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Facebook lässt wählen und keiner bekommt einen Wahlzettel

ruft zur Abstimmung über die Datenverwendungsrichtlinien auf - so sollte die Überschrift eigentlich lauten. Doch ein Aufruf ist das, was Facebook macht, ganz sicher nicht – dabei geht die Abstimmung jeden Facebook-Nutzer an.

Facebook lässt wählen und keiner bekommt einen Wahlzettel

Facebook und die versteckte Abstimmung

Seit längerer Zeit schon versucht Facebook seine Datenverwendungsrichtlinien zu ändern. Mehrere Anläufe scheiterten am Protest der Nutzer, doch jetzt soll eine Abstimmung endgültig für Klarheit sorgen. Über 900 Millionen Nutzer sind weltweit dazu berechtigt ihre Stimme abzugeben - wenn sie denn von der Abstimmung wüssten. Wie schon bei den vorherigen Vorschlägen setzt Facebook auch diesmal wieder auf eine wohldosierte (Nicht-)Information.

Mit einer Abstimmung sollen die neuen Facebook Datenverwendungsrichtlinien nun endgültig eingeführt werden (Screenshot: Facebook Site Governance).

Während die 2,1 Millionen Nutzer, die Fans der Seite „Facebook Site Goverance“ sind, von der Abstimmung erfahren haben, stehen die restlichen 898 Millionen Nutzer weiter im Dunklen. Die Facebook Deutschland GmbH informierte zumindest die Presse über einen Verteiler. Inwieweit das auch international geschehen ist, ist nicht bekannt. Insgesamt sind etwa 270 Millionen Nutzer (30 Prozent) notwendig, um die Abstimmung für Facebook bindend zu machen.

Dabei gehört diese Art der Informationspolitik schon lange zu den größten Kritikpunkten der Datenschützer, geändert hat sich daran allerdings nichts. Technisch wäre es für Facebook sicherlich kein Problem mit einem Popup im Stream aller Nutzer auf die Abstimmung aufmerksam zu machen, die schon seit dem 1. Juni läuft und am 8. Juni um 18:00 Uhr (MEZ) endet.

Auszüge aus der „Abstimmung über die Regelung der Nutzung von Facebook“

Facebooks Vize-Präsident für „Communications, Public Policy und Marketing“ schreibt als Einleitung der Abstimmung:

Facebook ist stets bestrebt, ein transparenter und verantwortungsbewusster Dienstleister für unsere Nutzer zu sein, der schnell auf deren Anliegen reagiert. Deshalb suchen wir ständig nach neuen Wegen und Möglichkeiten, eine sinnvolle Nutzerbeteiligung in die Überprüfung unserer Richtlinien und Verfahren einzubringen.

Davon kann bei dieser Abstimmung aber wohl keine Rede sein, denn die Mehrzahl der Nutzer wird von der Abstimmung nie etwas mitbekommen. Selbst wenn sie Fan der Governance-Seite sein sollten, gibt es immer noch genügend Nutzer, die sich nicht jeden Tag bei Facebook einloggen. Hier einen Zeitraum von gerade mal acht Tagen zu wählen, ist schlicht unzureichend.

Auch was das Feedback der Nutzer angeht, sei man sehr aufgeschlossen:

Jedes Mal, wenn wir Änderungen unserer Erklärung der Rechte und Pflichten sowie der Datenverwendungsrichtlinien vorgeschlagen haben, haben wir diese Vorschläge zunächst dir vorgelegt, damit du sie durchlesen und Kommentare bzw. Feedback dazu abgeben konntest, welche wir dann in unsere Überarbeitungen integrieren. Seit Beginn dieses Verfahrens haben wir tatsächlich mehr als 150.000 Kommentare zu vorgeschlagenen Richtlinien bearbeitet und als Reaktion auf diese Dutzende von inhaltlichen Änderungen vorgenommen. Wir nehmen deine Erkenntnisse und Bedenken ernst.

Dennoch gibt es noch immer kein faires Abstimmungsverfahren, dass für jeden Nutzer transparent und einfach erreichbar ist.

Sollten die 30 Prozent der Nutzer, die für eine verpflichtende Bindung an das Abstimmungsergebnis notwendig sind, nicht erreicht werden, könnte Facebook die neuen Datenverwendungsrichtlinien ohne große Probleme einführen - auch gegen den Willen der Nutzer, die von der Abstimmung Gebrauch gemacht haben.

Der „Datenschutz-Aktivist“ Max Schrems empfiehlt bei dieser Wahl zwischen „Pest und Cholera“ übrigens die alte Fassung zu wählen, denn dadurch sei Facebook zu einem erneuten Anlauf verpflichtet. Aktuell haben aber noch nicht einmal 100.000 Nutzer abgestimmt, es fehlen also noch rund 269,9 Millionen in den verbleibenden vier Tagen.

Hier geht es zur Abstimmung der neuen Datenverwendungsrichtlinien von Facebook…

Zwischenstand bei der Abstimmung zu den Datenverwendungsrichtlinien von Facebook - Stand: 04. Juni 2012, 15:30 Uhr.

