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Karriere

Eizellen einfrieren für die Karriere: Apple und Facebook – geht’s noch?

    Eizellen einfrieren für die Karriere: Apple und Facebook – geht’s noch?

(Foto: © dmbaker – iStock.com)

Seit neuestem unterstützen Apple und Facebook weibliche Angestellte, die für eine Spätschwangerschaft vorsorgen wollen. Das klingt nach einer netten Geste – ich aber habe damit ein großes Problem.

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Kinderwunsch? Kann man bei Apple und Facebook jetzt auch verschieben. (Foto © AleksandarNakic – iStock.com)

Wir wir heute berichtet haben, lockt nach Facebook nun auch Apple weibliche Talente mit einem besonderen „Benefit“: Wenn Mitarbeiterinnen ihre Eizellen einfrieren lassen wollen, um sich eine Option auf eine spätere Schwangerschaft zu sichern, kommen die Unternehmen für die kostspielige Prozedur auf.

Da läuft doch etwas grundlegend schief.

Versteht mich nicht falsch: Ich will die Praxis, Eizellen für eine spätere Befruchtung einfrieren zu lassen, an dieser Stelle nicht verurteilen. Das steht mir nicht zu. Die Familienplanung gehört zu den persönlichsten Bereichen unseres Lebens – und außer dem Karrierewunsch gibt es noch viele weitere Gründe, warum Frauen dafür vorsorgen wollen, auch zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Kind bekommen zu können (nachzulesen auch bei Steffi Dobmeier in der ZEIT).

Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die die Medizin in dieser Hinsicht heute bietet – egal, ob es auf natürlichem Wege nicht klappen will oder ob zum richtigen Zeitpunkt der richtige Partner fehlt.

Aus Liebe zu den Mitarbeiterinnen? Das kaufe ich euch nicht ab

Allein: Dass Facebook und Apple ebenfalls solche altruistischen Erwägungen im Hinterkopf hatten, als sie sich zur Einführung dieses speziellen Benefits entschieden, kaufe ich weder Cook noch Zuckerberg ab.

Okay, der Wunsch nach finanzieller Unterstützung der Maßnahme ist sowohl bei Apple als auch bei Facebook von den Mitarbeiterinnen geäußert worden. Doch ein Arbeitgeber unterstützt solche privaten Maßnahmen doch nicht, ohne sich selbst etwas davon zu versprechen. Was genau, beschreibt die Nachrichtenseite NBC News – treffend, wie ich finde: Apple und Facebook könnten sich auf diese Weise in den Augen der wachsenden Anzahl an Frauen profilieren, „die die Schlüsseljahre ihres gebärfähigen Alters ihrer Karriere widmen“. Und genau dann, wenn etwas „der Karriere gewidmet“ wird, bekomme ich ein Problem.

Ein kaputtes System wird zementiert

„Facebook und Apple gehen den Weg des geringsten Widerstands.“

Facebook und Apple machen es ihren Mitarbeiterinnen also bequemer, das Thema Familienplanung hinauszuzögern. Das spielt vor allem ihnen selbst in die Karten, denn die Frauen sind länger als volle Arbeitskräfte verfügbar. Was sie damit aber eigentlich tun, ist etwas anderes. Sie zementieren genau die Verhältnisse, die die meisten Frauen überhaupt erst vor die Frage stellen, ob sich die Sache mit dem Kinderkriegen nicht noch irgendwie aufschieben lässt: die immer noch völlig mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Karriere.

Damit zäumen wir das Pferd doch von hinten auf. Statt aufrichtig an Möglichkeiten zu arbeiten, mit denen sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen lassen – Teilzeitregelungen, Job-Sharing auch in Führungspositionen, Betriebs-Kitas und, und, und – gehen Facebook und Apple den Weg des geringsten Widerstands: Sie machen ein paar Scheine locker und alles kann weiter laufen wie gehabt. Ein fatales Signal, wie auch Tapio Liller schreibt.

Apple, Facebook: Von euch hätte ich mehr erwartet

Teilzeitregelungen, Job-Sharing, Betriebs-Kitas. Es gäbe viele Möglichkeiten für Unternehmen, Familie und Beruf zusammenzubringen. (Foto: matsber / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Ob das Angebot vor allem als sinnvolle Ergänzung der unternehmerischen Familienpolitik wahrgenommen und genutzt werden wird oder eventuell auch Drucksituationen entstehen (du könntest doch auch Eizellen einfrieren – muss es denn wirklich jetzt schon ein Kind sein?), gehört momentan sicher noch ins Reich der Spekulation.

Doch allein die Tatsache, dass das Aufschieben des Kinderwunsches rein zu Karrierezwecken nun per Anreiz gefördert wird, stößt mir mehr als sauer auf – und das auch noch ausgerechnet von den Tech-Companies schlechthin, die wir uns in puncto Talentförderung und Mitarbeiterbindung immer wieder zum Vorbild nehmen. Wie hilfreich wäre es, von ihnen zu lernen, wie man sich um einen echten Kulturwandel bemüht.

