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Wie ich mit einem einfachen Trick nach 6 Stunden Büroarbeit wieder kreativ bin [Kolumne]

Wie ich mit einem einfachen Trick nach 6 Stunden Büroarbeit wieder kreativ bin [Kolumne]

Acht Stunden im Büro sitzen und kreativ arbeiten wollen, funktioniert in der Regel nicht. Mit ein wenig Bewegung kann man der Kreativität aber Flügel verleihen – selbst zu späterer Bürostunde. Die von Luca Caracciolo.

Wie ich mit einem einfachen Trick nach 6 Stunden Büroarbeit wieder kreativ bin [Kolumne]

Spazierengehen für die Kreativität (Foto: Shutterstock)

Trotz mobiler Geräte und der mobilen Revolution sitzen wir die meiste Zeit an einem Schreibtisch, wenn wir arbeiten. Steh-Arbeitsplätze hin, kleinere Sportübungen her: Wenn ich mich in unserem Großraumbüro so umschaue, dann sitzen die Kollegen circa 85 Prozent ihrer Zeit auf ihrem Bürostuhl – was ja auch nicht sonderlich verwunderlich ist: Unser Arbeitsgerät, der Computer mit Bildschirm, ist fürs Sitzen gemacht.

Unabhängig davon, wie schlecht jahrelanges, dauerhaftes Sitzen für unseren Körper ist, habe ich ein weiteres Problem mit dem Sitzen: Es laugt mich aus. Spätestens nach einigen Stunden im Büro merke ich trotz Mittagspause, wie mich meine Kreativität verlässt und ich in immer mehr Zeit weniger schaffe. Ja, E-Mails beantworten geht noch, aber an kreative Arbeit ist nicht zu denken, Ideen sind nachmittags also Mangelware. Was aber, wenn es gerade erst kurz vor 15 Uhr ist und der Kopf aber schon mächtig raucht?

Um 15 Uhr 15 Minuten Spazierengehen

Inspiriert von meinen Kollegen Sébastien Bonset und Melanie Petersen gehe ich am Nachmittag gegen 15 Uhr seit einigen Wochen konsequent an die frische Luft – aber eben nicht nur auf unsere wunderschöne Dachtrasse, um einen Kaffee zu trinken, sondern für einen Spaziergang. 15 Minuten reichen schon, um den Kopf wieder frei zu bekommen – und zwar so frei, das ich am späten Nachmittag plötzlich wieder kreativ arbeiten kann.

klkl (Foto: Shutterstock)
Einfach mal 15 Minuten Spazierengehen – selbst wenn es nur um Häuserblocks geht: Die Produktivität und die Kreativität wird's euch danken. (Foto: Shutterstock)

Interessanterweise ist es nicht nur so, dass ich nach diesem Spaziergang im Büro wieder kreativer bin, die meisten Ideen habe ich während des Spaziergehens selbst. Ihr kennt das sicherlich: Wann kommen euch die besten Ideen? Am Schreibtisch, im Meetingraum? Vermutlich nicht, sondern eher beim Rasieren, Rasenmähen, Duschen oder Kochen.

Studie zeigt: Bewegung fördert die Kreativität

Schon Steve Jobs hat den Wert von Spaziergängen für den kreativen Geist erkannt. Jobs-Biograph Walter Isaacson schrieb, dass Jobs lange Spaziergänge vor allem dann machte, wenn er mit einem Gesprächspartner eine ernsthafte, wichtige Konversation führen wollte. Andere Silicon Valley-Größen wie Mark Zuckerberg oder Jack Dorsey haben diese Praxis längst adaptiert.

Es scheint fast so, als wenn der kreative Geist, wenn er heruntergefahren oder durch eine andere, vielleicht sogar stupide Alltagstätigkeit abgelöst wird, eine gewisse Erholung erfährt. Während dieser Erholungszeit allerdings arbeitet er unbewusst weiter, um dann plötzlich wie aus dem Nichts die Lösung für ein Problem zu offenbaren – weil das Gehirn in diesem Moment vielleicht irgendeine unbewusste Assoziation mit der gerade durchgeführten Tätigkeit hat. Sicherlich spielt die Förderung der Durchblutung während des Laufens auch eine entscheidende Rolle für den kreativen Schub. Ich bin kein Neurologe und das sind nur Laien-Beobachtungen, aber ich kann nur sagen: Es funktioniert.

Steve Jobs präsentierte 2010 das iPad. (Foto: Apple)
Schon Steve Job hat den Wert von Bewegung für den kreativen Geist erkannt und oftmals lange Spaziergänge mit seinen Gesprächspartnern gemacht. (Foto: Apple)

Das hat auch eine Studie an der Stanford Universität in den USA aus dem letzten Jahr gezeigt, bei der 176 Studierende mitgemacht haben. Die Ergebnisse sind eindeutig: 81 Prozent der Teilnehmer, die einen Spaziergang gemacht haben, bestätigten, dass sie während des Laufens kreativer waren. Und nicht nur das: Dieser Kreativitätsschub wirkte sich offenbar auch auf die Zeit nach dem Spaziergang aus, als die Probanden längst wieder im Bürostuhl saßen.

8 Stunden dauerhaft im Büro sitzen ist Quatsch

Und einen Schritt weiter gedacht: Wenn wir Wissensarbeiter, Webworker und Menschen in kreativen Berufen beim Spazierengehen kreativer sind, was heißt das dann eigentlich für unseren Büroalltag? Wievielt Sinn macht es, acht Stunden stupide am Bürotisch zu sitzen oder zweistündige Kreativ-Meetings in Office-Räumlichkeiten abzuhalten? Und radikaler gefragt: Brauchen wir vielleicht ein neues Verständnis vom Büro-Raum? Wo fängt denn der Arbeitsplatz räumlich an, wo hört er auf?

