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E-Commerce

E-Commerce of Things: Wie bestellen wir morgen?

    E-Commerce of Things: Wie bestellen wir morgen?

(Foto: vege / fotolia.com)

Amazon hatte ihn schon vor einiger Zeit angekündigt und niemand wollte es so recht ernst nehmen. Jetzt ist er da: der Dash-Button. 

Mit dem Dash-Button muss man – nachdem er einmal eingerichtet ist – nicht mal mehr ein Smartphone, geschweige denn einen Rechner bemühen, um beim Füllen der Waschmaschine direkt das gerade zur Neige gehende Waschmittel nachzubestellen.

Ein Druck auf den Button reicht und schon macht sich die Lieferung auf den Weg. Schneller kann man nicht einkaufen. Und weil sich der Dash-Button dank einer klebenden Rückseite einfach überall anbringen lässt, kann man nicht nur schnell, sondern auch genau dort einkaufen, wo man daran denkt. Verbraucher-Paradies? Vielleicht – vor allem aber sind Methoden wie der Dash-Button ein Geschenk für den Händler.

Seit wenigen Tagen sind die Dash-Buttons bei amazon.com bestellbar: Für  4,99 US-Dollar pro Stück können Amazon-Prime-Mitglieder in den USA aus einer Auswahl von derzeit 18 Marken wählen und sich die Bestellsoftware direkt auf die Waschmaschine, den Badezimmerspiegel oder die Kühlschranktür kleben. Revolutioniert Amazon mit seinem Einstieg in das Internet of Things mal wieder den Online-Handel?

Pril-Blume reloaded

eTailment hat den Dash-Button unlängst treffenderweise mit der Pril-Blume verglichen, die uns in den 70er Jahren das Spülmittel aus dem Hause Henkel ins Hirn gebrannt hat. Als Pril-Blume reloaded schicken sich die neuen Buttons aus dem Hause Amazon nun an, sich ähnlich in unseren Köpfen festzusetzen – und natürlich noch viel mehr. Denn so ein Button sieht nicht in erster Linie hübsch aus (naja), sondern kann vor allem was. Und das, was er kann, ist viel zu oft auch das, was der Kunde will. Nämlich möglichst viel Bequemlichkeit. Warum den Rechner hochfahren und mühsam die richtige Waschmittelsorte raussuchen und in den Warenkorb legen? Oder womöglich über viel zu kleine Tastaturen auf dem Mini-Bildschirm eine Smartphone-Bestellung machen? Viel zu anstrengend. Wenn es doch ohnehin immer das gleiche ist, was ich brauche, muss das doch auch einfacher gehen, oder?

Beim Klick auf den Button wird direkt eine Bestellung ausgelöst – um Fehlbestellungen durch versehentliche Doppelklicks oder wildgewordene Kinderhände zu vermeiden, bleibt der Button bis zum Eintreffen der Bestellung inaktiv. (Screenshot: amazon.com).
Zum Thema E-Commerce of Things: Beim Klick auf den Button wird direkt eine Bestellung ausgelöst – um Fehlbestellungen durch versehentliche Doppelklicks oder wildgewordene Kinderhände zu vermeiden, bleibt der Button bis zum Eintreffen der Bestellung inaktiv. (Screenshot: amazon.com).

Vom Abo zum Button

Dass Verbrauchsmaterialien wie Waschmittel, Toilettenpapier, Windeln oder Rasierklingen, die wir immer und immer wieder brauchen, außergewöhnliches Potenzial für den E-Commerce haben, ist Amazon schon vor längerem bewusst geworden. Das Spar-Abo war der erste Schritt, Käufer für solche Wiederholungskäufe an den eigenen Shop zu binden. Einmal bestellen und zu einem – scheinbar – günstigen Preis (Amazon wirbt mit einem Abo-Spar-Rabatt zwischen zehn und 30 Prozent) in selbst definierbaren Abständen immer wieder bekommen. Ist doch praktisch, oder? Und lässt sich anders als ein Zeitschriften-Abo sogar jederzeit und mit sofortiger Wirkung wieder abbestellen, ändern oder pausieren.

Aber wisst ihr, wie oft ihr neues Waschmittel braucht? Auch wenn sich so ein Spar-Abo jederzeit ändern lässt – festlegen muss man sich trotzdem erstmal. Die Dash-Buttons bieten dagegen noch größere Freiheit, denn sie erlauben es dem Kunden, sein Lieblingsprodukt jederzeit nachzuordern – mit einem Knopfdruck. Damit lassen sich noch ganz andere Kunden- und Produktgruppen abdecken, und so ist es nicht verwunderlich, dass Amazon sich mit der Abo-Variante nicht zufrieden gegeben hat.

