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Facebook-Fanseite der Konkurrenz abschalten? Falsche E-Mail-Adresse genügt

Mein Großvater pflegte zu sagen: „Wenn etwas zu schwierig für Dich ist, lass es sein!“ Diesen Rat möchte man in den letzten Tagen geben, denn offenbar bekommt er sein qualitativ nicht in den Griff. Egal, ob es um die Tatenlosigkeit in Sachen Stalker-Apps geht oder um das aktionistische Löschen von Fanpages, die sich mit der Problematik beschäftigen: Zuckerberg schwimmt. Wie jetzt bekannt wurde, sind nicht einmal populäre Facebook-Pages vor der Inkompetenz des Facebook-Personals gefeit.

Facebook-Fanseite der Konkurrenz abschalten? Falsche E-Mail-Adresse genügt
In den letzten Wochen traf es eine ganze Reihe von vor allem in den Staaten bekannten Websites. Deren Facebook-Seiten, darunter Redmond Pie mit immerhin 74.000 Fans, wurden abgeschaltet. Auch Ars Technica, Neowin und die pakistanische Techsite Rewriting Technology machten dieselbe Erfahrung. Insgesamt ist die Rede von mindestens einem Dutzend betroffener Facebook-Pages. Eine vollständige Auflistung ist jedoch nirgends zu erhalten, was sicherlich damit zu tun hat, dass viele Betreiber die Problematik im Verhältnis zu Facebook nicht eskalieren lassen wollen.

Wenn der Urheberschutz zur Missbrauchsfalle wird

Was war passiert? Ausgangspunkt der Geschichte ist der Schutz geistigen Eigentums per Urheberrecht. In den USA ist das Urheberrecht besonders geschützt durch den umstrittenen Digital Millenium Copyright Act (DMCA), aber auch in Deutschland ist es bekanntlich gesetzlich verbrieft. Im Rahmen dieser Schutzverpflichtung ist jeder Contentanbieter gehalten, das Melden von Urheberrechtsverletzungen einfach und zugänglich zu gestaltet.

Bei Facebook gibt es ein Formular zu diesem Zweck, in das ein in seinen Rechten Verletzter seinen Namen, seine Postanschrift, seine E-Mail-Adresse und seine Telefonnummer eingeben muss. Zusätzlich will Facebook wissen, worin konkret die Rechtsverletzung besteht und wer diese begeht. Hat man nun das Formular gewissenhaft ausgefüllt und abgeschickt, läuft ein automatisiertes Verfahren ab. Das gilt jedenfalls dann, wenn sich der Melder in den USA befindet oder behauptet, sich in den USA zu befinden.

Das berüchtigte Formular: Einmal ausgefüllt ist die Facebook-Seite weg!

In Übereinstimmung mit dem bereits genannten DMCA nimmt Facebook den rechtsverletzenden Inhalt unverzüglich offline und informiert den Ersteller des Inhalts darüber. Der vermeintliche Rechtsverletzer muss den Fall jetzt mit dem Beschwerdeführer direkt klären. Meldet der Beschwerdeführer an Facebook, dass eine Klärung herbeigeführt wurde, schaltet Facebook die entsprechende Seite wieder online. So weit, so gut.

Wenn der Beschwerdeführer gar nicht existiert, wird einvernehmliche Klärung schwierig!

Was aber passiert, wenn das Beschwerdeformular mit Daten gefüllt werden, die schlicht erfunden sind? Was, wenn es den Beschwerdeführer samt Postanschrift, und Telefon gar nicht gibt? Das ändert nichts, denn Facebook nimmt die Seite dennoch vom Netz und informiert den Betreiber, er möge den Fall bitte direkt mit dem Beschwerdeführer klären. Findet eine Klärung nicht statt, bleibt die Seite offline, bis notfalls ein Gerichtsentscheid eingeholt ist oder der Beschwerdeführer diesen innerhalb einer Frist von 14 Tagen nach Stellungnahme durch den angeblichen Rechtsverletzer nicht anstrengt. So ist es beispielsweise Redmond Pie ergangen, die ihren Fall mittlerweile an die Öffentlichkeit gebracht haben.

