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Die Echtzeit-Pest: Wie die Cloud dem Internet das Rückgrat bricht [Kommentar]

Die Echtzeit-Pest: Wie die Cloud dem Internet das Rückgrat bricht [Kommentar]

Unser Netz ist ausgelastet, die schlecht – der Ausbau lässt auf sich warten. Jetzt macht sich die am Himmel breit und verregnet in Echtzeitsynchronisation die Netzlandschaft. Ein Kommentar zur Netzlast und Aufruf zur Datensparsamkeit.

Die Echtzeit-Pest: Wie die Cloud dem Internet das Rückgrat bricht [Kommentar]

(Foto: karindalziel / flickr.com, Lizenz: CC-BY )

Ein Allwissendes, übermächtiges, omnipräsentes Wesen, dass über unser aller Köpfe schwebt - die Cloud. Mal ehrlich, das klingt eher nach einer Gottheit, auf die sich eine neue Religion begründet, als nach einem Kasten aus Metall und Plastik - ein Server. Denn um viel mehr handelt es sich bei der Cloud nicht: um einen Server in einem Rechenzentrum. Manchmal habe ich fast den Eindruck, als würde das in Vergessenheit geraten – dass reelle Infrastrukturen hinter der Cloud stehen und die Leistung nicht wirklich „aus der Luft gegriffen“ beziehungsweise aus „der Wolke gegriffen“ ist. Und manchmal gerät auch in Vergessenheit, dass diese für die Cloud nötige Infrastruktur auch eine natürliche Belastungsgrenze besitzt.

Grafik: Jan Heidemann
Damit die Zahnräder in der Cloud nicht ins Stocken geraten: sinnvoll eingesetze Echtzeit-Synchronisation bitte! (Grafik: Jan Heidemann)

Mist aus der Cloud

Mitterweile muss jeder Mist aus der Cloud kommen – warum auch immer. Und alles, absolut alles muss in Echzeit synchronisiert werden – warum auch immer. Und das Thema Datensparsamkeit findet überhaupt nicht mehr statt – früher galt es mal als höflich zu fragen, bevor man Anhänge über einer gewissen Größe verschickt hat. Heute landen ungefragt Unmengen von Anhängen in meinem Postfach – ach was, in meinem Postfach: In den sozialen Netzwerken sieht es ja nicht besser aus. Wenn ich zum zehnten Mal den Bilder-Hoax vom berüchtigten „weißen“ Löwen in meiner Timeline verbergen muss – bei mehreren Tausend Shares und Kommentaren – frage ich mich ernsthaft, wieso niemand mehr Grundregeln zum Thema Hoaxes, Kettenbriefe und Spam befolgt. Irgendwie scheint es egal zu sein, dass ein nennenswerter Anteil am weltweiten Datenverkehr aus Mist besteht. Es wird Zeit, die Mistgabel in die Hand zu nehmen und auszumisten.

Die größte Belastung für das Netz sind Cloud-Dienste

Die Auslastung der Netze steigt, die Menge des Datenverkehrs nimmt mittlerweile fast schon exponentiell zu. Ein Großteil des Datenverkehrs entsteht durch die Nutzung eines Cloud-Dienstes, so rechnet zum Beispiel eine Studie des Netzwerkausrüsters Cisco bis zum Jahr 2017 mit einem Cloud-Anteil von 69 Prozent am Traffic in den Rechnenzentren. Im Jahr 2012 betrug der Anteil noch 49 Prozent. Und unsere Internet-Infrastruktur in Deutschland ist längst nicht so gut, wie es scheint – in meiner Analyse „Internet-Infrastruktur: So sieht es wirklich aus mit unserem Netz“ lässt sich das leicht nachverfolgen. Die Internet-Infrastruktur muss deshalb verbessert werden. Zwingend. Keine Frage. Aber: wäre es nicht ebenso sinnvoll, sich wieder darauf zu besinnen, dass unnötiger Daten-Mist die Netze belastet und uns alle Geschwindigkeit wie Nerven kostet? Ich finde ja – und verkünde deshalb:

Die goldenen drei Regeln der Datensparsamkeit

1. Unnötigen Datenverkehr meiden

2. Belastbare Infrastruktur geht vor schwacher Infrastruktur

2. Nur was in Echtzeit benötigt wird, muss auch in Echtzeit synchronisiert werden

Unnötigen Datenverkehr meiden

Spam liegt hier als Beispiel auf der Hand: Schluß mit der endlosen Weiterleitung von angeblich lustigen Inhalten, Kettenbriefe und Hoaxes. Nicht nur per E-Mail, sondern auch per WhatsApp oder über verschiedene soziale Netzwerke. Cloud-Funktionen abschalten, wo sie nicht benötigt werden. Liebe Softwarehersteller: verseht eure Apps mit einer Möglichkeit diese Cloud-Funktionen abzuschalten, wenn der Nutzer diese nicht brauchen sollte. Und legt nicht jede Software-Anwendung in die Cloud, auch lokale Anwendungen haben noch ihre Daseinsberechtigung.

Belastbare Infrastruktur nutzen: Schone das Netz

Populäres Beispiel ist das Betriebssystem iOS von Apple. Erscheint die neue Version des Systems, gehen traditionell die Mobilfunknetze in die Knie – weil unbedingt unterwegs das Update ausgeführt werden muss. Das kann warten, bis das heimische Internet eine weitaus belastbarere Leitung für dieses Update zur Verfügung stellen kann. Große Datenmengen wie Fotos, Mp3s und ähnliches müssen nicht über das Netz synchronisiert werden. Die lokale WLAN-Verbindung tut es auch.

Beispiele für überflüssige Echtzeit-Synchronisation

1. Ständige Reloads im mobilen Browser nerven

Hell Yes! Und wie das nervt. Ich schaffe es nicht mehr, eine Website in einem mobile Browser zu öffnen und offen stehen zu lassen. Sobald ich diesen Browser erneut öffne, werden alle geöffneten Seiten neu geladen. Was soll der Mist? Der Wikipedia-Eintrag, den ich gerade gelesen habe, kann sich in den letzten 5 Sekunden nicht weltbewegend verändert haben.

2. Apps mit Echtzeit-Synchronisation

Ich liebe E-Books, ohne diese segensreiche Erfindung wäre mein Wohnzimmer nicht mehr begehbar. Ich mag auch – Entschuldigung – meinen Kindle. (Ach, wozu entschuldige ich mich für das proprietäre Endgerät – ich sitze sowieso schon weithin sichtbar im goldenen Apple-Käfig). Aber warum wird bei (nahezu) jedem Minimieren und erneuten Öffnen der Kindle-App erstmal synchronisiert? Kann ich in den 3 Minuten wirklich ein anderes Gerät zum Weiterlesen genutzt haben, so dass jetzt dringend nach der aktuellsten Seitenzahl gefahndet werden muss? Auf allen Endgeräten? (Kindle, iPad und iPhone).

3. Cloud-Speicher-Synchronisation

Ich habe einige Zeit lang einen gewissen Datenbestand in gängigen Systemen wie Dropbox oder Google Drive vorgehalten, obwohl sich in beiden Systemen schon seit Monaten bei mir nichts mehr getan hat. Trotzdem darf ich feststellen, dass beide Anwendungen auf meinem Mac täglich Synchronisationsvorgänge durchführen. Was wird da synchronisiert?

Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen, aber eigentlich lässt sich das Thema schnell auf den Punkt bringen: Es sollte Schluss sein mit Synchronisationen „auf Verdacht“. Ist es technisch so schwer, nur bei Veränderungen einseitig einen Push- oder Sync-Vorgang auszulösen?

