Existenzgründung Weg mit der rosa Gründerbrille! Warum Startups scheitern

(von Michael Krause) Viele Existenzgründer unterschätzen die Hindernisse, die ein Web-Startup zu überwinden hat. Gastautor Michael Krause nimmt ihnen in seiner heutigen Kolumne die rosarote Brille ab. Denn im Prinzip ist ein Online-Unternehmen schnell auf die Beine gestellt und man braucht vielfach nur wenig Startkapital. Dass aber nicht alles eitel Sonnenschein im Web ist, merken die meisten dann nach den ersten Monaten - und flüchten wieder ins Angestelltendasein.

„Wen juckt die Krise, wir sind doch im Web!“ - nach wie vor werden viele „Unternehmen“ mit webbasiertem Geschäftsmodell nach diesem Motto gegründet. In den entsprechenden Netzwerken wimmelt es von CEOs, Geschäftsführern und Entrepreneuren. Alles was man braucht ist eine Website und eine Idee. Ideen gibt's, dem Web 2.0 sei Dank, wie Sand am Meer: Menschen verknüpfen, kommunizieren und sich gegenseitig austauschen lassen - um nur einige Beispiele zu nennen. Dann noch irgendwo einen Beta-Batch drauf und eine Pressemeldung, in der möglichst oft „innovativ“ geschrieben steht und schon geht's los!

Geld verdient man natürlich mit Werbung. Aber das ist ja genau genommen auch zweitrangig. Erstmal auf Venture-Capital-Suche gehen! Und damit der Businessplan auch wirklich gut ist, lässt man ihn am besten von einem externen Berater schreiben.

Doch was passiert, wenn man mal die rosarote Gründer-Brille abnimmt und sich die Realität anschaut?

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Ja wo bleibt er denn der Geldregen...? Foto: © Fantasista - Fotolia.com

Barrieren, die nicht vorhanden sind

Wenn man es nüchtern betrachtet, haben Web-Gründungen in Summe keine nennenswerten Vorteile gegenüber Offline-Gründungen. Zwar kann mit verhältnismäßig geringen Kosten gestartet werden. Dafür ist der weltweite Konkurrenzkampf im Netz aber auch umso intensiver und vor allem schneller. Denn alle haben die gleichen, günstigen Voraussetzungen.

Das neue Chinarestaurant um die Ecke hingegen bedient Menschen aus dem Umkreis von 20 Kilometern und kann sich seinen Standort obendrein noch aussuchen.

Wem der Onlinedienst des Anbieters A hingegen nicht mehr gefällt, findet über eine kurze Suche meist zahlreiche alternative Anbieter mit dem gleichen Angebotsspektrum. Egal ob Community, Dokumentenmanagement oder E-Mail-Dienst: Ein neuer Account ist nur Klicks entfernt und eventuell sogar noch günstiger!

Zwang zur Kreativität

Im Netz reicht es nicht, einen Service zu erstellen und für die nächsten 24 Monate so stehen zu lassen. Die Konkurrenz schläft nicht und man kann davon ausgehen, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens drei Mitbewerber genau die gleiche Idee verfolgen. Gerade wenn man kein wissensintensives Produkt/Dienstleistung bietet ist man gezwungen, in regelmäßigen, möglichst kurzen Zeitabständen Neuerungen und Verbesserungen zu präsentieren.

All-free-Mentalität

Woher auch immer diese Einstellung rührt, aber heutzutage muss im Netz grundsätzlich alles umsonst sein. Will man seine Einnahmenplanung allerdings nicht ausschließlich auf die Werbesäule bauen, muss man gute Argumente und Produkte bieten, für die Nutzer/Kunden bereit sind zu bezahlen. Diese Argumentation scheint vielen Web-Unternehmen extrem schwer zu fallen – leider.

Support kennt kein Wochenende

Wer im Web gründet hat nicht nur die gleichen Arbeitszeiten wie jeder andere Gründer (nämlich rund um die Uhr) – sondern auch noch Kunden, die diese Arbeitszeiten erwarten. Der neue Kleiderladen in der Stadtmitte hat sonntags geschlossen. Das wird von den Kunden auch so akzeptiert. Fragen, Beschwerden und Benachrichtigungen im Mailfach hingegen trudeln jederzeit fröhlich ein. Völlig egal ob es nach 18, 19 oder 23 Uhr ist. Natürlich müssen alle dennoch beantwortet werden und wenn nicht sofort, dann aber spätestens am nächsten Tag.

