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Facebook Home: Wie Facebooks Launcher Android in den Hintergrund schiebt

hat am gestrigen Donnerstag vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Nutzeroberfläche – oder ein Layer – für , mit dem Funktionen und Inhalte des blauen sozialen Netzwerks in den Vordergrund gerückt werden. Googles wird so zu einer Basis für das Ökosystem degradiert.

Facebook Home: Wie Facebooks Launcher Android in den Hintergrund schiebt

Facebook Home macht aus euren Androiden Facebook-Phones

Facebook hat gestern kein Facebook-Phone vorgestellt, ebensowenig hat das Unternehmen ein eigenes Betriebssystem entwickelt oder einen „Fork“ konzipiert, der auf Android basiert, wie beispielsweise Amazon ihn bei seinen Kindle Fire-Tablets nutzt. Stattdessen hat Facebook es sich einfach gemacht. Denn bei Facebook Home handelt es sich um einen App-Launcher, einen Homescreen-Ersatz und eine Art Software-Paket mit allen Apps, die aus dem Hause Facebook stammen. Dieses Paket wird gewissermaßen zwischen Nutzer und das eigentliche Android-System gesetzt. Googles eigene Plattform dient nur noch als ein Vehikel für Facebooks eigenes Ökosystem.

Das HTC First ist das erste Smartphone, das ab Werk mit Facebook Home ausgerüstet ist – quasi Facebook-Phone Nummer eins. (Bild: HTC)

Facebook Home kurz erklärt: Bei diesem neuen Produkt handelt es sich im weitesten Sinne eine Sammlung von Apps, die der Nutzer sich auf seinem Android-Smartphone installieren kann. Kern der Anwendung ist der Sperrbildschirm, der zugleich auch als Kommunikationszentrale dient. Der sogenannte „Cover Feed“ aktualisiert sich laufend im Hintergrund und zeigt neue Inhalte aus dem eigenen Facebook-Stream. Durch Chat-Symbole hat man zudem den Facebook-Messenger immer in greifbarer Nähe. Chats sind stets durch Profilbilder der Kontakte, den „Chat Heads“, in Sichtweite – dabei spielt es keine Rolle, in welcher Anwendung man sich befindet. Facebook Home ist auf einem Android-Phone somit quasi omnipräsent. Alle weiteren Informationen zur Funktionsweise von Facebook Home hat Kollege Jan Tißler in seinem Artikel für euch zusammengefasst.

Facebook Home könnte sich durch die Plattform Android rasch verbreiten

Facebook hat Android als Plattform gewählt, da Googles mobiles OS im Unterschied zu Apples iOS offen und beliebig anpassbar ist. Aus diesem Grund hat auch Amazon Android für die eigenen Ziele erfolgreich „zweckentfremdet“. Der Weg, den Facebook indes mit Home beschreitet, kann in erster Linie mit dem von Hardware-Herstellern wie Samsung und HTC verglichen werden, wobei diese Google und Android noch mehr Raum geben als Facebook es jetzt mit Home tut. Dass Facebook Google und Android als Partner für den Launcher auserkoren hat, ist vermutlich auch der breiten Nutzerbasis zu verdanken, denn auf diesem Wege kann Facebook Home Millionen Android-Besitzer erreichen und ihr Device in ein Facebook-Phone umwandeln. Facebook kann somit aus dem Vollen schöpfen – hätte man ein eigenes Phone mit eigenem OS entwickelt, wäre ein schneller Erfolg nicht in Reichweite, auch wenn dieser derzeit ebenso wenig mit Facebook Home gesichert ist – schließlich hängt es von den Nutzern ab, ob sie sich auf das neue Produkt einlassen.

