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Facebook Open Graph für Entwickler: So funktioniert er

Facebook Open Graph für Entwickler: So funktioniert er

Nachdem auf der f8 letzte Woche die Vorzüge des neuen Open Graph erläutert hat, steht mittlerweile die zugehörige Dokumentation für in einer Betaversion bereit. Wir haben reingeschaut und erklären die Grundlagen.

Facebook Open Graph für Entwickler: So funktioniert er

Facebook Open Graph: Damals und heute

Auf den ersten Blick erscheint die neue Version des Open Graph weniger spektakulär als sie tatsächlich ist. Natürlich ist ihre Funktionalität auch nicht so leicht und plakativ zu erfassen, wie etwa die der ebenfalls neuen Features namens Timeline oder Ticker. Tatsächlich ist es aber die neue Version des Open Graph, die die wesentliche Neuerung des künftigen Facebook ist.

Ursprung des Facebook war der sog. Social Graph. Dieser stellt lediglich die Beziehungen zwischen Personen dar. Weil das auf Dauer unzulänglich ist, brachte Facebook die erste Version des Open Graph heraus. Hier gibt es eine weitere Dimension der Beziehung, nämlich die des “Likens”. So konnte man fortan Fanpages liken, sowie sonstigen Marken und weiteren Inhalten seine Wertschätzung durch einen Klick auf den sich rasant verbreitenden Like-Button ausdrücken.

Weil diese Version des Open Graph auf Objekte beschränkt ist, die man “mag”, kann damit nur ein Teil des Alltagslebens abgebildet werden. Immerhin mag man nicht alles gleich, bloß weil man es tut. Hier kommt nun die nächste Generation des Open Graph ins Spiel.

Diese jüngste Version bringt fast beliebige Verben in das Beziehungsgeflecht ein. So muss ich ein Buch nicht mehr “liken”, sondern kann es auch ganz profan “lesen”. Ich muss einen Film nicht mehr unbedingt “liken”, sondern kann ihn einfach “anschauen”. Ebenso kann ich ein Gericht “kochen” oder eine Trainingseinheit “laufen”.

Facebook Open Graph: Das Beziehungsgeflecht wird enger

Es liegt auf der Hand, dass diese neu eingeführten Möglichkeiten ein deutlich engeres Beziehungsgeflecht zwischen Personen und Personen, sowie Personen und Dingen oder Tätigkeiten abbilden können, als es über ein starres “Liking” möglich wäre. Die Kooperation mit Spotify oder Netflix zeigt denn auch, wohin die Reise gehen soll. Menschen können über den erweiterten Open Graph weit mehr Informationen aus ihrem Leben preisgeben als sie es zuvor konnten.

Natürlich gab es auch zuvor schon Dienste, wie Last.FM und andere, die den sozialen Aspekt einer Tätigkeit abdeckten. So “scrobble” ich seit Jahren meine Musikgewohnheiten in das soziale Netzwerk Last.FM und vermittle damit denjenigen, die mir dort folgen, entsprechende Lauschempfehlungen. Allerdings ist der Großteil der Menschen nun einmal auf Facebook unterwegs und nur da wird ein vollständiges Bild der hinter dem Account stehenden Person sinnvoll, wenn man das möchte. So stehen hunderten Freunden auf Facebook möglicherweise zwei Handvoll, noch dazu anderer Freunde auf Last.FM gegenüber.

Ähnliche Dienste gibt es für die Hobbies Kochen, Joggen, Biken, Filme schauen. All diese Dienste will Facebook nun insoweit überflüssig machen, als es deren Funktionalitäten in homogener Form auf der eigenen Plattform verfügbar macht. Dabei können es durchaus diese Dienste sein, die sich mit Facebook integrieren. Sie werden dadurch also nicht wirklich im Wortsinne überflüssig, sondern legen lediglich ihre eigenständige Existenz als soziale Netzwerke ab und werden zu Facebook Apps.

Entscheidet sich ein Nutzer, die entsprechende App zu seiner Timeline hinzuzufügen, wird sie homogener Bestandteil der Plattform. Alle Aktionen, die die App auszulösen imstande ist, werden künftig in die drei Kommunikationskanäle Timeline, Newsstream oder Ticker “gescrobbelt”. Gescrobbelt ist hier als Last.FM-Terminologie natürlich eigentlich das falsche Wort, trifft es aber meines Erachtens dennoch gut.

