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Euclid Zero: US-Startup überträgt Monitoring für Onlineshops auf lokalen Handel

Das US-Startup Euclid Analytics nutzt die WLAN-Funktion von Smartphones, um das Einkaufsverhalten von Kunden im lokalen Handel zu verfolgen und auszuwerten. So entstehen umfangreiche Statistiken, vergleichbar mit den Besucherstatistiken eines aus Google Analytics.

Euclid Zero: US-Startup überträgt Monitoring für Onlineshops auf lokalen Handel

So funktioniert Euclid Zero

Euclid Analytics nutzt die in jedem vorhandene WLAN-Technologie um das Verhalten des einzelnen Kunden aufzuzeichnen. Mobilfunkgeräte suchen bei aktivierter WLAN-Funktion selbstständig nach verfügbaren WLAN-Netzen. Dabei sendet das Gerät einen sogenannten  „Ping“ aus, und gibt damit auch Daten wie die Signalstärke und die eindeutige Geräteidentifizierung, die MAC-Adresse, nach außen weiter. Betritt ein Kunde mit einem WLAN-fähigen Endgerät ein Ladenlokal das mit Euclids Technologie ausgestattet ist oder geht er daran vorbei, werden die automatisch ausgesandten Daten des Endgeräts ausgewertet. Die übermittelte MAC-Adresse sowie die Signalstärke werden gespeichert und an Euclid übermittelt. Die MAC-Adresse wird dabei laut Euclid vor der Übermittlung unwiderruflich verschlüsselt, um eine Anonymisierung der gespeicherten Daten zu gewährleisten. Das Gerät erhält anschließend eine einduetige ID, die zur weiteren Auswertung seiner Aktivitäten verwendet wird.

Ausgewertet wird beispielsweise, wie lange ein Kunde im Geschäft bleibt oder wie oft und an welchen Wochentagen er wieder kommt. Zusätzlich wertet das System die gesamte Kundenfrequenz und die Frequenz vor dem Ladenlokal aus. So lässt sich zum Beispiel die Attraktivität der Schaufensterauslage, die Loyalität der Kunden sowie der Erfolg von Marketingmaßnahmen bewerten. Die Auswertung für den Einzelhändler erfolgt entweder mittels eines wöchentlichen Reports per E-Mail oder in einem speziell zur Verfügung gestellten Online-Tool.

Der Aufwand für die erste Installation des Systems im Einzelhandel soll gering sein. Euclid bietet hierzu entweder die Installation von WLAN-Sensoren an oder nutzt eine bereits vorhandene Infrastruktur. Pro Filiale berechnet Euclid seinen Kunden 200 US-Dollar monatlich.

Euclid Analytics: Ansicht der Auswertung
Euclid Analytics: So sieht eine der möglichen Auswertungen aus.

Datenschutz

Euclid, das sich selbst als „Google Analytics für die physikalische Welt“ bezeichnet, betont auf seiner Website den Nutzen für den Endkunden. So könne man von kürzeren Wartezeiten an der Kasse, besser auffindbaren Waren und optimierten Öffnungszeiten profitieren. Letztlich wird der Kunde von dem System aber überwacht. Zur Beruhigung verspricht das US-Startup eine Anonymisierung der erfassten Daten und gibt an, dass die Auswertung für den Einzelhändler keinerlei personenbezogene Daten enthalte. Euclid weist zudem nach eigener Aussage durch einen Aushang in jeder überwachten Filiale sowohl auf den Service hin, als auch auf die Möglichkeit das eigene Gerät von der Erfassung auszuschließen. Lässt der Endkunde das Mobilfunkgerät ausschließen, sollen auch alle erfassten Daten gelöscht werden.

Technische Grenzen

Die Verlässlichkeit der erzeugten Statistiken hängt davon ab, wieviele Kunden ein Smartphone mit aktiver WLAN-Funktion in das Geschäft tragen. Nur wenn diese Anzahl einen repräsentativen Anteil der Kundschaft ausmacht, kann ein brauchbares Ergebnis entstehen. Euclid Analytics geht von einem Anteil zwischen 40 und 70 Prozent aus, der sich in den nächsten Jahren mit steigender der Verbreitung von WLAN-fähigen Endgeräten vergrößern dürfte. Betrachtet man die Akkulaufzeit gängiger Smartphones, darf jedoch bezweifelt werden, das jeder Nutzer die WLAN-Funktion permanent in Betrieb hat.

Fazit

Der Handel arbeitet bereits heute mit verschiedenen Werkzeugen, um Kundenbewegungen statistisch zu erfassen. Lichtschranken an Ein- und Ausgängen sowie die Auswertung der Kassenlogs sind hierbei nützliche Werkzeuge – oft auch verknüpft mit statistischer Software, die bereits umfangreiche Reports generieren. Euclids Vorteil gegenüber dieser klassischen Auswertungsform liegt in der Identifizierung des einzelnen Kunden. Das war bisher nur mit Kundenkarten oder durch die Erstellung von personenbezogenen Kaufbelegen möglich. Euclid Zero eröffnet lokalen Händlern in Verbindung mit den bereits vorhandenen Statistiken neue, interessante Möglichkeiten.