Und natürlich wird die Entwicklung auch hier nicht stehen bleiben. So bequem die Dash-Buttons auch sein mögen – kaum jemand hat wohl Lust, sich das ganze Haus mit kleinen Werbeträgern vollzukleistern. Deshalb arbeiten vor allem die Hersteller auch bereits an der nächsten Stufe: Der Integration von Bestellbuttons in die Produkte selbst oder ihre Verpackung. Gillette etwa entwickelt gerade gemeinsam mit der Plattform perfect-shave.de die Gillette-Box – einen Rasierer, dessen Box einen Bestellbutton für neue Rasierklingen enthält.

Ein Schritt weiter: Gillette entwickelt Bestellbuttons als Teil der Produktverpackung. (Screenshot: perfect-shave.de)
Ein Schritt weiter: Gillette entwickelt Bestellbuttons als Teil der Produktverpackung. (Screenshot: perfect-shave.de)

Produkt-Intelligenz

Noch einen Schritt weiter geht wieder Amazon in Zusammenarbeit mit diversen Herstellern: Unter dem Titel Dash-Replenishment-Service werden Geräte entwickelt, die die Bestellung sogar ganz alleine auslösen: Der Drucker, der bei niedrigem Tonerstand neue Tonerkartuschen bestellt, die Kaffeemaschine, die neue Kaffeebohnen ordert, oder die Waschmaschine, die berechnet, wann neues Waschmittel oder neuer Weichspüler gebraucht wird. Wir müssen bald also noch nicht mal mehr den kleinen Finger krümmen, um dauerhaft mit unseren Lieblingsprodukten versorgt zu sein. Zu gut um wahr zu sein? Oder eher ein Horrorszenario?

Wer profitiert?

Stellt sich die Frage: Wer hat was davon? Was auf den ersten Blick nach einem Paradies für bequeme Verbraucher aussieht, ist bei näherem Hinschauen vor allem ein Geschenk des Himmels für Händler und Hersteller. Nicht nur, dass die neuen Gadgets und Geräte die perfekten Datensammler sind – eine bessere Methode zur Kundenbindung gibt es wohl nicht. Wenn an meinem Kühlschrank der Maccaroni-und-Cheese-Button von Kraft hängt, werde ich wohl kaum zum Konkurrenzprodukt greifen. Und während ich mich an den bequemen Knopfdruck gewöhne, gewöhne ich mir gleichzeitig ab, überhaupt darüber nachzudenken, wo ich die nächste Packung Windeln kaufe. Das bedeutet nicht nur, dass ich mit immer geringerer Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Händler abwandere, sondern auch, dass Preisüberlegungen für meine Einkäufe kaum noch eine Rolle spielen.

Dash und Co. sind also in allererster Linie Kundenbindungsinstrumente par excellence. Aus Kundensicht sollten wir uns überlegen, ob wir bereit sind, für ein bisschen Bequemlichkeit sämtliche Kontrolle aus der Hand zu geben. Aus Händlersicht stellt sich die Frage, wie man die Erkenntnisse aus dem E-Commerce of Things für eigene Kundenbindungsstrategien nutzen kann.

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Von Dr. Katja Flinzner

Ursprünglich publiziert bei netzaktiv.de.

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4 Reaktionen
Ahoi
Ahoi

Der Dash-Button ist super ... wobei nicht sonderlich schön. Der müsste viel mehr nach Design aussehen. Flacher und schicker. Wobei irgendwo muss ja auch die Technik rein ... Selbstprogrammierbar wäre auch super!

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Hendrik
Hendrik

Nette Idee, die sich sicher auch für den stationären Handel eignen könnte - sofern dieser einen Lieferservice oder die Vorauswahl bietet.

Kunde klickt, Klicker synchronisiert, Bestellung landet im WWS und los geht's.

Danke für die Publikation.

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Schlüsselfinder
Schlüsselfinder

Nachtrag: In USA wird doch mit Bleiche und mit Waschmittel gewaschen die man natürlich unabhängig voneinander nachbestellen muss.
Und hier gibts extra-Waschmittel für Wolle, Feinwaschmittel, Weichspüler, Schwarze Wäsche, Weisse Wäsche, Bunt-Wäsche, Ab30, Ab40, Ab 20Grad,... usw.
Man braucht also viele Buttons.
Spannend wäre also wenn der Button nur die Amazon-App öffnet und man dort in vorgegebenen Seiten z.b. mit dem Waschmaschinen-Button die PERSÖNLICH ausgewählten Waschmaschinen/Trocker-Produkte und beim Druck auf den Badezimmer-Button die Seiten mit den Bad-Produkten pro Familienmitglied/WG-Mitbewohner(oder nur die eigene Seite) aufgezeigt kriegt und anklickt was man haben will und die anderen Mitbewohner auch die Amazon-App aufgeht damit sie ihren Kram für sich gleich mitbestellen so lange die Bestellung noch nicht verschickt wurde.

