Facebook sagt: „Project Spartan ist im Grunde nicht der Rede wert, jedenfalls kein Angriff auf Apple“

Da hat TechCrunch etwas losgetreten, mit dem Facebook offenbar nicht gerechnet hatte. Autor MG Siegler hatte vor einigen Tagen berichtet, Facebook würde sich mit einem geheimen Projekt für den Angriff auf Apples App Store rüsten. Glaubwürdigkeit erhielt die Aussage durch Sieglers Behauptung, er habe persönlichen Einblick in das Projekt nehmen können. Insbesondere der Teil des Berichts, der Facebook gegen Apple positioniert, scheint den Facebook-Verantwortlichen wenig Freude zu bereiten. Seit gestern läuft die Facebook PR-Maschinerie auf Hochtouren. Tenor: „Project Spartan ist im Grunde nicht der Rede wert!“

TechCrunch: Autor MG Siegler glaubt, sich im Krieg zu befinden

MG Siegler ist stinksauer. Von Journalistenkollegen wurden ihm Mails aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei zugeleitet, die auf eine recht unmissverständliche Weise deutlich machen sollen, Siegler habe hier mindestens übertrieben, wenn nicht nachgerade Unfug geschrieben. Facebook liefert auch jeweils Textvorlagen mit, die die angeschriebenen Journalisten in ihrer Berichterstattung doch bitte berücksichtigen mögen. Es sei wichtig, zu verdeutlichen, dass Facebook keineswegs einen Angriff auf plane.

Nach Sieglers Ermittlungen sind tatsächlich bereits einige Medien, auch größere, wie etwa GigaOM auf den Facebook-Zug gesprungen. Deren aktuelle Berichterstattung liest sich laut Siegler wie ein Abdruck der entsprechenden PR-Mails aus dem Hause Facebook. Was ihn besonders aufbringt, ist der Umstand, dass die Facebook-Informationen als „Hintergrundinfos“ aufgebaut sind. Das bedeutet, der verwendende Journalist wird sie so einbauen, dass sie nicht als offizielle Facebook-Meinung dargestellt werden, sondern eher als Rechercheergebnisse zum Thema, wodurch sie natürlich eine ungleich höhere Glaubwürdigkeit erreichen.

Parallel zu der Maßnahme, bei Journalisten mit einer Fülle so genannter Hintergrundinformationen eine veränderte Wahrnehmung des Project Spartan zu erreichen, wandte sich Facebook mit einiger Vehemenz auch an die am Project Spartan beteiligten Entwickler. Diese wurden deutlich auf die bestehenden Geheimhaltungspflichten hingewiesen. Zusätzlich wurde gefordert, man möge künftig in den entwickelten Apps „Sicherheitsfunktionen“ implementieren. Sicherheitsfunktionen nach Sieglers Lesart sind Trackingfunktionen, um nachvollziehen zu können, wer wann welche Information zu und aus welcher App erhalten haben könnte.

Nach Sieglers Meinung dreht sich die PR-Maschinerie deshalb so heftig, weil Facebook sich vor der Reaktion Apples fürchtet. Natürlich habe Facebook genau den von ihm heraufbeschworenen Angriff auf Apples eigenes Ökosystem vor, man traue sich jedoch nicht, das offen zuzugeben. Er schließt seinen sehr aufgeregt formulierten Beitrag mit den Worten, man befinde sich nun im Krieg („We are at war, after all.“).

Das klingt alles sehr dramatisch, aber MG Siegler ist schließlich auch neben Arrington irgendwo die Dramaqueen bei TechCrunch. Nach seiner Auffassung lügt Facebook mit Blick auf Project Spartan was das Zeug hält, nüchterner betrachtet kann man jedoch auch zu anderen Schlüssen kommen.

facebook mobilnutzung
Facebook: Die Bedeutung der mobilen Plattform steigt schnell

Project Spartan: Weniger aggressiv als gedacht?

Sieglers Interpretationen mal beiseite gelassen, ist das Project Spartan zunächst nichts weiter als das konzentrierte Voranbringen moderner Webtechnologien auf der Basis der Facebook-Plattform. Dagegen wird Apple nichts haben, immerhin gehört das Unternehmen selbst zu den größten Verfechtern von HTML5 und tut seit Jahren alles, um dem Standard zum Durchbruch zu verhelfen. Der Mobile Safari gilt als einer der fortschrittlichsten Browser bezogen auf neue Technologien und wird seitens Apple mit Vehemenz fortentwickelt. Die „Nitro“ Javascript Engine etwa beschleunigt seit iOS 4.3, also seit März 2011, auch die mobile Version des Safari. Auch am konsequenten Verzicht auf Flash erkennt man das fast schon starre, jedenfalls kompromisslose Festhalten an W3C-Standards.

Interessanterweise soll Apple sich sogar an der Entwicklung im Project Spartan beteiligt haben. Unklar ist, in welchem Ausmaß und ob das Projekt zu diesem Zeitpunkt bereits das geheimnisvolle Project Spartan war. Weiterhin führt Apple selber ein Verzeichnis von Web Apps. Allerdings befindet sich dieses nicht gerade im Zustand reger Entwicklung, was letztlich jedoch nicht Apple, sondern der Entwicklergemeinde zur Last gelegt werden muss. Das Angebot jedenfalls ist da.

Nicht jeder, der Web Apps für mobile Geräte entwickelt, plant Apples App Store in den Konkurs zu treiben. Das Voranbringen mobiler Entwicklung auf der Basis offener Standards, wie es Facebook nun offenbar konzentriert tut, ist kein Nachteil für Apple, sondern im Gegenteil ein Vorteil. Je mehr Infrastruktur für mobile Geräte nutzbar wird, umso mehr Menschen werden auf mobile Nutzung setzen. Die Frage, ob Apps nativ oder universell sein sollten, ist dabei nicht von besonderer Bedeutung.

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Facebook: Bedrohen sie wirklich Apple mit dem massiven Einsatz von HTML5?

Wir werden im Verlauf der nächsten Monate sehen, wie Apple reagiert. Ein weiteres deutliches Zeichen für offene Webstandards könnte es sein, wenn Apple mehr Geräte-APIs für den Zugriff aus HTML5 öffnen würde. Warum kann man mit Twitters ansonsten guter Mobilapp keine Bilder hochladen? Warum haben Web App-Entwickler keinen Zugriff auf Viewport-Funktionalität, etwas das Rotieren der Bildschirminhalte? Hier deutet einiges darauf hin, dass Apple einige, dabei wichtige Funktionen den Entwicklern nativer Apps vorbehalten will, was in Anbetracht der geschäftlichen Bedeutung des App Stores für Apple und die Entwicklercommunity völlig nachvollziehbar ist. Da könnte man sich allerdings noch mehr Offenheit wünschen.

Andererseits gelten diese funktionalen Einschränkungen auch für alle im Project Spartan zu entwickelnden Apps. Es ist ja schlichtweg blauäugig, zu glauben, Facebook könnte hier mit einigen Dutzend, meinetwegen auch hunderten oder tausenden von Apps den Umsturz in der virtuellen Distribution schaffen. Funktionen, die Apple nicht zugänglich macht, bleiben nicht zugänglich, auch für Facebooks Spartaner nicht. Und der Wettbewerb der Apps untereinander wird nunmal im Wesentlichen über Funktionalitäten entschieden.

Der einzige interessante Punkt, der letztlich dem Project Spartan innewohnt, ist die Monetarisierungsmöglichkeit über Facebooks Creditsystem. Da die Monetarisierung bei reinen Web Apps herkömmlich schwierig ist, könnte diese Lösung in der Tat zu regerer Entwicklungstätigkeit führen und die Zahl der Web-Applikationen nennenswert steigern. Aber auch hier gilt, dass das in sich kein Nachteil für Apple, sondern ein Vorteil für mobile Plattformen insgesamt ist.

