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Facebook kappt Open-Graph-Zugriff, wenn Startups keine Daten liefern

schränkt den Datenaustausch mit externen Diensten ein. Was sich zunächst positiv für die Nutzer anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als reines Marketinggebahren: Wer Facebook nicht genügend Daten liefert, bekommt auch selbst keine mehr.

Facebook kappt Open-Graph-Zugriff, wenn Startups keine Daten liefern

Facebook beschneidet Open-Graph-Zugriff von Voxer

In den nächsten Wochen und Monaten könnte es die eine oder andere App mit massiven Einschränkungen zu tun bekommen, wenn sie auf den Social Graph von Facebook setzt. Das zumindest lässt die erste Beschneidung der Voice-Messaging-App Voxer erahnen, die seit Ende letzter Woche keinen Zugriff mehr auf die Find-Friends-Daten von Facebook erhält. Bislang erhielten die Nutzer des , mit dem sich Smartphones in ein Walkie Talkie verwandeln lassen, automatisch alle Kontaktdaten ihrer Facebook-Freunde, wenn sie sich anmeldeten.

Damit ist ab sofort Schluß, erklärte Voxer-CEO Tom Katis, denn Facebook habe ihm mitgeteilt, dass Voxer als „Competitive Social Network“ eingestuft werde und damit gegen die Nutzungsrichtlinien verstoße. Das dürfte auch der offizielle Grund für die Beschneidung der API-Zugriffe bleiben, allerdings könnte sich dahinter auch noch ein anderer, viel weitreichender Grund verbergen: Voxer liefert Facebook nicht genügend Daten.

Der Walkie Talkie Dienst Voxer liefert Facebook nicht genügend Daten und bekommt jetzt die Quittung (Bild: TechCrunch)

Facebook: Daten nur noch im Austausch

Wie bei TechCrunch dargestellt wird, haben die Nutzer von Voxer zwar theoretisch die Möglichkeit ihre Audio-Nachrichten auch bei Facebook zu posten, doch da es sich dabei in der Regel um sehr private Konversationen handelt, machen sie kaum bis gar keinen Gebrauch davon. Auf Nachfrage erklärte ein namentlich nicht genannter Facebook-Sprecher gegenüber TechCrunch, dass Startups den Open Graph immer dann kostenlos nutzen dürfen, wenn sie darüber auch wieder Inhalte und Daten zurück zu Facebook liefern. Sei das nicht der Fall und das Startup sei zusätzlich noch als Mitbewerber anzusehen, dann gebe man diesem nur noch den Zugriff auf das Login-System von Facebook.

Ob in den Geschäftsbedingungen von Facebook ein solcher Passus tatsächlich enthalten ist, darf zunächst einmal bezweifelt werden. Daher erscheint die offizielle Einordnung von Voxer als Social Network und damit als Facebook-Mitbewerber in einem anderen Licht. Für Startups, die sich im umkämpften und bei den Nutzern sehr beliebten Messengerbereich ansiedeln, dürfte damit die Anbindung an den Open Graph von Facebook extrem erschwert werden.

Facebook folgt Twitter

Wer sich intensiver mit den Ökosystemen der Social Networks beschäftigt, wird nicht sehr überrascht sein, denn Facebook folgt damit dem Weg, den Twitter vorgezeichnet hat. Auch Twitter beschneidet die API-Zugriffe für externe Dienste, wenn Twitter davon nicht unmittelbar profitiert. Prominente Opfer dieser Twitter-Strategie waren das Business Network LinkedIn und der Bildersharingdienst Instagram.

Voxer wird sehr wahrscheinlich erst der Anfang sein und andere Dienste und Plattformen werden in den nächsten Wochen und Monaten mit folgenreichen Einschränkungen leben müssen. Noch mehr als Twitter hat sich Facebook mit seinem Open Graph als eine zentrale Schnittstelle im Social Web positioniert, über die Nutzer sich auf verschiedenen Plattformen schnell und einfach vernetzen können. Ein Messenger, bei dem man erst alle Kontaktdaten der Freunde händisch eingeben muss, hat heute wohl kaum noch Chancen gegen einen Mitbewerber mit Auto-Follow-Funktion.

