„Wen juckt die Krise, wir sind doch im Web!“ - nach wie vor werden viele „Unternehmen“ mit webbasiertem Geschäftsmodell nach diesem Motto gegründet. In den entsprechenden Netzwerken wimmelt es von CEOs, Geschäftsführern und Entrepreneuren. Alles was man braucht ist eine Website und eine Idee. Ideen gibt's, dem Web 2.0 sei Dank, wie Sand am Meer: Menschen verknüpfen, kommunizieren und sich gegenseitig austauschen lassen - um nur einige Beispiele zu nennen. Dann noch irgendwo einen Beta-Batch drauf und eine Pressemeldung, in der möglichst oft „innovativ“ geschrieben steht und schon geht's los!
Geld verdient man natürlich mit Werbung. Aber das ist ja genau genommen auch zweitrangig. Erstmal auf Venture-Capital-Suche gehen! Und damit der Businessplan auch wirklich gut ist, lässt man ihn am besten von einem externen Berater schreiben.
Doch was passiert, wenn man mal die rosarote Gründer-Brille abnimmt und sich die Realität anschaut?
Barrieren, die nicht vorhanden sind
Wenn man es nüchtern betrachtet, haben Web-Gründungen in Summe keine nennenswerten Vorteile gegenüber Offline-Gründungen. Zwar kann mit verhältnismäßig geringen Kosten gestartet werden. Dafür ist der weltweite Konkurrenzkampf im Netz aber auch umso intensiver und vor allem schneller. Denn alle haben die gleichen, günstigen Voraussetzungen.
Das neue Chinarestaurant um die Ecke hingegen bedient Menschen aus dem Umkreis von 20 Kilometern und kann sich seinen Standort obendrein noch aussuchen.
Wem der Onlinedienst des Anbieters A hingegen nicht mehr gefällt, findet über eine kurze Suche meist zahlreiche alternative Anbieter mit dem gleichen Angebotsspektrum. Egal ob Community, Dokumentenmanagement oder E-Mail-Dienst: Ein neuer Account ist nur Klicks entfernt und eventuell sogar noch günstiger!
Zwang zur Kreativität
Im Netz reicht es nicht, einen Service zu erstellen und für die nächsten 24 Monate so stehen zu lassen. Die Konkurrenz schläft nicht und man kann davon ausgehen, dass zu jedem Zeitpunkt mindestens drei Mitbewerber genau die gleiche Idee verfolgen. Gerade wenn man kein wissensintensives Produkt/Dienstleistung bietet ist man gezwungen, in regelmäßigen, möglichst kurzen Zeitabständen Neuerungen und Verbesserungen zu präsentieren.
All-free-Mentalität
Woher auch immer diese Einstellung rührt, aber heutzutage muss im Netz grundsätzlich alles umsonst sein. Will man seine Einnahmenplanung allerdings nicht ausschließlich auf die Werbesäule bauen, muss man gute Argumente und Produkte bieten, für die Nutzer/Kunden bereit sind zu bezahlen. Diese Argumentation scheint vielen Web-Unternehmen extrem schwer zu fallen – leider.
Support kennt kein Wochenende
Wer im Web gründet hat nicht nur die gleichen Arbeitszeiten wie jeder andere Gründer (nämlich rund um die Uhr) – sondern auch noch Kunden, die diese Arbeitszeiten erwarten. Der neue Kleiderladen in der Stadtmitte hat sonntags geschlossen. Das wird von den Kunden auch so akzeptiert. Fragen, Beschwerden und Benachrichtigungen im Mailfach hingegen trudeln jederzeit fröhlich ein. Völlig egal ob es nach 18, 19 oder 23 Uhr ist. Natürlich müssen alle dennoch beantwortet werden und wenn nicht sofort, dann aber spätestens am nächsten Tag.
In den vergangenen Wochen und Monaten mussten immer mehr „Geschäftsführer“ akzeptieren, dass sie diese Herausforderungen schlichtweg unterschätzt hatten. Die Folge war nicht selten die „Flucht ins Angestelltendasein“.
Allerdings gibt es auch Gründer, die verstanden haben, dass „Klickibunti“ auf Dauer keinen Kühlschrank füllt. Doch anstatt „zu flüchten“, nutzen sie Erfahrungen aus früheren Projekten und setzen auf ein neues Modell. Von reinem Klickibunti und „Just for fun“ ist dabei allerdings meist nichts mehr zu sehen – und das ist auch gut so!
Erfahrungen aus dem Spaßprojekt MyPeak wurden zur Gründung von CloudControl genutzt. Aus Kazzong wurde Die Goldene Gans.
Fallen Euch weitere Beispiele ein?
Über den Gastautor
Michael Krause ist einer der Köpfe hinter ONchestra.com. Getreu dem Motto „Small tools, big difference“ entwickelt, hostet und vertreibt er gemeinsam mit Marc Boeker Software as a Service im B2B-Bereich. Kunden sind kleine Unternehmen und Freiberufler, die mit den auf spezielle Branchenanforderungen hin optimierten Lösungen Ihre Effizienz steigern wollen, ohne Anfangsinvestitionen tätigen oder Handbücher wälzen zu müssen.
Kritik, Fragen und Anregungen schenken sie unter wir@onchestra.com jederzeit gerne Aufmerksamkeit.






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