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E-Commerce

E-Commerce-Fuchs: Ein kleiner Ausflug in den digitalen Handelsdarwinismus

    E-Commerce-Fuchs: Ein kleiner Ausflug in den digitalen Handelsdarwinismus
(Foto: Shutterstock)

Wieso im deutschen Handel Realitätsverweigerung zu herrschen scheint und warum E-Commerce an nichts Schuld ist, das erzählt Jochen G. Fuchs während einer kurzen Reise durch die Evolution des Handels in seiner Kolumne „E-Commerce-Fuchs“.

An mir fliegen Landschaften vorbei, fast kahle Bäume mit den letzten herbstlich braunen Blättern huschen an meinem Zugfenster vorüber, ja selbst erste zart gezuckerte, winterliche Landschaften sehe ich auf meinem Weg vom Norden in den Süden. Die Zeit, die ich auf der Schiene verbringe, nutze ich heute für meine Kolumne: Es geht um Veränderungen in der Gesellschaft, vor allem um umwälzende Veränderungen, die auch zu umwälzenden Veränderungen im Handel führen. Wieso diese Veränderungen unabwendbar sind, warum mich die kurzsichtige Einteilung in Offline- und Online-Handel langsam nervt, wieso das Kanaldenken aussterben muss und wieso E-Commerce keine Innenstädte zerstört, kurz: Es geht auf eine Reise durch die Evolution des Handels.

Konsumtempel in Berlin: Das Kaufhaus des Westens. (Foto: nayrb7 / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Immer wieder Kanaldenken: HDE-Studie zeigt Realitätsverweigerung im deutschen Handel

„Unverständnis für die fortschreitende Evolution des Handels.“

Der Handelsverband Deutschland, der maßgebliche Verband für den klassischen Handel in Deutschland, hat zusammen mit der Unternehmensberatung Kurt Salmon eine Studie durchgeführt, die sich mit der zukünftigen Rolle der stationären Filiale im E-Commerce auseinandergesetzt hat.

Die Studie selbst will ich gar nicht kritisieren. Wohl aber die Geisteshaltung, die ich hinter einem Stimmungsbild aus der Studie glaube zu verspüren: E-Commerce soll bis 2020 stagnieren und maximal bei einem geschätzten Anteil von 20 Prozent landen, so jedenfalls sollen Deutschlands Handelsmanager denken. Eine Sättigung des Marktes wird erwartet. Was ist das für eine Geisteshaltung? Realitätsverweigerung? Selbstberuhigung? Nach dem Motto „Es wird schon nicht so schlimm“ oder „Das geht wieder vorüber“?

Im ersten Reflex möchte man das als Beteiligter am E-Commerce-Zirkus schon fast als letztes Aufbäumen einer dem Untergang gewidmeten Art zuschreiben. Undramatisiert dürfte es schlicht in vielen Fällen Unverständnis für die fortschreitende Evolution des Handels sein – zu erkennen am immer noch ausgeprägtem Kanaldenken.

Die Evolution des Handels im Überblick

Fliegende Autos in jeder Großstadt, Düsenrucksäcke auf jedem Rücken und kein Hunger und kein Leid mehr, so haben sich früher Science-Fiction-Autoren die Zukunft vorgestellt. Die Zukunft ist anders geworden, als es die menschliche Vorstellungskraft vorhersehen konnte, dass wir uns weiterentwickeln oder zumindest verändern, das dürfte unbestritten sein. Die Menschheit verändert sich im Ganzen und jede Entwicklungsstufe hat wirtschaftliche Veränderungen mit sich gebracht.

