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Getty-Kollektion und eigener Marktplatz: Foto-App EyeEm mausert sich zur Vertriebsplattform

Getty-Kollektion und eigener Marktplatz: Foto-App EyeEm mausert sich zur Vertriebsplattform

Eine Kooperation mit Getty-Images und ein eigener Marktplatz: In den vergangenen Wochen hat das Fotografie-Startup gleich zwei Neuerungen vorgestellt. Wir haben Gründer Florian Meissner beim hy! summit nach den Hintergründen gefragt.

Getty-Kollektion und eigener Marktplatz: Foto-App EyeEm mausert sich zur Vertriebsplattform

Erfreut sich großer Beliebtheit: Foto-App EyeEm. (Foto: @miyamonchi, via EyeEm)

Fotos zu Geld machen: Die Foto-App EyeEm hilft Nutzern beim Vertrieb ihrer Bilder. (Screenshot: EyeEm)
Fotos zu Geld machen: Die Foto-App EyeEm hilft Nutzern ab sofort beim Vertrieb ihrer Bilder. (Screenshot: EyeEm)

Zehn Millionen Mal ist die EyeEm bereits heruntergeladen worden, jeden Monat kommen eine Million Downloads hinzu. EyeEm-Nutzer finden sich auf der ganzen Welt, allen voran in den USA, Japan, Brasilien, Mexiko und Deutschland. Aber ist EyeEm nicht einfach „eine weitere Foto-App“ wie Instagram & Co.?

Das war sie vielleicht einmal, doch bei dem Berliner ist in den vergangenen Monaten kräftig gebastelt worden. EyeEm ist keine Spielwiese für Freizeitknipser mehr, die mit Retro-Filtern ihre Schnappschüsse für ein paar zusätzliche Facebook-Likes aufbessern wollen.

EyeEm: Längst keine Schnappschuss-Spielwiese mehr

Florian Meissner, Gründer und CEO von EyeEm, hat uns am Rande des hy! summit die zunehmende Professionalisierung der Foto-Community beschrieben: Zunächst entdeckten immer mehr professionell ausgebildete Fotografen EyeEm für sich: „Unsere Community ist sehr aktiv, gibt Feedback zu Faktoren wie Komposition oder Emotion. Das ist auch für Berufsfotografen sehr wertvoll, die ihre Aufnahmen bei EyeEm sozusagen austesten können.“

Und auch die anderen Nutzer seien passionierte Fotografen, die mit hohem Anspruch zu Werke gingen. Daher spricht Meissner in Bezug auf die EyeEm-Community auch immer von Fotografen. Dass viele von ihnen „nur“ mit ihrem Smartphone Aufnahmen machen, sieht er nicht als Qualitätsmangel. Smartphone-Kameras würden schließlich immer besser, zudem setze Web-Publishing oft gar keine so hohen Auflösungen voraus. EyeEm rechne die Bildgrößen ohnehin nicht so stark herunter wie die meisten anderen Foto-Apps und könne daher auch hochauflösendes Material bieten.

Der Aufbau von Vertriebsstrukturen ist nicht leicht

Authentisch: Für Medienschaffende sind EyeEm-Aufnahmen eine Alternative zur Stockfotografie. (Foto: @miyamonchi, via EyeEm)
Authentisch: Für Medienschaffende sind EyeEm-Aufnahmen eine Alternative zur Stockfotografie. (Foto: @miyamonchi, via EyeEm)

Nun sollen die EyeEm-Mitglieder die Möglichkeit bekommen, ihre Werke zu Geld zu machen. Ein erster Schritt hierzu ist die Kooperation mit Getty Images, die EyeEm im März verkündet hat. Künftig wird Getty Images eine von EyeEm kuratierte Auswahl der Bilder aus der App vertreiben, sofern die Urheber dem zugestimmt haben. EyeEm wird am Gewinn beteiligt und teilt diesen zu 50 Prozent mit dem jeweiligen Fotografen.

Die Kooperation mit Getty helfe EyeEm vor allem im Bereich Distributions- und Vertriebsstrukturen, erklärt Meissner – eine wichtige Hilfe beim Aufbau eines Marktmodells, der ohne Partner nur sehr schwer zu bewerkstelligen sei. Zudem lernt EyeEm über Getty die Nachfrageseite besser kennen: Was suchen Kunden weltweit? Wo ist die Nachfrage nach realitätsnahem Foto-Content besonders hoch?

Kooperation mit Getty Images – wird EyeEm das neue flickr?

