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Dropshippping-Guide: So findest du den richtigen Großhändler [Teil 2]

Dropshippping-Guide: So findest du den richtigen Großhändler [Teil 2]

Dropshipping bietet Online-Händlern die Möglichkeit, das eigene Sortiment um externe Produkte eines Großhändlers zu erweitern. Diese Produkte werden bei einer eingehenden Bestellung im Online-Shop vom Großhändler direkt an den Kunden versandt. Wir erklären euch im zweiten Teil unserer Artikel-Serie, wie man dafür den richtigen Großhändler findet.

Dropshippping-Guide: So findest du den richtigen Großhändler [Teil 2]

Den Begriff „Dropshipping“ bei Google als Suchbegriff einzugeben, erzeugt gelinde gesagt Frustration, denn man wird überhäuft mit Portalen und Anbietern, die in irgendeiner Form Geld für die banalsten Dinge verlangen: Großhandelsadressen, Informationen zum Dropshipping, den Einkauf beim Großhändler und vieles mehr. Das ist zum größten Teil schlicht unseriös. Um faire Anbieter zu finden, gibt es eine einfache Faustregel: Die direkte Geschäftsbeziehung zu einem Dropshipping-Großhändler sollte nicht anders verlaufen als die Beziehung zu einem „normalen“ Großhändler. Oder – um das klar herauszustellen: Ein Großhändler spezialisiert sich in der Regel nicht auf Dropshipping, sondern bietet diesen Service als Ergänzung zum bestehenden Dienstleistungsportfolio an. Relativ neu am deutschen Markt sind die Dropshipping-Marktplätze für Großhändler und Händler, auf die ich auch kurz eingehen möchte.

Geht schon ein Licht auf, beim Thema Dropshipping?  (©iStockphoto.com/tumpikuja)
Geht schon ein Licht auf, beim Thema Dropshipping? (Foto: © iStockphoto.com/tumpikuja)

Worauf man beim Dropshipping-Start achten sollte

Der Unternehmensstart mit Dropshipping

Angehende Online-Händler sollten für den Start auf ein eigenes Sortiment und eigene Lagerhaltung sowie Versand setzen. Wenn das vorhandene Eigenkapital nicht ausreicht, um einen Start mit eigenem Sortiment zu ermöglichen, sollte man ergänzende Fremdfinanzierungen über zusätzliche Finanzinstrumente oder spezialisierte Anbieter wie Kreddible in Betracht ziehen. Die bittere Wahrheit in einem solchen Fall liegt meiner Meinung nach aber auf der Hand: Wenn nicht genügend Geld für einen Start im Kleinen vorhanden ist, sollte besser keine Gründung erfolgen, sondern erstmal Eigenkapital angesammelt werden.

  • Dropshipping nur als Ergänzung zum eigenen Sortiment verwenden, für den Anfang eine überschaubare Anzahl von Artikeln wählen. Bedenken: Retouren oder stornierte Bestellungen belasten die Liquidität. 
  • Einen Großhändler auswählen, nicht mit mehreren gleichzeitig zusammenarbeiten. Der Tipp mag erfahrenen Händlern seltsam anmuten, da man ja eigentlich nicht alles aus einer Quelle einkauft. Aber der Aufwand für eine reibungslose Integration des Großhändler-Sortiments ist für kleine Händler zum Start schon schwer genug zu bewältigen – mehrere Dropshipping-Anbieter gleichzeitig einzubinden, überfordert hier meistens.
  • Dropshipping-Großhändler nur auswählen, wenn nachweislich eine langjährige Erfahrung vorhanden ist. Auf www.handelsregister.de lässt sich durch Eingabe der Registernummer überprüfen, wie lange der Großhändler schon im Geschäft ist. Die Registernummer sollte sich im Impressum der Unternehmensseite des Großhändlers finden.
  • Einschränkung auf eingetragene Unternehmen oder Kapitalgesellschaften. Auch kleinere Einzelunternehmer oder Personengesellschaften können zuverlässigen Service bieten, allerdings gibt es wenig Möglichkeiten, die Verlässlichkeit und die „Lebensfähigkeit“ des potentiellen Großhändlers zu bewerten.
  • Grundsätzlich nur Unternehmen mit einem Sitz und einem Versandzentrum in Deutschland auswählen. Sonst wird der kleine Online-Händler ganz schnell zum Importeur der versandten Ware. Mit unüberschaubaren Auswirkungen hinsichtlich der Produkthaftung und der sonstigen rechtlichen Folgen.