Was allerdings eintreten könnte, ist, dass sich irgendwann für native App-Entwickler die gleiche Erkenntnis zeigt wie jüngst bei Twitter: „Ihr müsst auf der Wertschöpfungsleiter einige Sprossen höher klettern!“

Weiterführende Links:

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11 Answers

  1. von David Maciejewski 18.06.2011 (14:23Uhr) 1.

    Webentwickler haben durch CSS-Mediaqueries auf jeden Fall die Möglichkeit, auf den Viewport im MobileSafari zuzugreifen, bzw Elemente je nach Viewport anders aufzubauen. Die Apple-Leute waren auch die ersten, die die Unterstützung für CSS-Mediaqueries in ihren Browsern implementiert hatten.

  2. von dpetereit 18.06.2011 (14:49Uhr) 2.

    Da war ich zu unpräzise. Ich meinte Zugriff bezogen darauf, etwa die Bildschirmrotation aus einer WebApp heraus verhindern oder eben erzwingen zu können.

  3. von Facebook sagt: „Project Spartan ist im… 18.06.2011 (16:01Uhr) 3.

    [...] Weiterlesen bei t3n >> [...]

  4. von Robert Agthe 18.06.2011 (18:11Uhr) 4.

    Ist im Grunde egal allet. Schlammschlacht = Klicks für beide Seiten. Und Klicks == $. Das übliche rappeln in der Kiste eben.

  5. von Facebook-App für das iPad verspricht to… 20.06.2011 (08:30Uhr) 5.

    [...] ist das auch vor dem Hintergrund, dass Facebook angeblich mit dem „Project Spartan“ auf Apples bisher hermetisch abgeriegelten System einen eigenen [...]

  6. von Zuckerberg: „Nächste Woche startet Fa… 01.07.2011 (07:09Uhr) 6.

    [...] iPhone-App für das Photosharing gelten. Eine weitere Möglichkeit besteht im Launch des geheimen Project Spartan, einer Erweiterung der Facebook-Plattform in Richtung eines App Stores mit HTML5-Anwendungen. [...]

  7. von Zuckerberg: „Nächste Woche startet Fa… 01.07.2011 (07:09Uhr) 7.

    [...] iPhone-App für das Photosharing gelten. Eine weitere Möglichkeit besteht im Launch des geheimen Project Spartan, einer Erweiterung der Facebook-Plattform in Richtung eines App Stores mit HTML5-Anwendungen. [...]

  8. von Zuckerberg: „Nächste Woche startet Fa… 01.07.2011 (07:09Uhr) 8.

    [...] iPhone-App für das Photosharing gelten. Eine weitere Möglichkeit besteht im Launch des geheimen Project Spartan, einer Erweiterung der Facebook-Plattform in Richtung eines App Stores mit HTML5-Anwendungen. [...]

  9. von Facebook reagiert „nächste Woche&… 01.07.2011 (12:35Uhr) 9.

    [...] t3n.de-Artikel Spartan Facebook Photosharing [...]

  10. von Facebook: Ist Project Spartan gegen Goog… 06.07.2011 (07:19Uhr) 10.

    [...] Darum gibt es nämlich mindestens genau so viele Gerüchte. Aus Entwicklerkreisen ist zu vernehmen, dass Facebook im Juli eine HTML5-Plattform auf der Basis automatischer Facebook-Logins starten will. Wir berichteten darüber. [...]

  11. von Project Spartan: Facebooks neue HTML5 Mo… 30.09.2011 (16:36Uhr) 11.

    [...] Facebook sagt: „Project Spartan ist im Grunde nicht der Rede wert, jedenfalls kein Angriff auf App... - t3n News [...]

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