Auf Kundenseite dürfte das System, zumindest in Deutschland, auf wenig Gegenliebe stoßen, nicht zuletzt, da sich die Erfassung von MAC-Adressen seit langem in einem unsicheren Rechtsraum bewegt. Ob diese Gerätekennungen als personenbezogene Daten gelten und damit nach den europäischen Datenschutzrichtlinien schützenswert sind, wird kontrovers diskutiert.

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4 Antworten
  1. von Slawi | eCommerce Werkstatt am 22.01.2013 (12:55 Uhr)

    Hey,

    habe gerade den Beitrag auf Facebook entdeckt!

    Vor einigen Jahren als das RFID Thema ziemlich hochgeschaukelt wurde, gab es ähnliche Konzepte auf RFID Basis. Aber stattdessen die WLAN Funktion des Smartphones zu benutzen ist natürluch genial und viel revolutionärer, also schneller umsetzbar.

    Ein interessanter Ansatz, auch in Richtung Online -> Offline Messung!

    Der letzte Absatz dieses Artikels ist eben entscheident und ähnlich mit dem Einsatz von RFID zu vergleichen.

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  2. von Alexander am 22.01.2013 (13:05 Uhr)

    hab spontan bei 10 meiner Arbeitskollegen gefragt ob sie ihr WLAN bei ihren Smartphones permanent aktiviert haben: Ergebniss 0 von 10. Auch wenn die Idee super ist es wird nicht funktionieren. Ausser man bringt sie dazu, durch Goodies (Gewinnspiel, Rabatte) die WLAN-Funktion im Geschäft zu aktivieren!

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  3. von kostenlose Wifis am 22.01.2013 (16:47 Uhr)

    In USA ist jeder zweite WiFi kostenlos und man kann fast immer richtig online sein und nicht nur mit 3G oder 4G oder 2G/GSM/EDGE welches nur als Notbetrieb zwischen WiFis genutzt wird während hier 40% Offline sind und viele Familien in niegelnagelneuen Siedlungen mit UMTS-Tape-"Flats" über die Runden kommen müssen weil dort kein DSL liegt und WiFi-Versorgung ( per VPN-Accounts! ) niemand machen will.

    So gesehen müsste man in USA und bei angeblich so extrakewlen modernen Technik-Märkten und modernen Boni-Firmen eigentlich erwarten können das man Kunden z.B. in der Firma oder am Messestand elektronisch wiedererkennt, sie ihre Gutscheine und Rabatte kriegen und alles online am Pad oder Smartphone erledigen können. Viele Kunden haben ja Stammprodukte die sie regelmäßig kaufen. Manches wöchentlich, anderes seltener so das man um Rabatt-Hinweise und Schnäppchen durchaus dankbar ist und dann dran vorbeiläuft. Was früher Tante Emma gemacht hat, macht heute der Computer. Automatisch. Wenn man will. Freiwillig und transparent.
    Man müsste einen einzelnen Trace im Supermarkt-Logfile auch löschen können damit keiner mitkriegt das man in der Juwelenabteilung oder Spielzeug-Abteilung was gekauft hat. Sonst ist ja die Überraschung weg.

    Das Phones WiFi und ggf. auch Bluetooth automatisch ausschalten wenn man Firma oder Haus verlässt, wäre auch mal endlich ein nettes iOS/Android-Feature.

    Hier ist mit sowas eher nicht zu rechnen. Als Kundenkarte "am Mann" wäre es allerdings ganz nett. Ich will keine 20 Kundenkarten mitschleppen. Die sollen mich elektronisch als guten Stammkunden wiedererkennen und mir vollautomatisch die zustehenden Rabatte geben. Stattdessen soll ich Gutscheine ausschneiden oder Coupons. Das ginge ganz anders. Bestimmte Firmen meide ich, weil ich mir blöd vorkomme weil ich der einzige bin der Vollpreis bezahlt nur weil ich nicht weiss wo es die billigen Gutscheine gibt. Also kaufe ich dort niemals...

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  4. von Stephan Jäckel am 23.01.2013 (10:26 Uhr)

    Tracking selbst gibt es ja schon über das eigentliche Handysignal

    http://edition.cnn.com/2008/TECH/04/30/db.cellphonetracking/index.html?iref=allsearch
    (2008)

    http://www.guardian.co.uk/business/2012/jan/04/shopping-centre-tracking-system-condemned
    (2011)

    Neu ist, dass ich bei WiFi keine Probleme habe, dem Kunden vor dem Schaufenster einen Discount Coupon bzw. QR-Code auf das Gerät zu senden.

    Wer sich allerdings für Rabatte von "Big Brother" bewusst ausspionieren lassen würde, das ist mir nicht ganz so klar. Von der Attraktivität dieser Zielgruppe (hier ist Marketingforschung gefragt) wird es m.E. abhängen, ob solch ein Dienst erfolgreich sein kann, wenn es denn Datenschutzgesetze zulassen. In den USA haben Ende 2011 zwei Malls die den oben bezeichneten Dienst aus UK in Kalifornien einführen wollten, darauf dann doch verzichtet.

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