t3n News Startups

Erfolgsfaktor Bauchgefühl: So klappt das Gründen mit dem Effectuation-Prinzip

Erfolgsfaktor Bauchgefühl: So klappt das Gründen mit dem Effectuation-Prinzip

Populäre Startup-Ansätze wie Lean oder Thinking haben den Prozess der Ideenentwicklung zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Gründer gemacht. Wie aber startet man ein Projekt richtig, was braucht es dafür und wieso ist die Angst vor dem Scheitern oft unbegründet? Das Effectuation-Prinzip, also die intuitive Entscheidungs- und Handlungslogik, zeigt dir, wie dein nächstes Projekt zum Erfolg wird.

Erfolgsfaktor Bauchgefühl: So klappt das Gründen mit dem Effectuation-Prinzip

(Foto: © misterQ / photocase)

Effectuation: Das Bauchgefühl strukturiert nutzen

Es gibt diese Momente, da platzt sie aus einem heraus, diese eine Idee. Eine Idee, so gut, dass man sie als Gründer sofort umsetzen will. Beflügelt von der Begeisterung holt dich die Realität jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: Geld und Wissen sind Mangelware, es gibt keinen Markt oder der Aufwand ist schlichtweg zu groß. Am Ende bleibt die Idee dort, wo sie hergekommen ist: im Kopf. Wer jemals eine Idee zur Prüfung ihrer Machbarkeit durchgespielt hat, kennt das. Hinzu kommt, dass trotz Big-Data bisher niemand die Zukunft vorhersagen kann. Das gilt besonders für neuartige Projekte, Produkte oder Märkte.

Wie aber kann es gelingen, diesen Problemen zu begegnen und in ein erfolgreiches Projekt umzumünzen? Abhilfe verspricht das Prinzip der Effectuation, also der intuitiven Entscheidungs- und Handlungslogik. Es bietet nützliche Schrittfolgen, mit diesen Problemen umzugehen. Da der beste Weg die Zukunft vorherzusagen, sie zu schaffen ist, geben wir euch fünf nützliche Tipps an die Hand, die euch den Start in euer nächstes Projekt erleichtern – sogar dann, wenn noch völlig unklar ist, wo ihr am Ende herauskommen werdet.

Besser Gründen: Die 5 Prinzipien von Effectuation

1. „bird-in-hand“

bird in hand
Effectuation: (Foto: © bonninturina – Fotolia.com)

Am Anfang steht immer die Frage, welches Projekt du starten willst; und zwar anhand der Kriterien, was dir Spaß macht oder sinnvoll erscheint. Danach prüfst du deine sogenannten „Means“. Das heißt, dass du dir folgende Fragen stellst und sie entsprechend evaluierst: Was kann ich? Welche Mittel stehen mir zur Verfügung? Wen kenne ich? Wer könnte bei der Umsetzung des Projekts behilflich sein? Für viele Projekte reichen eine Idee, ein Computer und soziale Kontakte aus. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, hieraus spannende Projekte zu kreieren.

2. „affordable loss“

In vielen Ideen steckt die Hoffnung der Gründer, finanziellen Erfolg zu haben. Einige starten Projekte ohne Angst vor dem Scheitern und nehmen hohe Risiken in Kauf – andere wiederum fangen Projekte gar nicht erst an. Einen sehr einfachen Ansatz, um dieses Problem zu umgehen, schafft Effectuation durch das „affordable loss“-Prinzip. Indem du deinen Fokus auf den leistbaren Verlust legst, ist selbst ein komplettes Scheitern kein Weltuntergang. Das ist Risikominimierung auf Basis der eigenen Mittel. Ein klassischer „affordable loss“ ist die Arbeitszeit. Oft stellt sich die Frage, ob man die Zeit aufbringen kann. Ist es ein leistbarer Verlust, seine Arbeit für eine Idee zu opfern? Diese Fragen kann nur jeder für sich selbst beantworten.

3. „lemonade“

lemonade
Zufälle sollte man bei Effectuation für sich nutzen. (Foto: © nolonely – Fotolia.com)

Schon bekannt aus zahllosen Sprüchesammlungen ist das „lemonade“-Prinzip. Es besagt: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mache Limonade daraus. Gestalte Zufälle in deiner Umwelt also zu deinem Nutzen. Was oft zunächst als Scheitern oder Misserfolg angesehen wurde, führte bei vielen Produkten zum Erfolg.

