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Marketing

Zuckerbergs Visionen: Wie sich Facebook seine eigene Zukunft vorstellt

    Zuckerbergs Visionen: Wie sich Facebook seine eigene Zukunft vorstellt

(Foto: deneyterrio, Flickr.com)

Was Facebook in seiner noch jungen Firmengeschichte geschafft hat, ist faszinierend. Doch was CEO Mark Zuckerberg in der Zukunft plant, wird noch atemberaubender. Ein Ausblick von Andreas Weck.

Im kalifornischen Menlo-Park knallen vor ein paar Wochen die Korken. Gelächter hallt durch die Räume von Facebook – und Mark Zuckerberg, der vor seinem Team steht und eine kleine Ansprache gehalten hat, kündigt in seinem Hauptquartier – das umschlossen von Einöde, Mitarbeiter-Parkplätzen und penibel gepflegten Grünanlagen ist – an, dass ab sofort neue Meilensteine gesetzt werden müssen. Facebook hat seinen letzten Quartalsbericht des Jahres 2015 veröffentlicht. Und der hat es in sich.

Was der Silicon-Valley-Konzern abgeliefert hat, ist zweifelsohne aufsehenerregend. Gleich drei Rekorde werden der Öffentlichkeit vom Management präsentiert: Der Umsatz ist im Jahresvergleich um 40,5 Prozent auf 4,5 Milliarden US-Dollar angestiegen, der Gewinn trotz hoher Investitionen um elf Prozent auf 891 Millionen US-Dollar gewachsen, und auch bezüglich der Nutzerzahlen sind neue Meilensteine erreicht worden. Facebook hatte in diesem Jahr täglich eine Milliarde aktiver Anwender. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl beläuft sich derzeit auf 1,55 Milliarden angemeldeter Personen. Zwei von drei Nutzer haben der Plattform demnach an sieben Tagen in der Woche einen Besuch abgestattet – oder waren vielleicht sogar nie weg.

Mark Zuckerberg will die gesamte Menschheit auf Facebook vernetzen

Die Menschheit auf Facebook zu vernetzen und sie dort always on zu halten, ist das erklärte Ziel von CEO Mark Zuckerberg. Der geekige Lockenkopf, der zu Beginn seiner Gründerjahre noch nicht mal ohne Schweißausbruch vor anderen Menschen sprechen konnte, hat es innerhalb von einem Jahrzehnt zu einem der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit geschafft. Er ist dabei, ein einst elitäres Ivy-League-Personen-Netzwerk zu einem Mega-Konzern umzubauen, der enorm expansiv vorgeht und dafür schon mal milliardenschwere Übernahmen abwickelt.

Gegenüber dem damals noch rekordträchtigen Kauf von Instagram für eine Milliarde US-Dollar kommt die Übernahme von WhatsApp für satte 19 Milliarden einem Paukenschlag gleich. Beide Einkäufe vergrößern den Wirkungsgrad des blauen Riesen und stärken die Bindung jüngerer Zielgruppen an das Zuckerberg-Imperium.

„Instant Articles“-Feature soll Ladezeiten verringern und Medien die Möglichkeit geben ihre Inhalte auf Facebook selber zu vermarkten. (Foto: Facebook)
„Instant Articles“-Feature soll Ladezeiten verringern und Medien die Möglichkeit geben ihre Inhalte auf Facebook selber zu vermarkten. (Foto: Facebook)

Doch auch auf dem sozialen Netzwerk an sich werden immer weitere Schritte unternommen, um die Plattform zum Lebensmittelpunkt der Menschen zu machen. Facebook will beispielsweise die zentrale Anlaufstelle des privaten Nachrichtenkonsums werden – also quasi das, was für viele Großeltern einst die morgendliche Tageszeitung war. Seit einigen Monaten bieten die Verantwortlichen deshalb verschiedenen Medien an, ihre Inhalte in Form von „Instant Articles“ direkt auf der Plattform zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird ihnen auch die Möglichkeit gegeben, die Beiträge dort zu vermarkten.

