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Facebook-Zensur: Ihr dürft keine irrelevanten und unangebrachten Kommentare posten

Facebook-Zensur: Ihr dürft keine irrelevanten und unangebrachten Kommentare posten

Sieht so die automatisierte Facebook-Zensur aus: „Dieser Kommentar scheint irrelevant oder unangebracht zu sein und kann daher nicht gepostet werden. Wenn du verhindern möchtest, dass deine Kommentare geblockt werden, musst du sicher stellen, dass sie auf positive Art und Weise zu dem ursprünglichen Post beitragen.“ Eine derartige Nachricht erhielt Robert Scoble angezeigt, als er einen Kommentar posten wollte.

Facebook-Zensur: Ihr dürft keine irrelevanten und unangebrachten Kommentare posten

TechCrunch berichtet von einem recht prominenten Opfer der Facebook-Zensur bei Kommentaren. So hätte Robert Scoble einen harmlosen Kommentar zu einem Post abgegeben und das folgende Pop-Up erhalten, das ihn darauf hinwies, dass sein Kommentar entweder irrelevant oder unangebracht sei:

Facebook-Zensur in der Praxis. Das soziale Netzwerk scheint in manchen Fällen zu entscheiden, ob ein Kommentar irrelevant oder unangebracht ist.

Facebook-Zensur: automatisierte Algorithmen und Nutzer-Feedback

Schaut man sich den vollständigen Kommentar von Scoble an, den er in voller Länge auf Google+ veröffentlicht hat, liegt die Vermutung nah, dass bei irgendetwas schief gelaufen ist. Der Kommentar selbst ist nämlich weder verfänglich, noch enthält er Beleidigungen oder Schimpfwörter. Unangenehm für Facebook, dass in diesem Fall eine im Web bekannte Persönlichkeit betroffen ist.

Facebook verlässt sich in der Regel auf eine Kombination aus Algorithmen und Nutzer-Feedback, um unangebrachtes Verhalten zu unterbinden. Da das Netzwerk in vielen Ländern genutzt wird, können Kommentare in einer Kultur akzeptabel sein, während sie in einer anderen Kultur als anstößig wahrgenommen werden - so zumindest die Argumentation für die Notwendigkeit einer Beobachtung von Kommentaren.

Facebook-Zensur oder nur ein falscher Alarm der Spam-Filter? (Foto: IsaacMao / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Dieses System hat natürlich einige Schwächen, denn Algorithmen sind nicht unfehlbar und Nutzer können mit ihrem Feedback Schindluder treiben. So deaktivierte Facebook beispielsweise die Seite des Filmkritikers Roger Ebert im Januar 2011, nachdem einige Facebook-Nutzer diese Seite als anstößig markiert hatten. Die Nutzer hatten sich an einem kritischen Tweet Eberts gestört. Zeitweise wurden auch jegliche Posts und Kommentare blockiert, die das Wort „Lamebook“ enthielten - eine Website mit der Facebook einen Rechtstreit führte.

Facebook-Zensur von Scoble ist kein Einzelfall

Unter dem Google+ Post von Robert Scoble finden sich bereits mehr als 500 Kommentare, von denen einige von ähnlichen Fällen einer fragwürdigen Facebook-Zensur in jüngster Vergangenheit berichten. Ein Beitrag zum Thema auf Scobles Facebook-Page erfreut sich ebenfalls einer regen Beteiligung. Auch wenn es sich in vielen dieser Fälle um Missverständnisse handeln sollte, werfen die Zensurvorwürfe kein gutes Licht auf Facebook.

Scoble hat bezüglich der Facebook-Zensur seines Kommentars auch mit der PR-Abteilung des sozialen Netzwerks gesprochen. Nach deren Aussage wurde sein Kommentar fälschlicherweise als Spam klassifiziert. Demnach wurde der Kommentar nicht blockiert, weil er anstößige Aussagen enthielt, sondern weil das System aus irgendwelchen Gründen davon ausgegangen ist, dass es sich um Spam handelt. Facebook arbeite daran, herauszufinden warum die Algorithmen angeschlagen haben. Man geht davon aus, dass dafür einer oder beide der folgenden Gründe verantwortlich sein könnten:

  1. Scoble hat den entsprechenden Nutzer abonniert, ist aber nicht mit ihm auf Facebook befreundet. Aus diesem Grund würden die Spam-Wachhunde schärfer auf Kommentare reagieren.
  2. Der Kommentar enthielt drei @-Links. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass die Spam-Filter angeschlagen haben.

Ob es sich bei der Zensur von Kommentaren um ein neues Sicherheitsfeature handelt, auf das Facebook seine Nutzer mal wieder nicht hingewiesen hat, ist noch offen. Auch wenn Facebook mit den entsprechenden Algorithmen in erster Linie Spam vermeiden will, hat die versehentliche Zensur von Scobles Kommentar für einigen virtuellen Wirbel gesorgt und wirft allgemeine Fragen auf, die jeder für sich selbst beantworten muss.

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7 Antworten
  1. von Björn am 09.05.2012 (13:38 Uhr)

    Was ist ein @-Link?

