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Digitales Leben

Facebook: Wie Mark Zuckerberg die Welt mit Gratis-Internet erobern will

    Facebook: Wie Mark Zuckerberg die Welt mit Gratis-Internet erobern will

Facebook: Mit kostenlosen Internetzugängen um die Welt. (Bild: Facebook)

Facebook hat mehr als eine Milliarde Menschen miteinander vernetzt, durch den WhatsApp-Zukauf werden es bald noch mehr sein. Doch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg reicht das nicht. Mit kostenlosem Internettarifen will er jetzt auch in der Dritten Welt für Aufbruch sorgen – allerdings nicht ohne Kalkül.

Die Vernetzung der Welt: Facebook greift nach 6 Milliarden Menschen

Wer Visionen hat, soll bekanntlich zum Arzt gehen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat am gestrigen Nachmittag lieber den Mobile World Congress in Barcelona aufgesucht, um dem Publikum seine ehrgeizigen Zukunftspläne für eine rundum vernetzte Welt zu erklären. Einen besseren Zeitpunkt hätte es dafür kaum geben können, schließlich hat sich das weltweit größte Soziale Netzwerk erst vor wenigen Tagen den weltweit größten mobilen Messenger-Dienst WhatsApp einverleibt. Und so beginnt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Gespräch mit einem Journalisten an genau dieser Stelle – und zeichnet dabei das beeindruckende wie fragwürdige Bild einer Zukunft, in der selbst ein verarmter äthiopischer Kaffeefarmer dank Smartphone und kostenlosem Internetzugang einen Wikipedia-Artikel mit seinen Facebook-Kontakten teilen kann.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat eine Vision: Er will mit einem mobilen Internetkonzept rund zwei Drittel der Weltbevölkerung an das Netz und damit an Facebook und WhatsApp binden. (Foto: Christian Lewandrowski)
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat eine Vision: Er will mit einem mobilen Internetkonzept rund zwei Drittel der Weltbevölkerung an das Netz und damit an Facebook und WhatsApp binden. (Foto: Christian Lewandrowski)

„80 Prozent der Erdbevölkerung leben in 3G-Netzen, nutzen sie aber nicht.“

WhatsApp sei auf dem Weg, mehr als eine Milliarde Nutzer zu verbinden. „Das gelingt keinem anderen Anbieter“, sagte Zuckerberg in Barcelona und fügte zugleich hinzu, dass durch den WhatsApp-Kauf auch Facebook noch mehr Nutzer erreichen werde. Wie viele es kurz- bis mittelfristig genau sein werden, dazu macht der 29-jährige Multimilliardär keine Angaben, doch langfristig peilt er zwei Drittel der Erdbevölkerung an.

Wie Zuckerberg erklärt, besitzen nur rund eine Milliarde Menschen auf der Welt ein Mobiltelefon. Das ist wenig, immerhin leben inzwischen mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Und genau hier hat der Facebook-Gründer eine Lücke für sich, seine Nutzer und die Mobilfunkbetreiber ausgemacht: „Erstaunlich ist, dass 80 Prozent dieser Menschen in Gebieten leben, die bereits über eine mobile Netzabdeckung nach 2G- und 3G-Standard verfügen“, so Zuckerberg.

Facebook will kostenlosen Zugriff auf Nachrichten, Suchmaschinen und Soziale Netzwerke

Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sollen dank Facebook kostenlos auf Soziale Netzwerke, Nachrichten und Suchmaschinen zugreifen können. (Screenshot: Facebook for Business)
Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sollen kostenlos auf Soziale Netzwerke, Nachrichten und Suchmaschinen zugreifen können. (Screenshot: Facebook for Business)

Zwar gibt inzwischen so viele Mobiltelefone wie es Menschen auf der Welt gibt, doch der Facebook-Gründer sieht das Problem hinter der prozentual gesehen geringen Teilhabe am Internet andernorts. Nicht das Smartphone verbinde die Nutzer mit dem Internet, sondern die entsprechenden Datentarife. Fallende Smartphone-Preise machen die Geräte laut Zuckerberg zwar auch in Schwellen- und Entwicklungsländern erschwinglich, doch ohne bezahlbaren Internetzugang blieben den dort lebenden Menschen viele Funktionen des Smartphones verwehrt.

