Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Facebook: Erste Abmahnung wegen Vorschaubildern der Teilen-Funktion

Erstmals wurde der Seitenbetreiber einer gewerblichen Facebook-Seite aufgrund von Urheberrechtsverletzungen durch das Vorschaubild der Teilen-Funktion abgemahnt. Für die daumengroße Veröffentlichung der Fotos fordert die Klägerin einen Schadensersatz von 1.200 Euro.

Facebook: Erste Abmahnung wegen Vorschaubildern der Teilen-Funktion

Ein Mandant der Anwaltskanzlei Weiß & Partner wurde aufgrund von Urheberrechtsverletzungen eines Facebook-Vorschaubildes abgemahnt, heißt es im Unternehmensblog. Rechtsanwalt Weiß schreibt: Auch wenn „ganz erhebliche Zweifel an der geltend gemachten Höhe des Schadensersatzes sowie der entstandenen Rechtsanwaltskosten bestehen“, ist der Urheberrechtsverstoß durch das Facebook-Vorschaubild gegeben. Unabhängig davon bestätigt auch Rechtsanwalt Thomas Schwenke diese Einschätzung. Um eine Abmahnung zu vermeiden, müssen deshalb eine Reihe von Regeln beachtet werden – nicht nur auf , sondern auch auf Google+, Xing und Co.

Abmahnungen auf Facebook: Im Zweifel ohne Vorschaubild arbeiten

Weiß rät dazu, Webseiten ausschließlich ohne Vorschaubild zu teilen. Facebook bietet dafür die Funktion „Kein Miniaturbild“, die unterhalb von Überschrift und Teaser beim Verfassen eines Beitrags zur Verfügung steht. Wer das Vorschaubild dennoch anzeigen möchte, sollte sich über die rechtliche Situation im Klaren sein. Rechtsanwalt Schwenke empfiehlt außerdem, ein Abmahnrisiko von 700 Euro pro Jahr einzuberechnen. Eine solche Rücklage sei hierzulande zu empfehlen, „da es praktisch kaum möglich ist, soziale Medien zu nutzen, ohne Urheberrechtsverstöße zu begehen.“

Vorschaubilder werden nicht nur auf Facebook eingesetzt, um den Inhalt einer Website anzuteasern. (Quelle: rechtsanwalt-schwenke.de)

Bei Links zu Webseiten wie Stock-Bild-Archiven, Fotografenseiten und Galerien rät Schwenke, das Vorschaubild grundsätzlich auszublenden. Agenturen sollten ihre Kunden darüber hinaus auf das Risiko hinweisen und um eine klare Entscheidung bezüglich der Vorschaubilder bitten. „Denn im Zweifel müssen Sie ansonsten für die Rechtsverstöße haften“, schreibt er. Weitere Abmahnfallen verrät unser Artikel über die 20 häufigsten Rechtsfehler beim Facebook-Marketing. Im Zuge der zahlreichen Abmahnungen aufgrund von Urherberrechtsverstößen auf Webseiten und in sozialen Netzwerken lohnt sich die Lektüre.

Deutsches Urheberrecht offenbart seine Grenzen auch außerhalb von Facebook

Wie das oben eingebundene Bild zeigt, beschränkt sich das Problem der Vorschaubilder nicht allein auf Facebook. Auch die Teilen-Funktion auf Google+, Pinterest und Xing integriert ein Bild der verlinkten Website. Social Media Marketing wird damit „immer mehr zu einem rechtlichen Minenfeld“, schreibt Rechtsanwalt Schwenke. Wie die Abmahnwelle deutscher Blogger im vergangenen Jahr zeigte, treten die Grenzen des deutschen Urheberrechts aber auch außerhalb der sozialen Netzwerke zu Tage. Eine traurige Entwicklung, die von deutschen Bloggern und Social-Media-Managern eine intensive Vorbereitung und einen guten Rechtsbeistand erfordert.