Es geht hier gar nicht um die Diskussion, ob nun Home-Office oder Präsenz-Büros der Weisheit letzter Schluss ist, oder die 4-Tage-Woche bei vollem Gehaltsausgleich die Lösung schlechthin ist. Vielmehr steht die Frage im Raum, wie sich im Kleinen, Schritt für Schritt, der 8-Stunden-Büroalltag auflockern lässt. Versucht es mal mit einem 15-minütigen Spaziergang. Und wenn der Chef komisch guckt, dann erklärt es ihm einfach. Gute Chefs sollten dafür Verständnis haben.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Luca Analytics“ findet ihr hier. Folgt Luca auf Twitter unter @papierjunge oder auf Facebook.

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8 Antworten
  1. von Martin am 16.09.2015 (14:20 Uhr)

    Zitat: "Brauchen wir vielleicht ein neues Verständnis vom Büro-Raum?" - Die vermutlich interessanteste Frage bei der kreativen Arbeit. Denken lässt sich nicht einfach abstellen und über ein Problem grübeln kann ich auch beim Spazierengehen mit meinem Vierbeiner. Warum zählt das nicht zur 'Arbeitszeit'?

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  2. von Nikki am 16.09.2015 (14:53 Uhr)

    Es stimmt! Ich mache es auch schon seid einiger Zeit so.

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  3. von Dan am 16.09.2015 (15:49 Uhr)

    4 einfache Worte: Results Only Work Environment (ROWE).
    Der Acht-Stunden-Tag ist aus der Industriellen Revolution und gehört heutzutage oft nicht einmal mehr in die Produktionshalle - geschweige denn in den Büroalltag. Trotz sämtlicher digitaler Möglichkeiten scheitern neue Konzepte, die von der Wissenschaft getragen werden, nur noch an Arbeitgebern. Warum? Angst vor Kontrollverlust? Der Glaube daran, dass man mehr schafft, wenn man länger anwesend ist, kann ja nicht so ganz ernst gemeint sein.
    Danke für den Artikel, Zeit umzudenken.

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  4. von Dennis am 16.09.2015 (21:14 Uhr)

    Die Vereinbarungen klassischer Erwerbsarbeit taugen im kreativen Umfeld nichts. Es ist sinnlos Zeit abzusitzen, die nicht zur Produktivität genutzt werden kann. Da helfen langfristig auch keine Workarounds. Das Hamsterrad dreht sich einen Großteil der Zeit ohne Sinn und Verstand. Das ist teuer für den Arbeitgeber und frustrierend für den Arbeitnehmer, der i.d.R. besseres mit seiner Zeit anzufangen wüsste. Deshalb bin ich ganz klar für projektbezogenes Arbeiten in kreativen Berufen.

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  5. von Matthias am 17.09.2015 (16:14 Uhr)

    Da müsste man aber auch den Begriff "kreativer Beruf" genauer definieren. Es gibt wohl eine lange Liste an Berufen, bei denen man endlos darüber streiten kann, ob sie denn nun kreative Berufe sind oder nicht.

    Auch ein Programmierer, der an irgendwelchen Algorithmen bastelt kann oder muss vielleicht sogar kreativ sein, um eine Lösung für ein Problem zu finden.

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  6. von Sunny am 22.09.2015 (10:39 Uhr)

    Ein toller Artikeln, der zum "Drübernachdenken" anregt. Ich werde mal versuchen, diesen 15-Minuten-Spaziergang ebenfalls einzuführen.
    Ich finde auch den Ansatz toll, mal über eine "Alternative" zum ständigen Sitzen nachzudenken. Schätze das Problem der AGs ist dann, dass sie das Gefühl haben, ihre Mitarbeiter nicht mehr im Blick zu haben, wenn sie diese Alternativen ausführen (Spazierengehen, Arbeit im Freien, etc.) - arbeitet mein Angestellter wirklich noch oder faulenzt der da rum?
    In Hinblick darauf denke ich auch an Arbeitsplatzgestaltung. An Möglichkeiten für die Arbeitgeber, sich mal zurück zu ziehen - gerade bei schwierigen Fällen. An die Möglichkeit mal seinen Arbeitsplatz zu verlagern um die Perspektive zu wechseln, auch mal raus zu kommen. Auch HomeOffice ist eine Alternative (gab's hier ja mal einen tollen Artikel dazu).

    Eine Frage stellt sich mir noch: Soll ich die 15 Minuten nutzen um abzuschalten und dann wieder neuen Schwung zu haben, oder soll ich in den 15 Minuten bewusst über das Problem nachdenken?

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    • von florence.maurice am 22.09.2015 (11:05 Uhr)

      Klare Antwort: nicht bewusst über das Problem nachdenken.
      Wenn man neue Lösungen sucht, dann bringt es nichts, bewusst nachzudenken, wenn man erschöpft ist. Weil dann die nichtfunktionierenden bekannten "Lösungen" das Aufkommen neuer Ideen hemmen. Neue Ideen entstehen nur, wenn die alten Dinge nicht in die Quere kommen ... und das geht eben bei einer anderen Tätigkeit oder auch ganz klassisch beim Duschen.

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  7. von Jörn am 22.09.2015 (11:46 Uhr)

    Wen es interessiert, bzw. wer sie noch nicht kennt: Die Kopfstandmethode bringt im Handumdrehen garantiert neue Ideen: http://skillday.de/kopfstandmethode/

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