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Facebook startet Nachrichtenzentrale mit E-Mail, SMS und Chat

Facebook startet Nachrichtenzentrale mit E-Mail, SMS und Chat

hat wie erwartet eine neue Nachrichtenzentrale vorgestellt, die den Nutzern des weltweit größten E-Mail, SMS und Chat unter einer zentralen Oberfläche anbieten soll. Die E-Mail soll dabei aber keinesfalls im Zentrum stehen, sondern eher eine sinnvolle Ergänzung darstellen. „E-Mail ist eine Einbahnstraße“ erklärte Facebook CEO und verwies auf die vielen anderen digitalen Kommunikationswege, die Facebook bereits seit langer Zeit bietet.

Facebook startet Nachrichtenzentrale mit E-Mail, SMS und Chat

Nachrichtenzentrale mit Intelligentem Posteingang für E-Mail, SMS und Chats

Im Zentrum der neuen Nachrichtenzentrale von Facebook steht ein neuer Posteingang, in dem zunächst sämtliche Nachrichten und Chats der Facebook-Freunde zusammengeführt werden. Entscheidet sich ein Anwender dazu, auch E-Mails und SMS in diese Inbox laufen zu lassen, so können diese Nachrichten mit wenigen Klicks in den Posteingang der Kommunikationsplattform verschoben werden. Das System merkt sich dann diesen Vorgang und zeigt später automatisch alle Nachrichten des Absenders der verschobenen Nachricht in der Facebook-Inbox an.

Screenshot der neuen Nachrichtenzentrale von Facebook.

Kommunikation in Echtzeit, aber kein Google Mail Killer

Auch beim Versenden von Nachrichten soll die Nachrichtenzentrale intelligent arbeiten. Wer einem Kontakt eine Nachricht schreiben möchte, sollte dies einfach tun, den geeigneten Zustellweg wählt sich das System dann automatisch.  Entscheidend für den gewählten Zustellweg ist dabei die aktuelle Erreichbarkeit des anderen Nutzers und dessen Einstellungen. Dadurch sei jederzeit eine maximale Geschwindigkeit bei der Weiterleitung von Nachrichten gewährleistet - etwas was ein E-Mail-Dienst alleine nicht leisten könne. Die Kommunikationsplattform von Facebook soll vielmehr verschiedene Kommunikationsstränge nahtlos zusammenführen. Ein Google Mail Killer sei das neue Angebot von Facebook aber nicht, sagt Mark Zuckerberg. „Google Mail ist doch cool, wer möchte, soll es auch ruhig weiter nutzen“, erklärt er weiter. Wer allerdings ohnehin permanent bei Facebook angemeldet ist und die Plattform schon jetzt für die private Kommunikation nutze, für den könnte die normale E-Mail schon bald in den Hintergrund treten.

E-Mail-Adressen mit @facebook.com

Nachdem Facebook die Domain fb.com gekauft hatte, wurden @fb.com-Adressen für den Facebook-E-Mail-Dienst  in den Medien hoch gehandelt. Jetzt erhalten die über 500 Millionen Facebook-Nutzer aber doch Adressen mit dem Zusatz @facebook.com, die nach dem Schema profil.name@facebook.com automatisch generiert werden. Die @fb.com-Adressen dagegen werden für die eigenen Mitarbeiter verwendet. Noch ist die neue Nachrichtenzentrale von Facebook nicht für jeden Nutzer freigeschaltet. Wie üblich wird Facebook nach und nach alle Nutzer mit einer E-Mail-Adresse ausstatten und ihnen Zugang zum neuen System gewähren. Wer sich über den Start in seiner Region informieren lassen möchte, kann dies auf der Facebook Messages Seite mit einem Klick auf den Button unten rechts in die Wege leiten.

Auf der Landingpage der Nachrichtenzentrale kann man sich von Facebook benachrichtigen lassen, sobald der Dienst verfügbar ist.

Der größte Schwachpunkt der Facebook Nachrichtenzentrale

Für einen echten Ersatz für Freemail-Anbieter wie Windows Live Hotmail, Yahoo Mail oder Google Mail fehlt es der Nachrichtenzentrale von Facebook noch an einem wichtigen Feature: Das Abrufen der E-Mails und anderen Nachrichten muss über die Facebook Plattform geschehen, eine Möglichkeit zur Integration des Accounts in einen E-Mail-Client gibt es derzeit nicht. Allerdings sollen die Standards POP3 und IMAP irgendwann auch unterstützt werden. Bis es soweit ist, bleibt die Nachrichtenzentrale ein geschlossenes System ohne wirklichen Mehrwert. Eine E-Mail-Adresse hat ja schon jeder der bei Facebook einen Account hat, denn sonst könnte er sich ja nicht registrieren.