Eines der bekanntesten Beispiele hierfür sind die berühmten Post-its von 3M: Sie sind bei der Entwicklung eines Superklebers entstanden – das Projekt galt zunächst als gescheitert, da sich der Kleber zu leicht wieder lösen ließ. In Kombination mit Papier führte der Kleber dann aber zu den praktischen Haftnotizen. Wenn deinem eigentlichen Projekt etwas Unerwartetes zustößt, finde Wege, wie du es für dich verwerten kannst.

4. „patchwork quilt“

Ein weiteres Prinzip ist das Formen von Partnerschaften. Sie sind eine gute Möglichkeit, ein Projekt professionell mit der Erfahrung anderer aufzubauen und das Risiko zu minimieren. Das Optimum sind sogenannte „Self-selecting Stakeholder“ – also Partner, die aus Eigeninteresse dabei sein wollen. Neben diesem Aspekt ist ein weiterer Vorteil, dass du potenzielle Konkurrenten aus dem Rennen nimmst.

Ein gutes Beispiel hier ist das Startup Fastbill, das mit verschiedenen anderen Unternehmen Partnerschaften eingeht und somit ganz neue Produkte ermöglicht und sich selber dabei weiterentwickelt. Der Online-Dienst zur Rechnungsstellung hat zum Beispiel als einen der Hauptpartner Jimdo. Hiervon profitieren beide Seiten und der Kunde deutlich. Wenn dir also Bestandteile zu einem guten Produkt fehlen, dann knüpfe Partnerschaften.

5. „pilot-in-plane“

Das Effectuation-Prinzip setzt darauf, Gründer nur das tun zu lassen, was sie selbst beeinflussen können. (Foto: © Alexandr Vasilyev - Fotolia.com)
Das Effectuation-Prinzip setzt darauf, Gründer nur das tun zu lassen, was sie selbst beeinflussen können. (Foto: © Alexandr Vasilyev – Fotolia.com)

Das Prinzip „pilot-in-plane“ besagt, dass du dich auf die Aktivitäten konzentrieren sollst, die du jetzt beeinflussen kannst. Wenn du die ersten vier Prinzipien umsetzt, kannst du die Zukunft zwar nicht vorhersagen, aber kreieren. Sobald du anfängst, selbst tätig zu werden, Partnerschaften knüpfst und die dir zur Verfügung stehenden Mittel nutzt, bist du immer der Chef hinter dem Steuer. Wenn du jetzt an Bootstrapping denkst, hast du auf jeden Fall eine richtige Idee im Kopf – auch wenn das nicht der einzige Weg ist.

Wann du „Effectuation“ einsetzt

Effectuation solltest du dann anwenden, wenn du ein innovatives Gründungsprojekt hast oder dich in einem persönlichen wie beruflichen Veränderungsprozess befindest – sprich in unsicheren Situationen. Das heißt: Bei nahezu vorhersehbaren Vorhaben solltest du nach wie vor klassisch planen. Wenn du ein Nachahmerprodukt planst, plane. Wenn du etwas Neues aufbauen willst, effektuiere. Übrigens: Wie man Effectuation richtig in der Praxis anwendet, lernst du beim Effectuation Weekend in Hannover. Melde dich jetzt an!

Über den Autor

Ilan ist Kooperationspartner für das Thema „New Work“ im Futur-Programm des Hannoverschen Coworking-Spaces Edelstall. Er ist begeistert für die Themen Entrepreneurship, HR und Organisationsentwicklung.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Eine Antwort
  1. von Karl Felberbauer am 13.01.2015 (22:45 Uhr)

    Sehr interessant und ein ungewöhnlicher Ansatz. Werde es mal ausprobieren.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Startups
Corporate Design: So setzen Gründer und Startups ihr Logo und Co. in Szene
Corporate Design: So setzen Gründer und Startups ihr Logo und Co. in Szene

Das Corporate Design fasst grafisch zusammen, wofür dein Unternehmen stehen will. Die Entwicklung ist oft teuer und aufwendig. Steht es dann endlich, gilt es, das volle Potenzial zu nutzen. » weiterlesen

Canva: Ein Design-Tool, mit dem jeder zum Designer werden soll
Canva: Ein Design-Tool, mit dem jeder zum Designer werden soll

Mit Canva soll das Gestalten verschiedenster Grafiken kein Problem mehr sein. In nur 23 Sekunden soll jeder zum Designer werden. » weiterlesen

Fabelhafte Startups: Das ist Europas Einhorn-Hochburg
Fabelhafte Startups: Das ist Europas Einhorn-Hochburg

Mehr als jedes dritte „Einhorn“ hat sich in Großbritannien niedergelassen. Schweden und Deutschland folgen im Vergleich abgeschlagen auf Platz zwei und drei. Trotzdem sieht die Zukunft für … » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?