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E-Commerce: Amazon beherrscht fast ein Fünftel des deutschen Versandhandels

veröffentlicht zum ersten Mal seine Verkaufszahlen in Deutschland. Rund 6,8 Milliarden Euro geben die Deutschen bei aus. Damit liegt Amazon noch vor der Nummer Zwei im Ranking, dem deutschen Versandhausriesen Otto, der immerhin 6,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr umsetzte.

E-Commerce: Amazon beherrscht fast ein Fünftel des deutschen Versandhandels

Bisher hielt sich Amazon zum Thema „Umsatz in Deutschland“ eher bedeckt in seinen veröffentlichten Jahresbilanzen. So wurden in der Bilanz für das Jahr 2011 die Verkaufszahlen für Deutschland nur im Paket mit Japan und Großbritannien genannt und jeweils auf ungefähr 11 bis 15 Prozent des Jahresumsatzes beziffert. Nun wird zum ersten Mal deutlich, dass der deutsche Markt für den amerikanischen Online-Händler von hoher Bedeutung ist.

Amazon setzte mehr um als der gesamte deutsche Onlinehandel im Weihnachtsgeschäft

Der gesamte deutsche Versandhandel hat laut bvh (Bundesverband des Deutschen Versandhandels) im Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres 8,3 Milliarden Euro umgesetzt, davon entfallen 5,5 Milliarden auf den Onlinehandel und zusätzliche 1,7 Milliarden Euro auf den Erwerb von digitalen Gütern wie MP3s, elektronische Tickets und Reisen. Beschränkt man die Betrachtung auf den Onlinehandel, dann übersteigt der Jahresumsatz von Amazon.de in Höhe von 6,8 Milliarden Euro deutlich den Weihnachtsumsatz der gesamten deutschen Onlinehandelsbranche.

E-Commerce: Amazon im Weihnachtsgeschäft

Deutscher Versandhandel im Vergleich

Die Prognose für das komplette Handelsvolumen der Versandhandelsbranche liegt bei geschätzten 38 Milliarden Euro. Der zugehörige Bundesverband wird am 12.02.2013 die endgültigen Zahlen präsentieren. Damit erreicht Amazon nahezu ein Fünftel des Gesamtumsatzes der Branche, also fließt im Prinzip jeder fünfte Euro, der in Deutschland für Versandhandelsprodukte ausgegeben wird, in die Taschen von Amazon. Mit einem kleineren Abstand folgt auf Platz 2 der umsatzstärksten Versandhändler in Deutschland, die Otto Group mit rund 6,6 Milliarden Euro Umsatz. Im Anschluss daran folgt die Verlagsgruppe Weltbild mit einem Jahresumsatz von 1,59 Milliarden Euro. Um den nächsten Platz würden sich vermutlich Zalando und Neckermann streiten, wenn Letzterer nicht bereits im Oktober 2012 seine Tore für immer geschlossen hätte.

Bilanzen enthalten in der Regel nicht nur Umsatzzahlen aus dem Onlineversandhandel

Bei der Betrachtung der Zahlen muss berücksichtigt werden, dass keiner der Konzerne den reinen Verkauf von Handelswaren aufschlüsselt, egal ob es sich um physikalisch oder digital vertriebene Produkte handelt. Amazon gibt an, dass Einkünfte aus Werbemaßnahmen, Zahlungsdiensten und den Amazon-Web-Services mit in die Berechnung einfließen. Dementsprechend wurden für die oben genannten Kennzahlen der Otto Group ebenfalls die vergleichbaren Geschäftsbereiche Service und Finanzdienstleistungen mit berücksichtigt.

Wie viel Umsatz Amazon hierzulande mit seinen zusätzlichen handelsnahen Dienstleistungen im Rahmen von Amazon-Services-Europe erwirtschaftet, wäre eine interessante Information gewesen. Dazu gehören unter anderem die Dienste „Verkaufen bei Amazon“ und „Amazon Payments“, die von vielen deutschen Händlern in Anspruch genommen werden. Schließlich partizipiert Amazon über diesen Weg an einem signifikanten Teil des deutschen Onlinehandels. Aber auch so wird deutlich, dass Amazon jetzt und wohl auch in absehbarer Zukunft den deutschen Onlinehandel dominieren wird.

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5 Antworten
  1. von Der Phil am 06.02.2013 (16:37Uhr)

    Man darf nicht vergessen, dass es sich bei Amazon auch um einen Marktplatz handelt. Wenn Produkte über Amazon z.B. bei dem Anbieter Zalando erworben werden, zählt hier Amazon und Zalando den gleichen Umsatz.
    Wenn man also die Umsätze aus dem Amazon-Marktplatz nicht subtrahiert, erhält man ein verfälschtes Ergebnis über den Umsatz des gesamten Marktes.

