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Karriere

Elternzeit: Was Deutschland von Netflix, Microsoft oder Adobe lernen kann

    Elternzeit: Was Deutschland von Netflix, Microsoft oder Adobe lernen kann

Elternzeit. (Foto: Shutterstock)

Immer mehr Tech-Unternehmen wollen Familien in Zukunft besser unterstützen. Die europäischen Elternzeit-Regelungen werden in den USA als Vorbild empfunden. Dabei gibt es einen entscheidenden Faktor, den wir uns lieber von den Amerikanern abschauen sollten.

Wir Deutschen bemängeln gerne, dass das Silicon Valley uns in Sachen Innovation und Erfolg meilenweit voraus ist. Dabei stimmt das nicht ganz: Was die Sozialleistungen für Angestellte angeht, hinken die USA den europäischen Ländern nämlich deutlich hinterher.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat die Debatte um „Women in Tech“ und generell mehr Diversität in der IT-Branche enorm an Fahrt aufgenommen. Grund dafür ist nicht zuletzt der immer härter werdende Kampf um IT-Talente, den die Firmen im Silicon Valley verstärkt zu spüren bekommen.

Adobe, Microsoft, Netflix, Airbnb: Mehr Unterstützung für junge Eltern

Herausforderung Work-Life-Balance: Für viele Eltern in den USA ist bezahlte Elternzeit ein unerreichbarer Traum. (Foto: Shutterstock)
Herausforderung Work-Life-Balance: Für viele Eltern in den USA ist bezahlte Elternzeit ein unerreichbarer Traum. (Foto: Shutterstock)

In der Diskussion geht es immer wieder auch um bessere Arbeitsbedingungen für Frauen und junge Familien. Denn anders als in Europa und vielen weiteren Ländern, werden Eltern in den USA nicht finanziell vom Staat unterstützt. Um die Situation für ihre Angestellten zu verbessern – und sich nebenbei einen gewichtigen Vorteil im „War for Talents“ zu verschaffen – haben gleich mehrere große Tech-Companies in den letzten Tagen eine deutliche Überarbeitung ihrer Familienpolitik angekündigt. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

1. Adobe

Erst gestern hat Adobe seine neue Familienpolitik vorgestellt, die zum 1. November umgesetzt wird. 16 Wochen haben junge Eltern nach der neuen Regelung, um sich bei voller Bezahlung um den Nachwuchs zu kümmern, Mütter sogar 26 Wochen, da sie auch während der Schwangerschaft eine bezahlte Auszeit nehmen können.

Zusätzliche Regelungen erlauben es Angestellten, im Krankheitsfall oder wenn Familienangehörige gepflegt werden müssen, dem Job mehrere Wochen fern zu bleiben. Adobe folgt damit laut eigenen Angaben einer branchenweiten Bewegung, die die Angestellten im Tech-Sektor besser unterstützen und mehr Diversität erreichen will.

2. Airbnb

Am 1. September tritt bei Airbnb eine neue Elternzeit-Regelung in Kraft, bei der alle frisch gebackenen Eltern zehn Wochen Zuhause bleiben können – wann immer sie es im ersten Lebensjahr ihres Kindes wollen. Für Frauen bedeutet das inklusive der während der Schwangerschaft gewährten Auszeiten insgesamt 22 Wochen bezahlte Elternzeit.

Jeder Angestellte, der 60 Tage oder länger im Unternehmen ist, kommt in den Genuss dieser Regelung.

3. Netflix

Im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes dürfen Väter und Mütter sich eine unbegrenzte Auszeit nehmen – bei voller Bezahlung. „Unsere Angestellten sollen die Bedürfnisse ihrer Familie flexibel und selbstbewusst gestalten können, ohne sich um die Arbeit oder Geld sorgen zu müssen“, heißt es dazu auf dem Netflix-Blog.

Für das Unternehmen ist klar, dass Mitarbeiter, die sich nicht ständig um ihr Zuhause Gedanken machen, besser bei der Sache sind. Der Wiedereinstieg in den Job kann Vollzeit oder über Teilzeit-Regelungen erfolgen.