Auch Getty profitiert von dem Deal mit EyeEm: Der Bild-Anbieter erhält von EyeEm authentische Fotos, die einen wertvollen Kontrast zur typischen Stockfotografie bilden (wer nicht glaubt, dass das nötig ist, schaue sich unsere Galerie Stockfotografie zum Fremdschämen an und lasse sich eines besseren belehren). Zudem entfällt für Getty der Aufwand für Auswahl und Betreuung der gemeinsamen Kollektion. Ein wichtiger Unterschied etwa zur bisherigen Kooperation von Getty und flickr, die nun ausläuft – vielleicht genau aus diesem Grund? EyeEm dürfte, gerade in Kombination mit der Einstellung der flickr-Kollektion von Getty Images, in den nächsten Monaten noch an Bedeutung für Fotografie-Begeisterte gewinnen, die ihre Bilder vertreiben möchten.

Der zweite Schritt in Richtung Professionalisierung ist der EyeEm Market, der ebenfalls im März in die Betaphase gestartet ist. Über den Marktplatz kann jedermann Lizenzen an ausgewählten Bildern der EyeEm-Fotografen erwerben, sofern diese zugestimmt haben.

Vertrieb der Bilder bleibt für EyeEm-Nutzer optional

EyeEm-Gründer Florian Meissner im t3n-Interview beim hy! summit.
EyeEm-Gründer Florian Meissner im t3n-Interview beim hy! summit. (Foto: Hy Berlin)

Überhaupt sind alle neuen Maßnahmen für die Nutzer optional: Meissner möchte niemanden zwingen, seine Bilder in irgendeiner Form freizugeben. In diesem Punkt hat das Berliner Startup seine Lehren aus dem Instagram-Debakel vor einem Jahr gezogen: Instagram hatte die Nutzungsrichtlinien so angepasst, dass der Dienst Nutzungsrechte an den Bildern erhalten hätte – es folgte ein Proteststurm unter den Nutzern. EyeEm war damals einer der größten Nutznießer und konnte seine eigene Community dank der Instagram-Abwanderer verzehnfachen. „Für die Community ist alles Opt-In, die fühlen sich weiterhin gut aufgehoben bei uns,“ sagt Meissner. EyeEm sei immer transparent gewesen und werde es auch bleiben.

Das mag auch daran liegen, dass EyeEm neben dem nun angelaufenen Marktplatz ein weiteres Standbein hat, um als Unternehmen profitabel zu werden. Schon seit einer Weile arbeitet das Startup mit Unternehmen und NGOs zusammen, die Fotomaterial zu bestimmten Themen für ihre Kampagnen benötigen. Bei EyeEm können sie Fotos für diese Themen in Auftrag geben, etwa in Form eines Wettbewerbs. Durch die aktive Community kämen durch solche Aktionen, die so genannten EyeEm Missions, sehr gelungene Ergebnisse zustande, erklärt Meissner. Das Modell funktioniert: Bereits jetzt wickelt EyeEm zwischen drei und fünf solcher Projekte im Monat ab.

EyeEm als Plattform für die Auftragsfotografie

Langfristig, so Meissner, wolle EyeEm dieses Modell auch automatisieren. „Auf unserer Plattform finden sich Millionen von passionierten Fotografen, die man losschicken kann.“ Wenn es möglich werde, die Auftragsvergabe auch ohne das EyeEm-Team als Mittler über die Plattform abzuwickeln, habe EyeEm das Potenzial, auch die Auftragsfotografie zu revolutionieren.

Meissner ist klar, dass das Geschäftsmodell von EyeEm traditionelle Erlösstrukturen bedroht. Aber letztlich sieht er darin eine lange vorhersehbare Entwicklung, die sich in vielen anderen Branchen bereits längst vollzogen habe. Es gebe nun eine neue Generation an Fotografen, die mit einer neuen Generation an Geräten ebenfalls enorme Werte schaffen könne. Und dieser neuen Generation will er mit EyeEm den Weg ebnen.

Wer sich EyeEm selbst anschauen möchte, findet die App hier im jeweiligen Store:

EyeEm - Foto Filter Kamera
Entwickler: EyeEm Mobile
Preis: Kostenlos
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2 Antworten
  1. von pseu am 31.03.2014 (19:31 Uhr)

    Die EyeEm Missions Idee finde ich richtig gut aber eine frage stellt sich mir, erteilt man diese Freigabe generell für alle Bilder oder einzeln zu jedem Bild.

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  2. von Severin am 31.03.2014 (22:35 Uhr)

    Hi pseu, freut mich, dass dir unsere Missions gefallen. Zu deiner Frage: Für den EyeEm Market kannst du bei jedem einzelnen Bild entscheiden, ob du es zum Verkauf frei geben willst oder nicht. Beste Grüße, Severin

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