Weitere Informationen

NEU: Lass dir diesen Artikel vorlesen
Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.
Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
13 Antworten
  1. von Matthias am 04.01.2013 (12:35 Uhr)

    Das sowas Schwachsinn ist, weiß glaube ich jeder. Auch wenn Abmahnkanzleien nun glauben, ein neues Schlupfloch gefunden zu haben, so hätte so eine Sache vor Gericht niemals bestand. Bei einer McDonalds Werbung auf einer Littfass Säule wird keiner davon ausgehen, dass das Bild zur Säule gehört und genauso wenig wird hier auch keiner davon ausgehen, dass das Bild zum Verlinker gehört.

    Und wenn die Seiten nicht wollen, dass ihre Bilder verlinkt werden, sollten sie keine entsprechenden html tags einbauen, die von social networks erkannt werden.

    Antworten Teilen
  2. von Daniel B. am 04.01.2013 (12:40 Uhr)

    Unabhängig davon, dass unser Urheberrecht völlig überholt ist, ist es zum Teil gar nicht möglich, wie in Eurem obigen Beitrag beschrieben, das Vorschaubild auszublenden. Wenn ich zum Beispiel die Button in einer mobilen Anwendung für das Teilen oder Liken nutze, wie zum Beispiel beim iPhone, wird der Beitrag geteilt oder gelikt ohne das ich eine Chance habe dabei etwas zu verändern. Wir sollten uns also damit abfinden, dass sich Deutschland wohlfühlt, solange die Geldmaschine der Anwälte läuft.

    Antworten Teilen
  3. von Paul am 04.01.2013 (12:42 Uhr)

    @Matthias Dafür brauchst man keinen entsprechenden HTML-Tag. FB, G+ usw. nehmen alle die sie finden können und bieten sie als Vorschaubild an, wenn kein spezieller meta-tag gesetzt ist.

    Antworten Teilen
  4. von Matthias am 04.01.2013 (12:49 Uhr)

    @Paul: Das ganze ist also eher ein Blacklist Prinzip statt Whitelist? Ich hatte mich nur mal damit beschäftigt, wie man Bilder einbindet, wenn ein Teilen Button auf der eigenen Seite geklickt wird und da musste man das afair explizit angeben.

    Dann sollte das mal überarbeitet werden von den Social Networks.

    Antworten Teilen
  5. von goran am 04.01.2013 (14:37 Uhr)

    @Matthias Jupp. Eine img id="facebook-share-this" wäre doch für alle Beteiligten nicht übel. Dann wird jedenfalls auch das passende Bild verlinkt.

    Antworten Teilen
  6. von Mac am 04.01.2013 (14:44 Uhr)

    ich würde in die andere Rictung gehen, und Seitenbetreibern emfpehlen OG-Tags für das Bild zu setzen und somit anderen "vorschreiben", welche Bilder angezeigt werden sollen. Im schlimmsten Fall kann man ja ein weißes BLANK-PIC nehmen.
    Wer diese nicht nutzt, darf sich im Nachhinein nicht wundern, dass andere als die gewünschten Bilder genommen werden.

    Antworten Teilen
  7. von markusthomasde am 04.01.2013 (15:37 Uhr)

    Den FB-Bot kann man aber ohne größere Probleme per .htaccess blocken.

    Ich denke auch die anderen Netzwerke können so auch "ausgesperrt" werden. (Tutorialidee ...)

    Da also der Anbieter hier durchaus technisch in der Lage wäre Vorschaubilder – zumindest bei Facebook – selbst zu unterbinden, wird diese Abmahnung vermutlich ins Leere laufen.

    Antworten Teilen
  8. von Goran am 04.01.2013 (15:42 Uhr)

    @Markus
    "... selbst zu unterbinden, wird diese Abmahnung vermutlich ins Leere laufen."
    Äh nein... so funktioniert unser Rechtssystem zum Glück nicht.

