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Facebook forever: Wie Mark Zuckerberg am Internet-Giganten des 21. Jahrhunderts baut [Kolumne]

Facebook forever: Wie Mark Zuckerberg am Internet-Giganten des 21. Jahrhunderts baut [Kolumne]

Happy Birthday, Facebook! Tatsächlich zwölf Jahre ist das weltgrößte Social Network schon alt – und gleichzeitig so kraftstrotzend wie nie. ist die Transformation vom sozialen Netzwerk zum Internet-Universum gelungen. Mit Alphabet ringt in den kommenden Jahren nun buchstäblich um die Vorherrschaft in der digitalen Wirtschaft. Die Wall-Street-Valley-Kolumne von Nils Jacobsen.

Mit Facebook ist es ein bisschen wie mit Kindern: Sie werden schnell alt. Unglaubliche zwölf Jahre gibt es das weltgrößte Social Network jetzt schon – wie die Zeit verfliegt! Es kommt einem wie gestern vor: Das erste Status-Update, die erste Poserei mit tollen Urlaubsfotos, der erste Facebook-Flirt – was haben wir nicht alles prokrastiniert in diesem Parallel-Universum.

Als Wirtschaftsunternehmen betrachtet, ist das Social Network, dessen wirren Anfangstagen im Studentenwohnheim von Harvard schon Hollywood einen Blockbuster widmete, unterdessen längst erwachsen geworden.

Enorme Wertzuwächse nach holprigem Start

„Facebook ist erwachsen geworden.“

Dabei begann es holprig: Spektakulär verpatzte Facebook seinen Börsengang im Mai 2012, als Mark Zuckerberg das Social Network gänzlich ohne mobile Werbeerlöse an die Wall Street führte – und trotzdem eine satte Bewertung von 100 Milliarden US-Dollar aufrief. Für die Wall Street war das damals zu teuer: Die Börse blickte lediglich auf das bereits nachlassende Wachstum der Desktop-Werbeerlöse und verstand nicht annähernd das Potenzial, das in der mobilen Nutzung von Facebook steckte. Die Folge: Die Aktie fiel binnen weniger Monate vom Ausgabekurs bei 42 US-Dollar auf gerade mal 17 US-Dollar zurück.

Wer im Herbst 2012 zu diesen Tiefstkursen zugegriffen hat, konnte einen der spektakulärsten Zuwächse der jüngeren Börsengeschichte verbuchen: Tatsächlich 100 US-Dollar höher blinkten die Notierungen in dieser Woche auf, als Facebook schon wieder neue Allzeithochs an der Wall Street aufstellte.

Weihnachtsquartal elektrisiert die Wall Street

Auslöser für die jüngsten Kurszuwächse von mehr als 20 Prozent binnen der vergangenen Woche: Facebooks bärenstarke Geschäftszahlen für das abgelaufene Weihnachtsquartal. Konzernchef Mark Zuckerberg konnte für den Dreimonatszeitraum von Anfang Oktober bis Ende Dezember nach jeder Lesart die Erwartungen der Wall Street übertreffen.

So zogen die Umsätze im vierten Quartal um 52 Prozent auf 5,87 Milliarden US-Dollar an – Analysten hatten lediglich mit 5,37 Milliarden gerechnet. Bemerkenswert ist die Dynamik von Facebooks Geschäftsentwicklung: Im Vergleich zu den Vorquartalen, in denen die Erlöse um 41 beziehungsweise 39 Prozent zulegten, beschleunigte sich das Umsatzwachstum nochmals.

Transformation zum Mobil-Unternehmen

Das gilt in noch größerem Maße für die Gewinnentwicklung. Im Weihnachtsquartal explodierte der Nettogewinn förmlich: Die Gewinne zogen um 117 Prozent von 701 Millionen auf nun schon 1,52 Milliarden US-Dollar oder 0,54 US-Dollar je Aktie an. Analysten hatten lediglich mit 0,43 US-Dollar je Anteilsschein gerechnet.

(Foto: Radu Bercan / Shutterstock.com)
Facebook hat sein mobiles Wachstum konsequent monetarisiert. (Foto: Radu Bercan / Shutterstock.com)

Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie konsequent Facebook sein mobiles Wachstum monetarisiert hat: Schon 80 Prozent der Werbeerlöse erzielt Facebook durch das Ausspielen mobiler Anzeigen auf Smartphones und Tablets. Wie sehr sich das weltgrößte Social Network inzwischen zur mobilen Plattform gewandelt hat, unterstreichen auch die Statistiken zur Nutzung: Schon 823 Millionen Menschen nutzen Facebook ausschließlich mobil; 1,44 Milliarden loggen sich mindestens einmal im Monat über Smartphone oder Tablet ein.