Trotz der umfangreichen Eingriffe in Android gilt Google als Partner des neuen Projekts – man arbeite eng zusammen, heißt es. Dank der Kooperation bleiben der Zugriff auf den Play Store und die Google-Suche (vorerst) bestehen. Der Homescreen, den Mark Zuckerberg als „Seele“ eines Smartphones beschreibt, gehört mit Home aber erst einmal Facebook. Ob Google das gefällt, ist durchaus fraglich. Zudem kann als weitere Frage aufgeworfen werden, ob Home-Nutzer ein solches Device dann noch als Android-Smartphone betrachten oder als Facebook-Phone, schließlich tritt Android durch den Launcher stark in den Hintergrund. Ob die Partnerschaft über längere Zeit erhalten bleibt, hängt vermutlich auch davon ab, ob ein weiterer enger Verbündeter, namentlich Microsoft, seine eigene Suche in Facebook Home unterbringen möchte, die in der Desktop-Version des sozialen Netzwerks bereits verankert ist – und davon, ob Facebook das eigene App Center in Zukunft ausbauen wird, um sich von Google unabhängig zu machen. Dass Facebook und Google bezüglich des Launchers sich nicht so ganz einig sind, zeigt sich im Übrigen daran, dass das Google Nexus 4 nicht in der Auflistung der unterstützten Android-Geräte zu finden ist, oder denkt ihr an einen Zufall?

Vorerst werden nur wenige Android-Modelle mit Facebook Home kompatibel sein, dies wird sich allerdings noch ändern. Auch an einer Version für Tablets wird gearbeitet. (Bild: Facebook)

Einige Hersteller wie Samsung und HTC wurden bereits als Partner genannt und haben angekündigt, Facebook Home für einige ihrer Topmodelle wie das Samsung Galaxy S4, das Galaxy S3, das Galaxy Note 2 sowie das HTC One und One X anzubieten. Zukünftig könnten außer dem HTC First noch weitere Smartphones verschiedener Hersteller mit Home als Standard-Launcher angeboten werden, womit Android stärker in den Hintergrund treten dürfte.

Android könnte aufgrund der eigenen Open-Philosophie ins Hintertreffen geraten und Facebook davon im Gegenzug stark profitieren. Ob Nutzer sich aber auf Facebook Home überhaupt einlassen werden, ist noch nicht sicher, obwohl Facebook Home ein regelrechtes „Eye-Candy“ ist. Für die meisten von uns dürfte Facebook Home dennoch nicht als Launcher in Frage kommen, da wir zumeist auf vielen Hochzeiten tanzen, beziehungsweise auch auf Twitter, Google+ und anderen sozialen Plattformen unterwegs sind. Andererseits dürften unter den 688 Millionen Nutzern, die täglich auf Facebook zugreifen, viele sein, die Zuckerbergs soziales Netzwerk als Hauptinformationsquelle und Kommunikationszentrale nutzen. Mit der neuen „Mobile First“-Strategie könnte Facebook genau diese User erreichen und Facebook Home zu einem Erfolg werden lassen.

Was denkt ihr – hat Facebook Google mit Facebook Home ein Kuckucksei ins Nest gelegt? 

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Eine Antwort
  1. von ThomasVoiss am 05.04.2013 (13:27 Uhr)

    Facebbook braucht kein Apple sondern realisiert mit diesem Schritt sein eigenes Apple. Ich habe Android gewählt, weil mir IOS zu verschlossen ist. Nun werde ich Android nicht mit Faccebook abschließen und Facebook tief in mein Android einpflanzen. Die Leute meckern wenn sie ein vom Provider gebrandetes Gerät bekommen und hecheln nun Facebook-Home hinterher? Das einzig schlagende Verkaufsargument, ist der Preis von 99,99 Dollar ohne Vertrag für das HTC , was aber sicherlich auf ein besonderes Klientel abzielt. Ich bin nicht dabei und finde den Hype um einen simplen Launcher wirklich lächerlich. Ich wünsche mir hier mehr Aufklärung. Es geht doch nur ums Daten sammeln und Werbung platzieren. Meine Fazit: Sicherlich werden viele Leute Facebook-Home ausprobieren aber nach kurzer Zeit wieder auf ein offenes Android wechseln. Die wirklichen Socialnet-Freaks verwenden eh Tools wie Hootsuite etc.

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