    Antworten Teilen
  9. von Sebastian Pertsch am 05.01.2013 (00:14 Uhr)

    Ich habe das ganze Mal technisch versucht zu entkräften - denn auch hier gibt es einige Missverständnisse. Die OGP-Tags im HTML-Header ähneln von der Einfachheit sehr stark der robots.txt - also einer leichten Bilder-"Sperre", wie sie der BGH in seinem Urteil zur Google-Bildersuche gefordert hat. Nicht der Nutzer, sondern der Urheber ist in der Pflicht zu handeln. http://www.Rockbaer.de/2486/abmahnfalle-facebook-sharing.html

    Antworten Teilen
  10. von Goran am 05.01.2013 (00:47 Uhr)

    @Sebastian Pertsch
    Wünschenswert wäre eine solche Regelung. Ich sehe aber doch einige Unterschiede zum Google-Fall. Ein Facebook-Eintrag unterscheidet sich doch sehr, von einer Suche in einer Suchmaschine. Es wird ja ein bestimmtes Bild für eine "Veröffentlichung" benutzt. Für viele ersetzt Facebook z.B. ein öffentlich zugängliches Blogsystem. Außerdem ist die robots.txt mittlerweile eine standardisierte und zentrale Möglichkeit seinen Inhalt zu "schützen".
    Ich weiß nicht, wie es mit der Zumutbarkeit ist, wenn ich jedem einzelnen sozialen Netzwerk mit einem spezifischen Tag den Zugriff auf meine Bilder verweigern muss (bzw. ein leeres Bild anbieten muss).

    Antworten Teilen
  11. von Sebastian Pertsch am 05.01.2013 (00:59 Uhr)

    @Goran Gewiss, aber es ist doch die Frage nach dem Essentiellen - nicht, für wen es gilt, sondern wie der Urheber sich schützen kann. Ja, der BGH nahm ersteres zum Anlass. Für die vermeintlich neue Geschichte muss sicherlich ein Grundsatzurteil her, aber in der technischen Umsetzung gibt es durchaus Parallelen. Denn das OGP-Protocol ist nicht umsonst "open" und könnte sich zum Standard (auch für andere Netzwerke) mausern. Ich weiß, es sind viele Wenn und Aber - trotzdem ist es technisch gesehen zumutbar und kostet möglicherweise weniger Zeit als die Einstellungen in der robots.txt. Ich habe noch Hoffnung! ;-)

    Antworten Teilen
  12. von Goran am 05.01.2013 (19:54 Uhr)

    Zum Glück haben wir ja das Fernsehen, das uns in solchen Situationen aufklärt und hilft.
    Vox News beendete seinen "Beitrag" mit der Empfehlung, sich von seinen Anwalt- und Fotografenfreunden zu trennen.

    Antworten Teilen
  13. von Kay am 07.01.2013 (10:04 Uhr)

    Warum haftet dann nicht Facebook? Schließlich erstellen die das Vorschaubild und zeigen es auf Ihrer Domain an?!

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Facebook
Facebook-Seiten werden um 4 interessante Funktionen erweitert
Facebook-Seiten werden um 4 interessante Funktionen erweitert

Facebook-Seiten bekommen vier überaus nützliche Funktionen spendiert. Was neu ist, und warum sie nützlich sind, erfahrt ihr hier. » weiterlesen

Facebook Gruppen jetzt mit eigener iOS- und Android-App
Facebook Gruppen jetzt mit eigener iOS- und Android-App

Facebook hat am gestrigen Dienstag unter dem Namen „Facebook Groups“ eine eigenständige iOS- und Android-App für die hauseigene Gruppenfunktion veröffentlicht. » weiterlesen

Mehr Kontrolle: Facebook vereinfacht Privacy-Einstellungen mit interaktivem Guide
Mehr Kontrolle: Facebook vereinfacht Privacy-Einstellungen mit interaktivem Guide

Das Social Network will seinen Nutzern dabei helfen, ihre Privatsphäre besser zu kontrollieren. Außerdem hat Facebook seine Geschäftsbedingungen geändert und bittet die Community um Feedback. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n-Newsletter t3n-Newsletter
Top-Themen der Woche für Web-Pioniere
Jetzt kostenlos
anmelden
Diesen Hinweis verbergen