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Schlüsselfinder
Schlüsselfinder

"dass Preisüberlegungen für meine Einkäufe kaum noch eine Rolle spielen."
Ehrliche Onlinehändler geben natürlich Bestpreis-Garantien damit sich keiner abgezockt fühlt. Ob Boni-Manager das begreifen und realisieren, kann sich jeder selber denken...

Interessant sind mehrere Punkte: Wenn die Buttons so billig sind, wieso gibts keine billigen virtuellen Lichtschalter basierend darauf ?
Wer mal Kabel bezahlen musste würde sich freuen. Die Hälfte der Kabel geht zu den Schaltern. Die andere Hälfte versorgt die Lampe. Man könnte also die Hälfte der Elektriker-Kosten einsparen durch Funk-Schalter. Und auch die Dämmung wäre wohl besser mit weniger Stromkabeln in der Wand.

Mal sehen ob und wann die Buttons gehackt werden um freier eingesetzt zu werden. Ob da wohl der Erschöpfungsgrundsatz gilt. Hmm..... Hier müssen wir dann also auf das Urteil warten während in FairUse-Ländern vielleicht die umgebauten befreiten Buttons das Leben krass verbessern.

Sind es nicht vielleicht hochmargige Produkte ? Und weil es nur Amazon ist, ist der Begriff "Händler" im Text evtl unpassend. Amazon kriegt die Produkte direkt vom Produzenten und liefert sie dem Kunden oder der Hersteller schickt es dem Kunden selber. Indirekter Direktvertrieb. Der Vertrieb ist direkt, die Bestellung und Bezahlung superbequem per Amazon.

Aldi und Lidl wachsen (auch wegen der steigenden Armut) wohl ganz gut in England und vermutlich USA. Diese riesigen preis-sensitiven Kundenmengen sollte man nicht unterschätzen.

Es gibt ja reiche Leute die das Grundeinkommen befürworten (obwohl ich ja eher vermute das Lebensmittelgutscheine kommen wie in USA wohl schon lange). Drogerien haben aber recht hohe Preis pro Kilogramm im Vergleich zu Lebensmitteln bei den Discountern. Eine LKW-Ladung Aldi kostet vielleicht einen Bruchteil einer Drogerie-LKW-Ladung. Da gewisse Kundengruppen ihre Markenprodukte wohl als letztes aufgeben (2 Broke Girls oder auch My Name is Earl sind gute Dokumentation über die Realität) sind Drogeriebesitzer vielleicht für Grundeinkommen wenn das vielleicht die Einnahmen sichert.

Apotheken mögen evtl. lieber Generika weil die Marken-Medikamente evtl kleinere Margen haben obwohl sie wohl oft mehr kosten.

Buttons lohnen also vermutlich bei Produkten die es günstiger geben könnte weil die Margen recht hoch sind. Preis-Leistungss-Vorbildern wie One+ oder Xiaomi, Aldi und Lidl helfen die so wohl aktuell nicht.

Nett wäre, wenn die Hersteller QR-Aufklebecodes verteilen würden die man z.b. an die Waschmaschine, Spülmaschine, Badezimmer-Schrank (Zahnbürsten, Seife, Duschgel, Haarshampoo, Spülung, Klopapier, Zahncreme, diverse Cremes,...) usw. klebt und per Handy in der Amazon/Ebay/Norma/Netto/Plus/Penny/Rewe/Edeka/Aldi/Lidl/... das Produkt bestellen oder zum Mitnehmen zurücklegen lassen kann. Beim Bezahlen per EC-Karte sagen die einem dann das noch eine Packung Zahncreme für einem zurückgelegt wurde oder erkennen einen beim Reinkommen am Bluetooth-MAC-Adresse vom Handy oder Bluetooth-Schlüsselfinder.

Ein generelles Problem bei Bluetooth ist die viel zu kleine Reichweite und das Fehlen von Repeatern. Sowas wird leider das vernetzte Heim bis auf weiteres massiv behindern. Genau so wie das die Router oft kein Bluetooth können und man extra Geräte dafür betreiben muss (AppleTV, Nest-Box, Amazon-Box, FireTV....).

Das FireFone ist wohl auch gescheitert. Mal sehen ob der Dashbutton auch diesen Weg geht. Ist IMDB seit dem Kauf durch Amazon besser geworden ? Na also.

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