Fazit: Cloud: Ja! Aber bitte nicht alles sinnlos und wahllos in Echtzeit synchronisieren

Wir Endanwender sollten unsere eigene Bequemlichkeit ein wenig drosseln und nicht alles automatisch zu Tode synchronisieren. Vor dem E-Mail versenden, posten oder was auch immer, zweimal überlegen bevor die Enter-Taste zum Einsatz kommt. Industrie und Software-Hersteller sollten versuchen, die allgemeine Cloud-Hysterie nicht zu übertreiben. Nicht jede Anwendung muss als Cloud-Anwendung zur Verfügung stehen und auch eine Echtzeit-Synchronisation muss nicht die erste Wahl sein. Vor allem wünsche ich mir gerade bei Apps auf diversen mobilen Betriebssystemen mehr Wahlmöglichkeiten für den Endnutzer: Cloud ausschalten und Synchronisationsintervalle einstellen.

Ich geh jetzt mal meinen iCloud-Speicher aufräumen und meinen Fotostream deaktivieren. Hasta la vista.

 

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19 Antworten
  1. von Norbert am 30.12.2013 (17:55 Uhr)

    Zum Thema "Datenlast".
    Die Bilder in diesem Artikel hätte man auch weglassen können ;)
    Da sie keinerlei zusätzlichen, nützlichen Inhalt erzeugen.
    Wären wieder ein paar KB weniger, welche durch das Datennetz geschleppt werden. ;)

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  2. von Tom am 30.12.2013 (19:03 Uhr)

    *ROFL* - Gabs auf T3N nicht auch kürzlich so nen Artikel über schlechte Stockfotos?

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  3. von marvis am 30.12.2013 (20:09 Uhr)

    Cloud-Traffic kann alles mögliche sein - aber der größte Brocken dürfte auf Streaming Video und Audio entfallen.

    Interessant dazu auch der Sandvine 2013 global internet phenomena report: http://de.slideshare.net/DilatoTech/sandvine-2013-global-internet-phenomena-report

    Im Vergleich zu Video und Audio sind die genannten Lösungen sehr kleine Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Aber möchten wir das wirklich wieder zurückdrängen und zurück zu Rundfunk-Medien? Ich glaube nicht.

    Ich würde nicht argumentieren, dass sich die Nutzer einschränken sollen. Viele der Vorteile des Internet entfalten sich erst so richtig, wenn man nicht mehr über jede einzelne Nutzung nachdenkt.

    Aus meiner Sicht sind hier - neben den Infrastruktur-Anbietern - vielmehr die Entwickler. Anstatt sich selbst einzuschränken und sich möglicher Vorteile zu berauben sollte eher der Druck auf die Entwickler hoch gehalten werden, effizient zu entwickeln. In sehr vielen Fällen tun sie das ohnehin schon aus eigenem Interesse, und in den Fällen, wo es noch Probleme gibt, sollte der Druck der Nutzer das Problem erledigen.

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  4. von David am 30.12.2013 (20:21 Uhr)

    Aus jedem Engpass gestern wurde heute ein Innovationsantrieb. Zurück geht nicht mehr, die Zukunft braucht also smarte Lösungen.

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  5. von JP am 30.12.2013 (22:29 Uhr)

    Ja, Nummer 1 nervt ungemein. Was der reload soll frage ich mich schon seit ich Smartphones nutze.

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  6. von Heinz Schlupp am 30.12.2013 (23:45 Uhr)

    Die Cloud ist die Zukunft der sich keiner mehr verwehren kann. Das Kind hat einen Namen. Wir sind im Informationszeitalter. Es braucht einfach entsprechende Lösungen. Datenmengen gering und effizient halten war jedoch noch nie ein Fehler. Nadelöhre wird es aber trotzdem immer geben.

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  7. von struppi am 31.12.2013 (00:18 Uhr)

    Es ist ja schön, dass das die Zukunft ist, aber wie es im Artikel schon steht, die Infrastruktur ist nicht flächendeckend so, dass es problemlos möglich ist solche Datenmengen über's Netz zu empfangen oder zu versenden.

