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Kampf um den Video-Thron: Warum Facebook die größte Bedrohung ist, die YouTube je hatte

    Kampf um den Video-Thron: Warum Facebook die größte Bedrohung ist, die YouTube je hatte

Das Office von YouTube in Tokyo.

YouTube feiert gerade sein zehnjähriges Bestehen. Seit einer Dekade steht der Name des Google-Dienstes als Synonym für „Video im Web“. Doch jetzt ist Facebook dabei, diese privilegierte Stellung von YouTube zu zerstören. Der umtriebige Konzern bedroht die Marktführerschaft des Video-Portals wie niemand zuvor, wie Martin Weigert in seiner Kolumne „Weigerts World“ erklärt.

Facebook macht YouTube Konkurrenz

Noch haben es nicht alle mitbekommen, aber vor den Augen der Netzöffentlichkeit spielt sich gerade ein dramatischer Kampf um die Hoheit in einem der wichtigsten Sektoren der Digitalbranche ab: Videos. Zehn Jahre lang gab es keine Zweifel daran, wer bei den kostenfreien, auf Reichweite orientierten Videoportalen den Ton angab: YouTube natürlich. Doch ausgerechnet zum Jubiläum gerät dieser Status ins Wanken. Eine der wenigen Konstanten der schnelllebigen Web-Landschaft droht zu einem Relikt der Vergangenheit zu werden. Verantwortlich dafür? Facebook – das YouTube immer stärker Konkurrenz macht.

Mit mehr und mehr Funktionen macht Facebook YouTube in Sachen Video Konkurrenz. (Screenshot: TechCrunch)
Mit mehr und mehr Funktionen macht Facebook YouTube in Sachen Video Konkurrenz. (Screenshot: TechCrunch)

Noch vor zwei Jahren hatte Facebook mit Videos wenig am Hut. Sicher, schon seit einer Ewigkeit sind Anwender von facebook.com in der Lage, neben Fotos auch kurze Clips hochzuladen. Eine große Rolle haben Bewegtbildinhalte für den Dienst aber nicht gespielt. Doch 2013 hat sich das geändert. Irgendwann fiel zwischen Konzernchef Mark Zuckerberg und seinen Kollegen im Facebook-Management der Entschluss, Videos zu einem Eckpfeiler der künftigen Strategie zu machen. Die Anreize dafür liegen auf der Hand: Videos lassen sich extrem gut vermarkten, außerdem sind sie ein ideales Mittel, um User auf der Plattform zu halten und durch Viralität weitere Anwendergruppen zu erreichen.

Auto-Play als Startpunkt für Facebooks Video-Offensive

„Facebook geht es darum, Schlüsselakteure der Bewegtbild-Wertschöpfungs-Kette enger an sich zu binden.“

Ende 2013 hat Facebook dann eine für die gewählte Zielstellung kritische Änderung implementiert: Seitdem werden von Nutzern oder Seitenbetreibern zu Facebook hochgeladene Videos im Newsfeed automatisch gestartet. User kann das zwar durchaus nerven, aus Sicht der Video-Produzenten entsteht so jedoch ein klarer Vorteil gegenüber dem Verlinken von bei YouTube gehosteten Clips: Sie werden sehr schnell von sehr viel mehr Menschen gesehen. Der Unterschied bei der Anzahl der Views kann gravierend ausfallen, wie dieses Beispiel dokumentiert.