Für die Nutzer bedeutet das, dass sie die Webseiten der Verlagshäuser nicht mehr brauchen. Sie verlassen den Facebook-Kosmos nicht mehr. Neben englischsprachigen Medien wie der New York Times und dem Guardian haben auch viele deutschsprachige Angebote einer Kooperation zugesagt, darunter Bild.de, Spiegel Online und Welt Online. Ginge es nach Zuckerberg, würden Facebook-Pages zukünftig den Platz zentraler Nachrichten-Webseiten einnehmen – was bezüglich kürzerer Ladezeiten und geringerer Absprungraten auch für die Verlage einige administrative Vorteile mitbringen könnte. Zumindest in der Theorie.

Facebook testet Shopping-Feed und will Angebote sichtbar machen. (Screenshot: Facebook)
Facebook testet Shopping-Feed und will Angebote sichtbar machen. (Screenshot: Facebook)

Doch Facebook will noch ganz andere Lebensbereiche auf die Plattform verlagern und den Alltag der Nutzer auf dem sozialen Netzwerk abwickeln. Derzeit verfolgt das Unternehmen beispielsweise auch eine Social-Commerce-Offensive. Die Facebook-Community soll zukünftig nicht nur die Werbung der Marken sehen, sondern auch direkt auf den Brand-Pages und im Newsfeed einkaufen können. Verschiedene Funktionen befinden sich derzeit im Test. So werden digitale Mini-Schaufenster auf Profilseiten und ein dedizierter Shopping-Newsfeed geprüft.

„Wozu noch in der Stadt bummeln?“, lautet die Devise. Das können Nutzer doch auch am Smartphone machen. Schon vor Jahren hat das Unternehmen zudem mit optimierten Mobile-Payment-Lösungen im Social-Games-Bereich erste Erfahrungen mit hauseigenen Bezahlsystemen gemacht. Eine Implementierung dürfte technisch gesehen kaum eine große Hürde sein.

Auch nicht uninteressant: In den USA können Facebook-Anwender seit einem Jahr individuelle Geldbeträge über den Messenger an Freunde überweisen. Spannend ist die Funktion allerdings nicht nur allein für das Bezahlen von Schuldbeträgen. Sollte das Feature ein Erfolg werden, dürfte das der erste Schritt sein, Facebook als Payment-Anbieter für viele weitere Szenarien auszubauen. Der asiatische Messenger-Konkurrent WeChat ermöglicht es Nutzern zum Beispiel schon seit einiger Zeit, auch in Geschäften zu bezahlen. Die Facebook-Verantwortlichen wissen das natürlich – und werden über kurz oder lang einen ähnlichen Service ins Visier nehmen, wie er in der Vergangenheit noch ausschließlich von Banken und Online-Payment-Diensten angeboten wurde.

„Die Investitionen, die wir in Video gemacht haben, spielen eine große Rolle für uns!“

Zuletzt hat man in der Firmenzentrale auch das Thema „Facebook-Video“ verstärkt ins Visier genommen und schickt sich in dem Sinne sogar an, es mit YouTube aufzunehmen – dem Urzeitkrebs und bislang unangefochten größten Player unter den Webvideo-Plattformen. 2014 macht Zuckerberg in einer öffentlichen Ansprache zu den Firmenzielen die Priorität klar. „Die Investitionen, die wir in Video gemacht haben, spielen eine große Rolle für uns. Zu Beginn des Quartals hatten wir einen neuen Meilenstein für Facebook-Video angekündigt. Jetzt haben wir Wort gehalten und eine Milliarde Video-Abrufe an einem Tag generiert!“ Wie gesagt, das war im Jahr 2014.

Heute, fast genau ein Jahr später, hat sich diese Zahl noch vervielfacht und ist auf vier Milliarden Video-Abrufe pro Tag gestiegen. Ein enormer Wert, der aber auch auf ein paar faule Tricks aufbaut – so werden gepostete Videos beim Scrollen im Newsfeed sofort und ohne Klick der Nutzer abgespielt. Gepostete Links zu YouTube- oder Vimeo-Clips werden auf Facebook den hochgeladenen Inhalten im Newsfeed untergeordnet. Nicht wenige Video-Produzenten wandern insofern ab zu Facebook. Zum Leid der Mitbewerber. Andere wiederum kritisieren das Unternehme stark.

