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Einfach mal anfangen! Programmieren für Nullcheckerbunnys [#rp14]

Einfach mal anfangen! Programmieren für Nullcheckerbunnys [#rp14]

Auch schon darüber nachgedacht, wie nützlich es wäre, zu können? Du bist nicht allein. Im Workshop von Anne Schüßler und Kathrin Passig auf der haben zahlreiche „Nullcheckerbunnys“ den Einstieg versucht. Wir waren dabei.

Einfach mal anfangen! Programmieren für Nullcheckerbunnys [#rp14]

Auch Nullcheckerbunnys können programmieren lernen. (Foto: Toms Bauģis / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Programmieren lernen, um das eigene Blog im Griff zu haben

Dörte betreibt ein eigenes Blog. Sie möchte lernen, kleine Änderungen in Design und Funktionalität selbst vorzunehmen, statt immer jemanden fragen zu müssen. Ähnlich geht es auch Christine: Sie hat schon vor einigen Jahren mal ein bisschen programmiert, ist aber damals nicht am Ball geblieben. Nun will sie den Faden wieder aufgreifen – ihr Blog bietet ihr dazu eine Plattform, auf der sie neue Erkenntnisse direkt implementieren kann.

„Hilfreiche Eigenschaften für Programmierer: Faulheit und Optimismus.“

Beide sitzen im Workshop „Programmieren für Nullcheckerbunnys“ von Anne Schüßler und Kathrin Passig auf der re:publica 2014. Und sie sind nicht die einzigen: Der Workshop ist brechend voll, schon vor Beginn sind die ersten Interessenten mit Hinweis auf Überfüllung draußen abgewiesen worden. Schüßler und Passig beginnen mit dem Hinweis, dass es weniger um technische Anleitungen gehen soll als vielmehr darum, die Angst vor dem Anfangen zu nehmen. Dann zeigen sie, wo wir schon einmal mit Programmieren in Berührung gekommen sein könnten, was wir beim Einstieg beachten sollten und welche Charaktereigenschaften hilfreich für künftige Programmierer sind (unter anderem Faulheit, Bequemlichkeit, Optimismus und ein schlechtes Gedächtnis).

Mehr als gut besucht: Der Workshop „Programmieren für Nullcheckerbunnys“ auf der re:publica 2014.
Mehr als gut besucht: Der Workshop „Programmieren für Nullcheckerbunnys“ auf der re:publica 2014. (Foto: t3n)

Unter den gespannt lauschenden Teilnehmern ist auch Julia, die beim Begriff „Nullcheckerbunnys“ im re:publica-Programm hellhörig geworden ist. Die Bloggerin hat schon oft zu hören bekommen, dass sie sich nicht als Programmiererin bezeichnen könne, weil sie ja „nur“ mit LaTeX, einem Textsatzsystem, arbeite. So ist der Eindruck entstanden, dass sie der komplexen Wissenschaft des Programmierens unter Umständen gar nicht gewachsen ist. Entsprechend hoch sei die Hemmschwelle, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, erzählt sie mir: „Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es Leuten geht, die noch gar keine Berührungspunkte haben.“

„Experten im Freundeskreis sind keine Hilfe, sondern ein Hindernis"

Ein Nerd-lastiger Freundeskreis ist für die, die erst anfangen, zu programmieren, oft problematisch, sagt auch Kathrin Passig. Zwar können Tools, wie Julia sie nutzt, oder die Arbeit mit Spreadsheets oder Makros im Textverarbeitungsprogramm durchaus einen Einstieg in das Programmieren bieten. Aber ein Freundeskreis voller Experten, das hemmt. Ein weiteres Problem ist die – eigentlich ja löbliche – Hilfsbereitschaft der Vielchecker-Freunde: Sie sagen „ach warte, ich mach dir das schnell.“ Dabei ist der Lerneffekt ja eigentlich am größten, wenn man selbst tüftelt und herumprobiert.

„Nur für sich selbst lernen, das funktioniert nicht.“

Deswegen empfehlen Passig und Schüßler in ihrem Workshop auch, nicht mit genau dem anzufangen, das alle im eigenen Umfeld schon können. Zusätzlich helfe es, einen starken Anreiz zu haben, also entweder ein besonders ärgerliches Problem, das behoben werden muss, oder ein besonders tolles Ergebnis, das man unbedingt erreichen will. Anne Schüßler weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig diese Form der Motivation ist: Im Studium hat sie versucht, „nebenbei“ C++ zu lernen. Aber: „Nur für mich selbst lernen, das hat nicht funktioniert.“

Es gibt mehr Nullcheckerbunnys, als wir denken

Keine falschen Hemmungen: Es gibt viele Nullcheckerbunnys dort draußen. #FLICKR#
Keine falschen Hemmungen: Es gibt viele Nullcheckerbunnys dort draußen. (Foto: Toms Bauģis / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

„In welcher Sprache programmiert ein Japaner?“

Während Schüßler und Passig in die Grundbegriffe des Programmierens einführen, dürfen die Teilnehmer immer wieder Zwischenfragen stellen – am liebsten ganz inkompetente, schließlich soll sich niemand der Nullcheckerbunnys eingeschüchtert fühlen. So lerne ich nebenbei, dass bis auf wenige, hoch spezialisierte Ausnahmen alle Programmiersprachen Englisch sind und somit meine Beherrschung des lateinischen Alphabets völlig ausreicht. Und dass HTML zwar keine Programmiersprache ist, aber man trotzdem mit HTML anfangen kann, da man direkt im Browser loslegen kann und schon mit einigen Prinzipien des Programmierens in Berührung kommt.