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  2. von Aktien handel am 09.05.2012 (13:43 Uhr)

    Ich halte es für gut, wenn die Leute lernen würden, positiver und konstruktiver zu diskutieren. Hate-Postings helfen nur den Fortschritts-Verhinderern. Konstruktive Foren gibt es eher leider nicht oder nur zu Nischenthemen. vdr ist ein positives Beispiel. TV-Foren hingegen enden nach dem 10ten Posting oft in einer Diskussion pro-contra GEZ/ÖR vs. WerbeTV. Apple-Meldungen enden oft in einer DroidBoys-vs-AppleFanbois-"Diskussion" usw. Da kann ich mir auch Parlaments-TV mancher Länder (nicht Deutschland) über Satellit anschauen und wie bezahlte Politiker miteinander umgehen... .

    In abmahnfreien Ländern mit echter Meinungsfreiheit könnte man diese Facebook-"Zensuren" systematisch sammeln und Professoren oder wissenschaftliche Mitarbeiter könnten aus Neugier oder zum Wettbewerb facebooks fehlerhafte Entscheidung algorithmisch erklären und bessere Algorithmen veröffentlichen. Wenn es nicht vielleicht Trivialpatente darauf gäbe würde ich das per Firefox-Plugin machen und den Text und URL des Ursprungs-Postings automatisch an die Sammel-Site melden (oder halt ein Screenshot). Dann kann man Facebook extern "konditionieren" weil (wie bei Fußball) jeder Fehler offen im Web geächtet wird.

    Andererseits kriegt man bei manchen Foren schon Spambots mit und kann nachvollziehen das Worte wie "Vi*gra" u.ä. gesperrt werden. Besonders blöd ist es aber, wenn man nicht weiss welche Worte oder Formulierung problematisch sein sollen. Sowas sollte verboten werden und man sollte immer klar machen, was gefiltert wurde. Wirksame Meldesysteme fehlen auch. Dann würden die Leser die Filterung zu 99% erledigen und die Admins müssten nur noch die Posting-Sperrung bestätigen oder das Posting als korrekt markieren. Neue Postings könnte man von zufälligen Lesern bewerten lassen bis 10-100 Votes ++/--/+/-/~/...vieleTippfehler.../...könnteFreundlicherSein.../...UnfugAberWohlNichtsVerbotenes.../...Spam... beisammen sind. Dann erst kriegt jeder Leser das Posting zu sehen oder eben auch nicht. A/B-Tests z.b. bei Google laufen ja auch so ab das neue Features zufällig für einen Teil der User freigeschaltet werden. Wer nicht mitmachen will weil er zu empfindlich ist, kriegt z.B. nur gute Postings von Republikanern mit mindestens 90% ++-Stimmen (von Republikanern) zu sehen. Niemand muss lesen was seiner Meinung widerspricht und kann posting-mäßig in seinem Milieu verbleiben. "Ein echter Schalker liest keine Bayern-München-Fanboy-Postings.". Google+ könnte sowas liefern und die Zufriedenheit bei Rentnern erhöhen weil man nur zu lesen kriegt was man auch hören will. Das ist in der Abo-Zeitung ja auch schon ewig der Fall. Im PHP-Magazin will man ja auch keine Kritik an PHP lesen. In der Gewerkschafts-Zeitung will man ja auch nicht lesen das Chinesen für viel weniger arbeiten und davon eine teure Stadt-Wohnung und ihre Familie auf dem Lande ernähren können. Im Steakhaus will man ja auch keine Tofu-Platte serviert kriegen. Jeder kriegt, was er will.
    Wer unbedingt will, kriegt dann natürlich auch alle Postings angezeigt. Wenn Hate-Postings keinen Boden finden, werden sie möglicherweise auch weniger gepostet wenn z.b. Droidboy-Hatepostings passend markiert werden. Ob man das Algorithmen oder die Leser-Crowd machen lässt, kann dann jeder selber entscheiden. Die Algorithmen müssten schlau sein und GEZ-vs.-ÖR NeoLiberal-vs.-Links oder Android-iOS-WinPhone-Streits "erkennen" und anhand von Gewichtungen oder Bayes-Filtern oder Keywords adäquat reagieren.
    Ziel solcher Heuristiken wären möglichst wenig Fehler.

    Schade das man sowas vielleicht nirgendwo stressfrei programmieren kann :-(

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  3. von Wishu Kaiser am 09.05.2012 (13:50 Uhr)

    Der Kommentar enthält Google+. Schon damals nach Release von Google+ wurden Beiträge gefiltert, die einen Link oder eine Erwähnung eben dieses Netzwerkes enthielten. Warum also nicht weiter machen?

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  4. von Erik am 09.05.2012 (15:32 Uhr)

    Fratzbuch ist halt Fratzbuch, pech gehabt :)
    Der Artikel und die ganze Angelegenheit mit dem Scoble und so ist dann auch gut gemachte Werbung für den großen Konkurrenten. Google ist ja nicht zimplerlich was unterschwllige PR angeht.

    Die besten Alternativen sind dezentrale Netzwerke wie Friendica, da hat man Ruhe vor solchem Freakscheiß.

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  5. von Fugo am 09.05.2012 (17:15 Uhr)

    Das erinnert an die Borg: "Ihre Antwort ist irrelevant"

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  6. von joa am 10.05.2012 (19:26 Uhr)

    So gewöhnt man sich halt schleichend an Zensur. Danke an alle FB-User!

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  7. von Tobi am 18.05.2012 (14:42 Uhr)

    Kann es sein, dass Facebook auch gezielt Status-Meldungen von Fanseiten zensiert, d.h. nicht in die Timelines der Fans pusht, wenn sie z.B. nackte Haut zeigen?

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