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Hilfe, wir verlieren an Reichweite! Learnings aus Facebooks Newsfeed-Update [Kommentar]

Hilfe, wir verlieren an Reichweite! Learnings aus Facebooks Newsfeed-Update [Kommentar]

Immer mehr Seitenbetreiber klagen über einen drastischen Einbruch der organischen Reichweite nach dem Facebook-Newsfeed-Update. Die Konsequenz: Inhalte müssen besser werden!

Hilfe, wir verlieren an Reichweite! Learnings aus Facebooks Newsfeed-Update [Kommentar]

Hilfe wir verlieren an Reichweite! (Screenshot: „Home Alone“ YouTube)

Facebook-Newsfeed-Update: Mehr News, weniger Memes

Facebook war bislang vor allem für eines bekannt: Nämlich eine Meme-Schleuder zu sein. Das ist es was unter anderem Google+- und Twitter-Nutzer dem Sozialen Netzwerk häufig vorwerfen. Die Kritik, dass als Anlaufstelle des täglichen Nachrichtenkonsums kaum noch geeignet ist, steht schon länger im Raum und sie wurde indes nicht selten begleitet von der Aufforderung, dagegen endlich etwas zu tun. Und nun? Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Verantwortlichen im kalifornischen Menlo Park scheinbar einschreiten und Abhilfe leisten. Vergangene Woche berichteten wir über ein Newsfeed-Update, das unter anderem genau dieser Forderung nachkommt.

In einem Blogpost, der die Entscheidung mit Argumenten unterfüttert, heißt es, dass „High Quality Content“ mehr Beachtung beigemessen werden soll. Facebook will scheinbar doch wieder erwachsen werden. Das passt auch, denn die jugendliche Nutzerschaft tummelt sich sowieso mehr und mehr auf der Tochterplattform Instagram – zumindest lesen Interessierte das seit einigen Monaten immer häufiger. Doch nicht nur den Bedürfnissen einiger Nutzer möchte Facebook nachkommen. Auch den Newsseiten soll geholfen werden, das Traffic-Potential noch zu erhöhen. Facebook gilt unter den Medien-Protagonisten – zumindest als Vertriebskanal der eigenen Inhalte – ohnehin als effizientere Variante und bringt wesentlich mehr Besucher als Google+ oder Twitter, vielleicht sogar als beide Mitbewerber zusammen (Anm. d. Redaktion: Vermutung des Autors, die auf eigene Beobachtungen beruht).

Facebooks Argument zur Entscheidung, „mehr Nachrichten, weniger Memes“, stützt sich vor allem auf interne Statistiken, auf die sich das Soziale Netzwerk beruft. Im Oktober dieses Jahres wurde bekanntgegeben, dass im vergangenen Jahr der Traffic zu Nachrichtenportalen um satte 170 Prozent angestiegen sei und Nutzer mehr denn je auf Nachrichten-Links geklickt haben. Entsprechend leicht fällt es den Entscheidern in Kalifornien, auch an der Präsentation der Nachrichteninhalte im Newsfeed zu schrauben. Dem ein oder anderen wird in seinem persönlichen Newsfeed aufgefallen sein, dass unter einigen geteilten Links – bislang hauptsächlich von ZEIT Online und Spiegel Online – zwei bis drei weitere Links zu Nachrichteninhalten angezeigt werden. Ein schönes Feature, das vermutlich noch besser funktionieren würde, wenn es ähnliche Artikel behandelt, die Nutzern quasi mehr Informationen zu einer bestimmten Thematik bieten. Auf der anderen Seite bietet die Ausgabe auch die Möglichkeit, mal aus der Interessen-Bubble auszubrechen.

Facebook-Newsfeed-Updates: Zwei bis drei weitere Links zu Nachrichteninhalten werden künftig angezeigt. (Screenshot: Facebook)
Facebook-Newsfeed-Updates: Zwei bis drei weitere Links zu Nachrichteninhalten werden künftig angezeigt. (Screenshot: Facebook)

Facebook-Newsfeed-Update: Nur noch ein Zehntel der organischen Reichweite

Was nun aus Nutzersicht und vor allem aus Sicht der Nachrichtenportale für gute Stimmung sorgt, stößt anderen eher auf. Seitenbetreiber, die sich vor allem mehr auf Entertainment spezialisiert haben, dürften um ihre Reichweite fürchten; und auch werbliche Inhalte, allen voran von kleinen und mittleren Unternehmen, führen sicherlich nicht mehr zu der Resonanz, die vielleicht in vergangenen Tagen erzielt wurde. Seit einiger Zeit hört man von drastischen Reichweite-Einbrüchen: Auf allfacebook.de berichtet Philipp Roth von Fällen, die nur noch ein Zehntel der organischen Reichweite erzielen. Blogger Daniel Decker vom „Kotzenden Einhorn“ schreibt, dass aktuell nur noch durchschnittlich 1.000 anstatt wie bisher 2.500 Personen seine Inhalte auf Facebook sehen; und reagiert darauf mit dem Versuch, seine Leser auf andere Vertriebskanäle zu ziehen. Dazu kann ich nur sagen: Kann man machen, wird aber keine zielführende Lösung sein, zumindest wenn man auch auf Facebook erfolgreich bleiben möchte.