Auswirkungen auf die Privatsphäre

Facebook hat in der Vergangenheit wenig Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer gelegt und immer wieder für Kritik an der Sicherheit und der Verletzung der Privatsphäre gesorgt. Da ist es nur normal, dass man gerade bei einer neuen Nachrichtenzentrale etwas genauer hinschaut. Und in der Tat sind auch hier wieder Probleme vorprogrammiert. Wie Mark Zuckerberg in der Vorstellung gestern Abend selbst einräumte, sammelt die neue Nachrichtenzentrale E-Mail-Adressen von Personen, da das neue System nur so funktionieren könne.

Das könnte dann auch andere Bereiche der Nachrichtenzentrale betreffen. Unklar sind beispielsweise noch die Auswirkungen des mobilen Zugriffs, denn das neue System soll auch vom Smartphone aus erreichbar sein. Sollten hier auch die Mobilfunknummern zur Versendung von SMS-Nachrichten gesammelt werden, dürfte das vielen Nutzern wohl nicht gefallen.

Der größte Kritikpunkt ist aus meiner Sicht aber die Möglichkeit Nachrichten auch an Nicht-Kontakte schicken zu können. Natürlich geht dies auch jetzt schon, allerdings ist der Aufwand dafür aktuell noch recht hoch, da man dazu die jeweilige Profilseite des Nutzers aufsuchen muss. Das wird mit der Nachrichtenzentrale von Facebook jetzt eindeutig leichter und wird Spammer geradezu anlocken. Zwar will Facebook dafür sorgen, dass Spam automatisch ausgeblendet wird und Nachrichten von Nicht-Freunden sollen in einen Unterordner verschoben werden, dennoch bleibt da ein fader Beigeschmack.

Weiterreichende Informationen über die Einstellungen der Nachrichtenzentrale gibt es zur Zeit noch nicht, dennoch wird es eine Schwachstelle geben, die auch über die restriktivsten Privatsphäre-Einstellungen nicht geschlossen werden kann. Da Facebook-Nutzer über ihre Facebook-E-Mail-Adresse auch externe E-Mail-Adressen anschreiben können, werden diese Adressen wohl unweigerlich in die große Datensammlung von Facebook einfließen.

Schon in der Vergangenheit hat Facebook über die Vernetzungs-Funktion „Wer ist bei Facebook - Finde Deine Freunde“ versucht Zugriff auf die E-Mail-Adressen in den verschiedenen Accounts der Nutzer bei Webmail-Anbietern zu erhalten. Allerdings wurde diese Funktion nicht nur zum Vorschlagen weiterer Freunde mit einem Facebook-Konto genutzt, sondern auch für Einladungen von Personen, die noch nicht bei Facebook sind.

Noch ist völlig unklar, wann die Facebook Nachrichtenzentrale bei uns in Deutschland an den Start gehen wird. In den USA wird es nach Aussage von Mark Zuckerberg noch einige Wochen dauern, bis alle Nutzer ihren Zugang haben. Es könnte in Deutschland also durchaus noch bis zum nächsten Jahr dauern. In diesem Fall ist das vielleicht sogar ein Vorteil, denn so haben wir Zeit, mit einem Blick über den großen Teich genau zu beobachten, wie das System funktioniert, welchen Mehrwert es bringt und welche Schwachstellen es tatsächlich gibt. Daraus sollten sich dann auch Empfehlungen für die Privatsphären-Einstellungen ergeben.

Facebook-Entwickler Joel Seligstein erklärt die neue Nachrichtenzentrale:

Weitere Informationen und Links zum Thema:

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3 Antworten
  1. von Falk Hedemann am 16.11.2010 (11:33 Uhr)

    @Tino Siehe zweiter Eintrag in der Linkliste ;-)

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  2. von pedjo am 16.11.2010 (16:38 Uhr)

    wunderbar so kann facebook noch mehr informationen sammeln und wachsen so wie google es schon seit jahren macht. war nur eine frage dr zeit bis jemand dieses konzept für sich nutzt aber ich bezweifle das viele user ihre emails und sms weiterleiten lassen. aber mal abwarten google kommt bestimmt auch nch mit neuerungen ausser instant search und telefonie über googlemail. die erste 3D Community gibt es auch schon mit integrierter Chat Funktion wenn dies alles vernetzt wird dann bekommt jeder bald so präziese zugeschnittene Werbung in sein postfach, auf sein Smartphone und bald auch im tv.

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