t3n News Marketing

Facebook will Marktführer in Sachen Privatsphäre werden

Facebook will Marktführer in Sachen Privatsphäre werden

will zum Marktführer in den Bereichen Privatsphäre und Transparenz werden. Das verkündete Facebook-CEO in einem Blogpost. Facebook begibt sich daher unter eine freiwillige 20jährige Aufsicht der staatlichen US-Behörde FTC. Facebook als Marktführer bei der Privatsphäre - passt das?

Facebook will Marktführer in Sachen Privatsphäre werden
Plant Mark Zuckerberg, das Abschalten Sozialer Werbeanzeigen durch den Nutzer zu…

Facebooks Privatspäre wird staatlich kontrolliert

Facebook hat eingewilligt, sich für 20 Jahre unter die staatliche Kontrolle der US Federal Trade Commission (FTC) zu stellen. Die Kommission, unter deren Kontrolle sich auch schon Google und Twitter begeben haben, soll Facebook künftig nicht nur kontrollieren, sondern auch dabei helfen neue Standards für die Privatsphäre zu entwickeln. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre in den USA und überall auf der Welt zu erstellen.

Mark Zuckerberg will Facebook zum Marktführer bei der Kontrolle der Privatsphäre machen. (Foto: Andrew Feinberg / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Mit Facebook, Google und Twitter sind nun also alle drei großen Social Networks zur Zusammenarbeit mit der FTC bereit. Das hört sich für die Nutzer, deren Bedürfnis nach Privatsphäre und Transparenz immer größer wird, erst mal nicht schlecht an. Was sich daraus für die Praxis ergibt, wird sich aber noch zeigen müssen. Außerdem handelt es sich bei der neuen Kontrollinstanz für Facebook um eine US-Behörde. Die FTC wird sich daher vornehmlich auf die Bedürfnisse des eigenen Marktes kümmern und die müssen nicht unbedingt deckungsgleich mit den Bedürfnissen der Nutzer in anderen Ländern sein. In Deutschland sind die Menschen gerade im Bezug auf Internetdienste meist sehr viel skeptischer, als in den USA. Was in den USA als vernünftiger Kontrollmechanismus angehen wird, kann von den Nutzern und Datenschützern in Deutschland durchaus als nicht ausreichend erachtet werden.

Wie die Facebook Privatsphäre verbessert werden soll

Facebook will sich nicht nur von der FTC kontrollieren lassen, sondern ihr auch direkte Einblicke in die Entwicklungsarbeit und in die Sicherheitsmechanismen gewähren. Dazu soll es zweimal im Jahr eine unabhängige Überprüfung der beiden Bereiche geben. Facebook will damit sicherstellen, dass die Privatsphäre auch in der Praxis nicht an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeigeht.

Zudem wird Facebook zwei neue Stellen schaffen. Die beiden neuen „Corparate Officer“ sollen die Zusammenarbeit mit der FTC koordinieren und die internen und externen Vorgänge, die dafür notwendig sind, sicherstellen. Die übergeordnete Aufgabe der beiden neuen Positionen erklärt Zuckerberg mit der Sicherstellung der Verankerung der Privatsphäre in alle neuen Produkten und in der Unternehmensausrichtung.

Facebook bekennt sich formal dazu, die Kontrollen über die Privatsphäre und das Sharing so zu gestalten, dass sie nur das tun, was die Nutzer wirklich wollen. Eine einfachere Bedienbarkeit der Privatsphäreneinstellungen wäre sicher ein guter Schritt für alle Nutzer der Plattform.

Facebook & Privatsphäre: Eine komplette Wende? Zuckerberg sieht das anders

Schaut man in die Vergangenheit von Facebook, so muss man nicht lange suchen, um Probleme und Reibungspunkte im Zusammenhang mit der Privatsphäre zu finden. Erst vor wenigen Tagen sorgte das automatische Sharing für neuen Ärger bei der Debatte um die Privatsphäre bei Facebook. Geht man weiter zurück, so finden sich Dinge wie Like-Button-Tracking, Gesichtserkennung und immer wieder standardmäßig sehr offene neue Funktionen auf der Plattform. Mark Zuckerberg selbst machte auch nie einen großen Hehl aus seiner Meinung zur Privatsphäre. In einem Gespräch mit TechCrunch erklärte er dann auch Anfang 2010, dass für ihn die Privatsphäre inzwischen verzichtbar sei.

