerbung, Facebook, Apple, Google... hatten nur 1% Marktanteil. Siehe was in 5(?) Jahren aus den BluRays geworden ist. Die sind inzwischen neu oft billiger als vor 5 Jahren KaufDVDs (15 Euro) waren.

    Der Weltbild/Hugendubel-Reader kostet ja nur 60 Euro und hat leider keine gigantischen Lesergruppen erschlossen die ihn (nach Kauf eines Ipad) zum Bilderrahmen degradieren, in einer durchsichtigen Plastiktüte in der Küche oder Werkstatt nutzen oder an Verwandte weiterverschenken wenn man seinen Kaufcontent rübernehmen kann.
    Klar ist das kein Ipad aber ein Fiat Punto ist ja auch kein Ferrari und bringt einen auch von A nach B.

    Freie Bücher müssten aufkommen. Auto-Ersatzteile einbauen oder Rezepte nachkochen o.ä. wären wohl ein Renner. Werbung dynamisch dann z.b. für die nächsten Automessen in der Umgebung und Ersatzteilhändler/Autoschrotter in der Umgebung und natürlich die Tuning-Versender. Das wäre die kuratierte Fortsetzung des Unboxings ("ich packe meine Pearl-Versand Knight-Rider-LED-Leuchte für meinen Golf-SuperDuperTurbo aus") zu sinnvollen EBüchern ("Bilderserie Einbau der Pearl-Versand Knight-Rider-LED-Leuchte in einen Golf Super-Duper-Turbo" optional auch Videos mit Originalton (erst ab 18 wegen Flüchen) ).

    Die Printbranche müsste systematisch kleiner gefahren werden. Bisher interessiert das Thema aber keinen und ich muss dann mal wieder irgendeine Branche retten die nicht schlau genug war.

    Digitaler Besitz und sein Recht auf Weiterverkauf hätte 1999 schon unter rot-grün definiert und geregelt werden müssen und können.

    Die rot-grüne Regierung hat damals die Buchpreisbindung als Gesetz gemacht. Vorher war es freiwillig. Warum Taschenbücher dann aber billiger sein dürfen als Hardcover("Gebundene Bücher") weiss ich aber bis heute nicht. Follow-Prinzipien interessieren auch keinen: D.h. um die Buchhändler zu schützen und deren Abwicklung softer zu gestalten würde man das Ebook mit dem Hardcover gleichpreisig lassen. Dann kommt nach t1 Monaten das Taschenbuch und das Ebook kostet wie das Taschenbuch. Dann nach weiteren t1 Monaten muss das Ebook regelmäßig z.b. 10 Cent billiger werden bis es nach t1 Monaten der Differenz von Taschenbuch zu Hardcover entspricht. Das weiss dann jeder und ist im zentralen ISBN-Verzeichnis hinterlegt und kostenlos im Web abrufbar und Amazon verlinkt es oder nennt die Daten selber.
    Beispiel: Hardcover 24 Euro. Ebook=24 Euro
    Nach 5 Monaten kommt das Taschenbuch zu 8 Euro. Also 1/3=33% vom Hardcover-Preis. Das Ebook kostet dann auch 8 Euro.
    Nach noch mal 5 Monaten kostet das Ebook jeden Schritt 10 Cent weniger bis es nach weiteren 5 Monaten aufgerundete 1/3 vom Taschenbuchpreis kostet. Man darf auch schneller absenken aber die Buchhändler müssen das vorher wissen um nicht zu viele Bücher herumliegen zu haben.
    Das ist wie harmonische Teilung bzw. der goldene Schnitt in gemalten Bildern und Photo-Arrangements oder A0 A1 A2 A3 A4 A5-Papier aber für Preise und Zeiträume.

    Das Taschenbuch darf billiger sein, wieso das Ebook nicht auch billiger als das Taschenbuch ? Das man die Buchhandlungen sozialverträglich herunterfahren muss (schon seit das Internet gängig wurde also 1999 als AOL das war was Facebook heute ist) wäre dann auch möglich. Der Buchhänder hätte dann Download-Points und Test-Lese-Geräte (für alle test-lesbaren Bücher aller vertretenen Verlage!) im Laden stehen wo man sich mit Download-Prepaid-Punkten z.b. Bücher auf den Hugendubel-Reader per WiFi auch nachts vor der Tür "beamen" lassen kann und kriegt Provision für Traffic und verkauften Content (Konzertkarten, Messe-Karten, Bahnkarten, Itunes-Musik, Itunes-Bücher, Itunes-Filme, Itunes-Serien, Google dasselbe aber später ...). Den freien Platz kann man zu Coworking-Places bzw. Mini-Slot-Miet-Büros die man auf 15 Minuten genau buchen kann deklarieren.
    Wenn jedes Handy Bluetooth und immer öfter auch WiFi und jedes Tablett WiFi hat, muss keiner mehr in meinen Laden reinkommen. Speziell auf dem Lande die Rewes mit Parkplätzen und die Poststationen könnten etwas dazuverdienen und Zeitungen, Zeitschriften und Bücher ausserhalb der Öffnungszeiten 24x7 per WiFi/Bluetooth verkaufen bzw Verkaufs-Vermittlungs-Provisionen erhalten und den Traffic verkaufen. Schade das die Handy-Shops das nicht schon längst ihren UMTS-Tape-Paket-GSM-Flat-Kunden anbieten :-(

    Antworten Teilen
  6. von Enno Peter am 16.03.2012 (11:32 Uhr)

    Zu den Kosten: Amazon verlangt rund 30% von den Verlagen/Autoren, zusätzlich werden E-Books mit 19% besteuert und nicht wie Bücher mit 7%. Da bleibt wenig übrig für die Autoren.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema
Amazon startet E-Book-Flatrate: 10 Dollar pro Monat für „Kindle Unlimited“
Amazon startet E-Book-Flatrate: 10 Dollar pro Monat für „Kindle Unlimited“

Amazon testet eine Flatrate für E-Books und Hörbücher, die 9,99 US-Dollar pro Monat kosten soll. Der Service soll über 600.000 digitale Bücher umfassen. » weiterlesen

Self-Publishing: 10 Tipps für ein erfolgreiches E-Book-Projekt
Self-Publishing: 10 Tipps für ein erfolgreiches E-Book-Projekt

Self-Publishing war in Zeiten des Internets noch nie so einfach, oder? Tobias Gillen erzählt von seinem ersten E-Book-Projekt. Ein Erfahrungsaustausch. » weiterlesen

Amazon weiter unter Beschuss: 100 deutsche Autoren kritisieren Praktiken des Onlinehändlers
Amazon weiter unter Beschuss: 100 deutsche Autoren kritisieren Praktiken des Onlinehändlers

Nach ihren US-amerikanischen Kollegen machen nun auch deutsche und deutschsprachige Autoren ihrem Ärger über die Geschäftspraktiken von Amazon Luft. 100 von ihnen unterschrieben einen Protestbrief … » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 37 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen