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Ein starkes Team? Das sind die Gründe für Facebooks WhatsApp-Übernahme

Ein starkes Team? Das sind die Gründe für Facebooks WhatsApp-Übernahme

kauft – mit 16 Milliarden US-Dollar die mit Abstand teuerste Übernahme in Facebooks Geschichte. Doch warum blättert so eine exorbitante Summe für die Messenger-App hin? Eine Analyse.

Ein starkes Team? Das sind die Gründe für Facebooks WhatsApp-Übernahme

Um 16 Milliarden Euro leichter: Facebook. #FLICKR#

Facebook und WhatsApp: Ein starkes Team?

Facebook hat sich die Mobile-Messaging-App WhatsApp einverleibt. #FLICKR#
Facebook hat sich die Mobile-Messaging-App WhatsApp einverleibt. (Foto: marcopako  / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Facebook kauft WhatsApp für 16 Milliarden US-Dollar. In der Mitteilung des Sozialen Netzwerks heißt es dazu lapidar, dass Facebook und WhatsApp dieselbe Mission verfolgen: Beide Unternehmen wollen „die Welt noch stärker vernetzen und Nutzen durch effiziente, bezahlbare Internet-Services stiften“. Gemeinsam könne man das jetzt noch besser. Und natürlich betonen sowohl Mark Zuckerberg als auch WhatsApp-Gründer Jan Koum, wie lange und gut sie sich schon kennen und wie sehr sie sich freuen, von nun an zusammen zu arbeiten.

Doch natürlich sind diese Beteuerungen höchstens ein Bruchteil der Gründe für die teuerste Firmenübernahme in Facebooks Geschichte. WhatsApp ist für das Unternehmen von erheblicher strategischer Bedeutung – und sei es nur als Konkurrent, den Zuckerberg mit dem Kauf „ausschalten“ konnte.

Facebook sucht Anschluss bei den Mobile Messengern

Seit über einem Jahr vollzieht Facebook den Schwenk hin zum Mobile-First-Unternehmen. Dass es mit seinem Kurs erfolgreich ist, zeigen nicht zuletzt die beeindruckenden Geschäftszahlen aus dem vergangenen Jahr, die Facebooks Aktienkurs zu einem neuen Höhenflug verholfen haben.

Doch während Facebook damit beschäftigt war, den Anschluss im Mobile-Segment zu finden, haben Konkurrenten wie WhatsApp, die den Mobile-Gedanken von Beginn an in ihrer DNA haben, die Märkte erobert und sich als Alternativen für die Smartphone-Kommunikation etabliert. Zum Vergleich: WhatsApp gibt es seit 2009, Facebooks eigener ging erst 2011 an den Start.

Als Facebooks Messenger 2011 auf den Markt kam, hatte er gegenüber WhatsApp bereits Nachholbedarf. (Foto: Nguyen Hung Vu  – via flickr , Lizenz   CC BY 2.0)
Als Facebooks Messenger 2011 auf den Markt kam, hatte er gegenüber WhatsApp bereits Nachholbedarf. (Foto: Nguyen Hung Vu – via flickr , Lizenz CC BY 2.0)

Mobile: WhatsApp hat die „Emerging Markets“

Noch immer registrieren sich täglich rund eine Million neue Nutzer bei WhatsApp, ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Zuckerberg selbst hat betont, er gehe davon aus, dass WhatsApp bald eine Milliarde Nutzer miteinander vernetzen wird, was das Unternehmen besonders wertvoll mache. Wie das auf die aufstrebenden Märkte fokussierte Marktforschungsunternehmen Jana herausgefunden hat, ist WhatsApp der meistgenutzte Messenger in Indien, Brasilien, Mexiko und mehreren afrikanischen Märkten wie Kenia oder Nigeria.

Das birgt großes Potenzial auch für Facebook, dessen Wachstum in den westlichen Märkten mittlerweile weitgehend gesättigt ist. In WhatsApp hat Facebook jetzt einen Partner mit einem extrem hohen Verbreitungsgrad in genau den Märkten, in denen das Mobile Web schon heute größere Bedeutung hat als das Surfen am PC.

WhatsApp-Nutzerzahlen in den aufstrebenden Märkten (Quelle:   Jana Mobile)
WhatsApp-Nutzerzahlen in den aufstrebenden Märkten. (Grafik: Jana Mobile)

Facebook braucht die Teenager

Dass Facebook Probleme hat, junge Nutzer zu akquirieren und zu binden, ist nicht erst seit der Studie von iStrategyLabs im Januar ein heißes Thema: Die Analysten wollen herausgefunden haben, dass Facebook innerhalb von drei Jahren mehr als ein Viertel der 13- bis 17-Jährigen Nutzer abhanden gekommen sind. Viele Jugendliche tauschen Nachrichten und Fotos demnach lieber in Privat-Chats aus, statt diese bei Facebook zu veröffentlichen, wo sie weniger Kontrolle über den Empfängerkreis haben – und womöglich die eigenen Eltern mitlesen. Neben WhatsApp hat von diesem Trend zuletzt Snapchat profitiert, welches Zuckerberg mit seinem Übernahmeangebot allerdings auflaufen ließ.

Teenager-Zielgruppe: Lieber private Messenger als Facebook. (Bild: Flickr-Luci Correia / CC-BY-2.0)
Teenager-Zielgruppe: Lieber private Messenger als Facebook. (Bild: Flickr-Luci Correia / CC-BY-2.0)

WhatsApp: Auch für Google ein Übernahmekandidat

Ein weiterer Faktor für die teure Übernahme wird Facebook-Konkurrent Google gewesen sein, der zumindest gerüchtehalber ebenfalls die Fühler in Richtung WhatsApp ausgestreckt hat: Vor nicht einmal einem Jahr versetzte die Meldung des Magazins Digital Trends, Google stehe seit mehreren Wochen in Übernahmeverhandlungen mit WhatsApp, die Tech-Branche in Aufruhr. Das Gerücht wurde schnell dementiert, allerdings von WhatsApp, nicht von Google.

Neeraj Arora, der heute für das Business-Development bei WhatsApp verantwortlich ist, wechselte schon Ende 2011 von Google zum aufsteigenden Messaging-Dienst – und das, wie wiederum Digital Trends berichtete, weil er während eines von Google unternommenen Übernahmeversuchs auf den WhatsApp-Geschmack gekommen sei. Auch Google hat Nachholbedarf auf dem Markt der mobilen Messenger und dürfte in WhatsApp daher ähnliches Potenzial gesehen haben wie Facebook.

WhatsApp-Übernahme: Facebook hatte keine andere Wahl

Zuckerberg hat 2014 wohl nicht zum ersten Mal mit WhatsApp über eine mögliche Übernahme durch Facebook gesprochen. Ein Grund, warum der Deal jetzt erst zustande gekommen ist, dürfte im exorbitant hohen Kaufpreis gelegen haben.

Wie TechCrunch konstatiert, muss Zuckerberg eingesehen haben, dass er entweder in den sauren Apfel beißt und das Geld auf den Tisch legt, oder in Kauf nimmt, dass WhatsApp ihn bei den genannten Nutzergruppen endgültig abhängt. Und das konnte das mächtigste Social Network der Welt dann nun doch nicht einfach hinnehmen.

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7 Antworten
  1. von Christian am 20.02.2014 (11:46 Uhr)

    Mal gucken ob Whatsapp Werbefrei bleibt :-) Ach ja Beitrag erhöhen würde ja auch noch gehen. Ich bin mir aber sicher Nr. 1 oder 2 eintreffen wird....

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  2. von jan am 20.02.2014 (13:59 Uhr)

    Ehrm kleiner Fehler 19 Milliarden US$ oder 16 Milliarden €.

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  3. von Lea Weitekamp am 20.02.2014 (14:12 Uhr)

    Hi Jan, wir sprechen von 16 Milliarden US-Dollar, weil das der offiziell von Facebook angegebene Kaufpreis ist. Hinzu kommen 3 Milliarden Dollar in Restricted Stock Units für die Gründer und Mitarbeiter von WhatsApp. Die wechseln aber nicht sofort den Besitzer. Daher haben wir die hier – und auch in unseren anderen Artikeln – aus der Rechnung ausgeklammert.

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Lea

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  4. von Karl am 20.02.2014 (15:08 Uhr)

    Prozentzahlen sind keine Nutzerzahlen. Auf welches Basis beziehen sie sich?

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  5. von Lea Weitekamp am 20.02.2014 (15:13 Uhr)

    Hallo Karl, die Studie von iStrategyLabs wird in dem verlinkten t3n-Artikel zitiert. Dort sind die Nutzer nach Altersgruppen in absoluten Zahlen und in Prozent angegeben. Hier noch einmal der Direktlink: http://istrategylabs.com/2014/01/3-million-teens-leave-facebook-in-3-years-the-2014-facebook-demographic-report/.

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Lea

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  6. von Elv am 20.02.2014 (19:58 Uhr)

    Die ganzen Sicherheitsmängel haben mich relativ kalt gelassen. Aber Facebook. Nein! Bei dieser Datenkrake will ich nicht sein. Schade, dass mein Adressbuch schon bei WhatsApp ist, aber ich hoffe die nehmen eine Konto-Löschung wenigstens ernst.

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  7. von Dataminer am 22.02.2014 (03:34 Uhr)

    Die Übrnahme: der letzte und endgültige Grund für mich nach Alternativen (z.B. Threema) zu suchen. Heml.is hats leider bisher nicht hinbekommen, auch wenn ich und einige viele, viele mehr "mitgebacken" haben. Aus meiner Sicht ist das Ende der Fahnenstange nun erreicht und ich verabschiede mich schlussendlich von WhatsApp. Ich hoffe und denke, dass einige viele diesen Einkauf bemerken und noch einmal nachdenken ...

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