Doch was können Seitenbetreiber jetzt tun, um die Einbrüche zu kompensieren? Vor allem geht es darum, über kurz oder lang für mehr Qualität zu sorgen. Es wird künftig nicht mehr reichen, einfach nur Bildchen und Videos in den Newsfeed der Menschen zu teilen und zuzuschauen, wie binnen weniger Minuten hunderte bis tausende Likes und Shares generiert werden und die Viral-Granate dafür sorgt, dass sich das Facebook-Klientel nebenbei noch auf die eigene Webseite verirrt. Eine Lösung, die geteilten Inhalte aufzuwerten, könnte im Storytelling liegen – wer seine Nutzer künftig mit unterhaltenden Inhalten erreichen möchte, sollte sich darauf verstehen, auch die Geschichten dazu zu erzählen und im Idealfall Hintergrundwissen zu vermitteln. Auch Werbe- und PR-Seiten könnten mit der Methode ähnlich auf das Newsfeed-Update reagieren.

Eine ganz andere Möglichkeit ist selbstverständlich das Buchen von Anzeigen und Sponsored Posts. Darauf wird es Facebook nicht zuletzt auch anlegen. Was werbliche und PR-lastige Inhalte angeht, so kann ich den Vorstoß aus Nutzersicht auch nur zu gut verstehen und vor allem begrüßen – Werbung unter die Menschen zu bringen kostet nun mal Geld, wieso sollte das auf Sozialen Medien anders laufen? Bleibt allerdings nur zu hoffen, dass sich dennoch der Anteil von Native-Ads nicht unbedingt um ein Vielfaches erhöht. So zu tun, als werte man den Newsfeed qualitativ auf, um ihn im Anschluss mit Sponsored Posts zuzupflastern, würde dazu führen, dass nicht nur die schon gegängelten Seitenbetreiber stöhnen, sondern sich auch Nutzer veräppelt fühlen würden. Eine schmale Gratwanderung für Facebook.

Qualität schlägt Masse; Deal with it!

Ich kann jeden Seitenbetreiber verstehen, der sich nun empört, dass Facebook ihre leider nicht selten irrelevanten Inhalte im Newsfeed abstraft. Es wird auch Nutzer geben, die es schade finden, nicht mehr den heißesten Viral von Coca Cola oder RedBull oder den neuesten Download-Link zum aktuellen Marketing-Whitepaper von Agentur XY im Nachrichtenstrang zu sehen. Doch allgemein begrüße ich den Umstand, dass Facebook stärker an der Qualitätsschraube dreht. Der Großteil der Menschen tummelt sich in dem Sozialen Netzwerk und es zeugt meines Erachtens auch ein Stück weit von Verantwortungsbewusstsein von Facebook, wenn denjenigen beispielsweise Nachrichten zur NSA-Causa oder den Koalitionsverhandlungen bevorzugt ausgegeben werden, anstatt ihnen die zwölfte Katze im Newsfeed zu servieren. Zudem heißt das Update ja auch, dass beispielsweise Werbe- und PR-Abteilungen sich endlich mehr mit ihren Botschaften auseinandersetzen müssen – oder eben für die Beschallung mit kommerziellen Inhalten zahlen. Ich sehe den Trend also durchaus positiv.

Für die Nutzer, die weiterhin ihre Memes sehen wollen, hier der Tipp: Im Idealfall greift ihr auf eine sowieso viel zu wenig genutzte Funktion zurück, um eure individuellen Inhalte sichtbar zu machen. Listen sind tatsächlich die Antwort auf alles: Ich persönlich arbeite beispielsweise mit PR-, Freunde-, News- und Entertainment-Listen. Je nach Bedarf sehe ich also die Inhalte, die ich sehen will, unabhängig davon was im Newsfeed passiert. Versucht es mal.

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8 Antworten
  1. von Nicolai Schwarz am 10.12.2013 (15:17 Uhr)

    Puh. Es ist wirklich eine Unsitte, hierzulande das Wort »Learnings« zu benutzen. In einem redaktionell betreuten Text. In der Überschrift. Ist ja nicht so, als gäbe es im Deutschen dafür keine guten Wörter. Aber ich bin da freilich auch empfindlicher als andere Leute.

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  2. von grau am 10.12.2013 (15:19 Uhr)

    Als Autor von t3n hat man diesbezüglich wirklich leicht reden - die Sichtbarkeit von t3n Beiträgen wird definitiv deutlich weniger unter der neuen handverlesenen Zuckerberg-Timeline leiden als die Sichtbarkeit der FB-Seiten neuer Blogs und Startups.

    Prinzipiell bin ich ebenso für Qualität - allerdings konnte man bereits die Qualität durch das explizite "Ausblenden" von Beiträgen mancher Facebook Seiten im eigenen Newsfeed verbessern.

    Wie bei jedem Social Network gehört Viralität von Statusmeldungen auch bei Facebook imho dazu. Aktuell unterbindet Facebook jedoch jede Möglichkeit für den nichtzahlenden Seitenbetreiber, dass ein Post, Bild oder Meldung viral werden könnte bereits im Keim. Je schneller ein Post viralen Charakter erreicht umso früher wird die Reichweite gecuttet.

    Ich für meinen Teil wünsche mir immer noch die "alte" chronologische, ungefilterte Facebook Timeline zurück, die man SELBST durch Filtern unerwünschter Statusmeldungen durch Apps und Seiten säubern konnte.

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  3. von as am 10.12.2013 (16:47 Uhr)

    Ich betreue eine Facebook-Seite wo wir nur redaktionell ausgewählte Nachrichten verbreiten. Keine Meme-Schleuder, kein Spam, nur seriöse Quellen. Reichweite nach den letzten Timeline-Updates: Von 75% (Anfang des Jahres) auf 2% (letzte Woche) runter. Danke auch, Facebook!

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  4. von Andreas Lenz am 10.12.2013 (18:31 Uhr)

    @as: um welche seite handelt es sich?

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  5. von Heike Matthiesen am 10.12.2013 (20:51 Uhr)

    Ich versuche als Musikerin nicht nur egozuspammen, sondern habe auch immer gerne Nachrichten aus der Musikwelt weitergeteilt. Alle solche Verlinkungen nach außen haben immer schlechtere Sichtungszahlen, als wenn ich immer wieder neue Bilder von mir selbst poste.. Also heißt Qualität für Musiker dann Egospamming, weil nur noch solche Originalpostings halbwegs vernünftige Sichtungen bekommen, ohne daß man ein Vermögen für Werbung investiert?

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  6. von Tom am 13.12.2013 (10:12 Uhr)

    Finde es etwas einfach zu sagen, die FB-Posts müssen jetzt mehr Qualität haben. "Qualität" definiert wohl jede/r anders. Und die wichtigste Frage: Wie definiert Facebook die Qualität eines geposteten Fotos? Wie will Facebook die Qualität von 3 Zeilen Text definieren?
    Also, woher weiß Facebook: Post A hat wenig Qualität, der wird nicht eingeblendet; und Post B hat viel Qualität und wird jetzt eingeblendet. ...??

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  7. von grau am 13.12.2013 (10:45 Uhr)

    @tom: Das komplette Konstrukt ist imho nicht stimmig - einerseits will Facebook wissen, was "Qualität" ist, andererseits kann jeder unqualitativen Schnickschnack per Werbung in den Newsfeed transportieren. Wer Qualität postet und wenn dieser Post in die virale Richtung geht, MUSS der Ersteller Geld einwerfen. Und genau hier hörts bei mir auf das Netzwerk zu verstehen.

    Jugendliche wandern bei Facebook ab? Kein Wunder! Ist zwar nett, dass Facebook für Werbekunden attraktiv werden will, aber ohne Nutzer kein Kunde!

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  8. von Andreas Weck am 13.12.2013 (13:53 Uhr)

    Ich glaube am deutlichsten wird das, wenn man sich das Beispiel "Business Punk" anschaut. Eigentlich ist die Facebook-Seite als Social-Media-Auftritt eines Magazins angelegt. Tatsächlich beschränkt sich ein gehöriger Teil der Inhalte nur auf Bilder und Videos - und die gehen auf FB gehörig ab. Zukünftig "könnte" es jedoch so sein, dass die Inhalte nicht mehr die Reichweite erzielen aufgrund ihrer Art. Business Punk wäre dann vermutlich - laut den Angaben von Facebook - besser beraten, wenn sie beispielsweise Heftartikel online stellen würden oder eben die Bilder hinter einem Link mit Geschichten ausgeben. Dass der Algorithmus nicht in der Lage ist einen guten Text von einem schlechten Text zu unterscheiden ist doch klar. Aber er ist in der Lage einen Text von keinem Text zu unterscheiden.

    Ich denke da will Facebook unter anderem hin.

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