    Daher ist die Cloud vielleicht in Ballungsgebieten "die Zukunft", aber auf dem flachen Land sind viele froh wenn die Bandbreite bei DSL 2000 liegt und damit dürfte es noch über lange Sicht nervig sein, mal eben seine 200 GB Daten zu sichern.

    Insofern kann ich dem Artikel voll zustimmen, aber leider wird das in der Realität niemand interessieren, weil es die meisten einfach nicht Wissen.

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  8. von Mirco am 31.12.2013 (01:06 Uhr)

    Der Tipp, die iOS-Updates nur zu Hause im WLAN durchzuführen ist aber eher die Spitze des Eisberges. Alle Systemupdates (und das sind inzwischen nicht mehr gerade wenige. Kommen ja ständig welche...) aller Geräte werden auch von jedem einzelnen Gerät aus dem Internet heruntergeladen.
    Habe ich drei Macs, zwei Tablets und zwei Handies im Haushalt, lädt sich ein jedes diese Systemupdates herunter. Man hat ja inzwischen nicht mal mehr die Möglichkeit, sich eine Installations- oder Image-Datei herunterzuladen, die man sich dann auf die einzelnen Geräte draufspielt.

    Ein Proxy für jeden Haushalt sage ich da! Hätte jeder Haushalt einen Proxy-Server und würde dieser Internetzugriffe sinnvoll puffern (System-Updates, was ich von Rechner A in die Dropbox stelle, kann auch auf die Rechner B und C im lokalen Netzwerk, ohne noch zweimal heruntergeladen zu werden).

    Wobei das Ganze dann auch wieder seine Grenzen hat: Habe ich irgendwo mein Musik-Streaming-Abo, hätte ich wahrscheinlich sofort irgend nen Abmahn-Anwalt am Hals, wenn mein Proxy meinen Lieblings-Sonst zwischenspeichert.

    Wird auch mal Zeit, dass sich Googles "Spdy" durchsetzt. Den http-Datenstrom zu komprimieren würde wahrscheinlich einiges des weltweiten Traffics reduzieren.

    Ich persönlich fühle mich mit einem 6'000er-Anschluss übrigens immer noch wohl. Alles zu Hause lokal auf dem Computer. Musik wird wenn überhaupt nur im lokalen Netzwerk gestreamt, die Android-CustomROM wird einmal heruntergeladen und auf drei Geräten installiert. Ich kann die Leute, die sich über ein zu langsames Internet beschweren, nicht so wirklich verstehen.

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  9. von Russel am 31.12.2013 (06:11 Uhr)

    Dieser Artikel ist so schlecht. Nur die Meinung irgendeiner Person. Keine Daten oder Fakten. Lächerlich

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  10. von W4rl0ck am 31.12.2013 (08:50 Uhr)

    > Die größte Belastung für das Netz sind Cloud-Dienste

    Das ist nicht richtig. Alleine 30% der Bandbreite geht immer noch für Pornos drauf.

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  11. von W4rl0ck am 31.12.2013 (08:54 Uhr)

    > Ein Proxy für jeden Haushalt sage ich da!
    Sinnvoller kann man wohl Strom nicht verschwenden :)

    > Wird auch mal Zeit, dass sich Googles "Spdy" durchsetzt. Den http-Datenstrom zu komprimieren würde wahrscheinlich einiges des weltweiten Traffics reduzieren.

    Spdy ersetzt eigentlich https, kein http. Das alle Seiten auf einmal gültige Zertifikate haben da glaube ich nicht dran.

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  12. von ChristE am 31.12.2013 (09:36 Uhr)

    1. The Internet is for porn! Also lasst uns an der Cloud sparen, damit das Internet seiner Berufung nachkommen kann. ;-)

    2. Spdy ist tot. Irgendwie jedenfalls. Die Entwicklung wurde 2012 aufgegeben. Macht aber nix. Denn es darf als Urvater von HTTP 2.0 weiter leben.

