In den letzten Tagen mehren sich die Beiträge zum Thema „Pay with Facebook“, den zunächst plattforminternen Bezahlservice von Facebook. Die Entwicklungen deuten sich schon länger an. Zunächst startete Facebook mit der Einrichtung des Credits System im November 2008, um die Bezahlung von Virtual Gifts zu ermöglichen. Im Frühjahr 2009 konnten dann Firmen erstmals Sponsored Gifts über den Facebook Geschenkladen verkaufen. Seitdem entwickelte sich das Credits System in kleinen Schritten weiter und im dem Herbst 2009 konnte in vereinzelten Anwendungen schon das Credits System zum Kauf virtueller Güter getestet werden.
Am 18. Februar 2010 hat Facebook dann die Kooperation mit dem eBay Payment Dienst PayPal bekanntgegeben. Über diesen lassen sich in Zukunft sowohl Rechnungen für Facebook Ads als auch Facebook Credits bezahlen. Mit diesem Schachzug spart sich Facebook eine Menge administrativen Aufwand und kann auf ein bereits weltweit eingeführtes und etabliertes Bezahlsystem zurückgreifen. Auch intern sucht Facebook seit diesem Jahr nach Unterstützung des Facebook Payment Operations Team und hat einige Stellenausschreibungen offen.
Neue Richtlinien
Heute Nacht nun hat Facebook die Entwicklerrichtlinien für das Credits und Payment System bekanntgegeben. So werden zum Start des Systems 15 verschiedene Währungen, diverse Kreditkarten, PayPal und in einigen Ländern auch die Bezahlung über die Handyrechnung unterstützt. Auch wie viel Prozent des Umsatzes bei Facebook hängen bleiben ist nun bekannt. Gute 30 Prozent behält der Plattformbetreiber von jeder Transaktion, das ist mehr als viele Analysten bisher erwartet hatten. Interessierte Entwickler können sich ab sofort über ein Formular für erste Testimplementierungen bewerben.
Mit der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit wird Facebook wohl spätestens zur Facebook Entwicklerkonferenz f8 vom 21. bis 22. April das Credits System für alle Entwickler und Nutzer vorstellen.
Die Zukunft des Micropayment?
Für Facebook ist dies ein wichtiger Schritt um andere Firmen an die eigene Plattform zu binden. Denn durch das Angebot eines eigenen MicroPayment Systems (1 Credit sind 10 US-Cent) muss sich der Anwendungsanbieter – und wir reden hier nicht nur von Spieleanbietern – kaum noch Gedanken um die Abrechnung seiner Dienste kümmern. Neben den Einnahmen durch Werbebanner steht ihm nun ein weiteres Erlösmodel zur Verfügung: das des klassischen B2C Verkaufs. Derzeit kann kein anderes Social Network mit einer solchen Funktion überzeugen.
Denkt man einen Schritt weiter, so ist eine Bezahlung mit Facebook Credits außerhalb der Plattform gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Theoretisch sind alle Seiten, die heute schon eine Verbindung mit Facebook Connect herstellen, in der Lage, dieses Bezahlsystem zu nutzen und den potenziellen Kunden anzubieten. Neben virtuellen Gütern könnten so auch kleine Beträge für reale Güter bezahlt werden. Für teurere Güter wird sich dies voraussichtlich nicht lohnen, da hier Facebooks 30% Anteil einen zu hohen Aufpreis bedeuten würde.
Über den Gastautor
Jens Wiese ist Masterstudent an der Hochschule Furtwangen. Zusammen mit Philipp Roth betreibt er den Blog Facebookmarketing.de. Hier berät er Firmen und Marken im richtigen Umgag mit dem größten sozialen Netzwerk und dessen Nutzern. Auf dem Blog werden neben Tips zur Kommunikation mit dem potenziellen Kunden auch alle Entwicklungen rund um die Plattform selbst behandelt. Der Blog ist auch mit einer eigenen Fanpage bei Facebook vertreten.






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