Die Aktivierung von Auto-Play ist nur eine von vielen Maßnahmen, die Facebook in der jüngsten Vergangenheit ergriffen hat, um sowohl bei Video-Kreateuren als auch Usern das über Jahre entstandene mentale Bild von YouTube als einzigem ernstzunehmenden Akteur im Videobereich zu eliminieren. Der Newsfeed-Algorithmus ist hinsichtlich der Darstellung relevanter Videos optimiert, die Präsentation von Video-Inhalten auf offiziellen Facebook-Seiten visuell an YouTube angelehnt und jüngst die Möglichkeit zum Einbetten von bei Facebook hochgeladenen Videos in externe Websites eingeführt worden. Auch diverse weitere, von YouTube bekannte Funktionen findet man mittlerweile bei Facebook. In der vergangenen Woche hat das Unternehmen zudem ein neues Programm präsentiert, das Medienunternehmen und Werbekunden mit dem Ziel zusammenbringen soll, Bewegtbildanzeigen für Facebook-Videos zu produzieren. Dem Unternehmen geht es dabei vor allem darum, Schlüsselakteure der Bewegtbild-Wertschöpfungskette enger an sich zu binden.

Facebook vs. YouTube :Die Zahlen sprechen für sich

Ein Blick auf die Zahlen macht umissverständlich klar, dass Facebooks Einsatz von Erfolg gekrönt ist: Im Rahmen der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen ist von steigenden Erlösen durch Video-Anzeigen die Rede. Auch erklärt das Unternehmen, dass es mittlerweile vier Milliarden Videos pro Tag ausliefert. Im September 2014 waren es nur eine Milliarde täglich. YouTube hat den Meilenstein von vier Milliarden Views Anfang 2012 erreicht. Das zu Google gehörende Videoportal benötigte über zwei Jahre, um von einer Milliarde auf vier Milliarden zu gelangen. Bei Facebook dauerte das nur sieben Monate. Man muss hier zwar berücksichtigen, dass durch das automatische Starten von Videos im Facebook-Stream die Views im Vergleich zu YouTube etwas entwertet worden sind – dennoch ist die rasante Zunahme bei Facebook bemerkenswert.

Das größte der sechs Studios im YouTube Creator Space ist fast 500 Quadratmeter groß. (Foto: Moritz Stückler)
YouTube bietet seinen professionellen Nutzern eine Menge – bis hin zu eigenen Studios. (Foto: Moritz Stückler)

Noch fehlen Facebook einige entscheidende Elemente, um YouTube seine führende Rolle bei den Reichweiten-Videoplattformen endgültig streitig zu machen – etwa ein zentraler Dienst, den Nutzer gezielt ansteuern können, um Videos zu konsumieren und zu suchen. Auch bietet YouTube viele professionelle Inhalte, Musikvideos und Serien sowie Film-Content. Nicht zu vergessen ist zudem die Vielzahl an Netz-Berühmtheiten mit Millionen von Fans, die YouTube in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat, und die für einen weichen Lock-in.Effekt sorgen. Solange die vielen sogenannten „YouTube-Stars“ YouTube als primärer Plattform treu bleiben, ist die Gefahr eines akuten Bedeutungsverlusts von YouTube auf breiter Front deshalb gering. Andererseits aber ist ein Wechsel für die Bewegtbild-Promis nicht allzu schwer. Das bekannte deutsche Netz-Comedytrio Y-Titty hat gut drei Millionen Abonnenten bei YouTube und eine Million Fans bei Facebook. Wenn es gute Gründe dafür gäbe, die Plattform-Prioritäten zu verändern, wäre das für kreative Videokünstler kein Ding der Unmöglichkeit. Dass Facebook Usern das manuelle Starten von Videos „erspart”, ist aus Sicht der Videoproduzenten ein mögliches Argument.

Videokonsum und Push vs. Pull

„Zu YouTube begibt man sich eben nur, wenn man explizit auf Videokonsum aus ist.“

Noch besitzt YouTube eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen, die den Dienst gegen ein plötzliches Wegbrechen der Relevanz absichern. Doch es ist wohl damit zu rechnen, dass Facebook eines Tages eine mobile App nach dem Vorbild von YouTube auf den Markt bringt. Dann würde es beide Formen des Video-Konsums abdecken können: Push, also das Platzieren von Clips in Feeds und Streams auf Basis von Nutzerpräferenzen und Algorithmen, sowie Pull, das gezielte Ansteuern einzelner Inhalte durch den Nutzer. In Sachen Push sieht YouTube aufgrund des Fehlens eines starken sozialen Netzwerks im Google-Universum alt aus. YouTube selbst ist der größte Erfolg Googles, wenn es um die Vernetzung von Anwendern geht. Aber zu YouTube begibt man sich eben nur, wenn man explizit auf Videokonsum aus ist.

