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Das war’s dann: eBay verkauft Enterprise und Magento

Das war’s dann: eBay verkauft Enterprise und Magento

Der Verkauf von Enterprise und damit auch der Verkauf des Shopsystems ist vollzogen. Ein Überblick über die aktuellen Zahlen, Fakten und Einschätzungen.

Das war’s dann: eBay verkauft Enterprise und Magento

eBay stößt seine Tocher eBay Enterprise ab. (Foto: liewcf / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Gestern hat eBay Enterprise im Magento-Blog angekündigt, was schon seit Monaten durch die Medien geistert: Der Verkauf des Magento-Eigentümers eBay Enterprise für 925 Millionen US-Dollar ist vollzogen.

Der neue Eigentümer ist ein Private-Equity-Konsortium, bestehend aus Sterling Partners, Longview Asset Management, einen Unternehmen aus dem Sterling-Portfolio namens Innotrac und mehreren nicht genannte Unternehmen, die zu Permira gehören. Ein Name, der in Deutschland untrennbar mit der Heuschreckendebatte verbunden ist.

eBay stößt seine Tochter „eBay Enterprise“ ab. (Foto: eBay)
eBay stößt seine Tochter „eBay Enterprise“ ab. (Foto: eBay)

eBay Enterprise mitsamt Magento verkauft

Seit Januar soll sich eBay in Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten befunden haben, zuletzt hatten sich die Anzeichen für einen Verkauf bevorstehenden Verkauf verdichtet, selbst ein Käufer für eBay Enterprise und Magento schien schon festzustehen.

Seit gestern herrscht Gewissheit, eBay hat offiziell angekündigt, dass der Verkauf von eBay Enterprise und Magento für 925 Millionen US-Dollar vollzogen wurde. Im Magento Blog verleiht Craig Haymann, CEO von eBay Enterprise, seinem Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens wortreich Ausdruck, verspricht, dass eBay Enterprise seinen Kunden verpflichtet bleibt – kündigt aber gleichzeitig an, dass das Eigner-Konsortium noch Details zur Zukunft von eBay Enterprise verkünden werde: „Upon close of the deal the consortium of buyers will share more details about the future plans for this great business.

eBay Enterprise: Für 2,4 Milliarden gekauft, für 925 Millionen US-Dollar verkauft

Zum Zeitpunkt des Verkaufs an eBay hat das ursprünglich als GSI Commerce bekannte Unternehmen einen defizitären Full-Service-Dienstleister für große Händler und Marken und die B2C-Ecommerce-Sites Fanatics, Rue La La und ShopRunner umfasst. Letztere hat eBay 2011 an den ehemaligen GSI-Commerce-CEO Michael Rubin im Rahmen des Verkaufs zurückgegeben.

Heute firmieren Fanatics, Rue La La und ShopRunner unter dem Dach von Kynetic – nur 30 Prozent von Rue La La und ShopRunner sind bei eBay Enterprise geblieben. Nach damaliger Auskunft habe die Endkundenausrichtung dieser Unternehmen mit eBays Powersellern kollidiert. Der ursprüngliche Kaufpreis im Februar 2011 von 2,4 Milliarden Euro war 50 Prozent über der damaligen Unternehmensbewertung von GSI angesiedelt. Alleine Fanatics wird heute mit rund drei Milliarden US-Dollar bewertet.

Im Juni 2011 ist dann der Zukauf von Magento erfolgt, das Open-Source-Shopsystem ist so ein Teil von eBay Enterprise geworden – und ist jetzt Bestandteil des gestrigen Verkaufs.

(Screenshot: Fanatics)
Die Übernahme von Fanatics hat eBay bei der damaligen Übernahme von GSI Commerce abgelehnt. (Screenshot: Fanatics)

Die Zukunft von eBay Enterprise und Magento liegt im Ungewissen

Die Analyse des letzten potentiellen Interessenten hat zügig auf einen nachhaltig wirtschaftenden Investor schließen lassen. Die Einschätzung der aktuellen Lage ist durch das recht gemischt aufgestellte Private-Equitiy-Konsortium wesentlich schwieriger. Besonders die Beteiligung von Permira wird in Deutschland Erinnerungen an die hochemotional geführte „Heuschreckendebatte“ hervorrufen, die unter anderem um den nach wie vor stark verschuldeten Sanitärhersteller Grohe geführt worden ist.

Der Fulfilment-Bereich von eBay Enterprise könnte an das Sterling-Unternehmen Innotrac gehen, die ebenfalls Fulfilment betreiben. Eine Konsolidierung kann als wahrscheinlich eingestuft werden, da der Fulfilment-Bereich bei eBay-Enterprise nicht wächst – zuletzt ist mit Toys „R“ Us einer der  langjährigen Großkunden abgesprungen.

(Screenshot: Innotrac)
Der Fulfilment-Bereich von eBay Enterprise könnte an Innotrac übergeben werden. (Screenshot: Innotrac)

Damit bleiben als wesentliche Filetstücke für die Private-Equity-Gesellschaften nur noch Magento und eBay Marketing Solutions übrig.