Im Falle von Redmond Pie wurde die Facebook Seite drei Mal in Folge durch jeweils neue Beschwerden vom Netz genommen. Redmond Pie hatte insofern Glück, als der Beschwerdeführer zwar irgendeine E-Mail-Adresse eingetragen hatte, es diese aber letztlich tatsächlich gab und der an sich unbeteiligte Dritte sich bereit erklärte, bei Facebook die Beilegung des Konfliktes zu melden.

Noch einmal: Facebook nahm Redmond Pie aufgrund einer Beschwerde vom Netz, die mit nicht existierenden Personendaten abgesendet wurde. Nachvollziehbarerweise ist es extrem schwer, einen Konflikt mit jemandem zu klären, der überhaupt nicht existiert. Darüber in Kenntnis gesetzt, reagierte Facebook teils gar nicht, teils mit aus Textbausteinen zusammengestöpselten Standardmails. Mittlerweile, allerdings ganz klar nur aufgrund des Veröffentlichungsdrucks, ist Redmond Pie wieder online.

Im Falle von Rewriting Technology stimmte zwar die E-Mail-Adresse, jedoch die übrigen Daten nicht. So konnte der Betreiber zwar per E-Mail mit dem Beschwerdeführer korrespondieren, der sich jedoch letztlich als Erpresser herausstellte. Direkt gegen ihn vorgehen konnte der Betreiber nicht, weil er Namen und Adresse nicht kannte. Nur durch eigene Ermittlungen fand der Betreiber von Rewriting Technology die echte Kontaktadresse heraus, drohte dem Erpresser mit Strafverfolgung und erhielt letztlich seine Facebook-Seite zurück.

Die offensichtlichen Fragen bleiben in allen Fällen jedoch offen.

Facebook könnte, wenn es wollte

So wäre es für Facebook ein leichtes, zumindest die Echtheit der E-Mail-Adresse zu prüfen, um sicher zu stellen, dass Kommunikation zwischen den Parteien überhaupt stattfinden kann. Dazu würde eine simple Bestätigungsmail mit der Aufforderung, die Beschwerde durch nochmaliges Klicken auf einen in der E-Mail befindlichen Link zu aktivieren, bereits genügen.

Wollte Facebook seine Kunden noch besser vor falschen Anschuldigungen schützen, so könnte man auch die Verwendung einer E-Mail-Adresse zur Verpflichtung machen, die durch die TLD erkennen lässt, dass sie zu dem Unternehmen, welches Rechtsverletzungen geltend macht, gehört. Viele weitere Mechanismen wären vorstellbar, so etwa ein Rückruf des Beschwerdeführer durch Facebook-Personal. Bei Beschwerden mit so weitreichenden und unmittelbaren Folgen wäre es auch nicht zuviel verlangt, diese auf die Einreichung per Fax oder Post zu beschränken.

Aber, solange nicht einmal die Gültigkeit der E-Mail-Adresse an sich überprüft wird, ist alles andere reinstes Wunschdenken. Gegenüber Redmond Pie hat Facebook inzwischen eine Stellungnahme abgegeben. Darin behauptet Facebook, sich nach Kräften zu bemühen, rechtswidrige Beschwerden im Vorfeld zu erkennen. Sogar ein spezialisiertes Team habe man gebildet und in vielen Fällen würde man bei Beschwerden zunächst weitere Beweise für die behaupteten Rechtsverletzungen anfordern. Glaubhaft ist das nicht und die Erfahrungen der Betroffenen sprechen eine andere Sprache.