Aggressive App-Strategie und mutige Zukäufe wie WhatsApp

Doch das ist nur die eine Seite der bekannten Erfolgsgeschichte. Im Hintergrund hat Mark Zuckerberg vor ein paar Jahren damit begonnen, die beliebtesten Funktionalitäten des wie Singles eines Erfolgsalbums als Standalone-App auszukoppeln. Mal gehen sie unter wie Paper und Moments, mal aber gewinnt die eigenständige App zusätzliche Eigendynamik wie der Facebook Messenger, den inzwischen mehr als 800 Millionen Menschen nutzen.

Nur wenige Produkte sind so gut, dass man sich den frühzeitigen Aufbau einer Marke ersparen kann. Für Startups bietet sich die Lean-Brand an. (Foto: Shutterstock)
Vor zwei Jahren kaufte Facebook WhatsApp. (Foto: Shutterstock)

Und wenn es nicht schnell genug mit eigenen Anwendungen geht, scheut Gründer Mark Zuckerberg auch nicht das große Risiko und zückt schon mal eine zweistellige Milliardensumme, um einen Konkurrenten nicht groß werden zu lassen – wie im Falle des beliebtesten Messengers WhatsApp, den sich Facebook vor zwei Jahren für stolze 22 Milliarden US-Dollar sicherte. Die Rechnung ging zumindest nach dem Mitgliederwachstum auf – erst in dieser Woche konnte Gründer Jan Koum den Durchbruch durch die Milliarden-Nutzer-Grenze vermelden.

Instagram als Königsakquisition

Als eigentliche Königsakquisition von Zuckerberg gilt indes eine Übernahme aus dem April 2012, die einen Monat vor dem Börsengang zunächst wie ein Panikkauf aussah: Facebook sicherte sich damals für eine Milliarde US-Dollar das gerade mal drei Jahre alte Startup Instagram, das seinerzeit 13 Mitarbeiter beschäftigte und keinen US-Dollar Umsatz erzielte.

Neirfy / Shutterstock.com
Von 25 auf 400 Millionen Nutzer: Unter Facebook konnte Instagram ordentlich zulegen. (Foto: Neirfy / Shutterstock.com)

Dafür galt Instagram mit seiner unkomplizierten Art, mobil Fotos zu teilen, als große Wette auf die nächste Generation der sozialen Netzwerke. Die Wette ging auf: In den ersten dreieinhalb Jahren unter dem Dach des neuen Mutterkonzerns konnte Instagram seine Nutzerzahl von 25 auf 400 Millionen vervielfachen. Kurz vor dem Durchbruch durch die Schallmauer von einer halben Milliarde Nutzer legt Facebook nun den Schalter um und beginnt mit der Monetarisierung von Instagram.

Langfrist-Duell mit Alphabet

Die Wall Street ist vom Erlöspotenzial Instagrams begeistert, zumal das Foto-Netzwerk wie prädestiniert für die Einbettung von hochwertigen Anzeigen von Markenartikeln erscheint – COO Sheryl Sandberg nannte die im Weihnachtsquartal erzielten Umsätze bereits „ansehnlich“. Die Analysten der Credit Suisse rechnen unterdessen damit, dass Instagram in diesem Geschäftsjahr bereits drei Milliarden US-Dollar und 2017 schon 5,3 Milliarden US-Dollar zu Facebooks Gesamterlösen beitragen kann.

Entsprechend optimistisch beurteilt die Börse Facebooks weiteres Potenzial, das durch weitere zukunftsweisende Akquisitionen wie etwa vom Virtual-Reality-Headset-Anbieter Oculus auch im nächsten Jahrzehnt schier unbegrenzt erscheint. Reihenweise stuften die Banken ihre Kursziele nach den jüngsten Quartalszahlen in den vergangenen Tagen hoch – die Credit Suisse sieht nun ein Kursziel von 140 US-Dollar je Aktie, die Deutsche Bank von 145 US-Dollar.

Schon jetzt hat Mark Zuckerberg ein langfristiges Unternehmensziel erreicht: Mit einem Börsenwert von 325 Milliarden US-Dollar zählt Facebook schon zu den vier wertvollsten Konzernen der Welt – hinter Microsoft, Apple und Alphabet. Das Duell um die Vorherrschaft im Internet dürfte damit langfristig auch zum Duell um die Vorherrschaft an der Wall Street werden: Facebook versus Alphabet. Was für historische Zeiten!

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Eine Antwort
  1. von grosssmutttr am 04.02.2016 (17:59 Uhr)

    Netter Artikel, jedoch bezweifle ich, dass Facebook in Zukunft mit Alphabet/Google verglichen werden kann. Googles Investitionen sind doch weitaus diversifizierter als diejenigen von Facebook und deshalb räume ich Google ein weitaus höheres Wachstumspotenzial ein.

    Vorallem wenn es um die Automobilbranche der Zukunft geht oder Themen wie Robotics. Hier wird Google noch eine sehr wichtige Rolle spielen wohingegen ich bei Facebook keine essenziellen Investments in beiden Bereichen sehen konnte.

    Naja, was dieser "Mark" bisher geschaffen hat ist trotzdem mehr als zu bewundern.

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