Leider aber sieht es so aus, als könnten wir in puncto Familienpolitik nicht besonders viel vom Silicon Valley lernen.

Ein Hinweis zum Schluss: Es bleibt nicht aus, dass dieses Thema polarisiert. Meine Kollegin Lisa Oberndorfer hat eine etwas andere Sicht auf die in Frage stehenden Maßnahmen – ihren Artikel dazu lege ich euch ebenfalls ans Herz. 

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7 Reaktionen
Dagmar Walker
Dagmar Walker

Du hast den Punkt getroffen. Mich hat die Nachricht sehr nachdenklich gemacht. Mein Fazit ist ebenfalls: Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass Kinder und Karriere nicht ohne weiteres machbar sind. Erst zählen die Unternehmensinteressen und wenn es dann passt, dann darf Frau auch Kinder kriegen. Wollen wir das wirklich so? Ich hoffe nicht. Hoffentlich bleiben es Einzelfälle, die von diesem Angebot der Firmen Gebrauch machen!!

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dgvdtbffhg
dgvdtbffhg

Deshalb sicherheitshalber lieber gleich nur Männer einstellen und sich diesen Terz sparen. Auch wenn es hart klingt.

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Paleo Mama

Abgesehen davon, dass es sich um eine relativ neue Technik handelt, die eine erfolgreiche Schwangerschaft 10-15 Jahre nachdem die Zellen eingefroren wurden nicht garantieren kann, mischt sich diese "Versicherung" direkt in das Privatleben der jungen Frauen! Es wird deutlich gesagt: werdet bloß nicht jetzt schwanger - eure Eizellen warten im Stickstoff...Und falls es eines Tages doch nicht klappt, Firmen helfen ja auch bei der Adoption...

Andererseits, das Einfrieren von Eizellen IST zur Zeit die einzige Methode die es ermöglicht, die biologische Uhr zu verlangsamen. Also warum nicht sich die teuere Prozedur vom Arbeitgeber bezahlen lassen? Und sich ansonsten nicht zu sehr von seinen Wünschen beeindrucken lassen?

Hier ist mehr darüber zu lesen, für wen sich das Einfrieren lohnt (für 38-jährige sicherlich nicht mehr):
http://www.paleo-mama.de/ivf-icsi-eizellenqualitaet/eizellen-einfrieren-social-freezing/

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Wolfi
Wolfi

Ja Lea, es ist mit Sicherheit völlig falsch überhaupt Mitarbeiter erst vor die Entscheidung zu stellen oder möglich zu machen. In wie weit sich ein Arbeitgeber, insbesondere in solche persönlichen und sehr privaten Themen einmischen kann und darf diese Grenze wird damit klar niedergerissen. Das schlägt hier tatsächlich und mit voller Wucht in eine Ecke wo Arbeit, Job = Geld verdienen für den Lebensunterhalt, Karriere als solches vor dem Leben gestellt wird. Vor allem dem Leben was man als Eltern zeugen möchte in den Jahren wo es physisch für die Frau und für Entwicklung des Kindes am besten ist. Hier wird Firma, Karriere, Geld klar und deutlich über das Leben bzw. die Entscheidung dessen selbst gestellt. Denn das Leben was man einem Kind schenken will soll sich Firma, Karriere, Geld unterordnen, bzw. die Eltern bis dahin den guten Ratschlag des Arbeitgeber folgen, dem natürlich die Karriere seiner Mitarbeiter sehr am Herzen liegt. Bis dahin wo dann der Arbeitgeber der Meinung ist die Karriere nicht mehr so wichtig und dem Arbeitnehmer es dann zugesteht/möglich macht Kinder bekommen zu können/dürfen.

Gruss

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Franzi
Franzi

Also ich finde das gut. Weil viele Frauen gerne das Kinderkriegen wegen der Karriere verschieben möchten, aber oft auch Angst haben, dass Ihnen die Zeit davonläuft. Mit der Bezahlung dieser Maßnahme kann man Stressfrei sich entscheiden.

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Lea Weitekamp

Aber ist es nicht schon falsch, dass man überhaupt "das Kinderkriegen wegen der Karriere verschieben" möchte? Ich will nicht, dass mir diese Entscheidung leichter gemacht wird, sondern dass ich gar nicht erst vor sie gestellt werde. Dazu müssten Arbeitgeber aber andere Maßnahmen fördern.

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Ich
Ich

Ich stimme Dir voll und ganz zu! Guter Artikel!
Irgendwann muss man sich als Frau halt entscheiden: Karriere oder Kind. Es ist Aufgabe der Politik, der Gesellschaft, der Firmen etc. den Frauen möglichst wenig Steine in den Weg zu legen.
Das geförderte Einfrieren der Eizellen sorgt nur für das Hinauszögern der Entscheidung (Kind ja oder nein) bis sich das Problem dann irgendwann selbst erledigt hat...

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