(Foto: Shutterstock)
Zukunftsvisionen unterscheiden sich oft von der Realität, aber jede Evolutionsstufe hat immer Auswirkungen auf den Handel gehabt. (Foto: Shutterstock)

„Es gab eine Notwendigkeit für diese Entwicklung.“

Tauschhandel wurde irgendwann durch Geld ersetzt. Geld war notwendig, um den aufkeimenden Handel zu erleichtern. Es gab also eine Notwendigkeit für diese Entwicklung. Als sich in Europa im Mittelalter Städte bildeten, sind die umherziehenden Händler von den Märkten abgelöst worden, die zu einem zentralen Merkmal der Städte wurden. In vielen Kulturräumen entstand Geldwesen und bald darauf bargeldloser Verkehr mit den ersten Wechseln – Geldmengen auf langen Handelsreisen herumzutragen, die geklaut werden oder verloren gehen konnten war unpraktisch. Es gab auch hier eine Notwendigkeit für diese Entwicklung.

(Foto: Shutterstock)
Im Mittelalter beherrschten Märkte das Bild des Handels und formten Stadtzentren in Europa. (Foto: Shutterstock)

In Europa bildeten sich Handelszentren in unterschiedlichen Ländern, wechselnde Dominanz über Meeresräume. Handelnden Gilden schlossen sich in der Mitte des 12. Jahrhunderts zur „Hanse“ zusammen, der Handel bekam verstärkt politischen Einfluss.

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Große Handelsvereinigungen wie die Hanse hatten auch politische Macht. (Foto: Shutterstock)

In der Mitte des 19. Jahrhunderts bringt ein Mann den Handel auf eine weitere Evolutionsstufe: dem Pariser Aristide Boucicaut wird mit dem Pariser „Le Bon Marche´“ die „Erfindung“ des Kaufhauses zugeschrieben. Sowie die Etablierung der Umtauschmöglichkeit und des unverbindlichen Einkaufsbummels durch ein Warenhaus – das Betreten eines Geschäfts und die Inanspruchnahme von Beratung hatte damals eine stillschweigende Kaufverpflichtung zur Folge. Auch zahlten alle Kunden erstmals feste Preise, man könnte fast von einer Demokratisierung des Einkaufs sprechen. Die Kaufhäuser wurden zu „Palästen für den Kaufrausch“, wie die SZ so schön Ihre Geschichte des Kaufhauses betitelt. Durch die Paläste defilierten die Menschen, Einkauf wurde zum Kulturerlebnis, die Kaufhäuser zum Ausflugsziel.

In Paris, im noch heute bestehenden „Le Bon Marché“, begann im 19 Jahrhundert die Geschichte des modernen Kaufhauses. (Foto: yisris / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

„Hier spricht man von der Evolution des Handels.“

Hier braucht man schon nicht mehr nur von Notwendigkeit sprechen, sondern auch von Evolution. Bedürfnisse der Menschen veränderen sich, denn der Wandel in der Kultur, Gesellschaft und Technik hat immer auch den Bedarf und damit den Handel verändert. Kaufhäuser waren und sind für uns heute Alltag, aber ebenso wie Shopping Malls sind die Paläste des Konsums aktuell auf einem absteigenden Ast der Evolution.

Handelsevolution: Die Suche nach dem Schuldigen ist überflüssig

„E-Commerce, der Prügelknabe einer ganzen Zunft.“

Diese Evolution im Handel setzt sich heute fort. Wie eh und je wandelt sich der Handel. „Evil Commerce“ ist eine aktuelle Studie betitelt, die sich mit dem Vorurteil auseinandersetzt, der E-Commerce zerstöre Innenstädte, den stationären Handel, kleine Fachhändler, töte Teddybären oder welche Missetat auch immer greifbar ist. Wenig überraschend kommt die Studie zu dem Schluß, dass der E-Commerce nicht „Schuld“ sei. Ich wäre froh, wenn endlich mal die „Schuldfrage“ komplett unter den Tisch fallen würde. Der „E-Commerce“. Was ist denn das bitte schön: „Der E-Commerce“? Eine große, grüne Figur mit einem dicken „E“ auf der Mütze? Zu finden in Buxtehude, in der Neulandstr. 23? Und wozu braucht man die Figur? Als ominösen, imaginären Prügelknaben einer ganzen Zunft?

