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Marketing

„Kannibalismus“ und „Vergewaltigung“: Auch nach diesen Interessen können Werber auf Facebook suchen

    „Kannibalismus“ und „Vergewaltigung“: Auch nach diesen Interessen können Werber auf Facebook suchen

Düsteres Facebook-Targeting. (Bild: Flickr-Sudhamshu / CC-BY-2.0)

Die Filtermöglichkeiten auf Facebook sind umfangreicher als bisher gedacht. Anzeigen an Nutzer mit Interessen wie „Kannibalismus“, „Nekrophilie“ und „Vergewaltigung“ zu richten, ist kein Problem.

Facebook-Targeting. (Bild: Flickr-Sudhamshu / CC-BY-2.0)
Düsteres Facebook-Targeting? Auch Interessen wie „Kannibalismus“, „Nekrophilie“ und „Vergewaltigung“ sind auffindbar. (Bild: Flickr-Sudhamshu / CC-BY-2.0)

Dass Facebook zielgerichtete Werbung von zahlenden Unternehmen an die Nutzer ausspielt ist bekannt. Damit verdient das Soziale Netzwerk sein Geld. Interessierte werden indes glauben, dass sich das Targeting jedoch vor allem auf Interessen wie Fußball, Kochen oder Kino stützt. Eher wenige Personen würden auf die Idee kommen, dass Interessensfelder wie „Herrenrasse“ oder „Inzest“ als Filterkriterien zulässig sind – doch weit gefehlt.

Die Kollegen von Online-Marketing-Rockstars sind über derartige Target-Filtermöglichkeiten gestolpert, als sie eine Anzeige im Interessensfeld „The Verge“ (ein amerikanisches Online-Magazin) buchen wollten. Nachdem die Zeichenfolge „verge“ eingetippt wurde, ist die Interessenskategorie „Vergewaltigung“ in Verbindung mit einer Vielzahl von Nutzern aufgeploppt, schreibt Roland Eisenbrand. Etwas verwundert über diese Kategorien, hat das Team weitere fragwürdige Begriffe eingegeben – darunter unter anderem „Kinderpornografie, „Inzest“, „Herrenrasse“, „Nekrophilie“, „Sodomie“, „Anorexie“, „Kannibalismus“, „Endlösung der Judenfrage“, „Konzentrationslager“, „Bukkake“, „Joint“ sowie „Pornografie“.

Facebook akzeptiert Werbefilter wie „Kinderpornografie, „Inzest“ oder „Vergewaltigung“. (Screenshot: onlinemarketingrockstars.de)
Facebook akzeptiert Werbefilter wie „Kinderpornografie, „Inzest“ oder „Vergewaltigung“. (Screenshot: onlinemarketingrockstars.de)

Filtermöglichkeiten dienen Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen

Während Begriffe wie „Bukkake“ oder „Pornografie“ noch ein durchaus legales Feld abbilden und allenfalls mit den Geschäftsbedingungen des Sozialen Netzwerks kollidieren könnten, dürften andere Begriffe wie „Nekrophilie“ oder „Kannibalismus“ ein höchst illegales Interessensfeld abbilden. Die Frage drängt sich also auf, warum diese Filtermöglichkeiten für Werbeanzeigen zulässig sind?

Laut einem Unternehmenssprecher sind die Interessensfelder notwendig, da es viele Organisationen gibt, die anhand derartiger Missstände breite Aufklärungs- und Präventionskampagnen auf Facebook schalten. Die Antwort im Wortlaut: „Wenn man beispielsweise eine Seite wie ‚gegen-missbrauch e.V.’ mit ‚Gefällt mir’ markiert, kann das ein Indikator dafür sein, um in die Interessenkategorie ‚Missbrauch’ aufgenommen zu werden. Es geht hier also definitiv nicht um Neigungen. Diese Kategorien mögen auf den ersten Blick merkwürdig erscheinen, erfüllen aber dennoch einen Sinn. Denn Facebook wird sowohl von Regierungsorganisationen also auch NGOs wie zum Beispiel Amnesty International genutzt, um über Missstände aufzuklären und Präventionsarbeit zu leisten.“

Müssen sich Nutzer neben diesen Anwendungsfällen dennoch fürchten, dass Werbeanzeigen illegal agierender Protagonisten im Facebook-Kosmos schwirren? Die Antwort dürfte hier mit großer Sicherheit „Nein!“ lauten. Denn alle Anzeigen werden vor der Veröffentlichung auf die Einhaltung der Werberichtlinien geprüft. Darin steht unter anderem auch, dass die Bewerbung illegaler Produkte untersagt ist.

Facebook-Nutzer können zugeordnete Interessen einsehen

Interessant dürfte für die Nutzer in diesem Kontext sein, ob die automatisierte Zuordnung derartige Begriffe aus irgendeinem Grund auch auf sie zutrifft. Wie die Online-Marketing-Rockstars weiter schreiben, kam es in der Vergangenheit beispielsweise häufig zu Fehlinterpretationen. Nutzer, die die Facebook-Seite von „Farin Urlaub“ abonniert haben, bekamen nicht selten Werbeanzeigen aus der Tourismus-Branche serviert. Wer insofern Seiten wie „Netz gegen Nazis“ abonniert hat, könnte irrtümlicherweise einem rechtsextremen Milieu zugeordnet werden. Wer sehen möchte, welche Interessen einem zugeordnet sind, kann im Einstellungsbereich seine Nutzerdaten herunterladen. Für Nutzer in den USA ist es möglich, die Interessen direkt einzusehen.

via www.onlinemarketingrockstars.de

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3 Reaktionen
Torben Lux

Der Kollege heißt Roland Eisenbrand - nicht Eisenbrach ;)

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Carlo

sehe das ähnlich wie fb selbst. zwar gibt es die möglichkeit illegale werbung bzw targeting zu betreiben, aber deswegen ist die ganze idee noch nicht illegal.

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T. Koll

Als Strafverteidiger suche ich solche Begriffe täglich. Illegal ist das zum Glück nicht. Höchstens verdächtig. Wenn dann aber irgendein Bessere-Welt-Filter solche Suchen verhindert ist das einfach nur ärgerlich.

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