4. Microsoft

Am selben Tag wie Netflix hat auch Microsoft angekündigt, junge Eltern noch stärker als zuvor zu unterstützen. Aus den bisherigen zwölf Wochen Elternzeit, von denen vier bezahlt und acht unbezahlt sind, werden zwölf voll bezahlte Wochen Elternzeit, die entweder am Stück oder in zwei Zeitabschnitten genommen werden können.

Frauen kommen inklusive der Schwangerschafts-Regelung somit auf 20 Wochen bezahlte Auszeit. Der Wiedereinstieg in Teilzeit ist möglich.

Sich eine Auszeit für das Kind zu nehmen, kann leider immer noch Nachteile im Job bedeuten. (Foto: Shutterstock )
Sich eine Auszeit für das Kind zu nehmen, kann leider immer noch Nachteile im Job bedeuten. (Foto: Shutterstock )

Bezahlte Elternzeit: Kulturwandel oder bloße PR-Maßnahme?

Während das Echo auf die Pläne der Tech-Riesen weitgehend positiv ausfällt, gibt es auch kritische Stimmen: Natt Garun von The Next Web etwa glaubt nicht daran, dass die neuen Regeln es Eltern wirklich leichter machen werden, für ihre Familie da zu sein. Denn nur weil die Möglichkeit bestehe, eine Auszeit zu nehmen, sei das in Anbetracht des Workloads, des Teams und des innerbetrieblichen Wettbewerbs noch lange nicht ohne Weiteres möglich: „So lange bezahlte Elternzeit keine generelle Vorschrift in Amerika ist, wird es immer Potenzial für Scham und Angst geben, dass deine Arbeit zu sehr unter einer längeren Pause leiden könnte.“

„Europa wird als Vorbild angesehen.“

Interessant ist, dass viele US-amerikanische Kommentatoren die neue Familienfreundlichkeit der Tech-Unternehmen als von Europa vorgelebt empfinden. Natt Garun schreibt: „Anders als in Europa, wo Elternzeit üblich ist und unterstützt wird, verzeiht die Arbeitskultur [hier] nichts.“ Sven Dellagnolo antwortet ihr: „In Europa klappt es seit Jahren und es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Dass hierzulande längst auch die Probleme diskutiert werden, die mit einer zu langen Abwesenheit aus dem Job einher gehen können – für Frauen wie für Männer –, ist in den USA wahrscheinlich noch gar nicht angekommen.

Was wir in puncto Familienfreundlichkeit von den USA lernen können

Und genau hier wird das US-amerikanische System eigentlich interessant für europäische Beobachter: Währen die staatliche Unterstützung, die junge Familien etwa in Deutschland bekommen, eine großartige soziale Errungenschaft ist, um die uns amerikanische Eltern wohl zurecht beneiden, erhält der Wiedereinstieg von Eltern in den Job in unserem System oft noch zu wenig Aufmerksamkeit. Vor allem bedeutet er für zu viele junge Mütter (oder Väter) Karriere-hinderliche Teilzeitbeschäftigungen. Netflix, Airbnb oder Microsoft dagegen bieten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern ebnen gleichzeitig auch den Weg zurück in die Vollzeit-Beschäftigung. Donna Morris von Adobe erklärt das so:

„Unternehmen müssen die schwierige Balance zwischen der Unterstützung ihrer Mitarbeiter bei wichtigen Lebensereignissen und der Erreichung ihrer Unternehmensziele halten.“

Die Zukunft wird zeigen, ob es für Angestellte besser ist, wenn ihr Unternehmen diese Balance zu finden versucht oder wenn Staat und Wirtschaft sie miteinander aushandeln. Oder wie wäre es mit einem „Best-of-Both-Worlds“-System? Das wäre wohl ein unschlagbarer Benefit für jede Tech-Company.

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2 Reaktionen
Tobias Marx
Tobias Marx

Hä?

Wo ist jetzt der Vorteil in USA? Hier kann doch jeder genau so gut (oder schlecht) in Vollzeit zurückkehren wie in den Staaten?!

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Le Keil
Le Keil

Stimme dir zu - ich sehe hier auch keine Vorteile in den USA. Vielmehr ist die Rückkehr dort eigentlich noch erschwert, da es soweit ich weiß fast keine Teilzeit-Stellen gibt.

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