Deshalb hat Zuckerberg gemeinsam mit Partnern wie Samsung oder Nokia die Initiative Internet.org gestartet. Das Ziel sei es, in Kooperation mit nationalen Mobilfunkbetreibern einen einfachen Internetzugang und damit Nachrichten, Internetsuche und Soziale Netzwerke im besten Fall kostenlos zur Verfügung zu stellen, erklärt Zuckerberg. Sein Kalkül: Die bisher vom Internet ausgeschlossenen Teile der Erdbevölkerung sollen schnell und effektiv ans Netz und damit zwangsläufig auch an Facebook und WhatsApp gebunden werden.

Alle sollen profitieren – vor allem aber Facebook

Das Projekt nimmt schon erste Züge an. Wie Zuckerberg sagte, kooperiert Facebook dazu „mit drei bis fünf“ Mobilfunkbetreibern. Vorerst sollen vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer in Afrika, Südamerika und Asien in den Genuss dieser Angebote kommen. In Paraguay und den Philippinen konnte das Soziale Netzwerk die ersten Netzbetreiber schon überzeugen. Wer dort im Besitz eines Smartphones ist, kann Facebook kostenlos nutzen. In einem nächsten Schritt soll dieses Angebot auf andere Internetdienste ausgeweitet werden.

„Die Netzbetreiber werden später an den Gratis-Tarifen verdienen.“

Wie profitieren nun auch die Netzbetreiber davon, wenn sie die wichtigsten Smartphone-Funktionen ihren Kunden kostenlos zur Verfügung stellen? Zuckerberg hat hier eine Idee: Durch die Berührung mit textlastigen Smartphone-Funktionen wie zum Beispiel Nachrichten oder SMS sollen die Menschen in Entwicklungsländern lernen, den wirklichen Nutzen von Smartphones und Internet zu entdecken. „Sobald das passiert ist, werden die Menschen ganz sicher auch an Video- und Streaminginhalten Gefallen finden“, so Zuckerberg. „Dann können die Netzbetreiber ihren Kunden kostenpflichtige Tarife verkaufen.“

So soll sie also aussehen, die Zukunft der vernetzten Welt in den Augen von Mark Zuckerberg. Mit dem Projekt stellt sich das Soziale Netzwerk in erster Linie in den Dienst der guten Sache. Das betont der Facebook-Gründer auch: „Internet.org wird der Welt gut tun“, sagte er zum Abschluss in Barcelona. Gefallen lassen muss sich Zuckerberg die Frage nach dem profitablen Nutzen trotzdem und beantwortet sie damit, dass Facebook mit dem Projekt kurzfristig sicher kein Geld verdienen werde. „Langfristig wollen wir so die gesamte Welt vernetzen“, so Zuckerberg. Und das bringt dann auch Facebook viele profitable Nutzer.

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8 Reaktionen
Michael Freiermuth
Michael Freiermuth

Gibt er dem verarmten Kaffeebauern auch zuerst mal einen Kurs im Lesen und Schreiben und gibt es in der Sprache, welche der Kaffeebauer spricht, auch Internet-Inhalte?? Sonst bräuchte dieser erst mal einen Englisch-Kurs.

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Peter Krause
Peter Krause

Löblich? Naja würde ich mit einem dicken Fragezeichen hinterlegen. Das ist meiner Meinung nach ein reines Modell von Facebook sich noch stärker zu positionieren und gleichzeitig die Netzbetreiber unter Druck zu setzen. Wer übernimmt die Finanzierung bei dem dann benötigten Ausbau wenn alle ins "kostenlose" Netz gehen wollen? Da muss schon ein anderes Modell her. Aber eins muss man dem Buben lassen, Ideen hat er, schön verpackt unter dem Deckmantel Bildung eine Konsumidee zu platzieren.. Ein Wolf im Schafspelz?