Die Evolution ist „schuld“, die Omnipotenz des Internets

Der E-Commerce ist an nichts Schuld. Die Evolution ist „schuld“, der technologische, kulturelle und gesellschaftliche Wandel. Schnelle Internetverbindungen sorgen für das Gefühl und oft auch für die Tatsache, dass alles und jeder jederzeit verfügbar ist. In meinem Kommentar „Mobile Revolution: Der Durchbruch für Mobile-Life, -Commerce, und -Everything ist am anrollen“ gehe ich ausführlich auf den, von Forrester Research geprägten, sogenannten „Mobile Mindshift“ ein – kurz zusammengefasst: „Die Erwartung dass ich das was ich möchte, unmittelbar und genau in dem Kontext, in dem ich es benötige, bekommen kann.“

Smartphone und Notebook sind als digitale Problemlöser omnipräsent und wollen deshalb auch im Handel so eingesetzt werden. Aber nur weil es die Kunden so gewohnt sind, nicht weil’s aus Technikverliebtheit so geschieht. Und sicher: viele Kunden sind es noch nicht gewohnt, werden es vielleicht auch nie gewohnt sein. Meine eigene Mutter wird in Ihrem Leben mit Sicherheit nichts mehr online kaufen. Und braucht im C&A sicher keine App.

Jeder kann diese Entwicklung nach eigenem Gutdünken bewerten und beurteilen, ob positiv oder negativ. Und beide Standpunkte hätten sicher Ihre berechtigten Argumente.

Gegenwehr und Selbstberuhigung zwecklos

„Ausgestorben wird jetzt trotzdem.“

Aber: Gegen die Evolution ist letztlich jede Gegenwehr zwecklos. Wie es die Platitüde „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ so schön auf den Punkt bringt. Wenn Dinosaurier des Lesens mächtig gewesen wären und die große Tageszeitung „Perm Daily“ zum Ende des Erdmittelalters die Klimaveränderung beklagt hätte, es hätte nichts geholfen. Der letzte Kommentar auf der Titelseite hätte „Ausgestorben wird jetzt trotzdem“ lauten können. Lamentieren hilft nichts. Schlafliedchen singende Selbstberuhigung mit obskuren, statistischen Einschätzungen übrigens auch nicht.

Online-Pureplayer sollten jetzt nicht hämisch anfangen zu lachen: Die Freude wäre vergebens. Denn wir E-Commerce-Heinis sind nicht die nächste Evolutionsstufe, die selbsternannten Primaten des Handels. Wir sind eher eine Zwischenstufe in der Entwicklung, auf dem Weg zum nächsten Evolutionssprung des Handels.

Ausgeprägtes Kanaldenken behindert zukunftsorientierte Ausrichtung in Handelsunternehmen

„Das Kanaldenken muss sterben.“

In der Eingangs erwähnten Studie kommen auch Stimmen zu Wort, die erahnen lassen, dass die unausweichlich kommende Digitalisierung des Handels, mal mehr, mal weniger, in den Köpfen der Handelsmanager angekommen ist. Trotzdem ist das Denken noch vom Kanaldenken beherrscht. Dieses Denken muss sterben. Ja, es herrschen manchmal unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten in den Kanälen, aber längst erwarten Kunden auf allen Kanälen das gleiche Angebot im Sortiment und im Service.