Kontroverse um die Zukunft von Magento bei eBay

Die Motivation hinter dem Verkauf ist in der Vergangenheit kontrovers diskutiert worden. Neben der Vermutung, dass eBay Enterprise und damit auch Magento eher „verramscht“ werden – die unter anderem auch in meinem Kommentar zum drohenden eBay-Enterprise-Verkauf zu finden ist –, sind auch Stimmen wie die von Thomas Fleck von der Meet Magento Association zu hören, die eher an einen strategischen Investor glauben. „Es gibt einen Unterschied zwischen ‚verramschen‘ und dem Verkauf an einen strategischen Investor“, kommentierte Fleck noch im Februar.

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5 Antworten
  1. von Mal sehen was das gibt am 17.07.2015 (13:00 Uhr)

    Die Firmen müssen ihre Aufkauf-Preise klar zurück-erwirtschaften. Cashburner und ihre Fanbois oder auch PR-Meldungs-Wiederholer kennen sowas natürlich nicht. Und seltsamerweise können Firmen die jahrzehntelang Cashburner waren dann ganz plötzlich ihre Aufkauf-Kosten/Aufkauf-Schulden sukzessive abarbeiten und nach 5-10 Jahren als profitable Firmen zu gigantischen Preisen verkauft werden (um dann in der Rezession wieder schlecht da zu stehen)...

    Heuschrecken erzwingen Fleiss und Leistung.


    Oft werden nach einem Aufkauf gerne die Preise für Endkunden erhöht usw.
    Die Frage ist ob (wie bei MySQL mit MariaDB) heroische Retter-Firmen entstehen die als Alternative dienen können.

    Es könnte natürlich auch dazu führen, das endlich alle Plattformen (Google-Sales, Rakuten, Yahoo-Japan, Ebay, Amazon-Marketplace,...) von den Händlern einfacher, besser und profitabler bespielt werden können.
    Die End-Kunden sind nämlich keine Cashburner sondern KMU die Steuern zahlen und von den versteuerten Profiten täglich überleben müssen und deren Steuern die Cashburner täglich durchfüttern und deren Infrastruktur finanzieren.
    Wäre das ein Heissluft-Ballon (vielleicht weil die Cashburner sich so gerne nach Subventionen und weniger Kunden-Rechten reden hören und heisse Luft bekanntermaßen aufsteigt also befördert wird), wüsste man wo die Cashburner ihren verdienten Platz fänden.

    Erfahrungsgemäß haben die meisten Aufkäufe die aufgekauften Produkte fast nie verbessert: Skype, ICQ, Oculus, PayPal, Summly, DMOZ, IMDB, Dodgeball,...
    Evtl gehören auch z.B. BerkeleyDB, OpenOffice, Java, MySQL und natürlich Flash dazu. Und die vielen 3D-Druckerfirmen die aufgekauft werden und dann B2B werden und dem kleinen Endkunden nicht mehr angeboten werden.

    Die bisher vielleicht einzige Ausnahme eines verbessernden Aufkaufes ist wohl Youtube. Fragt Eure Eltern und Großeltern doch mal was ihre beliebteste Grafik-Software war und was nach dem Aufkauf damit passiert ist.
    en.wikipedia.org/wiki/Corel . Die haben auch viele sehr beliebte Produkte gekauft und danach waren die wohl nicht mehr so gut oder günstig verfügbar und möglicherweise nahm dadurch die Verbreitung stark ab.


    Die Gegen-Frage ist jetzt, ob Spin-Offs (z.B. PayPAL) die outgesourcten Unternehmen verbessern oder sich die Banken und Telefon-Konzerne weiter freuen können das PayPAL und Skype sich kaum weiterentwickeln und das Establishment weiterhin teure Telefon-Tarife und extrem stark optimierbares Onlinebanking für hohe Boni betreiben können. Beide gehörten Ebay und wurden nach dem Kauf kaum weiterentwickelt so das Whatsapp und natürlich Square und Dwolla die neuen Produkte auf der Evolution-Linie an den Markt brachten. Whatsapp hätte letztes Jahr die SMS (Anzahl oder Umsätze) in Deutschland halbiert. Das wäre Aufgabe von Skype gewesen. Und davor von ICQ. Wer zu groß wird weil er von einem desinteressierten Großkonzern als (von den inneren Mitarbeitern oft verachtetes) Abschreibungs-Objekt aufgekauft wird, wird dann von der Konkurrenz abgehängt und früher oder später vielleicht wieder auf den Markt geworfen.
    Vorbildliche Beispiel für Erholung und Leistung nach dem Outsourcing sind wohl die Pro7Gruppe und natürlich Siemens-Nixdorf auch wenn die Banken aktuell nicht mehr so viele Automaten kaufen wie vielleicht geplant. Aber so ein Problem haben Win10 und AMD und Intel aktuell wohl auch.

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  2. von WebshopHilfe am 20.07.2015 (09:27 Uhr)

    Das sind keine gute Nachrichten für die Magento community. Bin gespannt was jetzt hierraus gemacht wird...

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    • von Walther am 20.07.2015 (14:37 Uhr)

      .... und warum ?

      Ein Käufer mit absehbaren Interessen an der Weiterentwicklung wäre beruhigend, aber Fakt ist:
      Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann niemand sagen wie die Interessenlage aussieht, da bei diesem Konsortium ja noch nicht einmal klar ist, welche Firma das ganze übernimmt.

      Im übrigen wurde auch viel geredet als ebay das übernommen hat, und wieder erwarten hat sich Magento gut entwickelt.

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