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Facebook vor dem Börsengang: 900 Mio Nutzer, weniger Wachstum und doch keine Krise

Facebook vor dem Börsengang: 900 Mio Nutzer, weniger Wachstum und doch keine Krise

Der Börsengang steht kurz bevor und da sind neue Geschäftszahlen, wie sie das amerikanische Unternehmen nun vorgelegt hat, noch spannender. Trotz des Erreichens der 900-Millionen-Nutzermarke sehen viele Medien Facebook in eine Krise schlittern. Aber ist das auch berechtigt?

Facebook vor dem Börsengang: 900 Mio Nutzer, weniger Wachstum und doch keine Krise

Facebook vor dem Börsengang: Ist die Krise jetzt schon da?

Facebook hat die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2012 vorgelegt und kurz vor dem Börsengang suchen viele Medien und selbsternannte Analysten das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Und trotz der neuen Bestmarke von jetzt weltweit über 900 Millionen aktive Nutzer im Monat, gibt es tatsächlich etwas zum Kritisieren - wenn man denn will. Vergleicht man die Zahlen vom Q1 2012 mit denen des Vorquartals, so scheint sich Facebook unmittelbar vor dem Börsengang tatsächlich in einer Minikrise zu befinden. Der Umsatz sei gegenüber dem Vorquartal sogar rückläufig und auch der Gewinn sei niedriger ausgefallen, liest man in verschiedenen Quellen.

Die harten Zahlen in der Kurzübersicht:

  • Facebook hat jetzt über 900 Millionen aktive Besucher im Monat
  • davon sind 526 Millionen Nutzer jeden Tag aktiv
  • im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurde der Umsatz um 39 Prozent von 731 auf jetzt 1.013 Millionen US-Dollar gesteigert
  • der Gewinn ging im Jahresvergleich von 233 auf 205 Millionen US-Dollar zurück

Mehr Zahlen gibt es beispielsweise von Holger Schmidt im Netzökonomie-Blog oder direkt im aktualisierten Börsenprospekt von Facebook.

Rund einen Monat vor dem Börsengang von Facebook wurden die Geschäftszahlen für das Q1 2012 veröffentlicht: Facebook hat jetzt über 900 Millionen aktive Nutzer im Monat (Grafik: Facebook).

Kommentar: Facebook hat keine Krise

Gerade durch den Rückgang des Gewinns wird jetzt eine Krise konstruiert, die in meinen Augen keine ist. Es wird zwar auch darauf hingewiesen, dass Facebook in seinem aktualisieren Börsenprospekt auf die Gründe für den geringeren Gewinn eingeht, richtig bewertet wird das vielfach aber nicht. Überraschend kommt der Gewinnrückgang jedenfalls nicht, wenn man sich die Entwicklung von Facebook im letzten Jahr anschaut.

Beispielsweise hat das Unternehmen von CEO und Gründer Mark Zuckerberg sein Personal massiv aufgestockt. Fast jeder zweite Facebook-Mitarbeiter der insgesamt rund 3.500 Beschäftigten kam im letzten Jahr dazu. Dass das deutlich höhere Personalausgaben verursacht, liegt eigentlich auf der Hand. Zumal gute Entwickler meist mit attraktiven Gehältern angelockt werden müssen, denn die Arbeitsplatzauswahl ist im Einzugsgebiet von Facebook alles andere als klein. Und bis neue Mitarbeiter vollständig integriert sind und ihre Aufgaben produktiv erledigen können, vergeht auch einige Zeit.

Und natürlich kann auch ein Gigant wie Facebook das enorme Wachstum nicht für immer konstant halten. Mit jedem Jahr Wachstum erhöht sich zum einen die Ausgangsbasis, was einen gleich hohen prozentualen Anstieg im Folgejahr oder -quartal schwieriger werden lässt. Ein kleines Beispiel verdeutlicht dies:

Erzielt ein Unternehmen beispielsweise im ersten Jahr einen Umsatz von 1 Milliarde, so muss es im zweiten Jahr für einen Anstieg von 10 Prozent 100 Millionen mehr umsetzen. Soll im dritten Jahr wieder ein Umsatzwachstum von 10 Prozent erreicht werden, so muss das Unternehmen schon 110 Millionen drauflegen, weil sich die Basis für die 10 Prozent Umsatzwachstum erhöht hat.

Zum anderen erreicht Facebook nun auch langsam die Sättigungsmarke. Sollen noch mehr Nutzer für steigende Umsätze und Gewinne sorgen, muss dazu zunächst auf vielen noch nicht breitflächig erschlossenen Märkten die Infrastruktur des Internets aufgebaut werden. Erst dann können viele potenzielle Facebook-Nutzer am Geschehen teilnehmen. Diese Entwicklung wird aber noch viele Jahre dauern und kann von Facebook selbst auch kaum beeinflusst werden. Hier wird schnell deutlich, dass im Nutzer-Wachstum nicht das Allheilmittel für Facebook liegen kann.

Was man dennoch kritisch hinterfragen sollte:

Der Blick auf Umsatz und Gewinn alleine sind unzureichend, um daraus eine Krise von Facebook herbei zu schreiben. Dennoch sind die jetzt vorgelegten Zahlen auch nicht so rosig, dass Mark Zuckerberg spontan eine Party für die Belegschaft geben würde.

Gerade ein Wert dürfte Mark Zuckerberg nicht eben schmecken: Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer liegt mit 1,21 US-Dollar auf einem sehr niedrigen Niveau. Statt sich künftig wie gehabt auf ein möglichst hohes Nutzer-Wachstum zu konzentrieren, sollte Facebook hier einen Gang zurückschalten und die Nutzer wieder zufriedener machen. Zufriedene Nutzer sind bekanntlich die besten Kunden und sorgen eher für Umsatz als verärgerte Kunden. 900 Millionen Nutzer weltweit sind ein enormes Faustpfand, was nur darauf wartet, eingelöst zu werden. Man überlege sich nur einmal, was ein Umsatz von 3-5 US-Dollar pro Nutzer für Facebook bedeuten würde.

Weiterführende Links zum Thema Facebook vor dem Börsengang:

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Eine Antwort
  1. von Bubelbub am 23.05.2012 (19:21 Uhr)

    Hört doch auf so nen Mist zu erzählen.

    Facebook hat 900 Mio Nutzer.
    Klar, dass das Fakten sind.

    Dennoch ist es ein Fakt, dass man an vielen Ecken liest:
    “10.000 Likes für nen Euro”

    Glaubt ihr dort, dass diese 10.000 Nutzer wirklich Personen sind?
    Das sind einfach Bots.

    Facebook müsste pro IP maximal 10 Accounts zulassen.
    Oder ähnliches.
    Dann wäre es zwar immer noch einfach, 10.000 Accounts zu erstellen, aber es würde länger dauern und wäre komplizierter.

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