Weiterführende Links zum Thema Datenverwendungsrichtlinien von Facebook:

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12 Antworten
  1. von René am 04.06.2012 (16:24 Uhr)

    Wann wurde eigentlich das letzte Mal über die t3n Nutzungsbedingungen abgestimmt?https://t3n.de/app/index.php?id=422

    Machen wir uns nichts vor: Natürlich geht Facebook diese Sache nicht sonderlich ehrgeizig an. Aber auf der anderen Seite kenn ich kein Unternehmen, was über seine AGBs oder nutzungsbedingungen abstimmen lässt.

    Also: Klickt die alte oder neue Fassung an, oder lasst es blieben...Sich darüber aufzuregen oder Facebook sonstwas zu unterstellen ist doch nutzlos....

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  2. von Johnny am 04.06.2012 (16:39 Uhr)

    Facebook wird nur an den eigenen Aussagen gemessen... entweder man will halt in positiverem Licht darstehen oder eben nicht. Wenn man aber schon hochgestochen von "Demokratie" spricht, muss man das dann halt auch vernünftig umsetzen oder gleich sein lassen... Doppeltes Eigentor quasi...^^

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  3. von Rüdiger am 04.06.2012 (17:59 Uhr)

    GOOGLE +

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  4. von Carla am 04.06.2012 (21:30 Uhr)

    Natürlich gibt es nur wenige Unternehmen, die über ihre Nutzungsbestimmungen abstimmen lassen. Aber es gibt wahrscheinlich auch nur wenige solcher großen Konstrukte, die regelmäßig so massive Änderungen in seinen Bestimmungen vornimmt, zum Beispiel die angedachte Zwangseinführung der Timeline bei allen Nutzern... .
    Dass das aber auf einem solchen Weg hintenrum passieren muss ist unverständlich. Eine solche "Scheinabstimmung", wenn die Nutzer von nichts wissen ist schon fast heuchlerisch. Nachher dann zu sagen "Wir haben euch ja die Möglichkeit gegeben", wäre schlichtweg lächerlich. Man stelle sich vor in 8 Tagen wäre Bundestagswahl ohne Wahlwerbung und nur Mitglieder der Parteien wüssten Bescheid...

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  5. von huettenzauber am 04.06.2012 (22:52 Uhr)

    ADAC lässt über Tempolimit abstimmen - was soll der Scheiss?

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  6. von wusl am 05.06.2012 (08:57 Uhr)

    da es offensichtlich nicht die absicht von fb ist, tatsächlich eine sinnvolle abstimmung zu bekommen, kann der sinn nur darin liegen, dass zberg & konsorten im nachhinein mosern können: sie hätten ja mehr demokratie zugelassen, aber es interessiert ja keinen. erinnert irgendwie an "per anhalter durch die galaxis".
    wie beim verhauten börsengang zeigt sich hier wieder: wenn es um schnittstellen zum rl geht, sitzen die fb-nerds mitten daneben.

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  7. von sophie am 05.06.2012 (11:30 Uhr)

    ihr könnt doch nich auf "fassung" zu ner brillen seite linken. wasn das fürn schmarn!

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  8. von Tom am 05.06.2012 (12:39 Uhr)

    Ich denk halt vorm Posten darüber nach was ich schreibe und gut ist. Leute, die sich besoffen nach der Party ablichten (80% der User?) dürften die AGB ziemlich egal sein. Sind doch nur ein paar "Freaks" die ständig über den Datenschutz meckern. Mal ehrlich, wer liest sie sich durch bevor er sich (egal wo) anmeldet?

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  9. von Siegmund am 05.06.2012 (13:09 Uhr)

    Das Unternehmen ist in der Not Gewinne zu erziehlen. Mit "free content" und "nicht zielgerichteter" Werbung klappt das nicht. Die neuen Datenverwendungsrichtlinien werden es Facebook einfacher machen dieses Ziel zu erreichen. Die Anleger wollen ja auch etwas verdienen.
    Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass Facebook in absehbarer Zeit "paid content und/oder services" einführt. Die Abrechnungssysteme sind schon vorhanden, Stichwort: Facebook-Gutschriften.
    Jeder der Facebook regelmäßig nutzt, wäre also gut beraten die Zeit zu investieren um die Datenschutzerklärungen oder Datenverwendungsrichtlinien zu lesen. Wie auch immer die Sache ausgeht, "alles für umsonst aber bitte immer schön nach meiner Pfeiffe" kann irgendwann nicht mehr funktionieren.

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  10. von Inaktiver Blogger am 06.06.2012 (16:00 Uhr)

    Ich frage mich, wann die Facebook-Bewegung, die Generation Y, die social media-Gemeinde beginnt, sich gegen das Netzwerk zu stellen, dass sie so stark gemacht hat. Wenn heute Unternehmen (IngDiba, Nestle usw.) mit ihrem Handeln gegen die Ideale der genannten Gruppe verstoßen, werden sie mit shitstorms abgestraft. Facebook hingegen hält dem Stand und lässt vereinzelte Protestler einfach über sich ergehen. Wie lange geht das noch gut?

    In einem sind wir uns hier sicherlich alle einig: Die gesamte Bewegung, der gesamte Trend, sofern man ihn denn als solchen bezeichnen möchte, steht vor allem für aktive Mitbestimmung und kein Zensur.

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  11. von An Dre am 06.06.2012 (19:45 Uhr)

    Modern Stasi

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  12. von An Dre am 06.06.2012 (19:52 Uhr)

    Seite nicht vorhanden o_O

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