Der YouTuber Casey Neistat klagt beispielsweise, dass auf der Plattform unzählige Urheberrechtsverletzungen stattfinden, die Produzenten Reichweite auf YouTube kosten – und ganz nebenbei die Statistiken von Facebook schönen. „Facebook hat ein Team der besten Techniker der Welt“, sagte er. „Sie können ganz neue Produkte innerhalb weniger Wochen aus der Taufe heben. Aber es gibt keine Funktionen, die Content-Ersteller adäquat schützen.“

Betrachtet man all diese Schritte – die Instant-Articles, die Social-Commerce-Offensive und die Video-Stategien – nicht nur für sich, sondern im Gesamtkontext, wird klar: Facebook will das Internet werden – nicht mehr und nicht weniger. Erfolgreiche bislang eigenständige Web-Angebote sollen nach und nach als Zusatzfunktionen in die Plattform eingebaut werden, um somit einen Walled-Garden zu schaffen, der es für Nutzer unnötig macht, das soziale Netzwerk zu verlassen. So könnte man die Vision von Mark Zuckerberg kurz und knapp zusammenfassen.

Internet.org und Aquila: Wie Facebook den Menschen das Internet bringen will

„Connecting the world means the whole world, not just some of us!“ (Screenshot: Internet.org)
„Connecting the world means the whole world, not just some of us!“ (Screenshot: Internet.org)

Was Facebook aktuell unternimmt, um Nutzer länger auf der Plattform zu halten, immer neue Datenberge zu generieren und schlussendlich Geld zu verdienen, dürfte auf viele Beobachter den Eindruck erwecken, dass man damit alle Hände voll zu tun haben müsste. Bei Facebook arbeiten immerhin gerade mal 12.000 Mitarbeiter, die sich um 1,5 Milliarden Nutzer kümmern. Doch weit gefehlt: Daneben gibt es etliche weitere Zukunftsprojekte, die Facebook vorantreibt und die nicht zuletzt zeigen, dass das Unternehmen längst nicht mehr nur im Daily Business agiert, sondern den Fortschritt der ganzen Welt mitgestalten will.

„Facebook will die entlegensten Gegenden der Erde mit Internet versorgen.“

Eines der größten Projekte dreht sich beispielsweise darum, die entlegensten Gegenden der Erde mit Internet zu versorgen. Dafür ruft Zuckerberg 2013 zusammen mit anderen führenden IT-Unternehmen wie Samsung oder Opera Software das Projekt Internet.org ins Leben. Die Initiative hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die restlichen zwei Drittel der Weltbevölkerung ohne Internetanschluss ans Netz zu bringen. Möglich soll das unter anderem durch neue Infrastrukturprojekte werden, die durch horrende Summen realisiert werden.

Vor allem aber die Ambitionen, unbemannte Drohnen überall da einzusetzen, wo unwegsames Gelände den Aufbau herkömmlicher Netz-Infrastrukturen zu teuer macht – beispielsweise in Wüsten, Urwäldern oder Hochgebirgen – sind bemerkenswert. Facebook hat dafür das „Aquila“-Programm gestartet, das rund zehn Prozent der noch internetlosen Menschheit vernetzen soll. Die Drohne, die die Flügelspannweite einer Boing 737 aufweist und leichter als ein Kleinwagen ist, wurde erst vor wenigen Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das eigens entwickelte Fluggerät soll durch Heliumballons in eine Höhe von 30 Kilometern gehoben werden, von wo aus sie 90 Tage lang in einem Radius von drei Kilometer über dem jeweiligen Gebiet kreist und über ein Lasersystem auf den Millimeter genaue Internetsignale zum Boden schicken soll. Man könne aus 18 Kilometern Entfernung eine Münze treffen, verspricht damals Yael Maguire, Chef-Entwickler des Facebook Connectivity Lab, bei der Präsentation.