    Man könnte ja fast meinen, Cloud wäre das neue Wort für Internet. Und dabei ist es doch nur ein Marketing-Buzzword für PaaS/IaaS...

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  13. von Jochen G. Fuchs am 31.12.2013 (09:37 Uhr)

    @Norbert, Tom
    Hehe. 1:0 für euch. Ich bin ehrlich in Versuchung die Bilder komplett zu entfernen. ;-)
    EDIT: Bilder entfernt.

    @marvis
    Die Cloud-Entwicklung will ich auch gar nicht zurückdrängen, es geht mir einfach nur darum offensichtlich nutzlose Netzlast zu reduzieren. Die Nutzung von Infrastruktur kostet Geld, es handelt sich nicht um eine unendliche Ressource. Sondern um eine endliche – deshalb sollte man auch so mit ihr umgehen.

    Nutzer sollen sich nicht einschränken müssen, meinst du. Ich weiß nicht – ist es wirklich eine Einschränkung auf nutzlosen Datenverkehr zu verzichten? Und Entwickler sind mit diesem Artikel ja ebenso angesprochen.

    @Russel
    Der vorliegende Artikel ist ein Kommentar und damit per se eine Meinung – und durch den Zusatz „Kommentar“ in der Headline auch deutlich so gekennzeichnet. Dass allerdings keinerlei Daten oder Fakten genannt werden ist falsch. Zum einen ist mein umfangreicher Artikel zur Infrastruktur verlinkt – der liefert viele Fakten – zum anderen stütze ich meine These „die Cloud ist die größte Belastung für das Netz“ mit einer Studie. Ebenfalls verlinkt.

    Meine Beispiele für sinnlose Echtzeit-Synchronisation sind Fakten, das können viele hier nachvollziehen, du kannst das selbst auf deinem Smartphone ausprobieren.

    Leider lese ich bei dir keine konkreten Kritikpunkte, sonst wäre ich gerne drauf eingegangen.

    @ W4rl0ck
    In den Rechenzentren sieht das anders aus, wie die Studie belegt. Aber sonst kann ich mir das gut vorstellen. ;-)

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  14. von ThomasD. am 31.12.2013 (19:23 Uhr)

    DAMALS ... als man noch mit 'nem 14.4er Modem unterwegs war und knapp 10min für ein MB Datenvolumen gebraucht hat, war das vielleicht noch ein Thema, aber heute?

    Hoax-Mails können zwar auch ganz schön nerven, aber mit meiner 16.000 laden die in Bruchteilen von Sekunden, wesentlich schneller zumindest als ich mit dem Löschen bin. Und selbst die mobilen Netze verkraften immer mehr. Da unsere Breitbandleitung beschädigt ist, läuft gerade eine 30 Mann Online-Firma über eine LTE-Leitung und auch wenn es ab und an mal hakt - es funktioniert bemerkenswert gut.

    Bandbreite mag nicht unendlich sein, aber der Ausbau geht so rasend schnell voran, dass wir auch mit flächendeckendem 4k-UHDTV-Live-Stream wahrscheinlich noch lange nicht das Ende ausgelotet haben.

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  15. von Jochen G. Fuchs am 31.12.2013 (22:01 Uhr)

    @ThomasD.

    Alles nachvollziehbar, aber: wenn du schon LTE als Argument anbringts offenbarst du dich als Privilegierter – den die LTE-Abdeckung ist prozentual auf Deutschland gesehen nicht massenrelevant.

    Und genau das ist mein Punkt. Auch wenn für einzelne Gebiete andere Regeln gelten, ist die breite Masse der Bevölkerung geschwindigkeitstechnisch nicht mit dir gleichzusetzen.

    Siehe mein oben verlinkter Artikel zur Internet-Infrastruktur: 6 Mbit/s Durchschnitt..

    Wir hinken im weltweiten Vergleich dem Breitbandausbau hinterher, die Wachstumsraten des Traffics überschreiten den Fortschritt im Ausbau um ein Vielfaches.