Kunden haben Bedürfnisse, die gestillt werden können. Die entstehende Nachfrage wird zukünftig oft digital gestillt werden. Aber nicht (nur) online, sondern dort, wo es der Kunde gerade gerne möchte. Steht der Kunde im Laden und probiert ein Hemd an, das leider nicht in seiner Größe vorrätig ist – und bekommt dann per Push-Nachricht eine Meldung, dass das Hemd, das er gerade weggehängt hat, online in seiner Größe vorrätig ist, in welchen Kanal gehört die nachfolgende Bestellung? Eine Onlinebestellung im Offlinekanal? Wollen wir da schnell noch ein überflüssiges Buzzword dafür basteln? RoPofPo, Research-Offline-Purchase-Offline-Fail-Purchase-Online? Moment, einer geht noch: Research-Offline-Purchase-Offline-Fail-Purchase-Online-Pickup-Offline. Ropofpopo.

Weg mit dem Firlefanz

Das Beispiel macht deutlich, dass die zwanghafte Kategorisierung in Kanäle und die Bildung von Kunstbegriffen wie Omni-, Multi- Blabla-Channel irgendwann nur noch für Historiker und Sprachwissenschaftler interessant sein werden. Kunden ist es nämlich, jetzt und zukünftig, erstmal völlig piepegal, wo sie ihren Einkauf tätigen. Es ist ihnen nur wichtig, wie sie ihn tätigen: zufriedenstellend.

Deshalb wird es zukünftig keinen stationären Handel, Onlinehandel, Multichannel-Handel oder Was-Auch-Immer-Handel geben.

Sondern schlicht und einfach nur Handel.

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20 Reaktionen
GernotMoetschlmayer
GernotMoetschlmayer

Wunderbarer, visionärer Artikel, Gratulation Herr Fuchs!

o-Ton von einem Einzelhändler bei einem Workshop "Handel-im Wandel.org": "Laufend wird mir erzählt, ich muss mich wandeln. Das kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, dass ich jeder Entwicklung hinterherhechle um mein Geschäft aufrechtzuerhalten".
Digitaler Handelsdarwinismus - besser kann man die Geisteshaltung des deutschen Einzelhandels, im speziellen den Inhabergeführten, nicht umschreiben.
Statt das Internet als Chance und Erweiterung der eigenen Geschäftstätigkeit zu sehen, wird das Internet als Konkurrenz wahrgenommen. Wenn es der stationäre Einzelhandel schafft das Internet vom Einkauf über Marketing zu Verkauf entsprechend zu nutzen, dann wird der reine e-commerce Handel, wie in der Studie beschrieben, in der Minderheit bleiben.

Was aber fehlt sind skalierbare, maßgeschneiderte Lösungen für den Einzelhandel, die das Internet über die ganze Wertschöpfungskette hinweg nutzbar machen (fernab von vielen teueren, aktuell eingesetzten Bastellösungen). Hier bieten sich Chancen Deutschland als Innovationsplatz zu etablieren und nicht hoffentlich auch dieses Feld der amerikanischen Digitalwirtschaft zu überlassen.

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Myriam
Myriam

Die Evolution als «schuldig»? Da hat wohl einer nicht verstanden, was Evolution ist. Also: Lebewesen verändern sich zufällig. Jene, die der sich ändernden(!) Umwelt am jeweils besten angepasst sind, überleben (länger) und pflanzen sich erfolgreich(er) fort. «Survival of the Fittest». So entwickeln sich die Lebewesen (Einzeller und Mehrzeller) weiter: Sie passen sich nicht aktiv an, sondern die «passendsten» setzen sich im Genpool durch. Dadurch verändern sich Lebewesen resp. entstehen neue Arten.

In der Metapher sind neue Medien/Kanäle sowie sich ändernde Kundenbedürfnisse die Umwelt. Firmen verändern sich hoffentlich nicht zufällig, sondern nehmen veränderte Bedürfnisse wahr und stillen diese. Unternehmen, die dies verpassen, machen sich obsolet – wie etwa Fotoentwicklungsstudios.

Die Evolution ist in der Metapher also die Veränderung von Unternehmen und deren Geschäftsmodell. Jene, die untergehen, sind selber schuld: Sie haben sich verhalten wie Einzeller: zufällig statt vorausschauend und überlegt.

