Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

„13 Uhr: Mittagessen vor dem Bildschirm“: Ein Tag im Leben von Spottster-Gründerin Freya Oehle

    „13 Uhr: Mittagessen vor dem Bildschirm“: Ein Tag im Leben von Spottster-Gründerin Freya Oehle

In unserer Serie „Ein Tag im Leben von …“ protokollieren außergewöhnliche Köpfe der deutschen Startup-Szene ihren Berufsalltag. Heute an der Reihe: Die durch einen DHDL-Auftritt bekanntgewordene Spottster-Gründerin Freya Oehle. Ihr Highlight des Tages: 5.264 Zeilen Excel.

Vom DHDL-Auftritt nicht unterkriegen lassen

Wenn es in der „Höhle der Löwen“ überhaupt so etwas wie ein kleines Skandälchen gab, dann war es der Auftritt von Spottster im September vergangenen Jahres: Mit großen Hoffnungen und vor Millionenpublikum hatten Freya Oehle und ihr Mitgründer Tobias Kempkensteffen ihre Idee vom intelligenten Einkaufszettel präsentiert. Obwohl sich allen voran TV-Löwe Frank Thelen positiv zum Auftritt äußerte, investierte er nicht. Stattdessen erklärte er, mit Zenshopping bereits an einem US-Startup mit ähnlichen Produkt beteiligt zu sein und so kein Konkurrenzprodukt unterstützen zu wollen. Ob gewollt oder nicht – den Spottster-Auftritt konnte Thelen geschickt als Werbung in eigener Sache verbuchen. Am Ende standen Freya Oehle und ihr Mitgründer mit leeren Händen da. Fans waren sauer.

Das Team von Spottster: Freya Oehle und ihr Mitgründer Tobias Kempkensteffen. (Foto: Freya Oehle)
Spottster-Duo: Freya Oehle und ihr Mitgründer Tobias Kempkensteffen. (Foto: Freya Oehle)

Dem Selbstbewusstsein von Freya Oehle, die Spottster im Alter von nur 23 Jahren gründete, hat das aber nicht geschadet: So fand Oehle mit Jochen Schweizer im Nachgang der Sendung doch noch einen Investor: Er investierte einen sechsstelligen Betrag in das Startup. Zuletzt erklärte Oehle auch, dass sich die Zahl der Kunden seit der Show „mehr als verdoppelt“ habe.

In jedem Fall scheint die 25-jährige WHU-Absolventin mit Einser-Abitur fest entschlossen, Spottster zu einer festen Größe im E-Commerce zu machen. Zumal Thelens Zenshopping hierzulande noch nicht am Start ist. Was das für den Arbeitstag der Gründerin bedeutet, hat sie uns mit ihrem Tagesprotokoll verraten:

So läuft ein Arbeitstag bei Freya Oehle ab

6:30 Uhr: Eine Ente fängt an zu quaken, um mich zu wecken. Der nächste Schritt ist der Griff in Richtung meines iPhones, um erstere zum Schweigen zu bringen und den Nachrichteneingang zu überfliegen. Das Checken von Outlook , Slack und WhatsApp gehört zur ersten Tat, um zu wissen, was auf einen zukommt und ob was passiert ist. Außerdem werden wichtige Themen mit unter die maximal heiße Dusche genommen. Dort werden die Lebensgeister geweckt und der Tag  bei mir gedanklich geplant. Ein wasserfestes Notizbuch wäre herausragend für mich!

7 Uhr: Nachdem sowohl das Bewusstsein als auch das salonfähige Aussehen hergestellt wurde, fängt mit der ersten Morgenstunde die beste Zeit des Tages an. Meine WG  ist zu diesem Zeitpunkt noch vollständig ruhig. Ich wohne bewusst in einer WG, um nach der Arbeit Menschen um mich zu haben, die nichts mit dem Büro zu tun haben. Zwei Becher Tee, FAZ-App und zwei Buchseiten von The Second Machine Age, um immer mit etwas anderem als Arbeit zu starten.

7:45 Uhr: Aufbruch ins Büro. Heute wegen Hamburger Schietwetter mit der Bahn. Als Frühstück nehme ich eine Banane und einen Smoothie mit auf dem Weg. Nebenbei höre ich meistens Sport- oder Motivations-Playlisten per Spotify. Ansonsten bleibt das Handy in der Tasche – ich beobachte gerne Menschen.