    Da wir offensichtlich nicht so schnell ausbauen als wir verbrauchen, sollte der Verbrauch mit Vernunft erfolgen.

    Justmy2cents. ;-)

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  16. von Stephan Jäckel am 02.01.2014 (18:10 Uhr)

    Niemand will zu Akustikkoppler und Wählscheibentelefon zurück. Auch ein Revival von Gopher-Servern ist wohl auszuschließen. Datensparsamkeit war nie verkehrt und in Deutschland ist sie sogar Teil des Datenschutzgedankens, der in kaum einem Unternehmen tief verankert ist.

    Aber wieviel Datensparsamkeit erlaubt "Big Data"? Wenn ständig die mobile Position abgerufen wird, damit "relevane" Werbung eingeblendet, die Nutzerbewegung nachverfolgt werden kann, dann ist Überlastung die Folge der Kommerzialisierung eines Netzes, welches eigentlich ursprünglich nicht so wirklich für Cloud oder Erwachsenenunterhaltung vorgesehen war. Immer online in sozialen Netzwerken heißt laufender Update der Timeline und wo dort Werbung oder "gesponsorte" Postings erscheinen, dort besteht hoher Nachladebedarf seitens des Anbieters, solange man Impressions verkaufen kann - auch solche, die entstehen, wenn der Browser gerade in der Taskleiste minimiert ist (dies war jetzt ein Anfall von Zynismus).

    Solange in Unternehmen Entscheider Angst haben Entscheidungen zu treffen, werden sie immer versuchen mehr Daten zu gewinnen, um dann beim Eintritt eines Fehlers es auf die Daten schieben zu können oder eben belegen zu können, dass man sich im Vorfeld der Maßnahme genug Mühe gegeben hat "relevante" Daten zu sammeln. In der Werbung ist es die Angst im entscheidenden Moment nicht da zu sein und als relevant erkannt zu werden (ich habe ja mal gelernt, dass Relevanz keine Momentfrage ist) und die Anbieter helfen gerne das voreingestellte Anzeigenbudget "abzusetzen". Zig-tausende von Vertrieblern müssen heute eher mehr denn weniger Daten manuell erfassen, damit dieser Datenhunger gestillt wird.

    Ein Problem ist sicherlich, dass in der BWL noch heute viel zu technikfern gelehrt wird, das Verständnis für Daten und Infrastruktur fehlt und das somit jenseits der Entwickler eigentlich kaum jemand fachliche Anforderungen und technische Möglichkeiten gedanklich zusammenführt. Und wenn auf betriebswirtschaftlicher Seite kein durchdachtes, strategisches Konzept rauskommt, dann hat die IT-Seite kaum eine Chance bei all den wechselnden Anforderungen und Einzelaktionen ein Sammelsurium an Schnittstellen, Datenbanken, Servern mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Hardware / Software unterschiedlicher Generationen irgendwie datensparsam zu führen oder auszulegen - und das alles auch noch möglichst billig!

    Ein anderer Aspekt ist grundsätzlicherer Natur: In Deutschland haben wir die Frage nach der Zuständigkeit für die Infrastruktur in die Privatwirtschaft verlegt. Die Angebotsmenge wird sich also nach dem erzielbaren Preis richten (volkswirtschaftlich) zuzüglich des an die Eigener auszuschüttenden Kapitals, welches nicht im Unternehmensgewinn (der eigentlichen Grundlage der volkswirtschaftlichen Angebotskurve) verbleibt. Folglich wird in einem oligopolistischen Markt minimal investiert und zwar dort, wo maximale Einnahmen erzielbar sind. Diese Folge einer vermeintlichen Marktlösung widerspricht dann dem Gebot des Grundgesetztes von ähnlichen Lebensbedingungen überall im Land.

