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Facebook Nutzungsregeln: Jetzt abstimmen und eine weitere Farce verhindern [Update]

steht vor einem großen Wandel: Das Mitspracherecht der Nutzer bei Änderungen der Nutzungsbedingungen soll abgeschafft werden. 20.000 zum Teil wütende Nutzerkommentare sorgen jetzt für eine Abstimmung.

Facebook Nutzungsregeln: Jetzt abstimmen und eine weitere Farce verhindern [Update]

Facebook Nutzungsregeln: Künftig kein Mitspracherecht mehr für Nutzer

Bereits im Juni dieses Jahres wollte Facebook die Nutzungsbedingungen der Plattform ändern und machte dazu einen Vorschlag auf der Site Governance Seite. Wie es die selbst auferlegten Statuten wollten, musste letztlich eine Abstimmung unter allen Facebook-Nutzern durchgeführt werden, weil den Änderungsvorschlag mehr als 7.000 Nutzer abgelehnt bzw. kommentiert hatten. Die anschließende Abstimmung geriet dann allerdings zur Farce, weil Facebook vergaß die Nutzer darüber zu informieren. Lediglich die 2,1 Millionen Fans der Facebook Governance Seite bekamen den Hinweis in ihren Newsfeed gepostet. So kam die notwendige Zahl an Wählerstimmen nicht zusammen und Facebook konnte die Änderungen auch gegen den Willen zahlreicher Nutzer durchbringen.

Dass dieses Verfahren so nicht länger haltbar ist, hat nun auch Facebook eingeräumt und Änderungen angekündigt. Für die Nutzer bedeutet das allerdings nichts Gutes, denn künftig soll das eingeräumte Mitspracherecht unter den Tisch fallen: Facebook würde dann Änderungen nur noch veröffentlichen, aber nicht mehr darüber abstimmen lassen. Man wolle natürlich auch weiterhin auf das Feedback der Nutzer eingehen, versichert Facebooks Vizepräsident für Kommunikation und Marketing Elliot Schrage in der Ankündigung der neuen Nutzungsregeln. Dabei wolle man zukünftig Änderungen auch per E-Mail ankündigen:

Facebook Nutzungsregeln: Künftig sollen die Nutzer kein Mitspracherecht mehr erhalten.

In der Vergangenheit hat dein inhaltlich fundiertes Feedback zu Änderungen an den von uns unterbreiteten Vorschlägen geführt. Wir haben jedoch festgestellt, dass der Abstimmungsmechanismus, der durch eine bestimmte Anzahl an Kommentaren ausgelöst wird, tatsächlich zu einem System geführt hat, das die Quantität der Kommentare über ihre Qualität stellt. Deshalb schlagen wir vor, die Abstimmungskomponente des Verfahrens zugunsten eines Systems zu beenden, das zu inhaltlich sinnvolleren Rückmeldungen und Interaktionen führt.

Wir werden auch weiterhin wichtige Änderungen an unserer SRR und den Datenverwendungsrichtlinien posten und dir sieben Tag Zeit zum Überprüfen und Kommentieren geben. Nach wie vor werden wir dein Feedback sorgfältig prüfen, bevor wir irgendwelche Änderungen übernehmen. Darüber hinaus werden wir zusätzliche Benachrichtigungsmethoden anbieten (u. a. per E‑Mail), um dich über diese Änderungen zu informieren.

Die letzte Abstimmung bei Facebook?

Facebook ist eine Plattform mit über einer Milliarde Nutzer und seit diesem Jahr auch börsennotiert. Da ist es nur logisch, dass sich Mark Zuckerberg und Co. eine gewisse Handlungsfähigkeit sichern wollen. Ewig lange Abstimmungsprozesse zur Einführung von neuen Nutzungsbedingungen, die sich an aktuellen Tendenzen des Marktes orientieren, sind da eher hinderlich. Das will Facebook nun korrigieren. Dass das bei den Nutzern nicht sonderlich gut ankommt, dürfte niemanden mehr überraschen. Auf die Ankündigung zur Änderung des Mitspracherechts, die wieder nur über die Governance Seite verteilt wurde, haben mittlerweile knapp 20.000 Nutzer mit einem Kommentar reagiert. Da die selbst auferlegte Grenze bei 7.000 Kommentaren liegt, ist nun also wieder eine Abstimmung notwendig geworden.

Etwas kurios ist das schon: Da will Facebook ein unliebsames Verfahren loswerden und muss dafür eben dieses Verfahren einsetzen. Dabei besteht für Facebook kaum eine Gefahr die Änderungen nicht durchzubringen. Trotz all der Kritik und der hohen Zahl an Kommentaren, wird die Abstimmung mit ziemlicher Sicherheit scheitern - zumindest aus Sicht der Nutzer. Um die Änderungen am Mitspracherecht noch zu verhindern, müssen mindestens 30 Prozent aller Facebook-Nutzer abstimmen - das sind stolze 300 Millionen Nutzer. Bei der letzten Abstimmung im Sommer hatten am Ende nicht mal eine Million Nutzer abgestimmt. Damit war die Abstimmung für Facebook nicht bindend und die Datenverwendungsrichtlinien konnten von Facebook wie gewünscht geändert werden.