Zum Schluss gibt es auch noch Tipps für die, die den Einstieg hinter sich haben und nun weitere Anlaufstellen brauchen. Passig und Schüßler empfehlen codecademy.com und stackoverflow.com für weitergehende Fragen und nennen einige weitere Plattformen für motivierte Problemlöser.

Programmieren lernen: Aller Anfang ist NICHT schwer

Wie es aussieht, werden auch Christine und Dörte diese Plattformen schon bald aufsuchen. Denn der Workshop hat sie extrem motiviert, ungeachtet ihres Status als Nullcheckerbunny „einfach mal anzufangen.“ Und auch Julia ist beeindruckt von der Session: Wenn man weiß, dass man allein durch Herumprobieren schon vieles lernt, sagt sie, sind die Hürden gleich geringer.

Christine und Julia auf der re:publica 2014: Der Workshop hat sie motiviert, auch (wieder) mit dem Programmieren anzufangen. Foto: t3n.
Christine und Julia auf der re:publica 2014: Der Workshop hat sie motiviert, auch (wieder) mit dem Programmieren anzufangen. (Foto: t3n)

Diese Reaktionen dürften ganz im Sinne von Kathrin Passig und Anne Schüßler sein. Die beiden haben schon oft erlebt, dass jemand programmieren lernen will, aber sich nicht traut oder daran gehindert fühlt, anzufangen. Zu dieser Haltung wollten sie hier auf der re:publica einen positiven Gegenimpuls setzen. Wie der Andrang gezeigt hat, haben sie damit nicht nur einen Nerv getroffen – sondern hoffentlich auch eine ganze Reihe an Nullcheckerbunnys von ihrer imaginären Hemmschwelle befreit.

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4 Antworten
  1. von Werner am 10.05.2014 (13:20 Uhr)

    "Faulheit, Bequemlichkeit, Optimismus und ein schlechtes Gedächtnis"
    Prämisse: Es handelt sich um einen Motivationsworkshop mit focus (auch für/speziell) Frauen. Ok.

    In der realen Welt wird man/frau mit diesen Attributen nicht weit kommen - Optimismus mal abgesehen, den benötigt man beim Programmieren sicher. Ich habe mir fast alles selbst beigebracht, nix Uni.
    Es braucht: Ein gutes Gedächtnis, viel Disziplin, gutes Durchhaltevermögen (never give up) und einen guten Ausgleich für das viele Sitzen.
    Hilfreich sind moderne Medien wie die erwähnte Codeakadamie. Bücher sind meist nur teuer, Google besser, Tuts/Videos hilfreicher.

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  2. von segfault am 10.05.2014 (19:46 Uhr)

    Der Meinung von Werner kann ich mich anschliessen. Faulheit und Bequemlichkeit können recht unschön enden und sind keineswegs ein Attribute auf die man dabei zählen sollte.

    "Nur für mich selbst lernen, das hat nicht funktioniert."

    Das kann auch nicht funktionieren. Dazu gehört eine gewisse Leidenschaft, wenn nicht sogar eine leichte Besessenheit. Das Ausprobieren und der anschliessende Lerneffekt, gepaart mit dem Erfolgserlebnis - das ist der Reiz.

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  3. von Lea Weitekamp am 10.05.2014 (19:51 Uhr)

    Hi Werner,

    da muss ich Dir leider widersprechen. Der Nullcheckerbunny-Workshop war keineswegs speziell für Frauen. Das hat sich auch im Publikum gezeigt, das ziemlich genau 50-50 aufgeteilt war.

    Und was die Charaktereigenschaften künftiger Programmierer angeht: Die sind auch von den Veranstalterinnen keineswegs bierernst gemeint gewesen, sondern vielmehr mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen. Dass es daneben auch Durchhaltevermögen und Disziplin braucht, ist absolut richtig und wird auch nicht in Abrede gestellt.. :)

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Lea

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  4. von Killah_Chinchillah am 11.05.2014 (20:04 Uhr)

    Die im Bezug auf Programmierer oft gebrauchte "Faulheit, Bequemlichkeit (...)" bezieht sich nicht auf auf einen dandyhaften Lebensstil mit Arbeitszeiten jenseits von 12 Uhr Mittags sondern auf die Herausforderung eine Aufgabe zu erreichen mit so wenig Quellcode wie möglich und diesen so oft wiederzuverwenden (in Form von Unterprogrammen) wie möglich - genannt: "Write Once Use Many".

    Als Beispiel dafür zu welch kreativen Höchstleistungen Programmierer in der Lage sind wenn es darum geht die Tastatur zu schonen, empfehle ich Perl Quelltext. Wozu Englisch lernen zum Programmieren wo es doch auch Sonderzeichen tun? Daher hier auch, in Abwandlung, genannt: "Write Once Read Never".

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