2015 testete Facebook die ersten Internet-Drohnen. (Bild: Internet.org)
2015 testete Facebook die ersten Internet-Drohnen. (Bild: Facebook Newsroom)

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1 Reaktionen
Nichts neues
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"Derartige Projekte wirken hierzulande völlig abgehoben,"
http://www.golem.de/news/breitbandausbau-bayern-bewilligt-165-millionen-euro-fuer-kofinanzierung-1512-117745.html
90% der bayrischen Kommunen lassen sich fördern... Der Ausbau fehlt fast überall... Viele Leute können kein Netflix, Youtube und Spotify mit ihrem Anschluss machen denn als ausgebaut gelten oft wohl auch Gebiete mit UMTS ! Zeigt mal UMTS-Tarife mit denen man Netflix, Youtube, Spotify machen kann ? Na also. Das ist als wenn man Ich-AGs, Existenz-Gründer, Leute in Fortbildungen und 1Euro-Jobs nicht in die offiziellen Arbeitslosenzahlen reinrechnet....
Internet fehlt und prekäre Armut existiert auch in angeblichen Demokratien... Ihr wisst wo die Kleider-Kammern und Armen-Küchen sind. Sind das bedauerliche Einzelfälle ? Na also. Ähnliches gilt für den Ausbau. Wie stark die Not ist sieht man auch daran das Google Fiber eine Klein-Stadt nach der anderen erobert. Inzwischen wohl bald auch Groß-Städte...
Denn DSL ist dort nicht schnell... Zumindest nicht immer. Und Google-Fiber ist nicht billig.

Oculus u.ä. wird die Monitore ersetzen so wie Touchscreens Tastatur und Maus ersetzt haben. Leider belauern sich alle Anbieter und keiner macht den First-Move obwohl 3D-Brillen schon 2012 und noch viel früher existierten:
http://www.golem.de/news/sony-hmz-t2-oled-brille-als-virtuelle-grossbildleinwand-1208-94198.html

Leider ist Zuckerberg wohl in Babypause so das die meisten Projekte stagnieren werden und das Volk weitere 5-15 Jahre darauf warten muss...
Denn wie man an Musk sieht muss man ständig am Produkt mitentwickeln um keinen Unfug abzuliefern wie Apple immer wieder seit Tim Cook dort der Chef ist.
Manche Investoren sind ja bei Facebook ausgestiegen wie Ihr schon berichtetet. Das würde man ja nicht machen wenn man nicht Rezession, Crash, Rückgang oder zumindest Stagnation oder halt bessere Alternativ-Investments sehen würde.
Auch Google muss sich endlich auch mal nach Usern mit geringerer Bandbreite bücken und hat das Logo auf 300 Byte geschrinkt. Vermutlich weil das US-Wachstum stagnieren wird und Afrika und andere Länder die neuen Kunden bringen müssen.

In der Situation von Facebook, die Mehrheit der User zu haben waren zuvor schon AOL und Yahoo oder hier vielleicht T-Online. Nichts ist draus geworden... In den Sand gesetzt wie damals Apple als Steve Jobs nicht dort war und M$ sie retten mussten...
Leider erinnert sich niemand.

Wegen der Prophezeiungen: Überall wurde auch behauptet, Mobile Werbung würde es nicht bringen. Facebook hat das Gegenteil bewiesen was Google wie so häufig (und schon beim Internet over Air) nicht geschafft hat... Den kleinen Kunden interessiert eher weniger welche Diplome von welchen Universitäten der Dienst hat den man nutzt. Sowas ist vermutlich eher oft nur neidisches Geläster von Cashburnern die an Steuersubventionen wollen...

Wie man sieht haben die Reichen Leute Zilliarden die aktuell in die Märkte und Bewertungen fliessen. Wenn Facebook in der Rezession nur noch halb so viel wert ist kann man es übernehmen und den Fortschritt stoppen wie es fast immer mit den Disruptoren passierte: ICQ, Paypal, Skype, Whatsapp, Oculus, Google Glass, MicroWiFiRouter, Google-Internet-Drohnen,... : Aufgekauft und danach kaum noch weiter-Entwicklung...

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