In den vergangenen Wochen und Monaten mussten immer mehr „Geschäftsführer“ akzeptieren, dass sie diese Herausforderungen schlichtweg unterschätzt hatten. Die Folge war nicht selten die „Flucht ins Angestelltendasein“.

Allerdings gibt es auch Gründer, die verstanden haben, dass „Klickibunti“ auf Dauer keinen Kühlschrank füllt. Doch anstatt „zu flüchten“, nutzen sie Erfahrungen aus früheren Projekten und setzen auf ein neues Modell. Von reinem Klickibunti und „Just for fun“ ist dabei allerdings meist nichts mehr zu sehen – und das ist auch gut so!

Erfahrungen aus dem Spaßprojekt MyPeak wurden zur Gründung von CloudControl genutzt. Aus Kazzong wurde Die Goldene Gans.

Fallen Euch weitere Beispiele ein?

Über den Gastautor

michael krause onchestra Existenzgründung: Weg mit der rosa Gründerbrille! Warum Startups scheiternMichael Krause ist einer der Köpfe hinter ONchestra.com. Getreu dem Motto „Small tools, big difference“ entwickelt, hostet und vertreibt er gemeinsam mit Marc Boeker Software as a Service im B2B-Bereich. Kunden sind kleine Unternehmen und Freiberufler, die mit den auf spezielle Branchenanforderungen hin optimierten Lösungen Ihre Effizienz steigern wollen, ohne Anfangsinvestitionen tätigen oder Handbücher wälzen zu müssen.

Kritik, Fragen und Anregungen schenken sie unter wir@onchestra.com jederzeit gerne Aufmerksamkeit.

 Existenzgründung: Weg mit der rosa Gründerbrille! Warum Startups scheitern

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4 Antworten

  1. von Leonie Walter 02.12.2009 (15:31Uhr) 1.

    Ein guter Beitrag, knapp und auf den Punkt. Ich möchte noch ergänzen: Mangelnde Marketing- und PR-Kenntnisse bzw. Fehlende Kommunikation ist auch noch ein eklatanter Fehler.

    Einen Angebot zu haben reicht nicht. Der Kunde muss auch wissen, dass es dieses Angebot gibt!

    Viele Grüße
    Leonie Walter

  2. von Michael 02.12.2009 (16:21Uhr) 2.

    Liebe Frau Walter,

    ja, das ist sicherlich auch ein wichtiger Punkt. Das Problem das ich sehe, ist, dass in diesem Bereich, meiner Meinung nach, nichts ohne "probieren" geht.
    Man muss 10 schlechte Beiträge veröffentlicht, 6 missverständliche PR-Meldungen verfasst und 54 Redaktionsanfragen (ohne Antwort der Redakteure) formuliert haben um zu verstehen, wie welcher Hase wo lang läuft.

    Da diese Zahlen leider in keinster Weise repräsentativ sind, stellt sich zudem die Frage: an welchem Punkt bin ich denn überhaupt gerade?

    Ganz ehrlich: wir von ONchestra können diese Frage auch heute noch nicht beantworten.

    Grüße

  3. von Leonie Walter 02.12.2009 (16:30Uhr) 3.

    Das glaube ich Ihnen gerne... Dafür gibt's ja dann wieder auch uns PR-Experten und/oder passende Seminarangebote oder Einsteiger-Lektüre (Unser Buch zu exakt diesem Thema ist jetzt gerade in der Produktionsphase. Einen Erscheinungstermin habe ich leider noch nicht).

    Aber so ein Blogbeitrag ist ja schon exakt der richtige Weg zu mehr Bekanntheit, also: Weiterhin viel Erfolg!

  4. von Michael@onchestra.com 02.12.2009 (16:35Uhr) 4.

    Auf Ihr Buch bin ich sehr gespannt!

    Nichts desto trotz kann ich jedem nur raten, selbst die PR-Maschine auszuprobieren. Externe Hilfe ist sicher nicht falsch. Aber im kalten Wasser lernt man doch noch am schnellsten schwimmen ;-)

    In diesem Sinne.

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