8:15 Uhr: Als erste im Büro ist der wichtigste Schritt die Inbetriebnahme der Kaffeemaschine. Ein Saeco Vollautomat, das beste Geschenk der Eltern meines Mitgründers! Dann öffne ich das spottster Dashboard. Kommissionen, Conversions und Neunutzer werden als erste KPIs gecheckt. Dann folgen Preis- und Gutscheinchecks – also jene Preisbenachrichtigungen, die unser Qualitätsmanagement über Nacht aussortiert hat und die manuell gecheckt werden müssen, bevor sie rausgehen.

Spottster bei seinem Auftritt in der Höhle der Löwen. (Foto: Vox)
Spottster bei seinem Auftritt in der Höhle der Löwen. (Foto: Vox)

9 Uhr: Die neunköpfige Bande trudelt pünktlich ein. Versammlung zum Standup-Meeting um To-dos und Arbeitsstände abzuklappern. Bei dem täglichen Meeting dürfen kurze Sätze genannt werden, wer was tut. Ein analoges To-do-Board für die Grobübersicht wird an der Wand geführt. Im Mittwochs-Meeting werden dann Detailfragen diskutiert, Ergebnisse vorgestellt und Arbeitsabläufe durchgegangen. Was dort besprochen wird, landet in Jira und in einem selbstgezimmerten To-do-System in unserem Backend.

9:15 Uhr: Zusammen mit dem Marketing-Team konzipiere ich die neue Startseite für die App, die eine Anmeldung nicht mehr zwingend voraussetzt. Zuweisung von To-dos für die nächsten Schritte analog in meinem schlauen schwarzen Buch und im Backend. Aufgaben werden immer auf Wochenebene vergeben, damit bis Freitag nichts offen bleibt. Derzeit führen wir für reine Abarbeitungstasks einen internen Incentive-Katalog ein, damit keine unliebsamen Tätigkeiten liegen bleiben. Als Gewinn winkt ein Teamevent.

11:30 Uhr: Fliegender Wechsel rüber zur IT, um die anstehende Datenarbeit zu strukturieren. Die Preisdaten aller Partnershops des letzten Jahres sollen analysiert und Preistrends identifiziert werden. Es werden sehr viele Konzeptskizzen gekritzelt und die Herangehensweise an das Problem hergeleitet. An einigen Stellen muss ich immer nach der Übersetzung IT zu normaler Sprache fragen. Das Whiteboard ist bei IT-Besprechungen voll mit Querverbindungen und Darstellungen von Abhängigkeiten.

13 Uhr: Mittagessen vor dem Bildschirm, um die Zeit zu finden, die Mails des Vormittags abzuarbeiten. Ich habe oft versucht ein System durch Farben und Ordner einzuführen, im Endeffekt landet aber alles in einem Postfach und der Kopf übernimmt die Priorisierung. Einzig von mir genutztes Feature von Outlook: Das Nachverfolgungsfähnchen. Der Kaffee im Anschluss wird begleitet von einem Keks und einer Menge Telefonate – meistens mit Online-Shops oder Agenturen, die bei uns angebunden sind, Fehler aufweisen oder aber Produkte positionieren wollen.

14 Uhr: Erstellen drei neuer Kampagnenbilder mit intensiver Photoshop Schulung der neuen Praktikantin. Letztere übernehmen bei uns meistens das Online-Marketing und Teile des Vertriebs. Dort können sie eigenständig arbeiten und haben immer Kontakt zu Kunden. Meistens sind Praktikanten bei uns weniger als drei Monate angestellt, da sie noch studieren oder Pflichtpraktika absolvieren.

15 Uhr: Gegenlesen und Formatieren der neuen Sales-Präsentation.

16:15 Uhr: Rückzug in die zum Einzelbüro umfunktionierte Abstellkammer, um das Monatsreporting mit Inhalt zu füllen und die Buchhaltung abzuarbeiten. Generell liebe ich das gemeinsame Großraumbüro, da man immer und ohne Aufwand über alles auf dem Laufenden bleibt und das Team dadurch eng zusammenwächst – für echte Konzentration ist es aber nicht geeignet, weshalb man wahlweise einen Rückzugsort oder gute In-Ears haben sollte.

Nachdem Freya Oehle und ihr Mitgründer Tobias Kempkensteffen bei DHDL noch leer ausgingen, erhielten sie im Nachgang der Sendung ein sechsstelliges Investment von Jochen Schweizer. (Foto: Spottster/Facebook)
Nachdem Freya Oehle und ihr Mitgründer Tobias Kempkensteffen bei DHDL noch leer ausgingen, erhielten sie im Nachgang der Sendung ein sechsstelliges Investment von Jochen Schweizer. (Foto: Spottster/Facebook)

17:40 Uhr: Check der neuen Whitelabeling-Lösung. Andere Shops können sich auf Basis unserer Software so Produkte merken. Da die neue Lösung bis zum Abend stehen soll, führe ich erste Test mit meinem Mitgründer Tobi über PHP Unit durch.