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Jochen G. Fuchs

Vielen Dank für den Hinweis.

Metaphern und Vergleiche hinken leider immer etwas. Da muss ich geneigte Evolutionsbiologen und -Biologinnen um Verzeihung für etwaige Ungenauheiten bitten.

Ich finde es allerdings nicht schlimm, dass Vergleiche hinken, solange der Inhalt der Aussage wie geplant übermittelt werden kann. Das scheint, wie mir zumindest ihre Schlussfolgerungen zu zeigen scheinen, gelungen zu sein.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

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Jürgen Schulze

Wenn ich die Fußgängerzonen im Ruhrgebiet sehe, die einstmals in den 70ern gnadenlos in die Landschaft gezogen wurden, nur um Karstadt, Hertie und C&A zu beherbergen in fensterlosen Bunkern, die jetzt alle leerstehen oder durch noch dümmere Mini-Malls ohne Zukunft ersetzt wurden, so bin ich froh, dass es den Online-Handel gibt. Denn so habe ich die Hoffnung, dass diese vielerorts zu nächtlichen Geisterstädten verkommenen Zonen bald wieder eingerissen und dem Verkehr übergeben werden. Man merke: früher war nicht alles besser.

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K-J Jonen
K-J Jonen

also wie verbunden sich die Online-Händler dem Handel fühlen, sieht man ja beim Marktführer Amazon.Klar wir sind Online-Händler, aber unsere Mitarbeiter bezahlen wir lieber nach dem billigen Speditionstarif und Steuern brauchen wir auch keine zu bezahlen, den wir haben ja eine Briefkastenfirma in Luxenburg. Keine Steuern zu zahlen oder seine Mitarbeiter auszubeuten ist unsozial und schädigt nicht nur den Staat sondern uns alle, denn die fehlenden Staatseinnahmen bezahlen wir dann über höhere Steuern für den Einzelnen.

Welcher Handel auch immer, kann nur dann gut und richtig sein wenn für alle die gleichen Rahmenbedinungen gelten und wenn das der Fall ist sind die Preisunterschiede zwischen Online und Stationär nicht mehr vorhanden.
Aber es ist wie immer, solange es nicht den eigenen Bereich betrifft kümmert es keinen, aber wehe wenn einmal z.B. Urheberrechte von Autoren verletzt werden,dann ist die Abmahnung schneller da als man mit den Augen zwinckern kann und in den Medien ist der Teufel los.
Der Online Handel ist die heilige Kuh die man nicht hinterfragen darf, da alle meinen Sie würden Schnäppchen machen und keiner sieht das wir alle draufzahlen.

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Jochen G. Fuchs

Amazon ist nicht der gesamte Onlinehandel. Sondern ein einzelner Händler. Es steht jedem frei als Konsument eine Entscheidung gegen Unternehmen zu treffen, die der eigenen Ethik nicht genügen.

Dazu hier: http://t3n.de/news/e-commerce-fuchs-amazon-teufel-559377/ oder hier http://t3n.de/news/e-commerce-fuchs-geht-woanders-547141/

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Karl-Josef Jonen
Karl-Josef Jonen

falsch Versandhändler sind keine Händler , weil ein Einzelhandelskaufmann eine Ausbildung hat und Schulungen über seine Produkte absolvieren muß.
Versandhändler sind bestenfall Paketpaker und nicht mehr!!
Aber da wir ja in Zukunft nicht mehr zum Arzt gehen sondern einen Online Gesundheitshändler konsultiert, der ja so wunderbar billig ist, bekommen wir genau das was wir wollen. Dann können wir uns ja auch noch schnell online beerdigen lassen. Ist es wirklich das was wir wollen, oder wird uns das nur von den Medien suggeriert. Vielleicht sollten wir da etwas kritischer sein und versuchen das Gute zu erhalten und offen für das Neue sein.