Große Sortimentserweiterung mit Dropshipping

Die Tipps zum „Unternehmensstart mit Dropshipping“ verlieren ihre Gültigkeit nicht für den Fall einer großen Sortimentserweiterung. Ein zuverlässiger Partner ist hier genauso wichtig, jedoch können die Maßstäbe bei der Auswahl des Großhandelspartners etwas weniger streng angelegt werden. Bei größeren Sortimentserweiterungen sollte über ein Konsignationslager (siehe Teil Eins unserer Artikelserie) nachgedacht werden, um größere Nachfragen decken zu können. Besonders in der Weihnachtszeit kann es schnell zu Umsatzeinbrüchen kommen, wenn Topseller auf einmal nicht mehr kurzfristig ausgeliefert werden können, weil der Großhändler zwischenzeitlich alles abverkauft hat. Sollte ein Lieferant aus dem Ausland in Betracht gezogen werden ist eine Rechtsberatung dringend empfohlen. Abgesehen von der steuerrechtlichen Sonderstellung spielt hier, wie oben bereits erwähnt, die Tatsache eine Rolle, dass der Onlinehändler hier zum Importeur beziehungsweise rechtlich sogar zum Hersteller mutiert – als sogenannter „In-Verkehr-Bringer“ einer Handelsware in den EU-Binnenmarkt.

Diese Möglichkeiten führen zum Dropshipping-Anbieter

Grundsätzlich lohnt es sich für Händler, die bestehenden Kontakte und Großhandelsbeziehungen auszunutzen. Oft bieten Großhändler Dropshipping an, bewerben es aber nicht aktiv, um bestehende Handelsbeziehungen nicht zu gefährden oder zu beschädigen. Sollen schließlich doch neue Lieferanten gesucht werden, bieten die untenstehenden Möglichkeiten einen ersten Ansatz.

Internet-Recherche

Erste Eindrücke bei der Bewertung eines Großhändlers sind schwer zu gewinnen, manche Internetauftritte sind gestalterisch im letzten Jahrzehnt stehengeblieben, es stehen aber seriöse Großhändler hinter den Website-Wracks – andere sind nach aktuellen Designtrends gestaltet, es steht aber kein seriöser Anbieter hinter dem Angebot. Erste Anzeichen für einen seriösen Großhändler:

  • Kein Verkauf an die Öffentlichkeit, nur an Wiederverkäufer. In der Regel wird ein Nachweis über die gewerbliche Tätigkeit verlangt.
  • Keine monatlichen oder einmaligen Gebühren. Kein ernstzunehmender Großhändler verlangt Geld für die „Ehre“, mit ihm eine Geschäftsbeziehung einzugehen.
  • Im Zweifelsfall immer die Kriterien unter „Unternehmensstart mit Dropshipping“, wie weiter oben aufgeführt, miteinbeziehen.

google websuche

Lieferanten-Suchmaschinen

Auch klassische Lieferanten-Suchmaschinen oder Verzeichnisse sind eine brauchbare Anlaufstelle. Die Suchanfrage sollte hier allerdings nicht „Dropshipping“ lauten, das führt zu keinem brauchbaren Ergebnis. Die Recherche sollte eher auf den gewünschten Handelssektor ausgerichtet sein: also „Lederwaren“, „Amerikanische Lebensmittel“, „Batterien“ oder was auch immer benötigt wird. Beispiele für populäre Suchmaschinen oder Verzeichnisse:

National:

International:

Dropshipping aus dem Ausland: AliBaba kann hier helfen (Screen: AliBaba.com)
Dropshipping aus dem Ausland: AliBaba kann hier helfen. (Screenshot: AliBaba.com)

Dropshipping-Marktplätze

Noch relativ neu sind B2B-Marktplätze speziell für den Bereich Dropshipping. Hier werden meist direkt Produkte zum Kauf beziehungsweise zum Import ins eigene Portfolio angeboten. In der Regel fällt für den Großhändler eine Transaktionsgebühr an, einige bieten auch erweiterte Händlerzugänge, die eine monatliche Gebühr kosten – oft verbunden mit zusätzlichen Dienstleistungen, deren Wert mal durchwachsen, mal durchaus angemessen sein kann. Bald am Start ist hier auch der interessante Marktplatz Bepado von Shopware, der am 6. Juni auf dem Shopware Community Day vorgestellt wird. Im Moment ist deshalb auf der Website von Bepado nur ein Hinweis auf den baldigen Start zu finden.

Der kostenpflichtigen, reinen Adressdatenbank stehe ich eher kritisch gegenüber, allgemein verfügbare Informationen mit dem Hinweis auf Exklusivität zu verkaufen, halte ich für nicht angemessen. Gerade im Dropshipping-Bereich tummelt sich hier allerlei Merkwürdiges. Die oben genannten Markplätze bieten aber entweder einen kostenfreien Basiszugang oder wenigstens ein kostenfreies Anbieterverzeichnis. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen ersten Ansatz für eigene Recherchen bieten.

