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Shoptech: Neue E-Commerce-Plattform Moltin nimmt Fahrt auf

Shoptech: Neue E-Commerce-Plattform Moltin nimmt Fahrt auf

Die neue Shoptech-Welt setzt immer mehr auf Plattformen, statt fertige Systeme. Anlässlich einer neuen Finanzierungsrunde über zwei Millionen US-Dollar stellen wir einen vielversprechenden Newcomer vor: Moltin.

Shoptech: Neue E-Commerce-Plattform Moltin nimmt Fahrt auf

(Screenshot: Moltin)

Die englische E-Commerce-Plattform Moltin hat eine neue Finanzierungsrunde mit zwei Millionen US-Dollar eingesammelt, jetzt wird der aus dem YCombinator stammende Systemhersteller von Frontline Ventures, AngelList Syndicate, und dem Funders Club unterstützt. Der Unternehmenswert ist nicht bekannt – entsprechende Zahlen will Moltin Mitgründer Adam Sturrock nicht mitteilen.

Moltin, Mitte 2013 von Sturrock, Jamie Holdroyd und Chris Roach gegründet, ist eins der Unternehmen aus dem Bereich der E-Commerce-Plattformen, die mit maßgeschneiderten E-Commerce-Betriebssystemen aus der werben. Anlässlich der neuen Finanzierungsrunde werfen wir einen Blick auf das System und stellen euch die E-Commerce-API, wie Moltin das eigene Produkt bezeichnet, detailliert vor.

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Moltin ist kein „fertiges“ Shopsystem, sondern eine E-Commerce-Plattform, mit der sich ein Shopsystem entwickeln lässt. (Screenshot: Moltin)

Moltin: E-Commerce-Plattform statt Shopsystem „von der Stange“

Die Shoptech-Welt dreht sich weiter. Wo jahrelang einzig und allein „fertige“ Shopsysteme den Markt beherrschten und E-Commerce-Unternehmen mit besonderen Ansprüchen entweder gleich eine Eigenentwicklung oder eine Anpassung einer Standardsoftware, eines fertigen Shopsystem, vornehmen, tauchen seit einiger Zeit immer mehr E-Commerce-Plattformen auf. Plattformen wie Moltin basieren auf der Idee, die Entwicklung von E-Commerce-Sites grundsätzlich zu beschleunigen – und zwar durch ein Set fertiger E-Commerce-Software-Features für Entwickler. Sie werden auf einer skalierbaren Cloud-Plattform gehostet und bilden die „Infrastruktur“ für die Eigenentwicklung eines Shopsystems – das Frontend in Form der Website liegt dabei auf dem eigenen Server und der Entwickler integriert die Funktionsaufrufe aus der Moltin-Cloud im eigenen Frontend und fügt so Funktionen hinzu.

Im aktuellen t3n Magazin 43 haben wir für euch einen weiterführenden Artikel zum Thema Plattformen und Frameworks im E-Commerce: „Mega-Trend Modularisierung: E-Commerce-Software der nächsten Generation“.

Features der E-Commerce-Plattform Moltin

Die Funktionalitäten stehen über eine API zur Verfügung und decken die Bereiche Produkte, Kategorien, Warenkorb, Checkout, Payment, Bestellung und Rechnung, Lokalisierung, Währungen, Steuer, Kunden und Adressen sowie Logistik ab. Checkout-Pages hostet Moltin im Moment nicht in der Cloud, die dabei entstehende Umleitung auf eine Moltin-Subdomain betrachtet der Anbieter als hinderlich für den Händler – er will die Funktion aber zukünftig auf Wunsch anbieten.

Webhooks, frei definierbare Datenfelder und ein Content-Delivery-Network an weltweit 30 Standorten für die Produktbilder des Shops mit automatischem Image-Resizing ergänzen das Feature-Set.

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Auf diese Technologien/Anbieter setzt Moltin für ihre E-Commerce-Plattform.

Da das Frontend komplett vom Entwickler gebaut wird, ist das System auch in Deutschland nutzbar – die rechtlichen Besonderheiten müssen bei der Gestaltung sowieso beachtet werden. Unter den nach eigenen Angaben mehr als 50 Payment-Gateways stehen mit GoCardless, PayPal, Sage Pay, Skrill und Stripe auch Anbieter zur Verfügung, die auf dem deutschen Markt tätig sind – einige internationale Anbieter sind auch in Deutschland nutzbar.

Dashboard zur Verwaltung des Onlineshops

Moltin stellt mit „the Forge“ ein Dashboard für die Verwaltung des Onlineshops, der Produkte, Bestellungen und Kunden sowie zur Auswertung der Verkaufsstatistiken zur Verfügung. The Forge ist bei Moltin gehostet, die Aufrufe des Dashboards gehen aber nicht zu Lasten der im jeweiligen Produkttarif enthaltenenen Requests.