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David B.
David B.

Ich musste kurz auf meinen Kalender schauen, leider ist heute nicht der 1. April. Aber eine gute Sache hätte die Aktion, so würden unsere Likes auch endlich bei den Betroffenen ankommen.

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Daniel Hüfner

Hallo liebe Leser,

kurz zu euren Anmerkungen:

@rainwebs

Natürlich ist die Initiative von Mark Zuckerberg in erster Linie lobenswert und auch angesichts der nachvollziehbar von ihm genannten Zahlen sehr zu begrüßen. Diese Vision soll der Artikel auch in keiner Weise schmälern. Dennoch gehört es nun einmal dazu, dass man solche Projekte immer auch kritisch hinterfragen muss. Mark Zuckerberg ist kein Wohltäter losgelöst von allen Bestrebungen nach Profit. Natürlich ist Internet.org für die betroffenen Menschen erst einmal etwas Gutes, aber in der Konsequenz daraus (sofern das Konzept aufgeht) sieht eben auch Facebook darin einen Weg, seine Nutzerzahlen in den nächsten Jahren so zu steigern und an sich zu binden. Das ist legitimer Teil des Geschäftsmodells, doch unter den Teppich kehren darf man den aus meiner Sicht eben nicht.

@Jonas: Danke für Deinen Hinweis, der Fehler ist korrigiert. Das kommt davon, wenn man Altersangaben erst einmal mit einer „Schätzung“ im Artikel parkt, um im Schreibfluss zu bleiben – die Korrektur am Ende aber übersieht. :-)

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Jonas
Jonas

Der Richtigkeit halber:
Der junge Herr Baujahr 84, somit nicht 26 sondern 29...

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rainwebs
rainwebs

Schade, dass ihr nicht in der Lage seid, sachlich über solche Entwicklungen zu berichten. Nur weil ein kommerzielles Interesse dahinter steht (ein Grund, warum es diese Seite gibt und ich ein Abo bei Euch habe ;-)), eine Vision so zu bewerten, bevor erste konkrete Ergebnisse vorliegen, ist befremdlich. Ohne die Bestrebungen der Internet-Grössen seit Mitte der 1990er wären wir heute kaum soweit all die vielen Selbstverständlichkeiten des Netzes zu geniessen. Wäre schön, wenn ab und an auch mal auf die Pionierleistungen geschaut werden würde.

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pixagentur
pixagentur

Klar, das kommerzielle Szenario ist etwas erschreckend. Man könnte schon fast Angst vor dem Imperator bekommen.

Aber es würde auch einen Vorteil bringen. Wissen und Bildung könnte so mit viel mehr Menschen geteilt werden. Der Zugang zu Bildung ist nicht allen Menschen möglich. Mit einem solchen Projekt könnte es vielleicht möglich sein mehr Menschen diesen Zugang zu ermöglichen.

Man muss nicht alles gut heißen was Facebook macht und wie es mit Daten der User umgeht, aber bislang hat es mich nicht ärmer oder dümmer gemacht. Wenn also mit einem solchen Projekt den Menschen ein besser Zugang zu Bildung ermöglicht wird, dann kann ich das begrüßen.

Außerdem müssen die User auch nicht unbedingt User bei Facebook bleiben, wenn sie den erstmal Zugang zu anderen Inhalten im Web erhalten.

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Bitcoiner
Bitcoiner

Ich hoffe mal das der Ansturm auf Alternative Dienste wie z.B. Telegram Messenger noch länger anhält und Facebook + Whatsapp auch langfristig Nutzer verlieren. Solch eine hinterlistige wie Internet.org braucht die Menschheit nicht.

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