Ein Dropshipping-Marktplatz (Screen: Dropshipping-Marktplatz)
Ein Dropshipping-Marktplatz. (Screenshot: Dropshipping-Marktplatz)

Klassische Messebesuche

Nicht zu unterschätzen: Das persönliche Networking auf einer Messe. Alle nötigen Ansprechpartner sind meist direkt Vorort, so können Fragen zu nicht gerade alltäglichen Themen wie Dropshipping meist schnell geklärt werden. Die meisten Branchen haben bekannte Messe-Events, die sich wunderbar als Anlaufstelle eignen. Auf Gründer-Messen wird das Thema Dropshipping zwar gelegentlich auch behandelt, als ergiebiger für Handelskontakte erweist sich aber generell das Branchen-Event.

Zum Abschluss: Was kostet Dropshipping?

Damit kein Missverständnis entsteht, Dropshipping selbst ist nicht kostenfrei, es gibt durchaus legitime Gebühren für die eigentliche Abwicklung des Dienstes:

  • Versandgebühren: Hier werden lediglich marktgerechte Versandkosten abgerechnet, die in der Regel deutlich unter den Versandkosten für ein einzelnes Paket bei DHL liegen. Der Großhändler hat durch größere Versandmengen Zugriff auf Rabattstaffeln bei den Paketdiensten.
  • Handlingsgebühren: Auch als „Pick & Pack“ bezeichnet. Hier wird in der Regel pro Artikel eine Handlingspauschale für das Einpacken in die einzelne Sendung berechnet.
  • Mindestumsatz: Ein Mindestumsatz ist nicht ungewöhnlich, Großhändler schützen sich so vor Kleinstbestellungen oder Einmal-Bestellungen. Eventuell lässt sich der Mindestumsatz als Vorauszahlung leisten.

Fazit und Ausblick auf den nächsten Teil unserer Serie

Die Suche nach dem passenden Großhändler ist sicher einer der aufwendigsten Abschnitte auf dem Weg zum Dropshipping. Die eigene Branche zu kennen oder kennenzulernen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, persönliche Kontakte sammelt man immer noch am besten auf einer Messe. Bei der Suche unterstützen können einen die im Artikel aufgeführten Recherche-Möglichkeiten. Im nächsten Teil der Serie „E-Commerce-Trend erklärt: Was ist eigentlich ‚Dropshipping‘?“ werden wir mehr über die technischen Anforderungen, die nötige Infrastruktur und die Herausforderungen im Tagesgeschäft eines Dropshippers berichten.

Bildnachweis für die Newsübersicht: © iStockphoto/tbabasade

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4 Antworten
  1. von Ralf am 27.05.2013 (09:55 Uhr)

    Sehr gute Beschreibung der Sitaution. Es wird Zeit für neue seriöse und vorallendingen kostenlose Dropshipping Marktplätze.

    Antworten Teilen
  2. von grosshaendler am 28.05.2013 (11:56 Uhr)

    Ich lese hier immer nur kostenlos. Selbst der Dropshipping-marktplatz verlangt eine Menge Geld und Funktionieren tut es auch nicht wirklich richtig. Was ist denn z.B. wenn die in der Nacht einmal das Update für meinen Shop machen aber morgens 9Uhr der Artikel gar nicht mehr verfügbar ist und dennoch in meinen Shop angezeigt bzw. von meinen Kunden gekauft wird?

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  3. von Michael am 28.05.2013 (21:55 Uhr)

    @grosshaendler,

    was heisst denn funktioniert nicht richtig? Eine Aktualisierung pro Tag/Nacht ist doch schon richtig gut. Ohne solche Schnittstellen müsste man sein komplettes Sortiment stetig alleine aktualisieren. So bekommt man automatisch einmal am Tag den Lieferanten Lagerbestand mitgeteilt.
    Dropshipping hat auch Nachteile, da machen aber seriöse Anbieter kein Geheimnis draus. Auf dem Dropshipping Markplatz wird sogar dirket auf dieses Thema hingwewiesen.

    Einfach alles schlecht reden kann jeder, sich aber mit dem Thema Dropshipping ernsthaft auseinander setzen tun die anscheinend die wenigsten, und Sie auch nicht.

    Der Dropshipping Marktplatz hat mir sehr geholfen meinen Onlineshop zu erweitern. Dort läuft nach meiner Erfahrung alles sehr fair und offen ab. Und das Dienstleistung auch Geld kostet sollte jedem Händler klar sein.

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  4. von Michael am 28.05.2013 (22:03 Uhr)

    @Grosshändler
    Hätte ich mal früher auf Grosshändlers Namen geklickt, dann hätte ich gesehen, dass der Herr anscheinend nur darauf bedacht ist, sein eigenes Dropshipping Angebot zu verbreiten.

    Ganz schwach den Mitbewerber öffentlich schlecht machen zu wollen, das zeigt nicht von Seriösität.
    Was bieten Sie denn zur Aktualisierung an? Eine csv Datei! Das ist natürlich auch besser als eine automatische Aktualisierung. Die muss ich per Hand importieten und alle meine Seo arbeiten und Preiskorrekturen sind nach dem Import weg.

    Da haben Sie sich jetzt wohl selber ins Aus geschossen. Immerhin Ihren Link konnten Sie unterbringen. Traurig.

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