18 Uhr: Highlight des Tages: 5.264 Zeilen Excel (für schnelle Datenanalysen, Finanzplanungen & rechnerische Simulationen immer im Einsatz) müssen strukturiert, sortiert und in auswertbare Formen gebracht werden. Kleine Erinnerung, wie es in Bank und Unternehmensberatung war. Der Mate-Konsum steigt rapide, ganz ohne Hipster-Dasein. Als Abendbrot halten Knäckebrot, Tomaten und Kräuterquark her, um immerhin gesund zu essen. Abseits davon, dass es frisch und gesund sein muss, ist Essen für mich primär zweckdienlich – es stillt Hunger. Um Gourmand oder dergleichen zu werden, fehlt mir die Leidenschaft für Nahrung vollständig. Im Team führt das oft zu Unverständnis.

22:30 Uhr: Rückzug ins McFit Stellingen. Auf dem Weg der Versuch der telefonischen Koordination einer kurzen Kaffee-Reunion am Folgetag, um den anstehenden Termin in Berlin und die Anreise für ein Wiedersehen zu nutzen. 
Dann schalte ich Spotify an, mache die Kopfhörer rein und laufe 30 Minuten zuzüglich einstündiger Kraftübungen. Der alte Trainingsplan vom Basketball aus Schulzeiten wird immer noch befolgt. Mittwochs ist allerdings die Ausnahme – da steht firmeninternes Team-Squash an. Im Sommer wird übrigens der Segelschein gemacht und das Kite-Surfen in Kiel wieder aufgenommen. Immerhin muss ich mich als Wahlhamburgerin langsam an Wassersport gewöhnen (eigentlich überzeugtes Kind der Berge).

0:30 Uhr: Letzter Mailcheck des Tages, erneuter Fortschritt von immerhin acht Buchseiten. Schlafen.

Finde einen Job, den du liebst

10 Reaktionen
Herzi
Herzi

Ich finde Peter hat hier den Nagel auf den Kopf getroffen. Es gibt da draußen so viele Startups - warum kommt man ausgerechnet immer wieder mit Spottster? Haben die schon irgendeinen Erfolg vorzuweisen? Ok, Sie sieht gut aus, Sie ist eine Frau - reicht das schon, um hier eine Bühne zu bekommen?

Antworten
Elias

Sehr sympathisch, finde ich gut. :)

Antworten
Ich
Ich

Sehr sympathisch!

Antworten
Peter
Peter

Sie habe sich bewusst für eine WG entschieden, um am Abend Leute um sich zu haben. Sorry, aber wenn man jeden Tag erst um 00.30 Uhr nach Hause kommt, dann ist das dämliches Gelaber, oder der "Alltag" hier wurde bewusst so unrealistisch wie möglich gezeichnet. Mach das genau so mal ein Jahr lang - have fun. Man kanns auch wirklich übertreiben. Sieht für mich eher nach einer Rechtfertigung für das "Geld verbrennen" aus. "Hier Jochen schau, ich arbeite rund um die Uhr, was es bringt weiß ich nicht genau, aber keine Sorge, wir tun echt den ganzen Tag was. Was genau wissen wir nicht, aber wir tun was".

Wieso um alles in der Welt wird diese "Frau" so hochsterilisiert?
Glauben die Redaktionen eigentlich dieses Magazin wird von irgendwelchen Vollidioten gelesen, die mit der Branche nichts am Hut haben?
Jeder dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Gründers, der wirklich unternehmerisch erfolgreich arbeitet und sich nicht so wichtig nimmt. Diese "Frau" sollte sich mal daran zurückerinnern, wieso sie diesen Weg eingeschlagen hat. Wer solch einen Artikel über sich überhaupt nur zulässt hat mit Unternehmertum so rein gar nichts am Hut.

Viel Erfolg die nächsten Monate, ich finde es schade, wenn euch das Geld ausgeht, aber dann müssen zumindest diejenigen, die wirklich etwas erschaffen diesen Mist nicht mehr lesen.
Es wird zwar wieder so jemand nachkommen, aber was solls...