Fazit: Isolation wird zum Trend - was macht Google+?

Bei Facebook wird immer deutlicher, dass der Druck zum Geldverdienen immer größer wird. Der Börsengang hat zwar reichlich Geld in die Kassen gespült, doch die Börse erwartet im Gegenzug auch gute Zahlen und davon ist Facebook noch weit entfernt. Natürlich kann man die Beschneidung von Voxer aus diesem Grund nachvollziehen. Langfristig jedoch geht davon kein gutes Signal aus, zumal, wenn sich solche Meldungen noch häufen sollten. Startups, die wie Voxer über reichlich Venturekapital verfügen, werden sich in Zukunft genau überlegen, ob sie noch auf den Open Graph zurückgreifen, wenn der Zugriff von Facebook scheinbar beliebig gekappt werden kann. Gleiches gilt auch für Twitter.

Klar sagen muss man allerdings auch, dass momentan eine echte Open-Graph-Alternative fehlt. Es müsste bei den Startups also ein umfassendes Neudenken einsetzen: Wie können Nutzer einfach und unkompliziert an ein neues Startup herangeführt werden, ohne dabei auf die Schnittstellen von Facebook und Twitter setzen zu müssen? Ich sehe hier eine große Chance für Google+: Die Infrastruktur ist vorhanden, die Reichweite dürfte für viele Startups bereits ausreichend sein und würde sich bei geeigneten APIs quasi selbständig deutlich erweitern. Auch die Gefahr der Abschottung aus wirtschaftlichen Gründen ist bei Google längst nicht so groß, denn Geld verdient Google woanders. Facebook und Twitter haben jedoch nur ihre Plattform und müssen sie möglichst gut vermarkten.

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4 Antworten
  1. von Andreas am 21.01.2013 (15:38 Uhr)

    Ich kann den Schritt nachvollziehen. Man stelle sich vor, T3N würde eine API anbieten, über die Drittanbieter an die Abonnentendaten kommen. Und dieser Drittanbieter würde sich voll den Thema "Digitale News" verschrieben, wie lange würde T3N das tolerieren?

    Wenn der Drittanbieter sein Geschäftsmodell ausschliesslich auf dem Datenpool des Anbieters aufbaut, ohne einen nennenswerten Mehrwert zu leisten, sondern im Gegenteil mehr und mehr im Wettbewerb zum API-Anbieter steht, ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar.

    Natürlich kann man argumentieren, das der API-Zugang gar nicht erst hätte gewährt werden müssen, oder dass der Drittanbieter ursprünglich einen Mehrwert geliefert hat, den der API-Anbieter nicht auf dem Zettel hatte (Twitter/Tweetdeck).

    Aber machen wir uns nichts vor: Zum einen entwickeln Unternehmen sich weiter (Amazon-Buchladen?, eBay -Auktion?, Google-kleiner Suchschlitz?) und grätschen damit automatisch früher oder später kompetetiv in ihren API-Kosmos. Zum anderen sind nicht wenige API-Parter geradezu darauf aus, mit einem einzelnen Mehrwert ins Aquisitionsauge des Big Players zu hüpfen.

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  2. von JasonAldean am 21.01.2013 (16:32 Uhr)

    Ich kanns nicht nachvollziehen, wenn man sowas bereitstellt und so aufzieht wie facebook, dann sollte man nicht hinterher nen Rückzieher machen nur weil man nicht bedacht hat das es vielleicht nicht in jedem Fall profit bringt.

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  3. von jason am 22.01.2013 (09:39 Uhr)

    Ich finde die Überschrift ein bisschen irreführend. Besser wäre: "Facebook kappt Open-Graph-Zugriff, wenn Startups Mitbewerber sind und keine Daten liefern" ...

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  4. von Martin V am 22.01.2013 (18:56 Uhr)

    @JasonAldean: Facebook ist an der Börse und somit primär am Profit interessiert - das mag mal anders gewesen sein, aber als börsennotiertes Unternehmen zählen nur noch die zufriedenen Anleger/Investoren.

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