Zehn Jahre lang war YouTube das Synonym für Video im Web. Diese Positionierung bot für den Dienst allerlei Annehmlichkeiten. Es könnte aber gerade der Mangel an Herausforderern sein, der Schuld daran ist, dass YouTube noch immer keine Gewinne für die Muttergesellschaft abwirft und auch nicht unbedingt als besonderer Innovator unter den Onlinegrößen wahrgenommen wird. Der kraftvoller Vorstoß von Facebook ins YouTube-Territorium muss Google Sorgen machen. Vielleicht aber ist es genau der so entstehende Druck, der bisher gefehlt hat.

Weitere Kolumnen aus „Weigerts World“ findet ihr hier.

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6 Reaktionen
Ruckel-Frei
Ruckel-Frei

Ja. Google+-Zwang verhindert schon das ich Kommentare zu Apps abgebe. Das muss ich dann im Amazon App Store machen.
Wenn man eine starke Stellung im Markt hat, ist Kundenfeedback nicht so wichtig.

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Tom
Tom

Die größte Bedrohung für YouTube ist dieser Google+ Zwang! Hab mein Google+ gelöscht und siehe da, ich kann auf YouTube zwar noch auf alte Playlisten zugreifen aber nichts mehr hinzuzufügen. Die Videos werden privat, kann nicht mehr bewerten und kommentieren. Cooles Grab, das die sich da geschaufelt haben.
Davon abgesehen ist Facebook auf dem sterbenden Ast.

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Kevin S.
Kevin S.

Interessant ist auch, dass Facebook Posts von Seiten mit YouTube Link eine schlechtere Reichweite (bzw. schlechteres Ranking) genießen als Facebook Videos ...

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Ruckel-Frei
Ruckel-Frei

TV hat Radio auch nicht verdrängt. Auch Schallplatten stellen inzwischen wieder 6 Prozent (nicht Promille) vom Markt.
Youtube wird also wohl bestehen bleiben und Facebook zusätzlich einen Teil des Marktes abdecken.

Verschiedene Formate, 3D,... evtl auch Optimierung auf den ruckelfreien Zugriff usw. sind evtl doch Youtube zu verdanken. Allerdings werden solche Dinge immer allgemeiner verfügbar so das Facebook einfacher mitspielen kann als früher.

4k-Kameras usw. werden auch immer günstiger so das Youtubes Konzepte oder neue Konzepte kommen müssen weil in USA viele übers USA-DSL-Netz lästern und offiziell von den (DSL?)-Providern 4MBit als vernünftig angebunden verkündet wird. Amazon Prime Video ist in USA also vielleicht viel schwerer realisierbar als hier.

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Tobi

@ Oink: So weit mir bekannt ist, kann man FB-Video einbetten und der Besucher kann diese auch ohne FB-Account streamen.

Jedenfalls bleibt der Markt spannend, was uns User hoffentlich zugute kommt.

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Oink
Oink

Naja, wir werden sehen was die Zukunft bringt, aber der Überzeugung das Facebook Video eine Bedrohung für Youtube sein soll, kann ich nicht sehen. Ist es nicht auch so, das die Videos von Facebook nur im eingeloggten Zustand zu sehen sind? Kann ich Videos von Facebook in anderen Webseiten einbetten? Die Videos, die ich mal auf meinem Feed gesehen hab, kamen ursprünglich von Youtube oder anderen bekannten Plattformen. Der Socialteil von Youtube kommt einfach von diversen Plattformen aus dem Netz selbst. Wenn ich überlege, wieviele Youtube Videos ich allein über Reddit entdeckt habe (Stichwort reddit.tv).

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