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Jochen G. Fuchs

Da meine ich soviel Enttäuschung über bisherige Einkaufserlebnisse zwischen den Zeilen herauszulesen, dass ich mich schon fast versucht fühle mich für die ganze Innung zu entschuldigen.

Nein, da möchte ich beruhigen: Aus meiner Erfahrung sind viele gut ausgebildete Menschen im Versandhandel tätig, die für Ihre Produkte brennen und über tiefgehende Warenkunde verfügen.

Aus meiner Erfahrung aus Verkaufstraining und Praxis auf der Fläche muss ich auch sagen, das die reine Tatsache dass eine Einzelhandelsausbildung abgelegt wurde, noch keinen guten Verkäufer macht oder für gute Warenkenntnis sorgt. Da habe ich solches und solches erlebt. Aber wahrscheinlich nicht nur ich.

Auf jeden Fall wünsche ich positivere Online-Einkaufserlebnisse für die Zukunft.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

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Britt
Britt

Was ist denn das für eine seltsame Aussage?
Ob Versandhandel, Direktvertrieb oder stationär: die Kernaufgaben eines Händlers sind immer dieselben. Schaffung eines relevanten, verfügbaren Sortimentes, des richtigen Pricings und die Wahl der Distribution - wo wir im übrigen wieder beim verschmähten Kanal sind. E-Commerce oder besser "Distanzhandel" ist lediglich eine Frage der gewählten Distribution. Jeder Kanal hat nicht nur für den Händler andere Voraussetzungen, sondern auch für den Kunden. Insofern bin ich kein Freund davon, dies zu negieren.
In Summe aber - und da gebe ich dem Autor recht - ist alles aber HANDEL mit seinen o.g. Kernaufgaben.

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Alter S...
Alter S...

Für mich als Kunden ist es schon wichtig, über welchen Kanal ich einkaufe. Haben Sie mal versucht online mit Bargeld zu bezahlen? Oder eine echte Beratung zu erhalten? Oder die Ware anzufassen?

Ich teile Ihre Meinung, dass die Kanäle sich angleichen müssen. Aber es wird sie mindestens die nächsten 20 Jahre geben. Auch im Kopf der Kunden.

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Jochen G. Fuchs

Ich verstehe sie gut, es gibt auch Fälle, in denen ein bestimmter Kanal besser geeignet ist als ein anderer Kanal um dort seinen Bedarf zu decken. Stimme ich ihnen zu.

Aber eigentlich widersprechen wir uns da nicht. Denn gehen wir tiefer und betrachten wieso ist es denn für Sie wichtig ist, in welchem Kanal sie einkaufen? Zu einem großen Teil, weil Ihnen als Kunde nur ein eingeschränktes Servicerepertoire angeboten wird.

Das ist ein Paradebeispiel dafür wie sie als Kunde Opfer des Kanaldenkens des Händlers werden. Barzahlen könnten sie mit Barzahlen.de, Beratung könnte der Händler auch anbieten: Butlers bietet mittlerweile einen Videochat als Liveberatung, um nur ein Beispiel zu nennen.

Das haptische Erlebnis ist zugegebenermaßen schwerer zu lösen, aber in manchen Fällen geht auch das. Stoffprobenversand beim Herrenschneider beispielsweise.

Verzeihen Sie mir, wenn ich mir erlaube ihre Intention zu interpretieren, aber eigentlich wollen Sie doch den Kauf doch hauptsächlich für sie zufriedenstellend abwickeln. Und weil keine Beratung und keine Barzahlung möglich ist, bleibt ja nichts anderes als in einen anderen Kanal zu wechseln.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten
Tobi
Tobi

Guter Artikel und auch alles richtig.