Da Forge auf der Moltin-API basiert, können Händler sich auch ein eigenes Dashboard zur Verwaltung des Onlineshops bauen.

Entwicklung

Es stehen SDKs für PHP und JS/NodeJS, cURL und Phyton zur Verfügung, in Kürze sollen C#, Go, Ruby und Java folgen. Für das mobile Betriebssystem iOS existiert ebenfalls ein SDK, Android folgt ebenfalls bald.

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Code-Example PHP. (Screenshot: Moltin)

Als simpelste Möglichkeit oder als Ergänzung bietet Moltin auch eine JS-Bibliothek an, die eine Einbindung fertiger HTML-Widgets ermöglicht – ohne die Notwendigkeit für eine Datenanbindung oder die Notwendigkeit, mit API-Endpunkten umgehen zu müssen. So können auch weniger versierte Gelegenheitsentwickler eine Website im kleinen Rahmen mit simplifizierten E-Commerce-Funktionalitäten versehen.

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Code-Example cURL. (Screenshot: Moltin)

Moltin wirbt mit sehr schnellen Antwortzeiten mit generell unter 100 Millisekunden und unter 50 Millisekunden, wo möglich: „We strive to be below 100ms at all times and below 50ms where possible.“

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Code-Example JS. (Screenshot: Moltin)

Preise, Verbreitung und Wettbewerbsumfeld

Moltin setzt auf Pakete mit API-Requests, je nach Tarif ist im Paket eine bestimmte Anzahl an Requests enthalten. Als Beispiel gibt Moltin an, dass eine durchschnittliche Seite drei Requests an die API erzeugen würde: „Einbindung des Warenkorbs, Kategorie-Struktur und Produkt-Listing“. Weitere Requests erzeugt die jeweilige Seite dann beispielsweise über das Hinzufügen eines Produktes zum Warenkorb. Ist das Request-Volumen aufgebraucht, gibt Moltin zehn Prozent als Puffer – Kunden werden benachrichtigt, sobald die Wahrscheinlichkeit besteht, dass das Volumen überschritten wird. Folgende Pakete bietet Moltin dabei an:

  • Gratis: 30.000 API-Requests, 200 MB Speicherplatz, 1 Admin Account
  • 49 US-Dollar pro Monat: 300.000 API-Requests, 1 GB Speicherplatz, 3 Admin Accounts
  • 99 US-Dollar pro Monat: 600.000 API-Requests, 2 GB Speicherplatz, 4 Admin Account
  • 149 US-Dollar pro Monat: 950.000 API-Requests, 3 Speicherplatz, 6 Admin Accounts
  • 199 US-Dollar pro Monat: 1.375.000 API-Requests, 4 GB Speicherplatz
  • in 50 US-Dollar-Schritten geht es weiter bis 500 US-Dollar pro Monat (5.000.000 API-Requests, 10 GB Speicherplatz und eine unlimierte Anzahl Admin-Accounts)
  • Enterprise- und Nonprofit-Tarife mit rabattierten Tarifen sind ebenfalls erhältlich.

Jeder Account kann multiple Onlineshops aufsetzen – so können Händler, Entwickler und Agenturen mit ihrem Account mehrere Projekte gleichzeitig betreiben.

Die Verbreitung von Moltin ist noch schwer einzuschätzen, nach eigenen Angaben nutzen rund 5.600 Entwickler und Agenturen weltweit Moltin – zum Vergleich: Magento gibt an, dass rund eine Million registrierter Entwickler sich mit Magento beschäftigen.

Neben Moltin aus den USA sind in Deutschland noch weitere E-Commerce-Plattformen aktiv, beispielsweise lässt sich hier Commercetools, Commerce Cockpit von Shopmacher oder Xsite nennen.

Das Portal „Builtwith“, das Websites automatisiert auf verwendete Technologien untersucht und – nicht unbedingt repräsentative – Nutzungsstatistiken ausgibt, erkennt für Moltin in der „Alexa Top 1 Million“ eine einzige Live-Website, für Magento über 15.000 Live-Websites. Allerdings kann dieser Vergleich nur ansatzweise Relationen bieten – Plattformen sind bisher eher für eine kleine, technisch orientierte Kundengruppen interessant, wohingegen Magento für Händler aller Arten interessant ist.

Davon abgesehen ist Moltin noch ein recht neues System, das aktuell auch in der deutschen E-Commerce-Szene Beachtung findet – und vermutlich auch weiterhin Beachtung finden wird.

Schau dir das erste große Moltin-Projekt in unserer neuen Serie Shoptech Backlog an: „Shoptech-Backlog: Wie die Freeride-Profis von Black Crows mit der PaaS-Plattform Moltin ihren Shop gebaut haben“.

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