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  2. von Jochen G. Fuchs am 06.02.2013 (18:21Uhr)

    @Der Phil
    Gedanklich sind Sie auf dem richtigen Weg. Ich möchte nur auf ein mögliches Missverständnis hinweisen. Auf die Thematik, das Amazon ja nicht nur "eigene" Umsätze generiert, habe ich ja im letzten Absatz hingewiesen. Wenn ich Ihr Beispiel aufgreifen darf, dann verkauft Zalando ein paar Schuhe über Amazon. Sagen wir, für 49,99€. Im buchhalterischen Sinne sind jetzt nur die Verkaufsprovision und die Transaktionsgebühren für die Zahlung über Amazon Payments Umsatz für Amazon. Nehmen wir an, das wären fiktive 10 Prozent. Dann hat Amazon bei diesem Schuhverkauf einen Umsatz von 4,99€ gemacht. Nun müsste man diesen Amazon-Anteil aus dem prognostizierten Gesamtumsatz der Versandhandelsbranche herausrechnen um quasi "bereinigte Zahlen" zu erhalten. Da ich kein Analyst bin, kann ich nicht beurteilen wie sinnvoll solche Rechenmodelle anhand geschätzter Zahlen durchgeführt werden können. Meine persönliche Einschätzung wäre, das mangels genauer Angaben zu den "Fremdumsätzen" bei Amazon hier kein brauchbares Ergebnis zu erwarten wäre. Aber prinzipiell haben Sie nicht unrecht. ;)

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  3. von Marketplace gibts auch noch oder viellei… am 06.02.2013 (22:15Uhr)

    Die Frage ist also, ob die Marketplace-Umsätze voll in den Gesamtumsätzen drinstecken oder nur die (bei meinen privaten Buch-Verkäufen ca. 15%) ca. x%..15% die Amazon für den Shop und Inkasso von den Marketplace-Händlern einbehält. Die ausgezahlten Gelder müssten dann irgendwo als Kosten auftauchen.
    Ein Steuerberater oder Bilanz-Kenner kann das sicher erklären und die Zahlen vielleicht sogar finden.

    Die Gelder fliessen also nicht "in" Amazons Taschen wie im Text steht sondern evtl teilweise nur "durch Amazons Hände".
    Wie viel von Euren Bestellungen läuft über Marketplace-Händler ? Bei mir eher sogar das meiste. D.h. man kann vielleicht noch 20%-100% draufschlagen wenn bei den 5.5 Mrd die ganzen Marketplace-Umsätze noch nicht mit drin sein sollten. Das wäre also mal eine extrem relevante Frage.

    Amazon bietet übrigens auch die Leistung "von Amazon verpackt und geliefert aber verkauft von xyz" an. Auch da stellt sich die Frage ob das in den 5,5 Mrd drinsteckt.
    Da ich mal CDs bei Amazon bestellt hatte und die "vom Vorlieferanten nicht lieferbar" waren, weiss ich auch, das Amazon vermutlich geringer gefragte Titel beim Großhandel ordert und nicht immer selber lagert. Vielleicht haben die Distributoren und Großhändler sogar eigene Lager um Amazon herum und Fließbänder liefern es von den Distributoren/Bertelsmann/Sonopress/...-Lagerhallen in die Amazon-Versand-Halle.

    Das 40% offline sind und viele kein brauchbare Geschwindigkeit haben, lässt Potential auf Verdoppelung der Zahlen erahnen und wie viel Kaufkraft (=19% Umsatz-Steuer! ) jeden Tag durch mangelndes Internet dem Staat verloren geht.

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  4. von Diane am 07.02.2013 (09:51Uhr)

    Es ist an sich interessant die deutschen Umsatzahlen von Amazon zu sehen. Was mir aber genau der Vergleich des Jahresumsatzes von Amazon mit dem des Weihnachtsgeschäfts des Onlinehandels bringen soll, ist mir ein Rätsel. Das Amazon ein Riese im Onlinehandel ist, ist unbestritten. Reine Onlinehändler mit Amazon zu vergleichen halte ich allerdings für kritisch, da das Geschäftsmodell einfach sehr viel breiter aufgestellt ist. Und was noch deutlich interessanter zu erfahren wäre ist, was letztendlich hängen bleibt. Wie aus anderen Artikeln zu entnehmen bleibt weltweit nicht sehr viel übrig von den Milliarden an Umsätzen. Das Ziel sich seine Kunden "zu kaufen" und damit andere Händler in die Knie zu zwingen ist nicht neu aber recht unsympathisch.

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  5. von Jochen G. Fuchs am 09.02.2013 (10:50Uhr)

    @Marketplace
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die im Artikel genannten Zahlen sind keine Handelsvolumina, sondern konzerneigene Umsätze. Wie oben bereits erklärt sind beim Thema Marketplace nur Verkaufsprovisionen und Transaktionsgebühren Umsatz, nicht der Handelswert der Ware.

    @Diane
    Sie haben völlig recht, reine Online-Händler mit Amazon zu vergleichen wäre wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Genau deshalb sind die oben genannten Umsätze der Otto Group und Weltbild die kompletten Deutschlandumsätze des jeweiligen Konzerns. Nicht nur Umsätze aus dem Verkauf von Handelswaren. Die Otto Group ist genauso breit aufgestellt wie Amazon und bietet vielfältige Logistik- und Zahlungsdienstleistungen, die Weltbild Verlagsgruppe hat genau wie Amazon Marktplatzangebote im Konzernportfolio.

    Der Weihnachtsumsatz und der Jahresumsatz sind wirklich zwei verschiedene Dinge. Diese beiden miteinander zu vergleichen, ob das Sinn macht? Gute Frage. Betriebswirtschaftlich gesehen sicherlich nicht unbedingt. Als bildhafteren Vergleich der Marktmacht von Amazon fand ich das an dieser Stelle einfach spannend. Sehen Sie es mir nach. ;-)

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