Trotzdem: Im Handel existieren unterschiedliche Herausforderungen, Probleme, Risiken oder auch Prozesse, je nach Kanal. Darum muss in einigen Fällen trotzdem zwischen Stationär- und/oder Online-Handel unterschieden werden. Und deswegen kann eine E-Com-Strategie sich immer noch von einer Stationär-Strategie unterscheiden.
Der Kunde (Konsument) sollte davon im besten Fall nichts mitbekommen. Das ist völlig richtig. Denn für ihn ist es Handel, egal wo.

Antworten
G.K
G.K

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr der Hang zur Verallgemeinerung die Menschen trügt. Letztlich kann man doch von Flexiblität sprechen, die manchen Händlern (noch) fehlt. Beispiele sind die Lieferung nach Hause, falls man selbst die Produkte nicht transportieren kann. Somit gibt es bereits jetzt dort wo es marktwirtschaftlich Sinn macht einen fließenden Übergang vom klassischen "Offline"-Handel zum hier erwähnten "Online"-Handel, der ja eigentlich nix anderes ist, als früher die telefonische Bestellung beim Versandhaus. Lediglich das Medium für die Bestellung hat sich aus marketing- und konsumorientierter Sicht geändert. So gesehen haben da sicherlich einige den Anschluss an modernere Medien verschlafen. Im Grunde haben Sie also keine wirklich neue Aussage hinzugefügt und nur etwas Verwirrung durch Landschaftsbeschreibungen gestiftet.

Die Sättigung des Marktes tritt übrigens immer wiederkehrend ein und ist kaum verhinderbar (Rezession). Letztlich kann man heutzutage aber auch so manche Artikel ja auch direkt in Hongkong bestellen und alle europäischen Händler komplett umgehen... Solche und andere Gründe führen dann dazu. Bis der Markt sich wieder normalisiert muss es erst einen Zusammenbruch geben oder eine Subventionierung wie aktuell durch die EU. Ob das hilft bleibt abzuwarten, denn nur weil die von der EU jetzt Händler unterstützen kaufe ich persönlich nicht mehr, da ich gar nicht mehr sondern weniger Geld zur Verfügung habe. Die Realität sieht also noch weit bedrohlicher aus, als sie offiziell dargestellt wird.

Antworten
Udo Tambach
Udo Tambach

interessanter Artikel in Klarschrift. Nur mal so als Gedanke der sich in meinem Kopf sofort gebildet hat - Versandhändler sind doch auch Händler und deren Änderungen mit allen auch eventuellen Schmerzen haben doch Alle sehen und erleben können. Was bitte hält die Brache davon ab daraus Lehren zu ziehen...

Ich ab da so eine Vermutung; wir brauchen immer einen den wir verhauen können, gegebenenfalls "Eine große, grüne Figur mit einem dicken „E“ auf der Mütze". So sind wir Menschen eben, wenn es uns schlecht geht, die Umsatzzahlen sich nicht wie gewünscht entwickeln, dann brauchen wir einen zum "verhauen" zum drauf zeigen - der ist es gewesen... Gestern war er noch mein Kollege und hatte seinen Laden in der gleichen Straße, jetzt ist er im Onlinebereich, was offensichtlich so etwas wie ein anderer Planet ist - was ein Quatsch, aber eben wohl menschlich, genau wie der Glaube an die ebenso offensichtliche Lernfähigkeit unserer Spezies.

Antworten
Nico Saborowski

Schicker Artikel Herr Fuchs, auch wenn die Naturbeschreibung im ersten Absatz etwas liebevoller hätte vonstattengehen können.

Trotzdem finde ich den Ansatz Klasse: In (unabsichtiger?) Anlehnung an "Das Kommunistische Manifest" ist der Aufbau und das Fazit Ihrer Kolumne logisch. Aber es stellt sich die Frage, ob es nicht dennoch Sinn macht von unterschiedlichen Kanälen zu sprechen solange unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten herrschen.
Sie essen Ihr Schnitzel ja auch nicht mit dem Löffel, sondern nutzen Messer und Gabel. Das Angebot ist gleich, nur der Zugriff ist unterschiedlich zu bewerten.