Es gibt keinen Grund zu glauben, dass es diesmal anders laufen könnte.

Kommentar: Facebook verpasst eine Chance

Facebook hat in den letzten Monaten wiederholt mit dem Kredit der Nutzer gespielt und dabei auch Sympathien eingebüßt. Die geplante Abschaffung des Mitspracherechts ist wieder so ein Fall. Dabei hätte sich hier für Facebook eine großartige Chance eröffnet verlorenen Kredit zurückzuholen. Nach Auskunft von Elliot Schrage will Facebook nach der Abschaffung des Mitspracherechts die Nutzer auch per E-Mail auf Änderungen aufmerksam machen und transparent informieren. Das ist schön, richtig und längst überfällig - aber warum bitte nicht schon jetzt sofort, für die gerade in Angriff genommenen Veränderungen?*

So bleibt leider wieder ein sehr bitterer Geschmack hängen. Es macht den Anschein, als wolle Facebook diese Entwaffnung der Nutzer auch gegen deren Willen durchsetzen und erst danach die schon lange geforderte Informationspflicht erfüllen. Zu spät für die Nutzer. Die werden von dieser finalen Abstimmung wieder nichts mitbekommen und auch keine zweite Chance erhalten. Ehrlich, offen und transparent wirkt das leider nicht.

Nun kann man sich natürlich darüber streiten, ob eine Plattform wie Facebook den Nutzern überhaupt ein Mitspracherecht einräumen sollte. Ein Muss ist es sicher nicht, denn auch andere Plattformen tun dies nicht. Dennoch wäre die Aufrechterhaltung des Abstimmungsverfahrens ein Zeichen an die Nutzer gewesen: „Facebook nimmt euch ernst, wir wollen und brauchen euer Feedback, ihr seid Facebook!“ Denn eines darf man hier nicht vergessen: Ohne die Nutzer wäre Facebook nichts wert und die Nutzer bezahlen für die kostenlose Nutzung der Plattform mit ihren ganz privaten Daten - das schreit geradezu nach einer vertrauensvollen Verbindung.

*[Update 29.11.2012]

Die Facebook Deutschland GmbH hat uns gerade darauf aufmerksam gemacht, dass bei diesem Änderungsvorschlag, der jetzt zur Abstimmung kommen wird, erstmals alle Nutzer per E-Mail informiert worden sind. Das ist ein sehr begrüßenswerter Schritt, der hoffentlich dazu führt, dass sich die Nutzer auch informieren, sich eine Meinung bilden und diese auch kommentieren.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: charlesfettinger / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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4 Antworten
  1. von Benjamin_Wagener am 28.11.2012 (14:08 Uhr)

    Habe ich was übersehen? Bisher kann man doch noch gar nicht abstimmen, sondern nur kommentieren, oder?

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  2. von Markus am 28.11.2012 (14:35 Uhr)

    Warum sollte Facebook auch seine User=Kunden abstimmen lassen? Facebook ist ein privates, börsennotiertes Unternehmen und muss sich nicht reinreden lassen.

    Kann ich als Golf-Fahrer bei VW abstimmen? Wenn mir das Produkt nicht passt/gefällt, kann ich als Kunde in sofern abstimmen, dass ich es nicht mehr nutze/kaufe (außer ich bin Großaktionär und habe dadurch Einfluss).

    Und warum sollten die Leute bei Facebook abstimmen, wenn sie es schon bei wirklich wichtigen Dingen wie einer Bundestagswahl nicht tun? Okay, die meisten kapieren beides nicht ...

    Auch Facebook wird nur eine Episode sein und irgendwann nicht mehr diese vermeintlich große Rolle spielen.

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  3. von cephei am 28.11.2012 (17:07 Uhr)

    Das ihr euch ständig beschweren müsst. FB bietet einen Dienst an. Wer den Dienst nutzen will, soll das tun, wer nicht eben nicht. Eine eMail von Facebook mit: Akzeptieren Sie die neuen Nutzungsbestimmungen bis 01.01.2013.
    Wem das nicht passt, darf gerne gehen.
    Wenn ich an meiner Webseite was ändern will, werde ich bestimmt niemanden um Erlaubnis bitten!

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  4. von Axel Hörnke am 02.12.2012 (13:41 Uhr)

    wenn ich die Wahlbeteiligung allein in Deutschland betrachte, dürfte es den meißten Nutzern schlicht und ergreifend wurscht sein

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