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Facebook Privatsphäre: Bots verfolgen Links in privaten Chats

Ein überraschender Besucher einer Google-Docs-Seite sorgte bei einem New Yorker Software-Entwickler für die Befürchtung, die CIA könnte seine Facebook Privatsphäre verletzen. Er schaute genauer hin und fand einen bisher nicht bekannten Facebook-Bot.

Facebook Privatsphäre: Bots verfolgen Links in privaten Chats

Facebook Privatsphäre: Bots auch im Chat aktiv

Der Software-Entwickler Matthew W. Meyer staunte nicht schlecht, als er auf einen Besucher einer frisch angelegten Google-Docs-Seite aufmerksam wurde. Den Link wollte er gerade über den Facebook Chat mit einem Freund teilen, doch dieser konnte den Link noch gar nicht kennen, denn Meyer hatte vergessen auf Enter zu drücken - sein Chat-Eintrag war also noch gar nicht übermittelt. Dennoch zeigte das Docs-Dokument einen weiteren anonymen Betrachter an.

Verletzte Facebook Privatsphäre? Dieses Google-Docs-Dokument bekam einen ominösen Besucher, obwohl der Link noch gar nicht geteilt war (Bild: Matthew W. Meyer).

 

Wer war dann aber der ominöse Besucher, wenn nicht sein Freund? Sein erster Gedanke: Die CIA bekommt von Facebook Zugriff auf die Chatprotokolle. Wie ernst er selbst diesen Gedanken genommen hat, schreibt Meyer nicht. Dennoch wollte er es unbedingt genauer wissen.

Er schrieb dazu eine kleine App, die alle Besucher einer Website aufzeichnet. Anschließend postete er die entsprechende URL in das Chat-Fenster von Facebook und schaute in die Aufzeichnung. Hier zeigte sich dann ein Facebook-Bot, der dem in das Chat-Fenster eingefügten Link folgte, der aber noch nicht abgeschickt worden war.

Warum Facebook Bots als Crawler einsetzt

Was sich zuerst etwas beängstigend anhört, hat eine letztlich doch einfache Erklärung: Facebook setzt Bots ein, um Snippets von Links zu besorgen. Diese kleine Vorschau der Inhalte, die sich hinter einem Link verstecken, kennt jeder aus dem normalen Stream und sie sind natürlich auch nicht böse, sondern vielmehr ein Service für die Facebook-Nutzer. Dennoch ist es etwas überraschend, dass dieses Vorgehen auch im privaten Chat Verwendung findet. Zumindest temporär dürften diese Link-Snippets in einer Datenbank gespeichert werden. Was mit den Crawler-Daten anschließend passiert und wie lange sie in der Datenbank verweilen, ist unklar.

Eine Bedrohung für die Facebook Privatsphäre ist im normalen Betrieb aber erstmal nicht zu erkennen, gut zu wissen ist es aber dennoch. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte vertrauliche Links aber besser nicht über den Facebook-Chat austauschen.

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Bildnachweis für die Newsübersicht: Coletivo Mambembe / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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9 Antworten
  1. von Kay am 02.01.2013 (12:23 Uhr)

    >> Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte vertrauliche Links aber besser nicht über den Facebook-Chat austauschen.

    Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte nicht den Facebook-Chat benutzen!

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  2. von andy.mustermann am 03.01.2013 (01:11 Uhr)

    @Erik: Facebook ist recht komplex und selbst dem intelligentesten Menschen wird es nicht gelingen wirklich alle Zusammenhänge auf Anhieb zu begreifen. Dieses hier genannte Phänomen ist sicher hinreichend abstrakt, dass es nicht jedem auf Anhieb klar ist.

    Die t3n-Kritik lässt mich schmunzeln. Wenn du eh schon alles vorher wusstest, warum liest du hier überhaupt noch? Nicht jeder bewegt sich so ausgiebig im Netz, dass er alles mitbekommt. Solche Kanäle wie t3n bündeln diese Informationen nicht nur örtlich sondern auch zeitlich. Und es liegt in die Natur der Sache, dass News-Seiten diese an eine gewisse Masse bringen (wollen).

    Du hast es zwar nicht direkt ausgedrückt, aber ich lese zwischen den Zeilen, dass jemand selbst schuld sei, wenn er nicht alles sofort überblickt. Selbst der Umgang mit dem recht einfachen Hilfsmittel Hammer muss erlernt werden und was ist daran verächtlich, wenn ein soziales Werkzeug im sozialen Kontext erlernt wird?

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  3. von Björn am 07.01.2013 (13:59 Uhr)

    Facebook ist kein gemeinnütziger Verein zur Förderung des sozialen Miteinanders in unserer modernen Gesellschaft, sondern ein Aktienunternehmen, das genauso hart und rücksichtslos Gewinne erwirtschaften muss wie andere Konzerne, die Menschen ausbeuten, Tiere quälen oder unsere Umwelt vernichten.

    Über so naive Träumer, die sich da über einen kleinen Link im Chat wundern, kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Was glauben diese Leute eigentlich, nach welchen Prinzipien Facebook arbeitet? Fairness? Rücksichtnahme? Ehrlichkeit? Das ist leider nicht die Währung, mit der an der Börse Wertpapiere gehandelt werden.

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  4. von andy.mustermann am 07.01.2013 (18:42 Uhr)

    Aha. Alle börsennotierten Unternehmen agieren also unfair, rücksichtslos und verlogen?

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  5. von Björn am 07.01.2013 (19:16 Uhr)

    Solange der Markt sie dafür belohnt, ganz bestimmt. Es gibt für Unternehmen an der Börse überhaupt keine Anreize sich anders zu verhalten.

    Bei Facebook ist das Potential allerdings besonders groß, weil es kaum möglich ist, das tatsächliche Verhalten dieses Konzerns und die Schäden für die Zukunft zu bewerten. Mich persönlich stört nur diese allgemeine Naivität bei dem Thema. Wer erwartet denn bitte von diesem Konzern, dass er sich besser verhält als ein jeder Ölkonzern, der regelmässig die Natur auf unserem Planeten in Gefahr bringt? Oder jedem Modelabel, dass unter miesen Bedingungen produzieren lässt? Mit diesen Konzernen steht Facebook in einer Reihe und bettelt um Kapital.

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  6. von andy.mustermann am 07.01.2013 (19:36 Uhr)

    Ich denke, dass nicht jedes Unternehmen Wachstum und Gewinn als oberste Priorität hat, sondern dass es sicher auch „menschlichere“ Unternehmen trotz Börsennotierung. Doch das ist natürlich mehr Wunschdenken bar besserem Wissen. Ich habe dazu nicht genug Einblick in die Materie. Und ich denke nicht, dass man mangelnden Einblick und Unwissen einfach mit Naivität gleichsetzen kann.

    Deinen Ölkonzern-Vergleich verstehe ich nicht, wenn du ihn in Bezug zu Umweltsauereien stellst. Du meinst sicherlich die Rücksichtslosigkeit.

    Ich finde schon, dass man von einem augenscheinlich rücksichtslosen Unternehmen mehr Rücksicht verlangen kann. Es liegt doch in unserer Natur, dass wir Vertrauen aufbauen, um nicht ständig über alle Aspekte nachdenken zu müssen, dazu ist der Verstand ja auch einfach zu langsam. Nur weil Facebook sich oft rücksichtslos verhält, heißt das doch nicht, dass jegliches Gebaren aus Rücksichtslosigkeit und Gier geschieht. Das ist mir zu Schwarz-Weiß gedacht. Demnach müsste man Facebook generell den Rücken kehren. Leider ist Facebook lange nicht mehr so isoliert, dass es für jeden einfach verzichtbar wäre. Die Kausalitäten sind viel komplexer, dass man einfach von "selber schuld" reden kann.

    Versteh mich nicht falsch. Ich denke zu wissen, was du mit der Naivität meinst und ich stimme da auch zu, doch was oder wem hilft es, das zu verachten? Deshalb sind solche Artikel, die für manche (vor allem Fachleute) selbstverständlich erscheinen, immer wieder mal für Dankanstöße gut.

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  7. von Tanja am 08.01.2013 (09:17 Uhr)

    Wieder einmal ein Grund mehr, nicht alle seine persönlichen Daten und Gespräche bei FB zu veröffentlichen.

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  8. von Björn am 08.01.2013 (10:25 Uhr)

    @Andy: Ich finde Deinen Aspekt richtig gut! Facebook ist ein Monopol und niemand fragt sich, welche katastrophalen Auswirkungen das hat oder haben wird!

    Verhält sich Shell zum x-ten mal rücksichtslos und gierig, kann ich im Zweifel woanders tanken oder dagegen demonstrieren. Lässt H&M wiederholt zu unterirdischen Bedingungen seine Klamotten nähen, kaufe ich woanders sein. Kommt mir bei der nächsten Berichterstattung über Tiermisshandlungen und widerliche Tierhaltung die innere Wut hoch: Dann esse ich eben irgendwann kein Fleisch mehr.

    Fakt ist aber doch: Facebook muss genauso sein Geld an der Börse verdienen wie all diese Unternehmen, die sich eben so rücksichtslos und schädlich verhalten. Da kann man nicht erwarten, dass ausgerechnet dieses Unternehmen nach dem Prinzip "Fairness" handelt.

    Doch was tun wir, wenn Facebook unsere Daten an die Schufa, Geheimdienste o.ä. verkauft? Was passiert, wenn irgendwann jemand herausfindet, dass es bei Facebook den "Bundeswurm" vom Innenministerium gibt?

    Können wir dann wirklich einfach Facebook den Rücken kehren?

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  9. von andy.mustermann am 08.01.2013 (13:46 Uhr)

    @Björn: Mal schauen, wie lange Facebook sein Monopol behält. Google+ ist ja nun auch nicht mehr so klein, aber bei denen hat man ja im Grunde auch nur die Verlagerung des Problems.

    Solange alles in zentraler Hand ist, besteht immer irgendwie die Gefahr, dass das irgendwann ausgenutzt wird, ob nun vorsätzlich oder durch Unachtsamkeit oder gar Überforderung. Und je größer die Monopolstellung, desto mehr Menschen sind dann auch betroffen. Im Gegenzug hat eine dezentralisierte Lösung (z. B. mittels einheitlichem Protokoll) eben das Problem, irgendwie auch unkontrollierbarer zu sein. Kontrolle ist ja immer dann gewünscht, wenn Missbrauch betrieben wird.

    Wenn man ein Risiko sieht und es nicht für tragbar hält, sollte man die Sache meiden. Oft nur kann man das ja erst abschätzen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Bei Facebook wird es ein dickes Kind und ein noch größerer Brunnen sein.

    Der gesellschaftliche Nutzen der zentralen Vernetzung hat eben auch die Kehrseite, dass im Falle eines „Schadens“ dieser viele betrifft.

    Die meisten Menschen handeln erst, wenn sie etwas begriffen haben. Im Gegensatz zum Verstehen, was ein Akt des Verstandes ist, erfordert Begreifen auch eine gewisse Erfahrung durch Erleben. Manchmal reicht dazu ein Beispiel wie in diesem Artikel, um etwas auf sich übertragen und nachvollziehen zu können. Dabei ist die emotionale Komponente nicht unwichtig, wenn man sich quasi betroffen fühlt.

    Ich habe Facebook übrigens aus anderen Gründen den Rücken gekehrt. Egal, was ich unternahm, irgendwie hatte ich immer das Gefühl viel zu viel über Facebook nachzudenken, auch wenn ich gar nicht online war. Manchmal gar im Bett. Ich habe Dinge getan, alleine um sie zu posten. Und ich habe irgendwann festgestellt, dass dieses Posten irgendwie für mich vor allem den Zweck hat ein Gefühl von Anerkennung, Zugehörigkeit und Identität zu wecken. Sicher keine unwichtigen Gefühle, aber diese in so großem Umfang virtuell zu befriedigen machte mich misstrauisch. Es fehlt mir da an Authentizität und es ist zu viel Interpretationsspielraum dabei. Wenn ich jemandes Reaktionen real erlebe, basieren die Emotionen eben nicht rein aus Interpretation, sondern aus Erleben und vielschichtiger Wahrnehmung.

    Dennoch spannend, ob die Menschheit diese Richtung nehmen wird und ich einfach nur eine aussterbende Spezies bin, der die Adaption an die vernetzte Gesellschaft nicht gelingen will. Ich denke es zeigt in die richtige Richtung, aber wir alle lernen gerade durch ein euphorisches Übermaß mangels Erfahrung und mangels ausgereifter Technik. Der Zeitaufwand und Selektionsaufwand ist derzeit in meinen Augen ungesund.

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