Bei über einer Milliarde Mitgliedern ist der Tod längst ein alltäglicher Gast bei Facebook. Trotzdem staunte der Freund eines ReadWrite.com-Autors nicht schlecht, als ihm Anfang November in seiner Timeline angezeigt wurde, einem schon im März verstorbener Freund gefalle eine Seite.
Tote Partygäste
Die Erklärung ist hier vergleichsweise simpel: Solange Facebook der Tod eines Account-Inhabers nicht signalisiert wurde, gilt die Person als aktiv und wird als Testimonal für Marken genutzt, die ihm zu Lebzeiten gefallen haben. Das soziale Netzwerk bietet dazu die Möglichkeit, sein Konto in den „Gedenkzustand" zu versetzen Damit wird die Anzeige in Timelines unterbunden, Tote werden auch nicht mehr als mögliche Freunde vorgeschlagen. Einzig die automatische Gesichtserkennung erkennt nicht, ob die angebliche Person auf dem Partyfoto vom letzten Wochenende nicht tatsächlich schon ein Jahr tot ist – Facebook bedauert, das Unternehmen habe „nicht die technische Fähigkeit" für einen solchen Abgleich.
Unerklärliche Likes auch zu Lebzeiten
Der Autor recherchierte weiter und fand in seiner Timeline und der von Lesern merkwürdige Like-Bekundungen in Promoted Storys. So sollen liberale Freunde die Seite des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney geliked haben, einem Vegetariar gefällt angeblich McDonalds und ein erklärter Auto-Verweigerer soll Fan von Subaru sein. Vom Autoren darauf angesprochen, hätten die Leute geschworen, diese Seiten niemals geliked zu haben.
Vergessen, Versehen, ...?
Ein Facebook-Sprecher erklärte gegenüber ReadWrite.com die Fälle so, die Betroffenen hätten die Likes wohl versehentlich ausgesprochen – etwa über einen falschen Tap in der Mobile App. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sich die Mitglieder schlicht nicht mehr an den Like erinnern können. Wer hat schon noch eine drei Jahre alte „Like-uns-und-bekomme-einen-Milchshake"-McDonald's-Aktion auf dem Schirm?
Von einem ähnlichen Phänomen – ebenfalls bei Facebook – hatten wir im September berichtet. Damals ging die Vermutung um, ehemals als private Nachrichten verschickte Texte seien plötzlich für alle Freunde ersichtlich auf Pinnwänden publiziert. Auch hier schwörten viele Mitglieder Stein auf Bein, die Nachrichten seien privat verschickt worden. Facebook dagegen gab an, das Social Network sei vor einigen Jahren einfach noch anders genutzt worden. Nach wie vor steht Aussage gegen Aussage.
So oder so: Handlungsbedarf für Facebook
Und so müssen auch in Sachen „Likes mit unerklärlicher Herkunft" Beteuerungen und Schwüre von Betroffenen und ein unvorteilhaftes Mark-Zuckerberg-Zitat über seine Kundschaft („they trust me – dumb fucks") als Indizien dafür herhalten, bei Promoted Storys gehe es nicht mit rechten Dingen zu. Aber auch im wahrscheinlicheren Fall – Versehen und Vergesslichkeit – können die vielen irritiert-verärgerten Mitglieder nicht im Sinne von Facebook sein. Hier wäre das Unternehmen gut beraten, Likes und Werbeeinblendungen nachvollziehbarer zu machen.
Teaser-Foto: istolethetv / flickr.com, Lizenz: CC-BY









von René Hornig via facebook 12.12.2012 (12:34Uhr) 1.
[..] Vom Autoren darauf angesprochen, hätten die Leute geschwört, diese Seiten niemals geliked zu haben. [..]geschwört, echt jetzt?
von Johannes Haupt via facebook 12.12.2012 (12:37Uhr) 2.
Ja, vgl. Artikel („And what about all these other “likes” from living people, the ones where someone is credited with “liking” something and they swear they didn’t do it?"). Sicherlich ein stückweit umgangssprachlich, kannst du auch durch „absolut 100%ig total sicher" ersetzen :)
von Julius Arens via facebook 12.12.2012 (12:39Uhr) 3.
"geschwört"?? =)
von Ronny Dohmen via facebook 12.12.2012 (12:42Uhr) 4.
Ich bin auch manches mal über die Like-Angaben ÜBER Verstorbene verwundert.
"52 Menschen bei tragischem Zugunglück gestorben."
--> 113 Personen gefällt das.
von Thomas Grau via facebook 12.12.2012 (12:43Uhr) 5.
Die Geschwörten ... klingt falsch? dann seid ihr dem Fehler auf der Spur!
von René Hornig via facebook 12.12.2012 (12:51Uhr) 6.
@Johannes … mir war der Inhalt der Aussage bewusst aber "geschwört" kenn ich so noch nicht ;)
von Stefan Wölcken via facebook 12.12.2012 (13:09Uhr) 7.
"geschwört"!? "geschworen" ist da sprachlich schöner
von Johannes Haupt via facebook 12.12.2012 (13:37Uhr) 8.
Danke, ist geändert.
von Dennis Ahaus via facebook 12.12.2012 (21:14Uhr) 9.
und wer weiß, vielleicht ist facebook auch nur eine Verschwörung der CIA und der Iraner und in Wirklichkeit sind nur 5000 Menschen bei facebook, alle anderen sind gar nicht echt und nur mit Unterstützung des BND generiert.
von Don Oliviero via facebook 12.12.2012 (21:16Uhr) 10.
Wir leben doch ohnehin in einer Matrix!!;-)