Facebook Open Graph: So integriert sich eine App künftig

Facebook hat sich bemüht, den Integrationsprozess relativ einfach zu gestalten.

Facebook Open Graph: Subjekt - Prädikat - Objekt

Der Aufbau einer Beziehung über den neuen Open Graph stellt sich fast schon natürlichsprachig dar. “Werner kocht Rezept” wäre ein zwar hakeliges, aber ebenso treffendes Beispiel wie “Harry holt das Auto”. Grundsätzlich muss immer ein “Nutzer” (User) eine “Aktion” (Action) an einem “Objekt” (Object) vornehmen.

Facebook Open Graph: User > Action > Object

Facebook liefert ein vordefiniertes Set möglicher Actions und Objects mit, bietet darüber hinaus aber über eine API die Möglichkeit, eigene Sets zu definieren. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche alltagsrelevanten Action-Object-Kombinationen existieren werden.

Um die Aussagekraft des Open Graph weiter zu erweitern, kann die Kombination User-Action-Object ergänzt werden um etwa “with”, “on”, “in”, “at”, “using” oder “via”. So lassen sich Aktionen noch besser beschreiben und zum Beispiel um Ortsangaben, weitere Teilnehmer oder den Namen der App ergänzen, mit der sie ausgeführt wurden.

Facebook Open Graph: Funktionsweise des Open Graph

Für Entwickler ändert sich im Grunde nicht wirklich viel, wenn man mal davon absieht, dass FBML nun wirklich am Ende ist und darauf basierende Apps komplett neu programmiert werden müssen. Bislang schon hatten Entwickler mit Objects zu tun. Das kann in einer Koch-App ein Rezept oder ein ganzes Menü gewesen sein.

Lediglich die Actions waren bislang limitierter. So war es nur möglich, dem Objekt die Action Like zuzuweisen. Nun können weitere Aktionen definiert werden.

Technisch muss für jedes Object eine eigene Seite in der App angelegt werden. Diese Seite stellt das entsprechende Object dar. Zuvor werden Actions und Objects mit Eigenschaften versehen. Prinzipiell reicht es aus, einem Object einen Titel zuzuweisen, um ein gültiges Object zu definieren. In der Praxis wird man jedoch auch Bilder, Beschreibungen und anderen Rich Content hinzufügen wollen. Auf der zum Object gehörende Seite werden die festgelegten Eigenschaften mit Meta-Tags im Head-Bereich der Seite eingebunden.

Facebook Open Graph: Definition einer Object-seite

Wird jetzt der im obigen Beispiel gezeigte Cookie (Object) in der entsprechenden App tatsächlich als gebacken (Action) gekennzeichnet, läuft folgendes ab. Die App tätigt einen Call an die API mit dem Inhalt /me/action:object=Object_URL via POST. Daraufhin greift Facebook via GET auf die Object-URL zu, liest die Meta-Tags aus und ordnet das Object dem entsprechenden Benutzer zu, woraufhin es in den verschiedenen Kommunikationskanälen publiziert wird.

Facebook Open Graph: Ablauf der internen Anbindung eines Object an einen Benutzer

Je nach Wichtigkeit der Aktivität wird sie gegebenfalls im Newsstream der Freunde des Benutzers sichtbar. Sicher erscheint sie im Ticker, dem neuen Echtzeitmedium. In der Timeline erscheinen nur Aktivitäten, die mit nativen Facebook Apps erstellt wurden.

Drittanbieter gelangen nur in der Form von konfigurierbaren Zusammenfassungen und Berichten in die Timeline. Zusammenfassungen beinhalten die Aktivitäten einer App in der Form einer Box. Berichte, ebenfalls in Box-Form, fassen Aktivitäten einer App qualitativ oder quantitativ zusammen (Werner rannte 150 Kilometer im August).

Facebook Open Graph: Berichte müssen nicht unbedingt geshared werden

Timeline-Einträge können auch ganz unterdrückt werden oder nur für den Accountinhaber sichtbar sein. So könnte man sich etwa ein persönliches Trainingslogbuch oder Diättagebuch bauen, das den neugierigen Blicken der Facebook-Freunde verwehrt bleibt.

Was haltet ihr vom neuen Open Graph? Privacy-SuperGAU oder Knüller? Werdet ihr Facebook künftig als Statistiktool für alles mögliche nutzen oder bleibt ihr bei Mafia Wars und Farmville?

Weiterführende Links zu aktuellen Facebook-News auf t3n.de:

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