Obwohl Multi-,Cross-,Omni-Channel aber wohl tatsächlich nur zur Beweihräucherung der eigenen Ideen beitragen, hoffe ich sehr, dass sich das Buzzword "Ropofpopo" in nächster Zeit hoffentlich durchsetzen wird.

MfG,
Nico

Antworten
Jochen G. Fuchs

Danke schön.

„..auch wenn die Naturbeschreibung im ersten Absatz etwas liebevoller hätte vonstattengehen können.“
Ich werde mich bemühen mich in der nächsten Kolumne zum Monet der szenischen Natur-Text-Einstiege zu mausern. Versprechen kann ich nichts.

„Trotzdem finde ich den Ansatz Klasse: In (unabsichtiger?) Anlehnung an "Das Kommunistische Manifest"
Ich müsste das selbige Manifest erst herunterladen um diese Bemerkung angemessen kommentieren zu können.

„Aber es stellt sich die Frage, ob es nicht dennoch Sinn macht von unterschiedlichen Kanälen zu sprechen solange unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten herrschen.“
Möchte ich verneinen. Der linguistische Relativismus (http://www.spektrum.de/news/wie-die-sprache-das-denken-formt/1145804) geht davon aus, dass Sprache Macht über das Denken hat und da ja gerade das Kanaldenken weg soll.. Aber das führt jetzt auf eine abstrakte Metaebene.

Eine andere Antwort wäre: Es wird nicht bezweifelt (deshalb erwähne ich ja im Text ja die Gesetzmäßigkeiten), dass unterschiedliche Werkzeuge benötigt werden und das ist gut so – solange die treibende Kraft dahinter ein einheitliches, konsistentes Handeln und Denken ist, das in der Außenansicht ein einheitliches Ergebnis produziert, das die Differenzierung der Kanäle überflüssig macht.

Es geht ja nicht um die Wahl der Werkzeuge, sondern um das Denken dahinter.

„Obwohl Multi-,Cross-,Omni-Channel aber wohl tatsächlich nur zur Beweihräucherung der eigenen Ideen beitragen, hoffe ich sehr, dass sich das Buzzword "Ropofpopo" in nächster Zeit hoffentlich durchsetzen wird.“
Der Erste, der das Buzzword in der freien Wildbahn in einem Artikel entdeckt, bekommt ein aktuelles t3n-Magazin per Post zugeschickt. :-)

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten
Thomas Lang

Wunderbar und meine Worte!

Wir plädieren auch schon seit Monaten: Multichannel ist tot - es lebe der Handel!
http://blog.carpathia.ch/2014/03/12/multichannel-ist-tot/

Antworten
Sebastian Socha

Hallo Herr Fuchs,

Kompliment für diesen wunderbar lesbaren Beitrag mit einem klasse Fazit!
Dem ist nichts hinzuzufügen...

... dennoch sind die technologischen, logistischen und analytischen Herausforderungen für Handelsunternehmen und lokale Einzelhändler nicht klein zu reden und erfordern in weiten Teilen ein krasses Umdenken abseits des landauf landab kolportiertem "es wird schon nicht so schlimm werden" (was ich übrigens gar nicht so häufig höre).

Es ist eine Sache, die hier aufgeführten Aspekte zu verstehen und nunmehr hauptsächlich das Kundenbedürfnis - vor allem anderen - als Fokuspunkt aller Bemühungen, abseits des Kanaldenkens zu nutzen. Es ist eine andere Sache, all jene Maßnahmen, die sich daraus ergeben, auch sukzessive umzusetzen und in die Realität zu kippen, selbst wenn man gewillt ist es zu tun.

Gruß,
Sebastian

Antworten
Jochen G. Fuchs

Vielen Dank!

Das die Aufgabe leicht ist, möchte ich gar nicht behaupten. Kein Widerspruch.

Viele Grüße,
Jochen

Antworten

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