    Weder Verzicht auf das Nachladen von Werbung, permanente Synchronisation, auf Datencloud oder Big Data, keine Datensparsamkeit der Welt wird bei fortschreitender Entwicklung etwas an dem Umstand ändern können, dass möglicherweise die Infrastruktur nicht in die Verantwortung des Marktes sondern die des Staates gehört hätte, der die Kapazitäten dann an die Anbieter verleast oder vermietet. Das hätte einen Preiswettbewerb nicht ausgeschlossen und die Versorgungspflicht samt nachfragegerechtem Ausbau (Menge nicht Preis) wäre klar zugeordnet gewesen.

    So muss der kleine Deutsche Markt (die weltweite Entwicklung orientiert sich da an ganz anderen Netzen) nun hoffen, auf datensparsame Programmierer und auf konzeptionell versierte BWLer, die aus weniger mehr machen können. Die hätten dann aber für ihre Lösungen gute Absatzchancen in Märkten, wo es noch enger und knapper zugeht, als hierzulande.

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  17. von Thomas D. am 03.01.2014 (07:23 Uhr)

    @ J.G.F.: Noch gibt es ja auch noch kein nennenswertes (neues) Infrastrukturproblem und wenn es soweit sein sollte, ist LTE relativ sicher Standard. 90% der Zeit sind die Leute wahrscheinlich eh in WLANs eingeloggt, so dass die im Hintergrund laufenden Statusupdates nicht ins Gewicht fallen.

    Und das ist eh der Punkt: Cloud-Traffic wie Status/Standort Updates inkl. kleiner Werbebanner fallen zwar konstant, aber in sehr kleinen Mengen an und laufen im Hintergrund ab. Meist reicht dafür sogar locker GPRS. Am Sendemast summieren sich die Rinnsale möglicherweise zur starken Strömung, aber hier kommen auch wieder ganz andere Übertragungstechniken zum Tragen, die das eigentlich wegstecken sollten (mal abgesehen vom gefürchteten iPhone Update).

    Ich bin auch noch lange mit DSL2000 unterwegs gewesen und abgesehen von YoutubeHD-Videos und großen Downloads (beides würde ich nicht unbedingt "Cloud" nennen) und ggfs. Skype-Videos im Upstream, fällt das Upgrade auf 16.000 kaum ins Gewicht. Definitiv nicht bei Social Networks und dergleichen.

    Ansonsten bitte mal definieren, was der wolkige Begriff "Cloud" überhaupt umfasst.

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  18. von heiko am 04.01.2014 (14:17 Uhr)

    Ich finde den Artikel sehr zeitgemäß.
    Und die Frage steht tatsächlich im Raum:
    Muss alles VerClouded sein?

    Die permanenten Aktualisierungen von allem iund jedem haben ja insbesondere das Ziel, viele personenbeziehbare daten zu generieren. bei jedem Update eine ungefähre Ortsangabe und wer weiss noch alles.

    Jedes blöde Programm in die Cloud zu schieben ist aus meiner Sicht erstmal ein versuch, Distributionskosten zu sparen und zweitens eben die Erzeugung von auswertbaren Nutzerdaten.

    Schon lange vor Ed Snowden war Cloud für mich eher ein offenes Risiko als ein immerwährender Nutzen.

    Ich bin ein weitgehender Non-Clouder, wann genau ich was updedated kriege ist mir meistens egal, EBooks möchte ich NUR vollständig offline... und bin damit eben ein Non-Nerd, aber egal... ich zahle ja auch mit Bargeld.

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  19. von nk am 04.01.2014 (16:22 Uhr)

    Super Artikel, Herr Fuchs. Ist leider selten geworden, dass ich das bei t3n mal sagen kann.

    > Im Vergleich zu Video und Audio sind die genannten Lösungen sehr kleine Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Aber möchten wir das wirklich wieder zurückdrängen und zurück zu Rundfunk-Medien? Ich glaube nicht.

    Ich finde schon. So doof ist das gar nicht. Erzeugt zwar Mehrarbeit für Content Manager, aber das Angebot "Mobilversion ohne Multimedia (statt dessen mit Textversion), ohne Klickstrecke und "Infografik"" fände ich ein super Angebot.

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