Eine klare Stellungnahme, doch davon scheint Zuckerberg jetzt nichts mehr wissen zu wollen. In dem Blogpost zur Ankündigung der Zusammenarbeit mit der FTC heißt es beispielsweise gleich im ersten Satz:

I founded Facebook on the idea that people want to share and connect with people in their lives, but to do this everyone needs complete control over who they share with at all times.

Und etwas später:

Overall, I think we have a good history of providing transparency and control over who can see your information.

Etwas halbherzig räumt er dann auch ein paar Fehler ein, die die ansonsten gute Arbeit gelegentlich in den Schatten gestellt hätten:

That said, I'm the first to admit that we've made a bunch of mistakes. In particular, I think that a small number of high profile mistakes, like Beacon four years ago and poor execution as we transitioned our privacy model two years ago, have often overshadowed much of the good work we've done.

Etwas mehr Einsicht hätte man sich hier schon gewünscht und so bleibt letztlich auch ein gutes Stück Skepsis übrig, wenn man an positive Auswirkungen durch die FTC-Kontrolle denkt.

Vielleicht würde es schon helfen, wenn viele Neuerungen, wie beispielsweise die angekündigte Timeline, als dauerhafte Optionen angeboten würden. Zwar soll der in der deutsche Version Chronik genannte Ersatz für die Pinnwand zunächst freiwillig aktivierbar sein, doch Facebook hat bereits deutlich gemacht, dass es künftig keine zwei Welten auf der Plattform geben soll. Dabei will Facebook doch genau zuhören, was die Nutzer sagen:

As we have grown, we have tried our best to listen closely to the people who use Facebook. We also work with regulators, advocates and experts to inform our privacy practices and policies.

Auch an diesen Worten werden sich Mark Zuckerberg und Facebook künftig messen lassen müssen - hier werden dann die Nutzer die Kontrollinstanz sein. Erst wenn dieses Versprechen eingelöst ist, kann Facebook wirklich zum Marktführer bei der Kontrolle der Privatsphäre werden.

Weiterführende Links zum Thema Facebook Privatsphäre:

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
4 Antworten
  1. von rubyist am 30.11.2011 (13:38 Uhr)

    Ich hab da was leuten hören, das es ab dem 1.1.2012 auch den lange gewünschten Weltfrieden geben soll, sowie Essen und Wohlstand für alle...

    Antworten Teilen
  2. von Hannes Schleeh am 30.11.2011 (13:44 Uhr)

    Besser "stattlich" als staatlich kontrolliert! ;-) LOL

    Antworten Teilen
  3. von Roland C. Müller am 30.11.2011 (16:05 Uhr)

    Eine sehr "stattliche" Kontrolle. Wie sich wohl der "Markt" Privatsphäre entwickeln wird? ;-)

    Antworten Teilen
  4. von Sum1 am 01.02.2012 (14:29 Uhr)

    Wie jetzt? Ist die Hölle schon zugefroren?

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Facebook
Ex-Facebook-Mitarbeiter: So blies Mark Zuckerberg zum Kampf gegen Google+
Ex-Facebook-Mitarbeiter: So blies Mark Zuckerberg zum Kampf gegen Google+

Der ehemalige Facebook-Mitarbeiter Antonio García Martínez beschreibt in seinem neuen Buch unter anderem Mark Zuckerbergs Kampf gegen den Social-Network-Rivalen Google+. Sein Fazit: „Das war der … » weiterlesen

Hacker übernehmen Social-Media-Account von Mark Zuckerberg
Hacker übernehmen Social-Media-Account von Mark Zuckerberg

Auch der CEO des weltweit größten sozialen Netzwerks ist nicht vor Hackerangriffen gefeit. Medienberichten zufolge sollen sich Hacker für kurze Zeit Zugriff auf Mark Zuckerbergs Accounts bei … » weiterlesen

Facebook forever: Wie Mark Zuckerberg am Internet-Giganten des 21. Jahrhunderts baut [Kolumne]
Facebook forever: Wie Mark Zuckerberg am Internet-Giganten des 21. Jahrhunderts baut [Kolumne]

Happy Birthday, Facebook! Tatsächlich zwölf Jahre ist das weltgrößte Social Network schon alt – und gleichzeitig so kraftstrotzend wie nie. Mark Zuckerberg ist die Transformation vom sozialen … » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?