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7 Antworten
  1. von Lori am 29.04.2011 (10:47Uhr)

    Hui! Ein wirklich toller Artikel, denn auch bei fb ist nicht immer alles in Ordnung! Ich habe mich auch schon einige mal mehr geärgert, da der mich nicht als Administrator meiner Fanpage erkennt und ich dann immer mit meinem eigentlichen Namen was poste. Letztens konnte ich nicht einmal Bilder auf die Fanpage laden. Das nervt echt! ....aber wenigstens wurde meine Page nicht gelöscht! ;-)

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  2. von Peter am 29.04.2011 (11:10Uhr)

    Leute, lest doch. Die werden nicht gelöscht, die werden deaktiviert. Also Kategorie ärgerlich, nicht tödlich. Und wer seine Prsäenz komplett in die Hand von Drittanbietern legt muss eben damit rechnen, dass man das Management seiner Daten nicht selbst in der Hand hat. Ich finde es gut, dass solche Schwächen aufgezeigt werden um eben selbst im Vorfeld zu wissen, zu was für Problemen das führen kann.

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  3. von Christof am 29.04.2011 (11:19Uhr)

    Das mit der Domain checken ist nicht praktikabel, viele Unternehmen haben andere Domains zum Mailen als die des Unternehmens an sich.
    Praktikabel wäre hingegen ein Bestätigungslink, den man ja bei so fast Allem kriegt, wo es um Accounts etc. geht. Erst wenn dieser Link betätigt wurde ist die Mail als echt zu zählen und der Prozess geht weiter. Allerdings schützt das auch nicht vor Einmalmailern wie Mailinator etc. Wobei man zumindest bei Mailinator als Beschuldigter ja dann auch an den Posteingang rankommt ;-)

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  4. von Jason am 29.04.2011 (12:12Uhr)

    Unglaublich finde ich eigentlich nur, dass Facebook rein garnichts unternimmt. Die Lösung z.B. dieses Problems ist nun technisch wirklich keine Herausforderung. Es gibt diese "Probleme" seit Monaten, worüber in entsprechenden Foren diskutiert wird ohne irgendwelche Anleitungen zur veröffentlichen. Zahlreiche Mails an Facebook, mit der Meldung von kritischen Lücken, werden mit konfusen Textbausteinen beantwortet. Das kann ja nicht deren Ernst sein, wenn der Betreff der Mail lautet "Ich habe Zugang zu einem anderen Profil" mit einer ausführlichen Anleitung an Facebook, wie man diesen Fehler reproduziert bzw. die Lücke ausnutzt.

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  5. von seppelkarli am 29.04.2011 (13:54Uhr)

    @Alle diejenigen die sich darüber mockieren dass eine "Anleitung" gepostet wird.
    Ihr seid die größten Noobs oder?
    Klickt ihr D*lacks auch mal ein bischen durch eure Profilsettings und/oder die facebook Hilfebereiche? Wen man lesen kann, braucht man keine Anleitung. Alles was hier im Artikel steht kann und konnte man schon immer selbst machen.
    Mitdenken Freunde! Zur Hürnübung ein kleines logisches Gedankenspiel.......
    Was passiert wenn Facebook das Problem nicht in den Griff bekommt ?
    Erst haben die Besucher keinen Bock mehr und dann folgen die Unternehmen.
    Und schon reiht sich Facebook an andere in den letzten Jahren Hochgelobte und schnell vergessene Networks wie Secondlife, Myspace uvm.

    Schon alleine um die Qualität eines Produktes zu verbessern sollten die Benutzer um die Schwächen wissen.

    Also Ball flach und nachdenken....
    Frohe Ostern

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  6. von robbz am 30.04.2011 (10:23Uhr)

    @seppelkarli : Da hätte ich jetzt gerne auf "gefällt mir" geklickt :-)

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  7. von Thomas Lenz am 04.11.2011 (17:41Uhr)

    Sehr spannender Artikel. Was kann ich denn tun, wenn meine Fanseite plötzlich nicht mehr erreichbar ist und ich keinen erkennbaren Grund dafür entdecken kann? Wird man von Facebook automatisch benachrichtigt, wenn jemand die Seite nach der oben beschriebenen Methode hat sperren lassen und wenn ja ,wie?

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