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E-Commerce-Fuchs: Das große Starbucks-Geheimnis [Kolumne]

E-Commerce-Fuchs: Das große Starbucks-Geheimnis [Kolumne]

Vor kurzem bin ich in einem Starbucks Coffeehouse auf ein kleines Geheimnis gestoßen. Das dazu geführt hat, dass ich den Starbucks leicht verwirrt verlassen habe. Worum es genau geht, erfahrt ihr hier in der .

E-Commerce-Fuchs: Das große Starbucks-Geheimnis [Kolumne]

(Foto: © B. Wylezich - Fotolia.com Montage: Jochen G. Fuchs)

© Andrzej Solnica - Fotolia.com
(Foto: © Andrzej Solnica - Fotolia.com Montage: Jochen G. Fuchs)

Irgendwie sind gerade Starbucks-Wochen bei mir, nach dem Artikel über die Starbucks-App-Story, jetzt schon wieder einer über Starbucks. Aber es ist auch einfach zu seltsam, was ich da in den letzten Wochen entdeckt habe. Wirklich verstehen kann ich es nicht, auch wenn ich einen Verdacht habe, wieso es so sein könnte. Aber beginnen wir ganz von vorne, da wo die Geschichten immer beginnen: am Anfang.

Die Starbucks-App verschwindet

Starbucks hatte in Deutschland mal eine App. Wirklich spannend war die nicht, es waren Infos über Getränke und das nächstgelegene Starbucks zu finden. Vor einigen Monaten verschwand die App aus dem App-Store. Seitdem kann niemand in Deutschland mehr eine offizielle Starbucks-App herunterladen.

Gut, das Ding war jetzt eh nicht der Bringer, wozu also die Aufmerksamkeit? Naja, einfach so entfernt so ein Konzern eine App ja nicht: Ich deutete das als Anzeichen für eine herannahende neue App und kontaktierte die Pressestelle. Von dort kam eine höfliche, nichtssagende Antwort: Man habe gerade nichts zu verkünden, man würde sich wieder melden wenn es was zu vermelden gäbe.

In einem Starbucks in San Francisco

Ich hab den Kram wieder vergessen. Bis ich kürzlich in San Francisco war und auf die Idee kam, die US-App herunterzuladen. Hab mal neugierig meine deutsche Starbucks-Bezahl-Karte in die Bezahlfunktion der App reingetackert und das Handy zum Bezahlen hingestreckt. Ging nicht, weil die Karte aus Deutschland ist. Abspeichern der Karte ging, Kontostandsanzeige auch – nur Zahlen konnte ich nicht mit meinen Starbuck-Karte. Also: US-Karte geholt, bezahlt, alles gut.

Wisst ihr wie man mit dem Handy bei Starbucks bezahlt? Man drückt auf „Pay“, die App blendet einen QR-Code ein, gibt das Gerät dem Barista, wie die Servicekraft hinter der Theke im putzigen italienisch-angloamerikanischen-Marketingslang der Kette bezeichnet wird, der zieht das Handy an einem Scanner vorbei: Piep, bezahlt!

(Foto: Starbucks)
(Foto: Starbucks)

Das Geheimnis wird gelüftet, ich gehe verwirrt

Da stehe ich in einem leeren Starbucks in Hannover, mein Blick fällt auf einen Scanner und ich denke: „Den Scanner kennst du doch irgendwoher“. Mich reitet der Schalk, ich ziehe mein Handy heraus, aktiviere Pay in der Starbucks-App und strecke dem Barista auf seine Ansage „4,65 Euro bitte“ das Handy hin. Und rechne mit verständnislosen Blicken. Stattdessen erlebe ich verblüfft, wie mir das Handy aus der Hand genommen, ganz selbstverständlich am Scanner vorbeigezogen und wieder zurückgereist wird.

Ich habe gerade mit der US-App und der deutschen Karte bezahlt. Etwas verdattert nehme ich meine heiße Schokolade und verlasse das Coffeehouse.

(Foto: Starbucks)
(Foto: Starbucks)

Wieso, weshalb, warum?

Da hat Starbucks offensichtlich nicht nur die Infrastruktur in Deutschland schon aufgebaut, sondern auch das Personal geschult. In jeder deutschen Stadt in der ich in den letzten Wochen war, funktioniert das Verfahren. Und das, obwohl es weder die App noch die Bezahlmöglichkeit mit dem Smartphone in Deutschland offiziell gibt.