Antworten
Ich
Ich

Verstehe Deine Kritik nicht. Das ist doch nur ein Beispieltag. Mit Sicherheit gibt es auch Tage wo sie um 18:00 Uhr das Büro verlässt und einen WG-Abend macht. Vielleicht auch nicht, wer weiss. Es geht also nicht wie Du schreibst um "JEDEN Tag"!
Ich verstehe auch nicht was Du mit "Jeder dieser Artikel ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Gründers" ? Ich finde es interessant mal Näheres über den Tagesablauf einiger Gründer zu erfahren. Warum sollte das für jemanden ein Schlag ins Gesicht sein? In der ganzen Serie wurde doch nirgends behauptet das sowas der optimale Tag oder so wäre.....

Ein Satz zum letzten Absatz: "dann müssen zumindest diejenigen, die wirklich etwas erschaffen diesen Mist nicht mehr lesen."
Kleines Missverständniss: NIEMAND MUSS diesen Artikel lesen, egal ob er wirklich etwas erschafft oder nur vor sich hin jammert....

Antworten
Peter
Peter

Niemand jammert hier rum, wir erkennen nur die wahre Absicht des Artikels samt dessen Obskuriosität. Wenn hier schon ein Beispieltag dieser Gründerin gezeichnet werden soll, wieso muss er so überspitzt beschrieben werden. Jeder hat mal seine Peaks, wieso muss man damit so hausieren gehen in der Hoffnung etwas Anerkennung für seine ach so tolle Arbeit zu bekommen? Arbeite, die Anerkennung kommt dann ganz von allein. Genau das ist meine Kritik an der ganzen Sache - ich hinterfrage dadurch nur die grundsätzlichen Beweggründe dieser Frau etwas zu gründen. 5 Minuten Ruhm scheinen weit oben auf der Liste zu stehen.
Liest man sich andere Artikel über sie im Netz durch, scheint niemanden zu interessieren was sie eigentlich tut. Es kommt nur darauf an, dass sie jung ist, eine FRAU ist, im Fernsehen war, die hippsten Office Tools benutzt (Outlook), fremdes Geld verbläst und sich für mehr Gründerinnen (who cares ob Mann oder Frau, es geht um das Produkt) einsetzt.
In 8 Monaten wird es einen Insolvenz-Artikel geben, danach wird sie von FuckupNight zu FuckupNight marschieren und erzählen wieviel sie dadurch doch gelernt habe.
Sorry für den Pessimismus.

Im Grunde ist es aber auch egal. Es war berieselnde Morgenlektüre - Das Problem löst sich sowieso von alleine.

Jensha
Jensha

Um deinen persönlichen Feldzug kurz zu unterbrechen:
Hättest du hier genauso reagiert? Ich glaube nein
http://t3n.de/news/andreas-bruckschloegl-onpage-670103/

Aber deiner Logik folgend ist das ja auch ein schlag ins Gesicht eines jeden Gründers und genauso unrealistisch als Tagesablauf - also gleich zwei auf einmal.
Ich finde es eher auffällig, dass die Tage absolut ähnlich aussehen und krass, dass sich alle aufregen, dass die zu viel Arbeit wäre.
Würden beide stattdessen das 9 to 5 machen und danach Freizeit, würde gesagt werden sie arbeiten gar nicht richtig. Aber alle die hier kritisieren machen es bestimmt besser.

Schließe mich hier eher Elias und Ich an und finde das gehate bezeichnend

Antworten
Patrick Emmler

Der Trend die Arbeitsabläufe inkl. Mittagessen (was gab es denn? vermutlich aufgegossene China-Suppe aus der Tüte) auf derlei Seiten genüsslich auszubreiten wird wohl bald wieder im Off des Internet verschwinden, wenn allen bewusst wird, dass der Mensch so nicht lange durchhält in die Qualität der Beiträge meine Lebenszeit im Internet tötet.

Was mir noch fehlt ist gleich der Downloadlink für den Arbeitsablauf eines perfekten Unternehmers und einem Random-Tool auf Basis der eigenen Social Media Daten mit was man am besten gleich ein Startup gründen sollte.

Quo vadis Internet?

Antworten
Mathias Penz

Wenn wirklich jeder Tag genau so abläuft, hält die junge Dame das vielleicht ein oder zwei Jahre durch. Danach ist sie ausgebrannt und hat vermutlich tatsächlich nur Geld verbrannt. Das klingt nicht nach effektiver Arbeit.

Ich wünsche ihr dennoch viel Glück und hoffe sie schafft es, ihren Tag esser zu strukturieren und wirklich zu arbeiten.

Antworten
Jens

Eine FAZ-App am Morgen, die Namen der beiden und Geld zum Verbrennen ... Was sagt uns das?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen