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Facebook startet automatisches Sharing in Deutschland – Music Apps machen den Anfang

    Facebook startet automatisches Sharing in Deutschland - Music Apps machen den Anfang
#FLICKR#

Das Facebook-Feature „automatisches Sharing“ ging bei der Vorstellung im September etwas im Trubel um die Facebook Chronik unter. Jetzt ist das neue Feature in Deutschland gestartet und kaum einer hat es bemerkt.

Automatisches Sharing in Deutschland angelaufen

Offiziell befindet sich der neue Open Graph von Facebook noch in der Beta-Testphase, doch die ersten Apps pushen bereits Nutzeraktivitäten in den Newsticker und in die neue Facebook Chronik, wie Jürgen Vielmeier bei Basic Thinking berichtet. Den Anfang machen in Deutschland einige Musik Apps wie Simfy und Deezer. Auch die Musikvideo-Plattform Tape.tv ist in Deutschland schon mit dabei.

Auch die App von The Guardian benutzt automatisches Sharing als Feature bei Facebook.

Kritiker sehen im „Frictionless Sharing“, was so viel wie automatisches Sharing oder Teilen bedeutet, einen weiteren Angriff auf die Privatsphäre der Nutzer. Wer seinen Facebook-Account mit den entsprechenden Apps verknüpft, muss künftig damit rechnen, dass die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Nutzung der Apps in den Newsticker und auch in die Facebook Chronik fließen. Die Nutzer haben darauf nur bedingt Einfluss, denn es ist den App-Anbietern überlassen, ob sie das automatische Sharing standardmäßig aktivieren und ob sie den Nutzern eine Option zum Deaktivieren geben.

Automatisches Sharing: Mehr Interaktionen als Zielsetzung

Der Ansatz von Facebook ist ebenso klar wie verständlich. Das automatische Sharing von Aktivitäten soll auf der einen Seite die Interaktionrate zwischen den verbundenen Nutzern erhöhen und auf der anderen Seite soll dadurch die Plattform für Contentanbieter noch attraktiver werden. Und das könnte durchaus gelingen, sollte das Frictionless Sharing bei den Nutzern nicht auf zu viel Widerstand stoßen.

Schema der Open Graph Beta, mit der Facebook auch das Frictionless Sharing umsetzt.

Für Publisher ist der neue Open Graph mit der Funktion „Automatisches Sharing“ ein Traum. Dabei spielt es keine Rolle, welche Inhalte über eine App verbreitet werden, denn mit dem Feature bekommen Inhalte wie die dazugehörigen Apps eine zusätzliche Viralität innerhalb der Freundeskreise. Jedesmal wenn ein Nutzer eine App mit automatischem Sharing benutzt, wird der entsprechende Inhalt als Aktivität in den Newsticker und in die Facebook Chronik geschickt. Auch in den normalen Newsstream können die Open-Graph-Aktivitäten gelangen, wenn sie vom EdgeRank als relevant eingestuft werden. Die Freunde sehen dann beispielsweise im Newsticker, dass ein bestimmtes Lied gehört, ein Video angesehen oder ein Artikel gelesen wurde. Klicken sie dann auf diese Meldung, so gelangen sie nicht direkt zum Inhalt, sondern müssen erst den Umweg über die App gehen. Nur wer diese ebenfalls installiert, kann dann auf den entsprechenden Inhalt zugreifen.

Mit dieser Methode können sich Apps sehr viel schneller verbreiten, als sie es bisher tun. Und mit jedem neuen App-Nutzer steigt der virale Effekt weiter an.

Automatisches Sharing vs Likes

Nun könnte man denken, dass das automatische Sharing auch nicht sehr viel anders funktioniert als ein Like. Auch die Klicks auf den Like-Button fließen ja in den Newsticker, den Stream und die Chronik. Dennoch gibt es einen wichtigen Unterschied: Ein Like kann man als eine persönliche Bewertung sehen, oft liest man in diesem Zusammenhang auch von einer Empfehlung. Ganz gleich wie man es einordnen möchte - der Klick auf den Like-Button geschieht in der Regel bewusst und freiwillig.