Das ist irgendwie hochgradig irritierend. Andere Player in Deutschland bekommen es zusammen mit ihren Handelspartnern nicht hin, dass das Verkaufspersonal vernünftig geschult wird. Yapital, Netto, jedesmal wenn ich oder jemand aus meinem Bekanntenkreis mit deren Lösungen an der Kasse bezahlen will, wird's unangenehm. Und Starbucks, dessen Lösung offiziell gar nicht verfügbar ist, hat seine Mitarbeiter geschult. Wieso? Vielleicht damit den ausländischen Gästen das Kundenerlebnis erhalten bleibt? Aber kann ich überhaupt mit einer ausländischen Karte in Deutschland bezahlen, ich konnte es in den USA nicht?

Und wieso führt Starbucks die App und die dazugehörige Mobile-Payment-Funktion nicht ein, wenn schon alles steht?

Liegt das wieder an unserer gefürchteten „Innovationsfeindlichkeit“? Hat Starbucks Angst davor die Funktion in Deutschland einzuführen? Vielleicht. Man kann nur Vermutungen anstellen.

Also Starbucks: Warum?

P.S.: Die Frage haben wir an Starbucks weitergereicht, ob wir noch eine Antwort bekommen, das werden wir sehen.

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12 Antworten
  1. von starchucks am 07.12.2014 (21:28 Uhr)

    Starbucks hat – erwartungsgemäß – eine seehr gute PR-Abteilung. Und t3n und/oderFuchs merken es nicht. Oder wissen es, spielen das Spiel mit. Auch eine Form von payed content.

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  2. von Arne am 07.12.2014 (21:29 Uhr)

    die Scanner wurden mit einer groupon Aktion (10€ für 5€) vor ca. Anderthalb Jahren eingeführt. Die Gutscheine hatten einen Code der vom Handy oder Ausdruck gescannt wurde. Der Barista dachte wahrscheinlich es handelt sich um einen dieser Gutscheine. Die Technik wurde einfach aus den USA schon rübergeholt aber nicht richtig ausgerollt. Jetzt ist es sicher genauso als ob du mit deine Sarbucks Karte bezahlst.

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    • von Jochen G. Fuchs am 07.12.2014 (22:22 Uhr)

      Danke Arne, die Groupon-Aktion hatte ich nicht mitbekommen. Tatsächlich ist die Payment-Funktion „nur“ ein Substitut für die Karte, das stimmt schon.

      Viele Grüße aus der Redaktion,
      Jochen

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  3. von Tim am 08.12.2014 (00:27 Uhr)

    Mensch, das ist ja ganz schön mysteriös…!

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  4. von Georg am 08.12.2014 (03:19 Uhr)

    Mh, da fehlt doch was - ach ja, Steuern!

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  5. von Gluteni am 08.12.2014 (03:20 Uhr)

    Das ist wohl ein extrem disruptives Zahlsystem bei dem man statt den Geldschein das eigene Handy ausgibt und das manuell statt in die Kasse gelegt daran vorbei gezogen wird. Also erspart es den Optimierungsfreunden doch nichtmal die Handarbeit? Und zu allem Überfluss merkt sich der Amikonzern noch was man wo wann getrunken hat.

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  6. von Interessant am 08.12.2014 (08:59 Uhr)

    Bei Elementary (TV-Serie) bei Kabel1(oder wo es hier im FreeTV läuft) hat auch ein Verdächtiger sein Handy selber unter einen Scanner an einem fahrenden Imbiss-Wagen druntergehalten. So sieht Payment of the Future aus. Man will ja speziell in Grippe- und Pandemie-Jahreszeiten nicht unbedingt das andere Leute das eigene Handy berühren.

    Verrat es doch an die TV-Sender und steh zu Interviews zur Verfügung. Auch die ÖR und die vielen Lokalsender nicht vergessen.

    Allerdings auch normalverständlich erklären wie man an die App kommt und ob man mit deutschen oder amerikanischem Prepaid(?)-Guthaben bezahlen kann.
    Mich würde auch nicht überraschen wenn man Online Guthaben erwerben kann. Das wäre relevant wenn es US-Guthaben sein muss.

    Amerikanische Touristen und Geschäftsreisende erwarten halt das man mit dem Handy bezahlt, daher können die Starbucks es vermutlich weltweit.

    Wenn es an mehr als sagen wir mal 5 Standorten erfolgreich geklappt hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch das das Know-How auch in aktuellen Schulungen verkündet wird. Personal-Fluktuation bei Gastronomie ist vermutlich nicht niedrig. Das kann bei Starbucks aber auch anders sein.

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