Automatisches Sharing: Die Likes könnten schon bald überflüssig sein. (Foto: GOIABA (Goiabarea) / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Mit dem automatischen Sharing wird dem Nutzer diese bewusste Entscheidung abgenommen, beziehungsweise auf eine einmalige Entscheidung reduziert. Entscheidet man sich also für die Nutzung einer Frictionless-Sharing-App, so erteilt man damit unter Umständen der App die Berechtigung, alle Aktivitäten automatisch zu verbreiten. Aktive Entscheidungen des Nutzers sind dann nicht mehr notwendig. Die Einschränkung besteht in der Option, dass die App-Entwickler selbst entscheiden können, ob sie auf das automatische Sharing bestehen oder ob sie es den Nutzer überlassen wollen, dieses Feature zu verwenden oder nicht.

Wünschenswert wäre es auch Sicht der Nutzer, dass alle Apps eine Option zum Deaktivieren des automatischen Sharings anbieten würden. In der Realität wird das aber sehr wahrscheinlich anders aussehen, denn der theoretische Benefit für die Contentanbieter ist einfach zu verlockend. Und eine Option zur grundsätzlichen Deaktivierung in den Privatsphäre-Einstellungen sucht man leider vergeblich. In der Praxis hat es sich in der Vergangenheit aber schon oft als nicht sehr klug herausgestellt, die Nutzer mit einem Zwang zu belegen, von dem erstmal nur die Anbieter profitieren.

Natürlich kann das automatische Sharing auch Vorteile für die Nutzer mitbringen. Beispielsweise erfährt man so, welche Musik im Freundeskreis gerade angesagt ist, so zumindest stellt es Facebook dar. Es stellt sich hier aber die Frage, inwieweit ein einfaches Anhören schon eine soziale Empfehlung bedeutet, denn nicht jedes Lied, in das man reinhört, gefällt einem auch.

Macht Facebook mit dem automatischen Sharing den gleichen Fehler wie beim Werbeprogramm „Beacon“? Auch hier wurden Aktivitäten der Nutzer auf Partnerseiten zu Werbezwecken automatisch in den Profilen veröffentlicht. Nach anhaltenden Protesten stampfte Facebook „Beacon“ wieder ein und Mark Zuckerberg bezeichnete das Programm später wiederholt als Fehler.

Weiterführende Links zum Thema automatisches Sharing bei Facebook:

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12 Reaktionen
Vincent
Vincent

Irgendwie steig ich da noch nicht so ganz durch. Wie funktioniert das Ganze denn? Muss man da bei FB eingeloggt sein, dass News automatisch an die Timeline hinzugefügt werden. Oder geht das über Cookies die deine Aktivität speichern und dann wenn du dich einloggst bei FB alle gespeicherten Aktivitäten an deine Pinnwand hauen?

Trotzdem seh ich es wie viele hier eher als Nachteil für FB, ab jetzt wird jeder Sch... gepostet und niemand weiß ob derjenige das mag oder nicht. Das deaktivieren wird wahrscheinlich auch so eine Sache sein die man, wie üblich, nicht findet.

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Niklas H.
Niklas H.

Gehören zu diesen Share-Apps auch simfy und Co dazu? Oder vertue ich mich gerade?

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János
János

Wer möchte dieses „Frictionless Sharing“ wirklich? Doch nur die Werbekunden, oder? Und der User, der Nutzer, das Mitglied oder wie auch immer, ist Herrn Zuckerberg so ziemlich egal solange der allmächtige Algorithmus alle Daten richtig verknüpft und den Streuverlust von Werbung auf ein Minimum reduziert. Warum sonst sollte Facebook angeblich 50 Milliarden Dollar wert sein? Nein, wer bei Facebook ein Profil hat ist kein Kunde, er ist das Produkt. Automatisches Teilen und die Chronik sind nur zwei weitere kleine Bausteine , um "das Produkt" so gut wie möglich zu vermarkten.

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Dani
Dani

Qausie Automatische Werbung auf Kosten von usern, wow gratulation...

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Frank
Frank

Vielleicht hat das Ende von Facebook bereits angefangen und keiner merkt es weil noch immer ein Anstieg sichtbar ist wie bei einem Parabelflug, aber wenn die Stimmung umschlägt, ist es als ob man einer Horde Katzen hinterher rennt, die User sind dann weg.

Ich wage es sogar zu vermuten, dass sich eine Art generelle Social Media Müdigkeit einstellen könnte, dass ständig online und überall präsent sein nicht mehr so wichtig ist, dass Offline sein In sein wird und Online nur noch sehr selektiv stattfindet.

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vssmnn
vssmnn

Immer mehr Total Control und Information Overload. belangloser Mist, welcher Milliardenfach geshared und reproduziert wird, daran erstickt Facebook gottseidank mal. Unmengen sogenannter "Must have" Apps, die dann doch keiner benötigt, oder weil die Masse schon jetzt nicht mehr durchsieht. So langsam find ich die alten Yahoo Geocities Zeiten besser, da war man "unter sich".

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David Maciejewski

Dieses Feature hat nichts mit Social Media zu tun, da es keine soziale Herkunft hat - es stammt nicht von Menschen. Facebook wird mit solchen Nomsensmeldungen zugemüllt werden. Es wird nicht mehr darum gehen, was die „Freunde“ machen, sondern wie man ausschließlich persönliche Infos erhält.
Zudem werden sich demnächst immer mehr User aufregen, für die das einfach zu kompliziert ist. Ist jemand krank gemeldet, der Chef sieht aber minütlich, was du wo machst, hagelt es eine Kündigung. Ich erwarte erste Berichte aus den Staaten.
Ich lasse Facebook links liegen und damit auch dieses Feature.

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Frank
Frank

Hab neulich über die Zukunft Facebooks diskutiert. Facebook wäre zu mächtig, könne nicht verdrängt werden, hieß es.
Stimmt wohl, aber Facebook kann sich selbst demontieren und das geht leichter und schneller als es jegliche Konkurrenz tun könnte.
Wenn die Stimmung einmal auf "Good Bye Facebook" geschwenkt ist, kehrt sie nicht mehr so schnell um. Das lässt sich sehr gut an allen anderen noch bestehenden oder gescheiterten Social Media Plattformen beobachten.

Es gibt einen alten Trick in der Social Media Branche: Die Mitglieder ernst nehmen.

Das tut Facebook momentan nicht, im Gegenteil. Facebook profitiert davon, dass die meisten Mitglieder alles hinnehmen oder sich mit den Umständen und verlbiebenen Möglichkeiten zu arrangieren versuchen.
Die wenigsten wagen den einzigen Schritt, den Facebook versteht.

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Eva Ihnenfeldt
Eva Ihnenfeldt

Der öffentliche Mensch bei Facebook... Ist ja nett, dass Facebook alles tut, um seine Werbepartner glücklich zu machen, doch sind nicht auch die User in irgendeiner Form Kunden? Oder nur Massentierhaltungsobjekte mit Marktwert? Wer will denn ernsthaft, dass alle "Freunde" und Freundesfreunde bei Facebook wissen, wenn man Kuschelrock, Böhse Onkelz oder Black Metal hört? Ich denke, der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht - ich wechsel jetzt wirklich zu Google+ - die sammeln zwar auch meine Daten, aber sie sind wenigstens End-Kunden freundlicher

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Jan
Jan

Jeder kann entscheiden was veröffentlicht wird und was nicht! Habt ihr euch mal eine App installiert?

Wie bei jeder Facebook App erscheint ein Permission-Dailog. Dort wird auch Frictionless aufgeführt "Anwendungsaktivitäten zu deiner Chronik hinzufügen". Diese Permission kann entweder komplett entfernt werden, oder so eingestellt werden, dass nur bestimmte Nutzer (oder gar keine) die Aktionen sehen können. Beacon war etwas ganz anderes. Einfach ein wenig mit den Einstellungen der App beschäftigen und fertig.

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Raoul
Raoul

Ne, also ich möchte immer noch selber entscheiden, wenn und was ich teile. Und da brauche ich nichts, was diesen persönlichen Vorgang automatisiert, so nett sich das auch in der Theorie anhören mag.

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A. P.
A. P.

siehe guten, kritischen Artikel in c´t zum thema Facebooks neue Bestrebungen: http://www.heise.de/ct/artikel/Facebook-1354429.html .
Auch gut:
http://www.heise.de/ct/artikel/Editorial-1363463.html

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